Blogpause bis Ende Mai

Da der Abgabetermin für eine Romanübersetzung (Die Maschine erwacht von Adam Chistopher bei Cross Cult) immer näher rückt und ich alle Hände voll damit zu tun habe, diesen knapp kalkulierten Termin einzuhalten, werde ich meine Bloggertätigkeit bis Anfang Juni auf Eis legen. Wenn ich am Tag zehn Seiten und mehr übersetze, fehlen mir nach Feierabend Zeit, Lust und Energie, noch weitere Textarbeit zu leisten. Dann möchte ich mal vom Bildschirm weg und in Ruhe ein Buch lesen, einen Film oder eine Serie schauen und Fahrrad fahren oder Joggen gehen. Deswegen werde ich meine Internetaktivitäten vorübergehend stark zurückfahren.

Montag werde ich noch meine Übersetzung der Kurzgeschichte What Would Same Spade Do von Jo Walton für die nächste Ausgabe der Phantastisch abgeben. Ab dann konzentriere ich mich ganz auf die Romanübersetzung und Auftragsakquise. Denn einen neuen Auftrag sollte man schon haben, bevor man mit dem alten fertig ist, damit die Übergänge möglichst übergangslos verlaufen. Nachdem ich jetzt schon an mehreren Wochenenden durchgearbeitet habe (etwas, dass ich in der Regel zu vermeiden versuche, was sich aber bei Auftragsüberschneidungen und engen Deadlines nicht immer vermeiden lässt), hätte ich nichts gegen ein, zwei Wochen Urlaub (bzw. Freizeitausgleich) einzuwenden, aber ich muss auch zusehen, dass die nächsten Aufträge ins Haus kommen.

Nachdem ich seit drei Jahren konstant blogge, und in den letzten drei Monaten sogar besonders intensiv, fehlt mir momentan ein wenig die Lust. Ich brauche mal eine Pause, damit die Tätigkeit, die ich aus reinem Spaß mache, nicht zur lästigen Pflichterfüllung wird.

Bis Juni werde ich mich im Internet also etwas rarmachen, und den nächsten Blogeintrag gibt es dann Anfang Juni, wenn ich von der Manuskriptabgabe berichten werde.

P.S. Morgen wird man mich übrigens auf dem Marburg Con antreffen.

Lesezeichenarchäologie 1: Licht im Panoptikum

Seit ich lesen kann, lese ich Bücher. Und seitdem sammel ich sie auch. Inzwischen sind es zwischen 1.000 und 2.000 Bücher – bin zu faul, sie noch zu zählen. Unter diesen über tausend Büchern befinden sich ca. 100 bis 200 die ich noch nicht gelesen habe (die Dunkelziffer könnte durchaus höher liegen). Und es gibt ca. 50 Bücher, die ich irgendwann einmal angefangen, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr weitergelesen habe. Die stehen kreuz und quer über meine Bücherregale verteilt und sind echte Fundgruben, was Lesezeichen angeht.

In vielen davon befinden sich ganz normale Lesezeichen, die man in der Buchhandlung beim Bücherkauf beigelegt bekommt, aber manchmal sind mir die Dinger ausgegangen, und ich habe alles als Lesestandmarkierung genommen, was mir in die Finger fiel (denn Eselohren gehen gar nicht, und mir die Seitenzahl einfach merken funktioniert manchmal und manchmal nicht).

Als ich 1999 meinen Zivildienst beendet habe, sollte ich meinen Zivi-Ausweis abgeben, damit ich mich auch ja nicht kostenlos (oder zu reduziertem Preis) ins Schwimmbad schleiche. Der Personalchef damals war ein echter Vollidiot, der uns Zivis das Leben schwer gemacht hatte. Jedenfalls konnte ich meinen Ausweis nicht mehr finden, was merkwürdig war, weil ich in der Regel nichts verliere. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen Schlüssel verloren, und auch kein Handy oder sonstige Wertgegenstände. Ich vergesse höchstens einmal, wo ich Sachen hingelegt habe. Als ich ihn dann 10 Jahre später in einem Buch wiederfand, war es wohl etwas zu spät, den Ausweis zurückzuschicken.

