Serienempfehlung: Penny Dreadful

Als eine Serie mit dem Titel Penny Dreadful angekündigt wurde, dachte ich da an eine Anthologiesendung mit abgeschlossenen Einzelfolgen auf durchschnittlichem Niveau, obwohl die Penny Dreadfuls aus dem 19. Jahrhundert in der Regel Seriengeschichten waren, die über einen längeren Zeitraum veröffentlicht wurden. Ich habe mich dann auch, anders als sonst, nicht weiter über die Serie informiert, sondern einfach reingeschaut, als mir dies Ende September dank Netflix möglich war.

Ich hätte nicht falscher liegen können. Dass man hier mehr als Durchschnittsware präsentiert bekommt, hätte schon durch den ausstrahlenden Sender Showtime klar sein sollen, aber auf welch hohem und gleichzeitig unterhaltsamen Niveau die Serie daher kommt, hat mich gleich in der ersten Folge von den Socken gehauen. Hier stimmt einfach alles: Drehbücher, SchauspielerInnen, Ausstattung, Literaturverwurstungen usw.

Penny Dreadful spielt im viktorianischen London, ungefähr zur selben Zeit, wie die im letzten Jahr angelaufene Serie Dracula (die in Deutschland am Montag auf VOX startet), und ähnelt dieser auch thematisch. Immerhin geht es um Vampire und Namen wie Mina Harker und Van Helsing tauchen auf. Wo aber Dracula, trotz interessanter Ansätze am eigenen oberflächlichen Pomp mit schwülstigen Dialogen, sinnlosem Kostümgedöns und peinlichem Pathos zugrunde geht (die Serie wurde nach der ersten Staffel eingestellt), zeigt Penny Dreadful, wo der Hammer über dem Pflock ins Herz des Vampirs hängt.

Von der Ausstattung her befindet man sich auf einem ähnlich hohen Niveau, wie Ripper Street; als Zuschauer fühlt man sich förmlich in die schmutzigen und vom Dampf aus den Fabriken vernebelten Straßen Londons hineingezogen, wo die an Schwindsucht erkrankten Dirnen einem hustend das Blut auf die polierten Schuhe spucken und eine Bande von lärmenden Straßenjungen einem den Geldbeutel aus der feinen Hose stibitzt, wo die Angst vor dem Ripper die Menschen eilige an dunklen Gassen vorbeihuschen lässt, hinein in die vermeintliche Sicherheit der flackernden Gaslichter.

Die Drehbücher und Dialoge sind noch mal eine Stufe über Ripper Street und die Darsteller sogar zwei Klassen besser. Allen voran Eva Green, die molosovsky kürzlich als weiblichen Klaus Kinskis bezeichnet hat (rein im schauspielerischen Sinne natürlich). Aber auch Timothy Dalton als ehrgeiziger und gnadenloser Adliger, der für seine Ziele auch über die Leichen von Freunden geht. Herauszuheben ist auch Rory Kinnear, der seiner Figur als widererweckter Kreatur eine poetische Traurigkeit verleiht, die ihreslgeichen sucht.

Inhaltlich ist die Serie eine Mischung aus Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman und verschiedenen historischen Gruselstoffen aus der viktorianischen Zeit. Ich möchte hier jetzt nicht zu viel Spoilern, da ich selbst ja nicht über die Serie im Vorfeld wusste, und von jedem neuen Namen und Auftreten positiv überrascht wurde.

Im Prinzip geht es um einen Vater, der seine an ein übernatürliches Wesen verlorene Tochter zurückbekommen möchte. Dafür umgibt er sich mit einer illustren Schar teilweiser nicht weniger übermenschlicher Wesen und geht rücksichtlos auf die Jagd. Das ist aber nur die Grundstory, der rote Faden, der durch die Serie führt. Daneben gibt es noch viele andere Handlungsstränge, die zunächst nur lose oder gar nicht miteinander verbunden sind. Jede Figur hat ihre eigene Geschichte, der viel Raum eingeräumt wird, und die oft in einzelnen Folgen ausführlich erzählt werden. Dadurch gibt es keine klassische lineare Erzählstruktur, die durch kurze Flashbacks ergänzt wird, sondern immer wieder Einzelfolgen, die auf ihre ganz eigene Weise erzählt werden und dadurch für viel stilistische Abwechslung sorgen (anders als das monotone Dracula).

Eva Green ist eine Wucht. In der ersten Folge wirkt sie noch sehr stoisch und zeigt kaum eine Regung auf ihrem Gesicht, aber schon in der zweiten Folge, lässt sie während einer Séance so richtig die Sau raus, und zeigt, was für eine wandlungsfähige Schauspielerin sie ist. Eine Leistung, die im weiteren Verlauf der Serie sogar noch gesteigert wird. Auch Josh Hartnett liefert als geheimnisvoller amerikanischer Revolverheld eine gute Vorstellung.

Penny Dreadful ist gruselig, unheimlich, brutal, traurig, poetisch und vieles mehr. Hier werden nicht einfach klassische Schauergeschichten mit den Mitteln des modernen Fernsehens erzählt. Da steckt viel mehr drin.  Es werden unterschiedliche historische und literarische Themen kunstvoll zu einer eleganten und schaurigen Mischung verwoben.

Die Serie verdient es viel genauer analysiert zu werden (was ich vor Start der zweiten Staffel tun werde), aber in diesem Beitrag hier möchte ich ganz spoilerfrei auf sie hinweisen.

Bei Showtime gibt es eine interaktive Karte, auf der man die Schauplätze der Serie besuchen kann. Aber vorsicht, hier werden die Namen der Figuren gespoilert.

