Verlosung zweier Exemplaren von „Die Neunte Stadt“

Im letzten Blogeintrag habe ich ja schon mitgeteilt, dass die Belegexemplare meiner Übersetzung von J. Patrick Blacks Die Neunte Stadt eingetroffen sind (und gehe auch etwas auf den Inhalt ein). Das Buch wird am Dienstag den 13. Juni erscheinen und zu diesem Anlass möchte ich zwei der Belegexemplare verlosen.

Das wird allerdings mit ein wenig Arbeit verbunden sein. Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, muss sich an dem unten stehenden Textschnipsel versuchen und ihn ins Deutsche übersetzen. Dabei handelt es sich um eine Fußnote aus einem Kapitel der Ich-Erzählerin Kizabel (eine von sieben), dem Techniknerd unter unseren sieben Helden. Die nicht hochgewachsene Kiz, die man meist mit verstrubbelter Kurzhaarfrisur, einem verschmutzten Overall und von Ehrgeiz und Neugierde getriebenem Blick antrifft, ist so etwas wie eine ewige Studentin, weil sie sich lieber um ihre Forschungsprojekte kümmert, statt um die totlangweiligen und altbackenen Prüfungen. Unterstützt wird sie dabei von Lady, einer Art Hologramm mit künstlicher Intelligenz und exzentrischer Persönlichkeit.

Für mich als Übersetzer stellten die Kapitel von Kizabel die größte Herausforderung dar, da ihr sprachlicher Stil deutlich verschachtelter und anspruchsvoller ist, als die der anderen Ich-ErzählerInnen. Die vielen akademischen Fußnoten mit unzähligen Fachbegriffen brachten meinen Zeitplan gehörig durcheinander, da ich diesen Kapiteln mehr Zeit widmen musste als den anderen. Was aber nicht heißt, dass diese Kapitel langweilig zu lesen wären. Im Gegenteil, sie sind mir (auch wenn ich sie gehörig verflucht habe) sogar die liebsten, da man Kiz mit ihren ironischen Kommentaren, ihrem Humor und ihrem Durchsetzungvermögen einfach mögen muss.

Hier die Fußnote, die es zu übersetzen gilt:

The volumes of hyperprecise, legalistic language filling the Academy’s libraries are an attempt to turn thelemity into something standardized and generic, something that can be taught and controled. But you can never completely filter out the chaos and subjectivity from something inherently chaotic and subjetive. Standardized artifices try to say everything, to cover all possible avenues, when what you really want to do is say the right thing, the way a single line of poetry can hold more meaning than a thousand pages of instructions. To really make an artifice work, you’ve got to understand what you’re doing and why you’re doing it.

Das gilt wohl auch für Übersetzungen. 😉

»Thelemity« ist eine Art Kraft oder Magie, die in der Geschichte wissenschaftlich erforscht und nutzbar gemacht wird. Zum Beispiel durch »artifices«, in denen man diese Kraft für bestimmte Zwecke binden kann. Zum Beispiel in ein »artifice«, das die Gravitation in einem bestimmten Bereich aufhebt, oder so.

Verlost werden die beiden Exemplare unter allen Teilnehmern. Dabei ist ganz unerheblich, für wie gelungen ich die Übersetzung halte. Posted eure Übersetzung einfach unten in den Kommentaren. Die Verlosung läuft eine Woche bis zum 20. Juni. Dann werde ich die Gewinner auslosen und bekanntgeben, und auch die offizielle Übersetzung der Fußnote posten.

Viel Spaß!

Nachtrag: Und nur Mut. Hier wird keine perfekte Übersetzung erwartet (die gibt es gar nicht). Einfach mal versuchen und Spaß daran haben. 🙂

Nachtrag 2: Beim Erstellen des Beitrags hatte ich nicht daran gedacht, aber wenn ihr teilnehmt und euch an der Übersetzung versucht, schaut euch die Kommentare unten doch bitte erst an, wenn ihr schon übersetzt habt. Als ich Captain Future neuübersetzt habe, hatte ich die alten Übersetzungen schon hier im Regal stehen, habe aber erst reingeschaut, nachdem meine schon ferig beim Verlag war, weil ich mir meinen Stil nicht beeinflussen lassen wollte und auch nicht beim Kollegen „klauen“. 😉

„Die Neunte Stadt“ von J. Patrick Black – Belegexemplare eingetroffen.

