Übersetzer nimmt Aufträge an

Normalerweise betreiben Übersetzer ihre Akquise im Stillen. Das tue ich natürlich auch, aber ich glaube, es schadet nichts, wenn ich hier im Blog darauf hinweise, dass ich für 2015 noch Kapazitäten frei habe.

Mein Name ist Markus Mäurer, und ich übersetze Bücher und TV-Dokumentationen aus dem Englischen ins Deutsche. Seit 2011 habe ich 8 Romane übersetzt und seit Juni 2014 16 TV-Dokumentationen für den Fernsehsender N24. Bis Oktober 2014 habe ich die Übersetzerei nebenberuflich betrieben, seitdem hauptberuflich.

Bisher habe ich vor allem Romane aus dem Bereich Horror und Science-Fiction übersetzt, und ich weiß, dass eine solche Bibliografie einen oft auf diese Genres festlegt. Dass es gerade diese Genres waren, ist eher dem Zufall geschuldet. Da ich auch in vielen anderen Genres (z. B. Krimi, Thriller, historischer Roman, Fantasy usw) sehr belesen bin, eigne ich mich auch für Übersetzungen in diesen Bereichen. Mit den Kurzgeschichten Im Angesicht Gottes fliegen von Nina Allan und Verstreut entlang des Himmelsflusses von Alliette de Bodard habe ich auch schon Geschichten von Autorinnen mit weiblichen Hauptfiguren übersetzt.

Durch mein Studium der Nordamerikastudien mit den Schwerpunkten Kultur und Literatur an der Freien Universität Berlin (das ich 2013 abgeschlossen habe) kenne ich mich hervorragend mit amerikanischer Kulturgeschichte aus, bin in der Geschichte der Vereinigten Staaten bewandert und habe ein Faible für die zeitgenössische Literatur und die Popkultur der USA.

Ich bin stets bestrebt, meine Fähigkeiten und Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen. Im September 2014 habe ich z. B. an dem fünftägigen Übersetzerseminar/Workshop »In einer anderen Welt – Sprachenübergreifendes Seminar zum Übersetzen von Fantasyliteratur« des Deutschen Übersetzerfonds am Europäischen Übersetzerkollegium in Straelen unter der Leitung von Hannes Riffel und Karen Nölle teilgenommen. Wobei es dort nicht ausschließlich um Fantasyliteratur ging, sondern um Phantastik jeglicher Couleur. (Hier mein Bericht darüber.)

Leseproben meiner Übersetzungen finden sich hier und hier.

Bei Interesse können Sie mich unter der E-Mailadresse markusmaeurer (at) gmx.de erreichen. Ich stelle mich Ihnen auch gerne persönlich per Telefon vor oder demnächst auf der Leipziger Buchmesse.

Rocky oder zwei Geheimnisse werden gelüftet

Geheimnis Nr. 1: Mein Arbeitsplatz in meiner Westerwälder Sommerresidenz. Wie man sieht, arbeite ich hier nicht an einem Schreibtisch, sondern mit einem fahrbaren Fernsehtisch. Dieses Gefährt ist absolut perfekt für meine Computernutzung, da ich so den Laptop zu beliebigen Sitzplätzen einfach verschieben kann. Die Tastatur liegt beim Tippen sowieso auf meinen Beinen. Das kleine Sofa ist das Equivalent zu meinem Berliner Sessel und viel bequemer als ein Bürostuhl, auch wenn dieser Anblick Ergotherapeuten vermutlich das kalte Grausen bereiten wird. Zum Ausgleich treibe ich auch viel Sport (Fußball, Joggen, Radfahren).

Normalerweise legen mir die Originaltexte als PDF Dateien vor, die ich dann ausdrucke und als einzelnes Blatt auf die Tastatur des Laptops lege. Bei meiner aktuellen Übersetzung habe ich aber nur das Originalbuch. Das ist etwas Umständlicher, aber dank des Leseständers funktioniert es auch. Der X-Box Controller liegt genau an dieser Stelle, um die Seiten an Ort und Stelle zu halten. Übersetzen ist auch immer ein wenig Improvisation. Es sind auch nur 100 Seiten und die nächsten beiden Übersetzungen werde ich wieder als PDF Datei haben.

Damit kommen wir auch zu Geheimnis Nr. 2: Wie man auf dem Bild sieht, handelt es sich bei meiner aktuellen Übersetzung um die Novelle „The Teratologist“ von Edward Lee und Wrath James White. Hier geht es um einen Mann, der durch möglichst große Schandtaten das Erscheinen Gottes provozieren möchte. Mehr verrate ich noch nicht.

Bei meiner letzten Übersetzung für Festa handelte es sich auch um eine Novelle von Edward Lee. Lee ist als König des Splatterpunk bzw. des extremen Horrors bekannt. Wenn man also glaubt, schon alles Eklige und Brutale gelesen zu haben, dann sollte man Mal Edward Lee eine Chance geben. Man wird staunen. J

Anders als viele andere „Ekelautoren“ ist Lee aber ein wirklich guter Schriftsteller, der die Gewalt nicht nur um ihrer selbst willen inszeniert, sondern alles in eine gute Geschichte mit ordentlich herausgearbeiteten Figuren einbettet.