Und hier noch ein spoilerfreier Trailer, der einen guten Eindruck von der Serie vermittelt:

 

Serienneustarts Herbst 2013 – Teil 1: die Sitcoms

In den USA hat die neue TV-Saison begonnen und viele neue Serien sind an den Start gegangen. Ich habe es auf mich genommen, mir einige der Pilotfolgen anzusehen und werde ich zu jeder von ihnen ein paar Sätze schreiben.

Ich fange mit den Sitcoms an. Vielleicht liegt es ja an mir, aber bis auf „Raising Hope“ und „Community“ habe ich in den letzten vier Jahren keine neue Sitcom gesehen, die mich ähnlich begeistern konnte, wie einst „Eine schrecklich nette Familie“, „Two and Half Men“, (zumindest zu Beginn), „The Big Bang Theory“, „How I Met Your Mother“ oder „King of Queens“. Ich habe den Eindruck, dass die große Sitcomzeit endgültig (oder zumindest vorerst) vorbei ist.

Mom – Pilotfolge: eine neue Sitcom von Chucke Lorre. Der Pilot kann einen uninspirierten Cameo von Alan Harper aufweisen, ist ansonsten aber einfach nur nervig. Hier geht es um eine alleinerziehende Alkoholikerin, die als Kellnerin arbeitet und nahe am Wasser gebaut ist. Lahme Gags und flache Figuren. Hat mich nicht einmal zum Lachen gebracht. Werde ich nicht wieder einschalten.

 

Trophy Wife – Pilotfolge: diese Familiensitcom, in der es um die titelgebende Trophäenfrau geht, die sich mit den Ex-Frauen ihres Mannes, die auch die Mütter seiner Kinder sind, rumschlagen muss, ist einfach nicht mein Fall. Schlecht gemacht ist sie aber nicht. Trotzdem habe ich nach zehn Minuten wieder abgeschaltet.

 

The Michael J. Fox Show – Pilotfolge: toll, dass Fox wieder im TV zu sehen ist. Hier wird seine Parkinson-Erkrankung offensiv thematisiert und muss für viele Gags herhalten. Die sind zumindest teilweise ganz witzig, reichen aber nicht an seinen Auftritt in „Curb your Enthusiasm“ heran. Der Pilot war durchwachsen, die Krankheit wurde zu offensichtlich bzw. zu häufig thematisiert. Ich hoffe, das ändert sich noch. Michael J. Fox offensiver und humorvoller Umgang mit der Krankheit ist bewundernswert, trägt aber auf Dauer keine ganze Serie. Mal schauen, wie es weitergeht.


The Crazy Ones – Pilotfolge: Robin Williams in einer Serie von David E. Kelley! Warum ist vorher noch niemand auf diese Idee gekommen. Williams ist einfach perfekt für die extrovertiert-genial-verrückten Figuren von Kelley. Hier geht es um einen alternden Werbeprofi, dessen Ruhm am Verblassen ist, und der mit Hilfe seiner Tochter (Sarah Michelle Geller) versucht, die Firma zu retten.
Die zweitbeste neue Sitcom, die ich bisher gesehen habe, aber schade, dass es nur ein Zwanzigminüter ist, in diesem kurzen Format können sich die intelligenten und cleveren Drehbücher aus der Kelley-Schmiede nicht so richtig entfalten. Die Sendung lohnt sich aber allein schon wegen Robin Williams.

 

Brooklyn-Nine-Nine – Pilotfolge: Zur Abwechslung mal eine Copcomedy, ein Format, dass ich seit „Sledge Hammer“ nicht mehr gesehen habe. Und gar nicht so unwitzig, wenn auch teilweise etwas zu albern. Auch zündet nicht jeder Gag, aber die Serie hat definitiv Potential.

 

Back in the Game – Pilotfolge: Die beste der neuen Sitcoms, mit schwarzem, politisch unkorrektem Humor, James Caan als altem Stinkstiefel, einer alleinerziehenden Mutter, die einst eine hervorragende Baseballspielerin am College war, und jetzt das Team ihres völlig untalentierten Sohnes trainiert. Die Serie hat Charme, und wirkt nicht so gekünstelt, konstruiert und gewollt wie die meisten anderen Sitcoms.

Alle neuen Sitcoms habe ich nicht gesehen, das sind einfach zu viele und darauf habe ich auch gar keine Lust. Dads von Seth McFarlan soll auch ziemlich unlustig sein, Welcome to the Family wurde von NBC schon wieder eingestellt. The Goldbergs will ich mir noch ansehen.

Im zweiten Teil wird es um die neuen Dramaserien der Networks gehen, darunter Sleepy Hollow, Marvel’s Agents of the S.H.I.E.L.D, Blacklist und Hostages.

Hannibal – Die Serie

Das aktuelle und alles beherrschende Thema im Bereich TV-Serien lautet Breaking Bad keine Zeitung, kein Wochenmagazin, keine Internetseite, die momentan nicht über Walt White und sein Alter Ego Heisenberg berichtet. Auch ich verfolge aktuelle die letzten Folgen der vermutlich wirklich besten Serie aller Zeiten auf iTunes. Ich bin von Anfang an dabei, seit die erste Staffel anlief, und ja, auch für mich ist die finale Staffel das Fernsehereignis des Jahres. Deshalb verzichte ich momentan darauf, hier darüber zu schreiben. Im aktuellen Spiegel gibt es einen hervorragenden Artikel, der beschreibt, was die Serie so außergewöhnlich und einzigartig macht.