Das Buch spielt in einer Zukunft nach einem Alienangriff, durch den fast die gesamte Menschheit ausgelöscht wurde, bevor einzelne Menschen Superkräfte in sich entdeckten, mit denen die Angreifer zurückgeschlagen werden konnten. Seitdem herrscht Krieg. Neun große Städte gibt es noch, die als Verteidigungsbastionen gegen die unbekannten Angreifer (die nicht mit Raumschiffen kamen) dienen. In diesen Städten wird die militärische Elite ausgebildet. Außerhalb der Städte gibt es Siedlungen, in denen die Menschen in Fabriken schuften müssen, um die Kriegsanstrengungen voranzutreiben. Und außerhalb dieser Siedlungen ist die Menschheit auf den Stand des 19. Jahrhunderts zurückgefallen und leben wie an der Frontier, mit wilden Stämmen und Siedlertreks und wissen nichts von dem Krieg und den großen Städten.

Aus diesen unterschiedlichen Umfeldern stammen die sieben jugendlichen Protagonisten des Buchs, die alle als Ich-Erzähler im Präsens auftreten, und deren Wege sich früher oder später kreuzen werden. Im Prinzip handelt es sich um so eine Ausbildungsgeschichte an einer Militärakademie und im Bootcamp (á la Ender’s Game). Doch bis dahin ist es für einige der Protagonisten ein langer und abenteuerlicher Weg.

Was den Roman so ungewöhnlich macht, ist seine Mischung aus Science Fiction und Fantasy. Die Technik der Zukunft, die Kriegsführung und die »Superkräfte« einiger der Hauptfiguren basieren auf etwas, das man durchaus als Magie bezeichnen könnte, im Roman aber Thelemetie heißt und an der Akademie wissenschaftlich erforscht und umgesetzt wird. Es gib riesige Mechroboter, gigantische Geschütze und allen möglichen Kram, der mit diesen Kräften/Energien angetrieben wird.

Was den Roman außerdem ungewöhnlich macht, ist der Stil des Autors, denn jeder der sieben Ich-Erzähler hat seinen ganz eigenen Stil. Torro, der in einer der dystopischen Fabriksiedlungen schuftet, spricht in einem locker-rotzigen jugendlichen Tonfall, die junge Naomi, die mit ihrer Familie durch die Wildnis zieht, im altmodischen Stil 19. Jahrhundert; das Technikgenie Kizabel in einer verschwurbelten akademischen Sprache mit unzähligen Fußnoten und wissenschaftlichen Erklärungen, aber auch mit viel Ironie. Und so weiter. Das macht das Lesen (und auch Übersetzen) dieses dicken Buches sehr abwechslungsreich und verleiht jedem Protagonisten eine eigene Stimme.

Von der Auswahl der Figuren her könnte man meinen, es handele sich um ein Jugendbuch á la Red Rising, doch dafür ist es inhaltlich zu komplex und sprachlich zu anspruchsvoll geschrieben. Es fällt mir schwer eine genaue Zielgruppe zu benennen, aber in seiner Mischung und vom Stil her ist das Buch einzigartig und originell (auch wenn viele bekannte Versatzstücke verwendet werden). Wer also mal was ganz anderes abseits der üblichen Science Fiction und Fantasy lesen möchte, sollte es mit Die Neunte Stadt versuchen.

Es gibt zwar viele spektakuläre Kämpfe und Schlachten auf der Erde und im Weltraum, aber die große Stärke des Romans sind die (mal mehr, mal weniger) liebenswürdigen Figuren mit ihren Beziehungen untereinander.

Es fällt mir schwer, das Buch adäquat zu beschreiben, da so viel drinsteckt und es keine passenden Vergleichsmöglichkeiten gibt. Wer es wagt, erhält eine Wundertüte, die auf jeden Fall einige Überraschungen bereithält.

Das Buch erscheint am Dienstag den 13. Juni.