In dieser Artikelserie begebe ich mich auf Entdeckungsreise durch die unendlichen Weiten und Welten meiner Büchersammlung. Ich bin selbst ganz neugierig, was dabei so alles ans Licht kommt. Zu jedem Fundstück und Buch werde ich eine kleine Geschichte erzählen.

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Das Buch habe ich 2005 in der Buchhandlung am Kölner Tor in Siegen gekauft. Damals habe ich in Siegen studiert und im Studentenwohnheim in der Engsbachstraße in Weidenau gewohnt. Obwohl ich damals ein Auto hatte, bin ich gerne zu Fuß in die Stadt gegangen, um dort in den Buchhandlungen zu stöbern. Hat hin und zurück immer jeweils eine Stunde gedauert, und das Wohnheim lag am Ende der sehr lange und vor allem sehr sehr steilen Engsbachstraße, auf der Radprofis für die Bergetappen der Tour de France trainieren könnten. Aber ich habe es damals einfach geliebt, zu laufen.

Die Buchhandlung am Kölner Tor war (keine Ahnung, ob es sie noch gibt) eine kleine Eckbuchandlung im Stadtzentrum von Siegen. Ich habe dort vor allem nach normaler Belletristik gestöbert – das Angebot an phantastischer Literatur war recht eingeschränkt und mann musste sich in eine schmale Ecke quetschen, um das Regal zu betrachten. Hin und wieder gab es aber interessante Titel, so habe ich mir dort zum Beispiel das großartige Lord Gamma gekauft.

Licht hatte die Leser damals gespalten, einige hielten es für ein Meisterwerk, andere für unlesbaren, sperrigen und konfusen Quatsch. Ich bin nur bis auf Seite 146 gekommen, obwohl ich das Buch eigentlich gar nicht schlecht fand. Aber irgendwas hatte mich damals gestört. Die Übersetzung (obwohl im Prinzip gar nicht so schlecht), wirkte (vor allem durch die merkwürdigen Fußnoten) leider etwas holprig und ungelenk. Man merkte, dass die Übersetzer von Jugendkultur und SF nicht so richtig Ahnung hatten. Auf Seite 55 heißt es z. B. Der Twing sei ungefähr so groß (ihre Hand schwebte zwei Zoll über ihrem Kopf), mit einem teils gewachsenen Mohikaner* und ein paar billigen Tattoos. Dazu die Fußnote: *Glatt rasierter Schädel mit zentralem, von vorne nach hinten verlaufenden Haarstreifen.
Im Original steht da vermutlich »mohawk«, was einen Iro oder Irokesenschnitt meint. Witzigerweise habe ich mich Ende 2013 mit Jakob Schmidt darüber unterhalten, der die Übersetzung für den Sammelband der Trilogie bei Heyne aus genau diesen Gründen überarbeitet hat.

Und jetzt zum Lesezeichen: Das ist eine Eintrittskarte zum Panoptikum, dem Unikino der Universität Siegen, das während des Semesters immer Donnerstagabend im blauen Hörsaal einen Kinofilm zeigte (meist Filme, die ungefähr 6 Monate aus dem regulären Kino raus waren, aber auch Kultklassiker). Die Kinder des Monsieur Mathieu war eine dieser für das Programm typischen Filmperlen. Ich bin regelmäßig mit Leuten aus meiner WG, mit Freunden aus meinem Studiengang und mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Fachschaftsrat dahin gegangen. Man saß zwar recht ungemütlich auf den typischen klapprigen und knarzenden Holklappstühlen, wie man sie vermutlich an jede Uni findet, aber die Atmosphäre war dank des Publikums trotzdem super. Ich bin zwar auch gelegentlich ins Cinestar in der Stadt gegangen, aber das Panoptikum war eben was Besonderes. An folgende Filme kann ich mich noch erinnern. Hero, House of Flying Daggers, Funny Games, Die Stadt der verlorenen Kinder (beides sehr unangenehme aber gute Filme), Heaven (von Tom Tykwer), und vor Weihnachten gab es immer eine besinnliche Doppelvorstellung mit Die Feuerzangenbowle und Stirb Langsam.