Aber es gibt auch eine Zeit nach Breaking Bad, nächste Woche Sonntag endet dieses Meisterwerk der Erzählkunst. Zeit, sich neue Serien zu suchen. Erstaunlicherweise hat ein Networksender (ausgerechnet der Gurkengarant NBC) eine interessante Serie im Angebot: Hannibal

Hannibal3© 2012 NBC Universal Media, LLC

Ich habe bereits im April über die Serie berichtet. Inzwischen habe ich die komplette erste Staffel gesehen, die ab dem 10. Oktober auch auf Sat 1 (garantiert gekürzt) anlaufen wird. Bin mal gespannt, wie lange sie durchhalten. Alternativ kann man sie sich aber auch schon auf Maxdom anschauen.

Hannibal basiert auf den Romanen von Thomas Harris und erzählt die Vorgeschichte zum ersten Band „Roter Drache“. Im Fokus stehen der FBI Agent Will Graham und der Psychiater Hannibal Lecter.

Graham besitzt eine besondere Gabe, er kann sich an Tatorten in die Gedankenwelt von Mördern hineinversetzen und erlebt die Tat aus deren Perspektive, was von der Serie in beeindruckend schaurig-schönen Bildern präsentiert wird. Für Graham wird es aber immer schwieriger, aus diesen abgründigen Gedankenwelten zurückzukehren. Sein Chef Jack Crawford (Lawrence Fishburne) macht sich Sorgen, will aber auch nicht auf seinen besten Mann verzichten, deshalb zieht er den renommierten Psychiater Dr. Hannibal Lecter zu Rate. Der ist fasziniert von Graham und beginnt eine eingenartige Beziehung zu ihm, die aus einer Mischung von Freundschaft und perfid-perverser Manipulation besteht.

Diese Beziehung ist das Hauptthema der Serie. Zwar gibt es gelegentlich auch den Serienkiller der Woche, um Crawfords Beziehungprobleme, die FBI-Psychologin Dr. Alana Bloom und die Tochter eines Serienkillers, aber im Mittelpunkt steht die intensive Beziehung zwischen Graham und Lecter.

Hannibal2© 2012 NBC Universal Media, LLC

Wer hier actionreiche Spannung wie bei Criminal Minds erwartet, ist an der falschen Adresse. Hannibal ist weniger Thriller denn vielmehr Psychodrama. Obwohl die Grausamkeiten, die hier teilweise präsentiert werden, ihresgleichen suchen, steht  das Seelenleben der Figuren im Vordergrund. Und das ist düster. So wie die ganze Serie extrem düster ist. Diese Finsternis wird dabei in wunderschönen eleganten Bildern präsentiert, die mehr Kunstwerken gleichen und weniger den runtergekurbelten Network-Procedurals, die man sonst auf NBC findet. Hinzu kommt ein ausgefeiltes und atmosphärisch dichtes Sounddesign.

Der Humor der Serie ist sehr makaber, bösartig und subtil, er setzt bei den Zuschauern das (mit Sicherheit vorhandene) Wissen um Hannibal Lecter und seine kulinarischen Gewohnheiten voraus, die in der Serie mit der Eleganz eines Fünf-Sterne-Kochs inszeniert werden.

Apropos Hannibal, der hier von Mads Mikkelson gespielte Hannibal ist ganz anders, als die ikonische Interpretation von Anthony Hopkins. Wo bei Hopkins jederzeit die körperliche Aggressivität eines Raubtieres präsent ist, kommt Mikkelson sehr viel zurückhaltender daher. Seine Darstellung ist deutlich reduzierter und unscheinbarer. Was aber auch zur Serie passt, schließlich weiß bei Hopkins Hannibal jeder, mit wem er es zutun hat, während er in der Serie noch größtenteils im Verborgenen agiert. Mikkelsons Hannibal weiß durchaus zu gefallen, aber die Bedrohlichkeit von Hopkins fehlt ein wenig. Ich würde nicht so weit gehen, zu behaupten, Mikkelson sei ein Paradeabsolvent der Steven Seagal Schauspielschule, aber seine Mimik ist teilweise etwas zu reduziert, um dem Intellekt Hannibals gerecht zu werden.

Serienkillerserien sind momentan groß in Mode, in meinem oben verlinkten Artikel gehe ich näher auf dieses Phänomen ein. In Hannibal wird der Serienkiller, also Hannibal Lecter, anders als in Dexter oder auch in den Filmen, nicht zum Helden stilisiert. Er handelt von Anfang an amoralisch, grausam und stets zu seinem eigenen Nutzen und Vergnügen. Er tötet und manipuliert aus reiner Neugierde. Auch wenn er eine faszinierende Persönlichkeit ist, besteht kein Zweifel daran, dass er der Bösewicht der Serie ist. Die Perfidität, mit der er Will Graham im Verlauf der Serie manipuliert, ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Der einzige Ausgleich zu dieser Kaltblütigkeit entsteht, wenn er seinerseits zu Therapiesitzungen mit der von Gillian Anderson gespielten Therapeutin Dr. Du Maurier geht. Sie ahnt, was unter seiner Oberfläche lauert, was hinter seinem Bestreben nach Freundschaft wirklich steckt.

Hannibal ist ein schaurig schönes Gemälde aus Mord, Verderben, Abgründigkeit und Kontrollverlust. Eine der Serienüberraschungen des Jahres, elegant gefilmt, psychologisch tiefgründig, dabei stets abgründig und bedrohlich.

