Filmtipp: Loving

USA 1958: Mildred und Richard Loving sind Verbrecher, denn sie lieben sich. Und setzen sogar noch eins drauf, indem sie in Washington heiraten. Doch nach der Rückkehr in ihren Heimatstaat Virginia werden sie verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Eine Strafe, die auf Bewährung ausgesetzt wird, wenn sich beide schuldig bekennen und den Staat verlassen – für 25 Jahre! Schweren Herzens lassen sie ihre Familien, ihre Freunde und ihre Heimat zurück und ziehen nach Washington, wo sie drei Kinder aufziehen. Doch als eines davon von einem Auto angefahren wird, reicht es Mildred. Sie will zurück nach Hause.

Ach ja, Mildred ist schwarz, Richard weiß.

Da Mildred von Ruth Neega gespielt wird, habe ich ständig damit gerechnet, dass sie irgendwann die Shotgun auspackt und den Scheißrassisten den Schädel Preacher-Style wegpustet. Macht sie aber nicht. Sie tut etwas viel Mächtigeres: sie schreibt einen Brief. Und zwar an den  Attorney General (Bundesstaatsanwalt) Robert Kennedy, der ihr zwar nicht direkt weiterhelfen kann, den Brief aber and den Bürgerrechtsanwalt Bernard Cohen von der ACLU (American Civil Liberties Union) weiterreicht. Und so klagen sie sich von Instanz zu Instanz, bis der Fall vor dem Supreme Court landet und Geschichte schreiben wird.

Loving ist ein ruhiges Drama, das die wahre Geschichte dieser Familie äußerst realistisch erzählt, ganz ohne verdichtete Hollywooddramarturgie, wie es z. B. bei Hidden Figures der Fall ist, ohne dramatisch und brutal inszenierte Polizeigewalt wie in Selma. Man könnte das als langweilig empfinden, doch ich fand den Film trotzdem super spannend. Wie Mildred und Richard nach der Verurteilung heimlich nach Virginia zurückkehren, damit sie ihr erstes Kind im Kreis der geliebten Familie zur Welt bringen kann, wie sie später heimlich auf eine Farm ziehen, unter der ständigen Bedrohung, wieder verhaftet zu werden, das wird von den beiden HauptdarstellerInnen Ruth Neega und Joel Edgerton mit zurückhaltender Mimik und ruhigem Spiel eindrucksvoll rübergebracht.

Edgerton gibt das etwas schlichte und schüchterne, aber doch mutige und starke Landei mehr als überzeugend und Neega die zunächst völlig verängstigte und verletzliche junge Frau, die angesichts der himmelschreienden Ungerechtigkeit über sich hinaus wächst und im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles für ihre Familie tut. Das sind einfach Menschen, die gar nicht so recht verstehen, was die beiden Anwälte ihnen da aufschwatzen, aber am Ende – nach 9 Jahren! – sind sie erfolgreich.

Es ist dem Film von Autor und Regisseur Jeff Nichols hoch anzurechnen, dass er ganz ohne körperliche Gewalt auskommt, hier treten kein Ku-Klux-Klan oder ein Lynchmob auf, der Rassismus beschränkt sich auf wenige Worte (durch den übereifrigen Sheriff), die Anwendung eines grausamen, ungerechten Gesetzes und einige Blicke.

Ein leiser Film über den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Rassismus, der vom subtilen Spiel einer beiden HauptdarstellerInnen und der fast schon naturalistischen Inszenierung lebt. Es dreht sich alles um den Alltag dieser beiden herzensguten Menschen und die Frage, was denn so schlimm daran sein soll, dass sie zusammenleben?