Fast wäre ich auch selbst bei der Kinotruppe eingestiegen, ich war damals Cineast und großer Kinofan. Während meines ersten Semesters (als Sozialpädagogikstudent, hatte zuvor schon ein Semester Physik studiert) haben wir per Urabstimmung beschlossen eine Woche zu streiken, um gegen eine Verwaltungsgebühr von 50 Euro pro Semester in NRW zu protestieren. Und mit Streik meine ich auch Streik. Wir haben die Uni eine Woche lang komplett dichtgemacht, und unter anderem die Eingänge mit Ketten und Vorhängeschlössern verbarrikadiert. Durch durfte nur, wer Prüfung hatte. Ich hatte mich, um aktiv am Unileben teilzunehmen, im Streikkomitee engagiert (kann aber auch sein, dass eine Frau der Grund dafür war 😉 ). Ich gehörte zur Stadtgruppe. Wir haben eine Umfrage organisiert und ein dauerhaftes Protest/Infocamp im Stadtzentrum von Siegen, am Brunnen vor dem Einkaufszentrum besetzt. Dazu noch eine Mahnwache vor dem Rathaus. Und schließlich gab es noch eine große Demo mit mehreren tausend Studierenden durch die Stadt bis zum Rathaus (wo später noch einige wegen Hausfriedensbruch verhaftete wurden, weil sie das Rathaus gestürmt haben). Ach ja, dem damaligen NRW-Finazminister Peer Steinbrück haben wir bei einem Waldspaziergang aufgelauert, der hat sich aber von seinen Bodyguards abschirmen lassen und ist einfach weiter.

Einen besseren Einstieg ins Unileben hätte es gar nicht geben können. Wir waren die letzte Generation vor der Umstellung zum Bachelor/Master-System, mit seinen Modulen, Anwesenheitspflichten und Langzeitstudiengebühren. Wir konnten uns so etwas noch leisten und in der einen Wochen Protestorganisation habe ich mehr für meinen späteren Beruf und fürs Leben gelernt als in einem mit Seminaren und Vorlesungen vollgepackten Semester. Wobei der Protest auch seine merkwürdigen und unschönen Momenten hatte. Z. B. als linke Aktivisten auf der Demo durch Lautsprecher antikapitalistische Parolen riefen, und damit den eigentlichen Zweck des Protestes ad absurdum führten und die Sympathien der Siegener Bevölkerung für unser Anliegen gefährdeten. Oder als (wenige Wochen nach dem Amoklauf von Erfurt) mitten auf dem Campus eine Gießener Band auftrat, deren Sänger in langem weißen Gewand, Stirnband und Jesuslatschen sang: »Amoklauf, Amoklauf, tausend Menschen gehen drauf.«

Wie auch immer, einer meiner Mitorganisatoren war auch Mitglied im Panoptikum und machte mich auf die Arbeit dort ganz neugierig . Aber am Ende entschied ich mich stattdessen Mitglied im Fachschaftsrat meines Studiengangs zu werden, aber das ist eine andere Geschichte.

In obiger Erzählung zeigt sich der Wert, den im Regal stehende Bücher für mich haben. Jedes Buch ist mit einer oder mehreren Erinnerungen verbunden, und wenn ich meinen Blick über die Regalreihen schweifen lasse, sehe ich nicht nur die unzähligen Abenteuer und Welten, die ich bei der Lektüre erlebt und bereist habe, sondern auch den Ort und die Zeit, als ich mir das jeweilige Buch zugelegt habe. Sicher einige Bücher sind besser im Gedächtnis geblieben, als andere. Und ich weiß auch nicht von jedem, wo und wann ich es mir gekauft habe, insgesamt sind meine Bücherregale eine echte Fundgrube an schönen Erinnerungen.