Serienempfehlung: Person of Interest

Der ehemalige Soldat und Spion John Reese (Jim Cavizel) streift als bärtiger Obdachloser durch New York, ohne Ziel und ohne großen Lebenswillen. Da entdeckt ihn der mysteriöse Computerexperte und Milliardär Harold Finch (Michael Emerson). Finch hat eine Maschine entwickelt, die Verbrechen voraussehen kann. Genau genommen kann sie nur voraussagen, welche Person in ein Verbrechen verwickelt sein wird. Ob sie dabei Opfer oder Täter (»victim or perpetrator«) sein wird, bleibt offen. Finch erhält eine Sozialversicherungsnummer, Reese beginnt mit der Beschattung dieser Person. Ziel ist es, das Verbrechen zu verhindern.

Die Serie fängt mit klassischen Fall-der-Woche-Folgen an, beginnt aber ca. ab der fünften Episode damit, folgen- und staffelübergreifende Handlungsbögen einzuführen. Die Fälle der Woche sind ausgesprochen clever und abwechslungsreich konstruiert, so dass bei ihnen keine Langeweile aufkommt, und es nur sehr wenige Füller-Folgen gibt.

Der eigentliche Reiz der Serie liegt aber an den vielen unterschiedlichen Handlungsfäden, die jeweils den einzelnen Serienfiguren zugeordnet sind, die mit ihren Vergangenheiten zu tun haben und die diese Figuren in der Gegenwart einholen. Dabei jonglieren die Serienmacher virtuos mit den vielen Handlungssträngen, lassen sie sich immer wieder überschneiden, führen sei teilweise zusammen und lösen manche von ihnen in der zweiten Staffel spektakulär auf.

Was diese Handlungsstränge so interessant macht, sind vor allem die vielschichtigen Serienfiguren, die auf den ersten Blick ganz anders wirken, als sie eigentlich sind. Da ist z. B. Detective Fusco (Kevin Chapman) ein »dirty cop«, ein korrupter Polizist, der von John Reese zur Mitarbeit gezwungen wird (nachdem Fusco Reesse eigentlich umlegen soll). Fusco wird zum Ansprechpartner des Duos Reese und Finch bei der Polizei, bleibt aber nicht der einzige. Auch die alleinerziehende Mutter und Ex-Soldatin Detective Carter, die Reese in der ersten Folge auf dem Revier sitzen hatte und seitdem hinter dem mysteriösen »The Man in the suit«, dem Mann im Anzug, hinterher ist.

Um zu zeigen, wie viele Handlungsstränge es gibt, liste ich sie hier alle auf:

  • HR – ist eine korrupte Organisation innerhalb der Polizei, die bis in die höchsten Ebenen reicht und wie die Mafia kriminellen Geschäften nachgeht. Fusco hat für sie gearbeitet und steckt immer noch bis zum Hals in deren Machenschaften mit drin.
  • Elias – ist ein Mafiaboss und hochintelligenter Geschäftsmann, der aus Rache alle anderen Familien und Konkurrenten ausschaltet. Reese kommt seinen Geschäften immer wieder in die Quere, und doch steht Elias in Johns Schuld
  • Johns CIA-Vergangenheit – es gibt immer wieder Rückblenden, in denen Johns schmutzige Arbeit für den Geheimdienst zu sehen ist. Diese Vergangenheit holt ihn in Form zweier undurchsichtiger und skrupelloser Agenten ein, die Detective Carter benutzen, um an John ranzukommen.
  • Harold Finchs Vergangenheit – wird auch in viele Rückblenden präsentiert. Er hat die mächtige Maschine mit einem Geschäftspartner und Freund zusammen entwickelt. Dann ist die Maschine aber in die Hände der Regierung gelangt und Harold (von dessen Existenz wohl niemand weiß) ist untergetaucht. Warum? Man weiß es nicht.
  • FBI – Das FBI ist hinter dem Mann im Anzug her, weil sie ihn für den Täter in all den Verbrechen halten, die er zu verhindern versucht. Carter soll den Bundesagenten dabei helfen.
  • Root – eine eiskalte und geniale Hackerin, die großes Interesse an der Maschine hat, und dabei auch über Leichen geht.
  • Eine Person aus Reese Vergangenheit, über die ich hier nicht zuviel verraten möchte.
  • Mehrere Verschwörer, die in der Regierung sitzen, die Maschine schützen, für ihre Zwecke benutzen und alle Spuren darauf (also auch Menschen) beseitigen.

Ich belasse es mal bei diesen acht wichtigsten Handlungssträngen. Dazu kommen noch immer wieder auftauchende Figuren, die entweder Reese und Finch helfen, oder ihnen Ärger bereiten.

Das sind aber nicht unabhängig voneinander laufende Handlungsstränge. Sie überschneiden sich immer wieder. Root legt sich mit den Regierungsverschwörern an, die korrupten Bullen des HR kommen dem FBI in die Quere, Elias hilft Reese bei Schwierigkeiten mit den Verschwörern, Fusco und Carter bekommen es sowieso mit allen Parteien zu tun usw.

Hier wird so kunstvoll und rasant mit den einzelnen Fäden jongliert, dass es einem schwindlig werden kann. Aber trotzdem entgleiten den Autoren niemals die Fäden und den Zuschauern nicht der Überblick.

