Meine liebsten Büchersendungen

La Grande Librairie

Meine liebste Büchersendung läuft im französischen Fernsehen und heißt La Grande Librairie, ist aber auch bei uns über TV5 Monde mit deutschen Untertiteln zu sehen – meist donnerstags irgendwann zwischen 23.00 und 23.30 Uhr (manchmal auch etwas später). Zurzeit werden Sendungen aus dem Jahr 2016 wiederholt, was sehr passend ist, da viele der damaligen Neuerscheinungen, die in der Sendung vorgestellt werden, ab September in deutscher Übersetzung erscheinen – dank der Tatsache, das Frankreich Gastland der Frankfurter Buchmesse ist und deshalb vermehrt Titel aus dem Französischen übersetzt werden (nur leider keine Phantastik! – fast keine, am 11. September erscheint bei Heyne SF Die Sphären von Pierre Bordage).

Das Heft gibt es kostenlos in der örtlichen Buchhandlung.

Literatur hat in Frankreich einen hohen Stellenwert, zu einer ordentlichen Bildung gehört, die Klassiker gelesen zu haben. Die bekanntesten Sendungen dazu stammen von Bernard Pivot und hießen Apostrophes! und Bouillon de Culture, deren Niveau Kritikern zufolge nie wieder erreicht wurde. Was ich allerdings nicht beurteilen kann, da ich sie nicht kenne.

La Grande Librairie (Die große Bibliothek, oder Buchhandlung) läuft seit 2008 auf France 5, dauert 90 Minuten und wird von François Busnel (der auch hinter dem Konzept steckt) moderiert. In der Regel sitzen um die fünf AutorInnen in der Sendung und unterhalten sich recht ungezwungen über ihre Bücher – und haben meist auch tatsächlich die Bücher der anderen Gäste gelesen.

Besonders gefällt mir an dieser Sendung, dass nicht nur Autoren und Literaturkritiker zu Wort kommen, sondern auch immer wieder Buchhändler – entweder als Gäste in der Sendung oder, in dem ihre Buchhandlungen vorgestellt werden, und sie von ihre Arbeit und Leidenschaft erzählen können – und andere Gäste. In der Sendung vom 17. August, in der es um Jugendbücher ging, saß auch eine Jugendliche. Ich kann mich an keine deutschsprachige Literatursendung erinnern, in der Buchhändler so prominent zu Wort kommen.

Busnel ist ein belesener und humorvoller Gastgeber, der es versteht, seine Gäste ausreichend zu Wort kommen zu lassen und die richtigen Fragen im richtigen Moment zu stellen. Erstmals bin ich auf ihn und seine Sendung aufmerksam geworden, als Stephen King zu Gast war, mit dem er ein einstündiges, sehr interessantes Interview führte.

Einzelne Gespräche aus der  Sendung kann man sich auch auf Youtube ansehen, allerdings ohne Untertitel

Druckfrisch

Seit der ersten Ausgabe im Jahr 2003 bin ich Fan dieser Sendung von Andreas Ammer und Denis Scheck. Manch einer wirft Scheck vor, er wäre effekthascherisch, wenn er Bücher in die Tonne kloppt oder sich was Lustiges zur Präsentation einfallen lässt. Für mich ist er der Einzige im deutschen Fernsehen, dem es gelingt, Bücher wirklich unterhaltsam zu präsentieren, so dass ich richtig Lust auf einige der vorgestellten Bücher bekomme – auch wenn ich nicht immer einer Meinung mit ihm bin. Und was die Tonne angeht, in der jene Bücher landen, die bei seiner Bestsellerlistenbesprechung durchfallen: das ist keine Mülltonne, sondern eine Transportkiste für Bücher, mit der die Bücher aus dem Lager transportiert werden, in dem Scheck die Bücher vorstellt.

Nur finde ich es sehr schade, dass die Sendung im Nachtprogramm versteckt wird, aber dieses Schicksal teilen ja fast alle guten, anspruchsvollen Programme bei den Öffentlich-Rechtlichen. Da kann man schon froh sein, wenn sie die überhaupt noch produzieren, damit sie so tun können, als hätten sie wirklich Interesse daran, ihrem Bildungsauftrag nachzukommen und würden nicht auf die Quoten schielen.

