Buchempfehlung: Peter Watts – Blindflug

Da mir momentan die Zeit für einen ausführlichen Blogeintrag fehlt, hier eine ältere Buchempfehlung, die vor einigen Jahren beim Fantasyguide erschienen ist. Das Buch ist momentan leider vergriffen (gebraucht aber günstig zu haben), deshalb gibt es hier auch kein Cover zu sehen, da es da sonst rechtliche Probleme geben könnte.

Ich gleite durch eine tödlich kalte Finsternis. Eine schwarze Weite, die in ihrer Endlosigkeit bedrückend ist. In einer Kiste, die mir durch die allgegenwärtige Schwerelosigkeit, kein Gefühl für die unglaubliche Geschwindigkeit vermittelt, mit der ich durch die Leere rase. Ein kleines Loch in der Hülle, und es ist aus. Der lebenswichtige Sauerstoff würde hinaus ins Vakuum gesaugt werden, und von mir nur eine sterbliche Hülle zurücklassen. Doch braucht es keines Einschlages von außen, um mich in tödliche Gefahr zubringen. Der Vampir, der mein Vorgesetzter ist, müsste nur seinen natürlichen Instinkten nachgeben, und schon wäre ich seine hilflose Beute. Da könnten mir auch die anderen drei (sechs) Besatzungsmitglieder nicht helfen. Weder Isaac Spindel, der Wissenschaftler, der fast nur noch aus Elektronik besteht, noch Susan James, die drei weitere Personen in ihrem gesplitteten Gehirn beherbergt. Selbst die militärische geschulte Amanda Bates hätte keine Chance gegen die überlegene Intelligenz dieses Raubtieres der Vergangenheit.

Eine Kiste voller Verrückter auf dem Weg ins Unbekannte. Als ich die Lichter, damals, zum ersten Mal am Himmel sah, war mir nicht klar, was auf mich zukommen würde. Ich, Siri Keeton, ein Synthesist, der niemals versteht, was er allen anderen doch so gut vermitteln kann.

Ich ahnte nicht, dass sie uns durch diese Lichter beobachteten. Ich ahnte nicht, dass ich es sei, der die Beobachter aufsuchen würde. Und ich ahnte nicht, welche Katastrophe auf uns zukommen würde.

Wenn ich nun zurückblicke, sehe ich nur noch Bruchstücke dieses Erstkontaktes. Kleine Blitzlichter, die durch meinen verwirrten Verstand zucken. Zu verwirrend und komplex, um sie zu verstehen. Ich sehe ein riesiges stacheliges Objekt, das große Felsbrocken in sich einsaugt. Ich sehe mich in einer fremdartigen Röhre stehen, dem Wahnsinn so nahe wie dem Tod. Ich ahne, was ich nicht sehen kann. Tentakel, die zwischen meinen Blicken zucken. Die fremde Stimme hallt immer wieder durch mein Bewusstsein: „Wir werden euch töten. Und dich holen wir zuerst.“

Dann öffne ich meine Augen. Die unbegreiflich fremde Umgebung weicht langsam der vertrauten Umgebung meines Zimmers. Die orangenfarbene Tapete, die zahlreichen Regale vollgestopft mit hunderten von Büchern, mein warmes und behagliches Bett, mein Schreibtisch und der graue Sessel in dem ich gerade Sitze. Ich blicke an mir hinunter und sehe ein Buch in meinen Händen – die letzte Seite noch aufgeschlagen. „Blindflug“ von Peter Watts. Jetzt erinnere mich wieder. Nach Ende der Lektüre habe ich die Augen geschlossen, um mir die stärksten Eindrücke, die das Buch bei mir hinterlassen hat, noch einmal vor Augen zu holen.

Es war ein schwieriges Buch, in einem anspruchsvollen Schreibstil verfasst. Ein Hard-SF-Roman, in dem es für alles eine wissenschaftliche Erklärung gibt. Selbst für den Vampir. Man merkt dem Buch an, dass Watts Meeresbiologe ist. Die Reise durch die außerirdische (Un) Wirklichkeit, erinnert öfters an eine Reise durch die unbekannten Tiefen eines Ozeans. Dabei treibt Watts die wissenschaftlichen Erläuterungen so auf die Spitze, dass ich ihm kaum noch folgen kann. Neben der Xenobiologie liegt ein zweiter Schwerpunkt auf dem menschlichen Verstand, der in dieser Zukunftswelt, einige beachtliche Veränderungen durchgemacht hat.

Während der Reise durchs All, streut der Autor immer wieder kurze Rückblicke ein, die uns Lesern, eine kleinen Einblick in die Welt der Zukunft gibt, wie Peter Watts sie sich vorstellt.

Es ist eine anstrengende Lektüre, deren Stärken in Watts Schreibstil (und dem von Übersetzerin Sara Riffel) und seinen wissenschaftlichen Erklärungen liegen – die durch einen 25 Seiten langen wissenschaftlichen Anhang untermauert werden. Dabei treten die Charakteren leider zu sehr in den Hintergrund. Mir blieben sie genauso fremd, wie die Aliens. Man muss auch ein bisschen Geduld mitbringen, da sich keine wirkliche Spannungskurve entwickelt. Aber wer sich davon nicht abschrecken lässt, den erwartet eine anspruchsvolle und fremdartige Lektüre.