Für J.J. Abrams Firma Bad Robot  wurde die Serie von Jonathan Nolan entwickelt, der mit seinem Bruder Christopher schon an den Drehbüchern der neuen Batman-Trilogie gearbeitet hat. Und irgendwie erinnert »Person of Interest« auch an Batman. Reese trägt zwar kein Kostüm mit spitzen Ohren, aber dafür einen schwarzen Anzug, der ihm sogar eine Art Superheldenamen (»The Man in a Suit«) eingebracht hat. Wie Batman agiert er aus dem Verborgenen heraus, schreitet aber physisch ein, wenn es notwendig ist. Seine Kampfkünste stehen dem Dunklen Ritter in nichts nach. Harold Finch ist für den Bruce-Wayne-Teil zuständig. Er ist der Milliardär mit den großen technischen Fähigkeiten. Zusammen ergeben sie ein unschlagbares dynamisches Duo.

Das Herz der Serie ist die Beziehung zwischen Reese und Finch. Sie sorgt unter anderem für den Humoranteil, der vor allem aus trockenen Sprüchen und (meist) subtiler Situationskomik besteht. Aber auch Fusco sorgt als »comical sidekick« für einige Lacher, z. B. wenn er als romantischer Retter das Supermodel XXX retten muss. In Staffel zwei taucht ein belgischer Schäferhund auf, der vom Militär ausgebildet wurde und von Reese vor Nazis »gerettet« wird. Wie Finch mit seinem unverhofften neuen Mitbewohner umgeht, ist urkomisch.

Der Actionanteil der Serie ist sehr hoch. Autoverfolgungsjagden, Autounfälle, Schießereien, brutale Nahkämpfe, Explosionen usw. sorgen für eine Menge spannende Unterhaltung. Trotzdem nimmt sich die Serie viel Zeit, um sich mit ihren Figuren (auch den Nebenfiguren) zu beschäftigen, ihnen wirkliches Leben einzuhauchen und ihnen charakterliche Tiefe zu geben. Alle Figuren machen im Laufe der ersten beiden Staffeln gravierende Entwicklungen durch. Es werden Eigenschaften an ihnen enthüllt, die man nicht vermutet hätte und die sie plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Trotz der ganzen Action ist »Person of Interest« ein hervorragendes Charakterdrama.

Obwohl man als Zuschauer viel Sympathien für die »Helden« der Serie entwickelt, kann deren Handeln aber zwiespältige Gefühle hervorrufen. John Reese ist eine Art gewalttätiger Rächer, der als ungekrönter König im Kniescheibenschießen nicht gerade zimperlich vorgeht und im Prinzip ständig Selbstjustiz ausübt. Das wird aber durch die Prämisse der Serie relativiert. Denn wie Michael Emmerson im Vorspann sagt, kann die Maschine die Verbrechen voraussagen, aber alles, was nicht mit Terrorismus und Ähnlichem zu tun hat, wird als irrelevant angesehen. Hier versagt der Staat bei der Vorbeugung von Verbrechen, weil sie ihm einfach egal sind. In diese Lücke treten Reese und Finch. Finch, weil er die Maschine gebaut hat, und sich deshalb in der Verantwortung sieht, ihr Potenzial auch auszuschöpfen. Reese, weil er zuvor Verbrechen im Auftrag der Regierung begonnen hat, und hier die Möglichkeit sieht, eine Art Wiedergutmachung zu leisten.

Das zweite zwiespältige Gefühl ruft die Maschine hervor, die im Prinzip ein totaler und perfekter Überwachungsapparat ist, der einen überall und zu jeder Zeit beobachtet. »Big Brother« in seiner ausgereiftesten Form. Nur, dass sich die Regierung für nichts anderes als Terrorismus interessiert. Die Serie geht aber durchaus ambivalent mit der Maschine um, und zeigt, dass nicht sie selbst das Problem ist, sondern der Anwender und was er daraus macht. Es ist auch eines der Grundprinzipien von Krimiserien wie »NCIS« oder »24«, das wir als Zuschauer in ihnen Maßnahmen und Methoden gutheißen, die uns im realen Leben protestierend auf die Straße treiben.

So, der Artikel ist schon viel zu lang geworden. Hier noch ein kurzes Fazit:
»Person of Interest« ist die beste Networkserie der letzten Jahre. Hier werden rasante Action, spannende Verschwörungsgeschichten, Überwachungsparanoia, clever konstruierte Fälle der Woche und eine intelligente Rahmenhandlung, die aus zahlreichen Handlungssträngen besteht, kunstvoll zu einem menschlichen und humorvollen Drama der Extraklasse verwoben.

In den USA läuft die Serie auf CBS, aktuell endet dort gerade die zweite Staffel, eine dritte wurde vom Sender bereits geordert. In Deutschland lief die erste Staffel auf RTL, direkt nach »Alarm für Cobra 11«, was trotz zahlreicher Explosionen und Verfolgungsjagden in »Person of Interest« eine schlechte Wahl war, da die Serie für die Zuschauer von »Cobra 11« vermutlich zu komplex und intelligent gemacht ist. Nicht dass die doof wären, aber sie haben vermutlich die falschen Erwartungen an eine solche Serie. Die zweite Staffel ist für den Spartensender RTL Crime angekündigt. Mir persönlich gefällt die deutsche Synchronisation in diesem Fall überhaupt nicht. Den genialen Michael Emmerson muss man einfach im Original hören und der trocken-coole Flüsterton von Reese geht in der deutschen Fassung auch ganz verloren.

Hier noch ein Trailer:

Serienkiller in Serie: „Hannibal“, „Bates Motel“ und „The Following“

Spätestens seit Hannibal Lector die Leinwand betrat und dem Zuschauer wie seinen Opfern unter die Haut ging, gehören Serienkiller zum beliebtesten Motiv moderner Thrillerautoren und Filmemacher. Es gab sie natürlich schon vorher, vor allem im realen Leben. Der Berühmteste unter ihnen ist wohl Jack the Ripper, der im London des 19. Jahrhunderts Prostituierte ermordete und nie gefasst wurde. Ted Bundy, Charles Manson, der Zodiac-Killer, Son of Sam usw. All diese realen Serienmörder wurden auch in Film und Literatur verarbeitet.
Aber es gibt auch die fiktiven Killer, die ganz der Phantasie der Autoren entsprungen sind.