Mit einer halben Stunde ist sie auch viel zu kurz. Das reicht gerade mal, um mit zwei, oder drei Autoren (die er meist vor Ort besucht, wie z. B. Ray Bradbury, Umberto Eco oder Paul Auster) knappe Gespräche zu führen und noch schnell ein, zwei Bücher in wenigen kurzen Sätzen vorzustellen.

Denis Scheck ist auch der einzige Literaturkritiker im Fernsehen, der phantastische Literatur bespricht und empfiehlt. Alle anderen wirken, wenn sie darauf angesprochen werden, als wäre das für sie etwas, von dem sie noch nie gehört hätten. Volker Weidermann vom literarischen Quartett antwortete auf die Frage, ob er aktuelle deutschsprachige Phantastikautoren nennen können: Franz Kafka, der sei doch phantastisch.* Ijoma Mangold gestand im letzten lesenswert Quartett, als man dank Denis Scheck Freie Geister (The Dispossessed) von Ursula K. Le Guin besprach, dass dies das erste Science-Fiction-Buch seines Lebens sei. Es kann natürlich jeder lesen und besprechen, war er will, dennoch weist es auf einen etwas eingeschränkten Blick auf die Literatur hin.

*Ergänzung vom 26.8.2017: Im aktuellen Literaturspiegel bespricht Volker Weidermann Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr und attestiert Autor Walter Moers Topform.

lesenswert Quartett

Das lesenswert Quartett ist eine Büchertalkshow in der Tradition des literarischen Quartetts, die, wenn ich das richtig überblicke, vier Mal im Jahr stattfindet. Jeweils vor der Leipziger und der Frankfurter Buchmesse, um aktuelle Bücher zu besprechen, und zweimal im Jahr mit einer Klassikerausgabe. Drei Literaturkritiker und ein Gast (manchmal ein Autor, manchmal ein Kritiker) sitzen neunzig Minuten in einer Gesprächsrunde und unterhalten sich über vier aktuelle Titel (entweder ganz neue Bücher oder Neuauflagen). Was die Runde für mich besonders macht, ist der Humor und die Lust am Lesen, mit der die Bücher dort besprochen werden. Die Chemie zwischen den Diskutanten stimmt, sie werden nie verbissen oder verkrampft und nehmen es locker, wenn jemand total anderer Meinung ist.

Anfangs bestand die Stammmannschaft aus Denis Scheck, Ijoma Mangold, Felicitas von Lovenberg und Thea Dorn. Leider ist Dorn irgendwann ausgestiegen und wurde durch einen wechselnden Gast ersetzt. Inzwischen ist auch Felicitas von Lovenberg raus, da sie auf die dunkle Seite der Macht gewechselt ist und jetzt den Piper Verlag leitet. Mir fehlt sie sehr. Ersetzt wurde sie durch Insa Wilke.

Die Sendung könnte von mir aus ruhig jeden Monat laufen. Das ist eine sympathische Runde, der ich gerne beiwohne – nicht so verkrampft und gehetzt, wie die Neuauflage des literarischen Quartetts.

Otherland Video-Blog

Das Otherland in Berlin ist unzweifelhaft die beste Buchhandlung der Welt (zumindest, wenn man sich für Phantastik interessiert). Einst von Hannes Riffel und Birgit Herden noch als Ufo-Buchhanldung gegründet, wird sie inzwischen von deren überaus kompetenten Nachfolgern Jakob Schmidt, Simon Weinert und Wolfgang Schmidt geführt, die seit einiger Zeit auch einen Video-Blog betreiben, auf dem sie über Bücher quasseln, diese vorstellen oder sonstige bücheraffine Themen behandeln. Oft sind da nur kurze und improvisierte Videos, die aber so unterhaltsam und kenntnisreich präsentiert werden, dass es einfach Spaß zuzusehen, wenn man sich auch nur halbwegs für phantastische Literatur interessiert. Und wer könnte schon dem wunderbaren Othlerandlied widerstehen, mit dem jeder dieser Clips eingeleitet wird?

 

P. S. Warum gibt es eigentlich kein cineastisches Quartett? Und warum kein phantastisches Quartett?

Im nächsten Teil folgt dann der Rest an Literatursendungen, den ich mir zwar gerne ansehe, der aber nicht unter die Kategorie „Lieblings-“ fällt. Und ein paar Anmerkungen, was mir an Sendungen fehlt.