So auch bei „The Pig“, das vermutlich als „Das Schwein“ in einer Sonderedition erscheinen wird. Hier geht es um den jungen Studenten Leonard und wie seine Ambitionen als anspruchsvoller Filmemacher Karriere zu machen in Schulden bei der Mafia endet, die ihn dazu zwingt, Tierpornos und Snufffilme zu drehen. Man kann es also schon ahnen, „Das Schwein“ ist nichts für zarte Gemüter. Die Geschichte gilt selbst unter den Werken von Edward Lee als extrem, und wer Geschichten von Edward Lee kennt, weiß, dass das schon etwas heißen muss.

Als Einstieg zu den Büchern von Lee empfehle ich die kürzlich bei Festa erschienenen Romane „Haus der bösen Lust“ und „Bighead“, danach kann man es sich ja noch überlegen, ob man sich an „Das Schwein“ herantrauen möchte. Um einen filmischen Vergleich heranzuholen, würde ich die Novelle als eine Mischung aus „Black Emanuelle in America“ (mit der berühmt berüchtigten Szene) und „A Serbian Film“ beschreiben. Aber stilistisch sehr gut geschrieben. Die Biografie des armen Leonard geht wirklich unter die Haut.

Wann das Buch genau erscheint, weiß ich nicht. Werde es aber hier verkünden.

P.S. die Rocky-Fahne habe ich übrigens kürzlich wieder auf dem Speicher entdeckt. Die habe ich schon seit der Grundschule (damals habe ich die ersten beiden Rocky-Filme bei Nachbarn gesehen). Witzigerweise habe ich im letzten Semester ein Referat über den Amerikanischen Traum gehalten, bei dem auch der Film „Rocky“ und die Karriere von Sylvester Stallone eine wichtige Rolle spielten.  Auf dem zweiten Foto sieht man im Hintergrund ein Foto des Big Lebowski beim Bowlen mit Walter und Donnie. Tja so ändern sich die Vorbilder mit der Zeit. J

Erste Schritte

In meinem ersten Eintrag erwähnte ich ja bereits, dass Frank Böhmert in seinem Blog (http://frankboehmert.blogspot.com/2009/06/literaturubersetzer-werden-aber-wie.html) wertvolle Tipps zum Einstieg in den Beruf des Literaturübersetzers gibt. Die wichtigsten Punkte fasse ich hier noch mal kurz zusammen:

  • Als Erstes sollte man herausfinden, ob man für den Beruf wirklich geeignet ist. Dafür hat Frank einen kleinen Test vorgeschlagen: Man solle losziehen und Platz 12 der Bestsellerliste in der Originalsprache kaufen, um dann in sieben Tagen die ersten 20 Seiten zu übersetzen. Egal ob einem das Buch liegt oder nicht. Das habe ich getan – „Firefly Lane“ von Kristin Hannah. Passenderweise erschien einige Zeit später die deutsche Übersetzung, sodass ich meine Fassung mit der professionellen vergleichen konnte. Das Ergebnis hatte mir gezeigt, dass ich noch viel zu lernen habe. Ich hatte mich noch zu sehr krampfhaft an den Originaltext gehalten und zu oft 1:1 übersetzt, was sich im Ergebnis teilweise etwas ungelenk angehört hat. Auch jetzt muss ich mich immer wieder daran erinnern, mich öfters vom Originaltext zu lösen, damit sich die Endfassung im Deutschen stimmig anhört. Darauf werde ich in späteren Blogeinträgen zurückkommen. Noch ein kleiner Appell: Mehr Mut beim Übersetzen. Seit kreativ.
  • Die wichtigsten Informationen findet man auf http://www.literaturuebersetzer.de. Auch wo und wann Übersetzerstammtische stattfinden. Ich gehe selbst seit einem Jahr gelegentlich zum Berliner Übersetzerstammtisch für Englisch-Deutsch. Nein, man wird dort keine Aufträge bekommen, aber man erfährt unheimlich viel Insiderwissen über die Arbeit mit Verlagen. Man kann selbst Fragen stellen und erhält auch qualifizierte Antworten. Man muss nur aufpassen, dass man sich von der teils etwas negativen Stimmung bzgl. der aktuellen Berufssituation (insbesondere der Bezahlung und der Auftragslage) der alteingesessenen Übersetzer nicht demotivieren lässt.
  • Kontakte, Kontakte, Kontakte. Ich habe im letzten Jahr geschätzte 70 Übersetzer kennengelernt und kein Einziger (bis auf ein, zwei Ausnahmen) von denen hat seinen ersten Auftrag über eine klassische Bewerbung beim Verlag bekommen. O-Ton war immer: „ein(e) Freund/Bruder/Schwester/Bennte(r) usw. arbeitet bei einem Verlag, als Lektor oder sonstwas, oder ich habe da zufällig den und den kennengelernt“. Es war meist eine Mischung Zufall, Bekanntschaft und ein wenig Eigeninitiative. Denn Zufälle und Chancen fallen nicht immer vom Himmel herab, man muss vielmehr nach solchen Gelegenheiten suchen. Also auf Literaturveranstaltungen gehen, Seminare besuchen, Stammtische und Ähnliches. Man muss solche Chancen erkenne und dann den Mut haben sie auch zu ergreifen.