1981 veröffentlichte Thomas Harris einen Roman namens „Roter Drache“, in dem der FBI-Profiler Will Graham, den von ihm vor einigen Jahren gefassten Serienkiller, Kannibalen und Psychiater Dr. Hannibal Lector um Hilfe bei einem Fall bittet. Wobei Lector in diesem Buch mehr im Hintergrund bleibt. Weitaus mehr Platz bekommt er vom Autor dann in „Das Schweigen der Lämmer“ eingeräumt, das 1988 erschienen ist. Hier ist es die junge FBI-Agentin Clarice Starling, die Lector um Hilfe bittet. Im Zuge der Gegenleistungen für seine Hilfe läuft Lector zur Höchstform auf und wird auch selbst wieder handgreiflich.

„Roter Drache“ wurde bereits 1986 von Michael Mann mit William M. Petersen als Graham und Brian Cox als Lector verfilmt. Wirkliche Berühmtheit erlangte der geniale Kannibale aber erst durch die intensive Darstellung von Anthony Hopkins in der Verfilmung „Das Schweigen der Lämmer“ aus dem Jahre 1991 von Jonathan Demme. Der Erfolg des Filmes trat eine ganze Schwemme von Serienkiller-Filmen los, von denen nur wenige (z.B. „Sieben“) an das Vorbild heranreichen konnten. Nach der ganzen Serie von Filmen schwappte die Welle auch auf den Büchermarkt über, auf dem sie bis heute anhält und unzählige Romane mit ach so genialen und immer grausameren Serienkillern hervorgebracht hat. Ein ziemlich ausgelutschtes Thema, das mir in Buch- und Filmform zum Hals heraushängt.

Auch im Bereich der TV-Serien ist das Thema bereits ausführlich behandelt worden. Schon FBI Special Agent Dale Cooper jagte 1990 in „Twin Peaks“ den Serienkiller Windom Earl. In jeder Krimiserie tauchen regelmäßig Serientäter auf und in Criminal Minds geht es sogar jede Woche um einen neuen . Ginge es nach letzterer Serie, müsste fast jeder dritte Amerikaner ein psychopathischer Serienkiller sein.

Bei all diesen Serien liegt der Fokus aber auf den Ermittlern. Serien, in denen der Killer selbst die Hauptfigur oder gar der Held ist, sind selten. Die erfolgreichste und beste dieser Serien ist „Dexter“. Hier wird ein tatsächlich ein Serienkiller zum Helden. Allerdings geht er nach einem strengen Kodex vor und bringt selbst nur anderen Serienkiller und Mörder um die Ecke. Die Serie spielt auf hohem Niveau mit der Ambivalenz der Hauptfigur als Killer und Familienvater, dem moralischen Dilemma von Selbstjustiz in einem Rechtssystem, in dem die Gerechtigkeit nicht immer siegt. Der Zuschauer wird hier in die unangenehme Lage gebracht, Sympathien für einen Mörder zu entwickeln.

„Dexter“ läuft jetzt schon in der siebten Staffel (die achte wird die letzte sein) und war lang ziemlich allein auf weiter Flur. Bis zur aktuellen Fernsehsaison. Plötzlich tauchen gleich drei Serien auf, in denen Serienmörder zu Hauptfiguren gemacht werden. Trotz der thematischen Nähe haben Hannibal, Bates Motel und The Following sehr unterschiedliche Ansätze.

Hannibal (Folgen 1 und 2 gesehen)

Nachdem Roman „Hannibal Rising“ und dessen Verfilmung, in denen es um Lectors Jugendjahre ging, rückt die Serie den FBI Profiler Will Graham und dessen Beziehung zum Psychiater Dr. Hannibal Lector in den Mittelpunkt. In der Pilotfolge lernt man Graham als schwierige Person kennen, die sich am Tatort ganz in die Perspektive des Täters hineinversetzen kann, aber Schwierigkeiten hat, soziale Kontakte zu anderen Menschen zu pflegen. Trotzdem möchte sein Chef Jack Crawford ihn wieder ins Feld schicken. Um sicherzugehen, ob er dafür tauglich ist, muss er zu Sitzungen mit Dr. Lector gehen, der sich dann auch gleich mit in die Ermittlungen zu den aktuellen Fällen einbringt. Wobei sein Interesse gänzlich anderer Natur ist, als das der Ermittler.

Diese Serie von NBC hat mich überrascht. Nach dem gurkigen The Following (siehe weiter unten) hatte ich eine weitere Serie erwartet, die routinemäßig und seelenlos runtergekurbelt wird, und sich dabei mit dem berühmten Namen schmückt. Aber weit gefehlt. Die beiden ersten Folgen sind auf sehr hohem Niveau gefilmt. Bei der visuellen Darstellung hat man sich richtig Mühe gegeben. Wenn sich Graham in die Täter hineinversetzt wird das in kunstvollen Bildern visualisiert und soundtechnisch hervorragend untermalt. Die Serie sieht richtig edel aus.
Die Darsteller sind durch die Bank weg erstklassig. Auch wenn Mads Mikkelsen und seine leicht nuschelige Art sicher nicht jedermanns Sache sind.
Bisher zeichnet sich ein Fall der Woche Schema mit zusätzlicher folgenübergreifender Handlung (durch Lector) ab. Da bleibt abzuwarten, ob es den Machern gelingt, ein stimmiges Konzept zu etablieren.
Der erste Fall der Woche war ziemlich gewöhnlich und nichts Besonderes. Die Pilotfolge lebte mehr von der Konzentration auf die Figur des Will Graham und seinen ersten Begegnungen mit Hannibal, die mit intelligenten Dialogen und feiner Ironie glänzen konnten. Der Fall in Folge 2 ist dann allerdings etwas Besonderes. Die hier zu Pilzfarmen umfunktionierten Menschen sind nichts für schwache Mägen und suchen an Perfidität ihresgleichen. Da war selbst ich, der sich in diesem heftigen Genre gut auskennt, ziemlich schockiert.

