Dokutipp: »A Week in Watts«

Die Dokumentation A Week in Watts zeigt, wie engagierte Community Work von Polizisten des LAPD in sozialen Brennpukten die Kriminalität senkt und vielversprechenden Kindern neue Perspektiven ermöglicht.

Das LAPD gilt als das korrupteste und brutalste Police Department in den USA, die sozialen Brennpunkte in Vierteln wie Inglewood, Compton und Watts als die gefährlichsten und kriminellsten Wohnviertel des Landes. Dort wo sich Gangs wie die Bloods und Grips per Drive-By-Shooting bekämpfen, Kinder das Haus nicht verlassen können, aus Angst vor Querschlägern; wo Drogen die Straßen fluten; wo Angst vor der und Hass auf die Polizei herrscht;  wo man Angst hat, als Afroamerikaner erschossen zu werden, nur weil man schwarz ist.

Wie kann in solchen Verhältnissen noch ein Vertrauensverhältnis zwischen Bevölkerung und Polizei entstehen, deren Aufgabe to Protect and Serve ist? Ganz einfach, indem sich die Polizei darauf besinnt, dass sie auch aus Bürgern besteht, die in diesen Vierteln aufgewachsen sind und wohnen. Dass sie keine Gefängniswächter sind, sondern dem Wohle der Bevölkerung dienen und mit den Bürgern zusammen an einer besseren Zukunft arbeiten.

Das Projekt Operation Progress ist auf privater Initiative von Polizisten entstanden, die es nicht in Ordnung fanden, dass so viel Geld in die Rehabilitation von Straftätern fließt, während die einfachen und gesetzestreuen Menschen, die in diesen von Kriminalität und Gewalt gebeutelten Vierteln leben, vergessen werden und auf der Strecke bleiben.

Deshalb haben (inzwischen um die 30) Beamte des Los Angeles Police Department damit begonnen, vielversprechende Schülerinnen und Schüler aus Watts als Mentoren zu betreuen. Sie haben dafür gesorgt, dass sie auf bessere Schulen kommen, ein Leben jenseits des Ghettos kennenlernen, motivierende Freizeitaktivitäten verfolgen und eine Perspektive erhalten.

Diese Polizisten treten nicht mehr als Aggresssoren auf, sondern als Teil der Gemeinschaft und leisten vielversprechende Community Work, also Stadtteilarbeit. Durch die Arbeit mit den Kindern ist es ihnen gelungen, ein Vertrauensverhältnis zu vielen Bewohnern aufzubauen, die sonst immer einen großen Bogen um die Polizei gemacht haben.

Und die Arbeit zeigt Wirkung. Die Mordrate ist drastisch gesunken, die Kriminalität deutlich zurückgegangen. Jene Kinder, die an dem Programm teilnehmen, schaffen einen guten Schulabschluss und gehen aufs College.

Aus Fernsehserien kennt man amerikanische Polizisten meist als coole Säue, korrupte Gewalttäter oder resignierte Zyniker, aber die Leidenschaft und Begeisterung, mit denen diese Beamten (vom einfachen Officer bis zum Lieutenant) »ihren« Kindern sprechen, zeigt ein anderes Bild und wirkt sehr ansteckend.

Hier wird ein anderes Amerika gezeigt, als man es meist im Fernsehen und anderen Medien zu sehen bekommt, zwar von Gewalt gezeichnet, aber mit viel Hoffnung und Optimismus einen pragmatischen Weg aus der Krise aufzeigend, indem man alte Vorurteile über den Haufen wirft und in neuen Bahnen denkt.

Die Dokumentation von Gregory Caruso aus dem Jahr 2017 ist bei uns auf Netflix zu sehen.