Ich habe meinen ersten semi-professionellen Auftrag auch bekommen, weil ich den Verleger bereits durch andere Aktivitäten im SF- und Fantasyfandom kannte. Na ja, nicht direkt den Auftrag, aber die Chance eine Probeübersetzung abzuliefern. Nach der Chance bei den großen und professionellen Verlagen suche ich aber auch immer noch. So etwas braucht meist Zeit und Geduld. Auf Franks Anregung hin, hatte ich angefangen Kleinverlage zu kontaktieren und hatte vor einem Jahr beim Atlantis Verlag (http://atlantisverlag.wordpress.com/) Erfolg. Das ist ein kleiner (aber in der Szene sehr renommierter) Verlag für Science-Fiction, Fantasy und Horror. Als ersten Auftrag habe ich die Novelle „The Cage“ von Brian Keene übersetzt, die Ende November auf Deutsch unter dem Titel „Eingesperrt“(http://www.mallux.de/Freebird-p217h41s28-Eingesperrt-Brian-Ke.html) erscheinen wird. Warum habe ich mich für einen Auftrag entschieden, für den ich nicht viel bezahlt bekommen?

* Vor allem um Erfahrung zu sammeln. Es ist immer gut, wenn man bei Bewerbungen bei Verlagen bereits etwas vorweisen kann. Brian Keene ist ein recht erfolgreicher amerikanischer Horrorautor, dessen längeren Romane bei Heyne erscheinen. Mir hat die Arbeit an der Übersetzung viel Spaß gemacht und ich habe dabei auch viel gelernt. Ich bin sehr gespannt auf die ersten Kritiken (auch wenn es bei einem solchen kleinen Projekt mit einer hundertseitigen Novelle nur wenig Rückmeldung geben wird). In den nächsten Blogeinträgen werde ich etwas genauer auf meine erste Übersetzungsarbeit eingehen und auch kleine Textproben vorstellen. Außerdem wird noch ein Bericht über das Berufskundeseminar für Literaturübersetzer folgen, welches ich gestern besucht habe. *Ergänzung: Ich kenne den Verlag gut und weiß, dass ein solcher Genreverlag, der mehr aus Idealismus und Liebe zur Literatur als aus Profitstreben betrieben wird, keine großen Honorare zahlen kann. Bei den großen und professionellen Verlagen (also denen, die auch gut Geld verdienen) sollte man aber auch als Anfänger darauf achten, dass man anständig bezahlt wird. Auch bekannte Übersetzer arbeiten mal nebenbei für wenig Geld für einen Kleinverlag, wenn ihnen das Projekt am Herzen liegt. So etwas kann man aber nur machen, wenn man es sich auch leisten kann.

Wie ich Literaturübersetzer werde oder grandios scheitere

In diesem Blog werde ich in Zukunft regelmäßig von meinem Versuch berichten, professioneller Literaturübersetzer zu werden.
Ich lese (seit ich lesen kann) leidenschaftlich gerne Bücher – vor allem Belletristik. Wie der Amerikaner Stephen King es aber geschafft hat, seine Werke auch auf Deutsch zu verfassen, war mir lange Zeit ein Rätsel. Bis ich die wundervolle Entdeckung machte, dass es da tatsächlich jemanden gibt, der sich die Mühe macht, den englischen Text ins Deutsche zu übertragen – und dafür auch noch bezahlt wird.
Und schon war ein neuer Berufswunsch geboren (genau genommen dauerte es dann noch ca. 15 Jahre bis zu dem frommen Wunsch). Was die können, kann ich doch auch. Na ja, wir werden sehen.
Als ich meinen Berufswunsch vor etwas mehr als einem Jahr gegenüber dem Übersetzer Frank Böhmert äußerte, machte der prompt einen Blogeintrag daraus: http://frankboehmert.blogspot.com/2009/06/literaturubersetzer-werden-aber-wie.html?showComment=1315922369167#c9110012674715272784

Ich nahm seine Herausforderung an und begab mich an die ersten Übersetzungsversuche. Die unvermeidlichen Folgen meines Treibens teilte ich der Welt in den Kommentaren in Franks Blog mit.
Seit dem ist viel Zeit vergangen, ich war bei Übersetzerstammtischen, habe eine erste Novelle für einen Verlag übersetzt, eine Kurzgeschichte für ein Phantastikmagazin und arbeite jetzt an einer Kurzgeschichtensammlung. Alles aber noch im semi-professionellen Bereich (also in dem Bereich, in dem man dafür noch keine ordentliche Bezahlung bekommt).
Über all dies werde ich hier noch ausführlich berichte, sowie meine weiteren Fortschritte bzw. Rückschläge dokumentieren.

P.S. Das ist mein erster Blog überhaupt. Ich werde mich also erst noch mit der Technik anfreunden müssen, bevor das hier etwas professioneller aussehen wird.