Bates Motel (Folgen 1-4)

Ist eine Art Prequel zu Alfred Hitchcocks Film“Psycho“, der auf dem gleichnamigen Roman von Robert Bloch basiert, und damals mit seiner berühmten Duschszene, in der die weibliche Hauptfigur bereits nach der Hälfte des Films ermordet wurde, eine ziemliche Sensation. Allerdings spielt Bates Motel in der Gegenwart, inklusive Handys, Internet usw.
Der Teenager Norman Bates ist gerade mit seiner, noch lebenden, Mutter in das berüchtigte Motel gezogen, nachdem Normans Vater unter tragischen Umständen ums Leben kam. Die Serie konzentriert sich dabei auf die Figur von Norman und der sehr, sehr engen Beziehung zu seiner Mutter. Norman kommt erstaunlich gut bei den weiblichen Teenagern des Ortes an, knüpft schnell Kontakte, die von seiner Mutter kritisch gesehen werden, und macht einige Entdeckungen, die die schöne Fassade der idyllischen Kleinstadt bröckeln lassen.
„Bates Motel“ ist eine Serie, die sich viel Zeit für die Entwicklung ihrer Figuren nimmt und auf blutige Effekthascherei verzichtet, auch wenn gelegentlich jemand umgebracht wird. Die enge bis erdrückende Beziehung zwischen Norman und seiner Mutter wird teilweise etwas zu offensichtlich inszeniert. Das hätte man ruhig etwas subtiler machen können, ist aber vermutlich für Zuschauer gedacht, die das berühmte Original nicht kennen.
Die Serie funktioniert auch ganz unabhängig davon. Ganz langsam und stimmungsvoll wird eine bedrohliche Atmosphäre aufgebaut, die mit jedem Blick hinter die saubere Fassade von White Pine Bay noch dichter wird. Es ist keine typische Serienkillergeschichte. Hier kann man einem zukünftigen Serienkiller beim Aufwachsen zusehen. The coming of age of Norman Bates, der sich einerseits mit den üblichen Teenagerproblemen rumschlagen muss, gleichzeitig aber auch eine dunkle Seite entwickelt, die sich anfangs nur selten zeigt, aber im Laufe der Folgen immer düsterer wird. Trotzdem ist er bisher noch der Sympathieträger der Serie.

The Following (Folgen 1-10 1/2)

Die Serie erhielt im Vorfeld viel Aufmerksamkeit und hohe Erwartungen. Immerhin sollte es hier nicht einfach um einen Serienkiller gehen, sondern um eine ganze Sekte von Serienkillern. Diese sogenannten Follower haben sich um den charismatischen Uniprofessor Joe Carroll gescharrt, der das Werk von Edgar Allen Poe zu einer Art Religion erhoben hat und danach Morde begeht. Zu Beginn der Serie sitzt er, nachdem er vor acht Jahren vom FBI Agenten Ryan Hardy geschnappt wurde, im Knast, bricht aus, bringt jemanden um, wird wieder geschnappt, bricht wieder aus usw. Währenddessen fangen überall im Land seine Follower an, Leute zu ermorden. Scheinbar alles nach einem genialen Plan von Joe Carroll, der unter anderem seinen Sohn und seine Frau zurückbekommen möchte. Die ist inzwischen mit Ryan Hardy befreundet, was diesen endgültig zur Hauptzielscheibe bzw. zum Protagonisten von Carrolls Plänen macht. Hört sich alles etwas wirr und lahm an. Oder? Ist es auch.

Das Grundprinzip der Serie besteht daraus, dass sich die Ermittlungsbehörden, allen voran das FBI, in wichtigen Situationen immer auf die dümmst mögliche Weise verhalten. Und zwar in jeder Folge mehrfach. Würden sie das nicht tun, würde zum Beispiel das Team aus Criminal Minds gegen Joe Carroll und seine Follower ermitteln, die Serie wäre nach zwei Folgen vorbei. Der ach so geniale Masterplan von Carroll funktioniert nicht, weil er wirklich so genial ist, sondern weil seine Gegenspieler grenzenlos dumm agieren.Was man durchaus als eine extreme Beleidigung der Intelligenz der Zuschauer durch die Autoren bezeichnen kann. Die sind nämlich zu faul oder unfähig, sich was wirklich Cleveres auszudenken und setzen voll auf Dummheit. Und das ausgerechnet von Chefautor Kevin Williamson, der bisher für seine intelligenten Drehbücher bekannt war.
Auch läuft fast jede Folge nach demselben Schema ab. Das FBI will jemanden schützen, befreien und/oder schnappen, verhält sich dabei wie der letzte Dorftrottel, Agenten sterben, Unbeteiligte sterben, Bösewichte entkommen, Ryan Hardy stapft mit einer Taschenlampe durch einen dunklen Keller, eine Fabrik oder Ähnliches, läuft in eine Falle, schafft es aber viele namenlose Follower zu erschießen, hat am Ende aber genauso wenig erreicht, wie das planlose FBI, dass überhaupt nichts checkt.
Hier ein Beispiel für das Prinzip Dummheit: Drei US-Marschalls sollen eine wertvolle Person vor den Followern beschützen. Dabei quartieren sie sich ein einem Motel! ein. Zwei der Marschals werden durch verdächtige Aktivitäten nach draußen gelockt, Marschal Nr. 3 bleibt im Zimmer und beobachtet über eine Videokamera, wie seine beiden Kollegen von zwei Angreifern mit Maschinenpistolen niedergemäht werden. Er sieht die Angreifer über den Monitor auf sein Zimmer zukommen. Was macht dieser professionell ausgebildete Personenschützer? Er stellt sich mit gezogener Waffe direkt hinter die papierdünne Holztür und warten seelenruhig darauf, durch die Tür hindurch erschossen zu werden. Die Angreifer tragen kugelsichere Westen, die Marschals natürlich nicht.

Während ich bei »The Following« mitten in der zehnten Folge ausgestiegen bin, weil ich diesen Dummfug nicht mehr ertragen habe, erwarte ich gespannt die neuen Episoden von »Hannibal« und »Bates Motel«. Von den Dreien ausgerechnet die Serien, von denen ich am wenigsten erwartet hatte.

Deutsche Ausstrahlung: Die Rechte an Hannibal hat sich die ProSiebenSat1 gesichert, eine Ausstrahlung soll für 2013 geplant sein, aber einen genauen Termin gibt es noch nicht. Zu Bates Motel ist mir diesbezüglich nichts bekannt. The Following soll ab dem 6. Juni auf dem Digitalsender RTL-Crime laufen.

P.S. eigentlich müsste ich diesen Artikel noch ein wenig mit Szenenbildern aus den Serien auflockern und attraktiver machen. Da ich aber keine Lust auf irgendwelches Abmahngedöns habe und mich da rechtlich auch nicht mit auskenne (vermutlich müsste ich bei den Presseabteilungen der Sender anfragen), verzichte ich lieber darauf. Was das Einbetten von Videos, bzw. Trailern von Youtube angeht, da befasst sich ja gerade der Bundesgerichtshof mit, ob das eine Uhrheberrechtsverletzung sein könnte, bisher war es wohl keine.

P.P.S. Irgendwie spinnt WordPress heute, was die Absätze angeht. Immer wenn ich den Text aktualisiere, werden von mir gesetzte Absätze wieder „geklaut“. Deshalb sieht der Text etwas uneinheitlich formatiert aus.

Empfehlenswerte TV-Serien: Black Books

Nach der Empfehlung der ziemlich aktuellen Serie „Braquo“, stelle ich heute eine meiner all-time faves vor:

Black Books ist eine urkomische britische Comedyserie über den Buchhändler Bernard und seinen Angestellten Manny. Bernard Black, der Inhaber des Buchladens, der heißt wie die Serie, liebt seine Bücher und hasst seine Kunden, denn die wollen ihm seine geliebten Bücher wegkaufen. Das kann Bernard natürlich nicht zulassen, weshalb er seine Kunden wie den letzten Dreck behandelt (eine Taktik, die leider auch einige deutsche BuchhändlerInnen im realen Leben anwenden – fragt mal in einer Buchhandlung für gehobene E-Literatur nach Horror oder Science Fiction). Außerdem hätte er für jedes verkaufte Buch mehr Arbeit mit seiner Steuererklärung. Und wenn es etwas gibt, das Bernard noch mehr hasst, als Bücher zu verkaufen, dann ist es, die Steuererklärung zu machen. In einer denkwürdigen Folge lässt er sich alle möglichen Ausweichstrategien einfallen, um nicht die Steuer machen zu müssen, unter anderem provoziert er eine Horde Skinheads vor seinem Laden, damit sie ihn verprügeln; was ihm immer noch lieber ist, als die Steuer.
Manny ist die gute Seele des Ladens, ein netter Kerl, der versucht Bernard mit den Verhaltensweisen der Zivilisation vertraut zu machen, dabei stets scheitert und unter seinen Launen zu leiden hat. Er kann keiner Fliege etwas zu Leide tun,  außer wenn die Temperatur im Sommer einen bestimmten Punkt überschreitet, dann wird er zum Tier und versetzt einen ganzen Straßenzug in ein endzeitmäßiges Schlachtfeld.
Und dann gibt es noch die Nachbarin, die einen kleinen Nippesladen führt und gerne für eine Flasche Wein rüberkommt.

Die beiden Hauptdarsteller Dylan Moran („A Film with Me in it“, „Notting Hill“) und Bill Bailey („Spaced“) sind in Großbritannien bekannte Komiker, die es in den 18 Folgen der drei Staffeln verstehen urkomische Situationskomik mit dem trockenen, schwarzen Humor der Briten zu verbinden. Der Buchladen als Handlungsort macht diese Serie für jeden Bücherwurm zum Pflichtprogramm. Die Serie lief von 2000 – 2004 auf Channel 4 und ist für 8 Pfund bei Amazon.co.uk erhältlich. In Deutschland ist die Serie bisher leider nicht erschienen. Der Wortwitz ist aber vermutlich nur schwer ins Deutsche zu tranportieren, was ein Grund sein könnte, warum hier inzwischen viele britische Krimiserien laufen, aber nur sehr wenige bis gar keine der tollen Comedyserien.

Hier ein Trailer, der den Humor der Serie ganz gut wiedergibt.