 

 

P.S. Ich denke, ich werde mich mal die Gesamtausgabe der Trilogie von M. John Harrison in der überarbeiteten Übersetzung zulegen, und dann weiterlesen.

Rückblick auf 2014

Wie schon im letzten Jahr gibt es einen kurzen Rückblick auf mein Jahr (2014). Ansonsten wünsche ich allen ein frohes neues Jahr.

Buch des Jahres: Die Landkarte des Himmels – Felix J. Palma, Die Akte Vaterland – Volker Kutscher, Die unglaublichen Abenteuer von Cavalier & Klay – Michael Chabon
Bestes SF-Buch: Die letzte Arche – Stephen Baxter, Ancillary Justice – Anne Leckie
Bestes Fantasybuch: Two Serpents Rise – Max Gladstone, Der letzte Wunsch – Andrej Sapkowski
Bestes Horrorbuch: Revival – Stephen King (wobei ich das eingentlich gar nicht als Horror sehe)
Bester Krimi: Verdächtige Geliebte – Keigo Higashino
Kinofilm des Jahres: Interstellar
SF-Film des Jahres: siehe oben, Edge of Tomorow
Serienereignis des Jahres: Die ersten zehn Minuten der 2. Staffel von Hannibal, Start von Netflix in Deutschland (ich wollte erst gar nicht, dank des kostenlosen Probemonats bin ich aber jetzt begeisterter Kunde. Wer braucht da noch traditionelles TV? Ich nicht!)
Beste alte Serie: Person of Interest, Hannibal
Beste neue Serie: Fargo, True Detective, Penny Dreadful
Bestes Serienfinale: Californication (Hank and Karen forever), How I Met Your Mother – auch wenn mich da jetzt einige steinigen wollen. Seit Lost hat wohl kein Serienfinale die Fans so gespalten. Die einen sehen es als desaströsen Verrat an den Figuren, die anderen (mich eingeschlossen) finden es angemessen bis großartig. Es ist einach das von Folge 1 absehbare und angemessene Ende. Über den Verlauf der Staffeln 8 u. 9 lässt sich allerdings streiten. Musste man der Hochzeit wirklich so viel Raum geben?
Album des Jahres: habe kein Album gehört, das 2014 neu erschienen ist, und wenn, ist es mir nicht in Erinnerung geblieben.
Spiel des Jahres: Habe nichts Neues gespielt, von den alten Mass Effect und The Book of Unwritten Tales (der gleiche Eintrag wie im letzten Jahr)
Zeitschrift des Jahres: Phantastisch und Geek (Dito)
Konzert des Jahres: War leider auf keinem Konzert
Fandomveranstaltung des Jahres: Bucon, MarburgCon
Veranstaltung des Jahres: Erstaunlicherweise etwas Berufliches: ein fünftägiges Übersetzerseminar in Straelen.

Persönliches Ereignis des Jahres: War zum ersten Mal Trauzeuge, und habe ein tolles Hochzeitswochenende auf der Ostseeinsel Zingst verbracht

Größte Veränderung des Jahres: War beruflicher Natur. Habe in einem Kindergarten gearbeitet, in der Jugendhilfe und seit Oktober Vollzeit als freiberuflicher Übersetzer. Spiele kein Fußball mehr. Besitze wieder ein Auto

Beruflicher Höhepunkt des Jahres: Habe die Rohübersetzungen zu 16 TV-Dokumentationen gemacht, kurz vor Weihnachten ist meine Übersetzung zu Captain Future – Der Triumph erschienen. Habe aber auch sehr interessante Erfahrungen in der Jugendhilfe gesammelt.

Erkenntnis des Jahres: (Ich besitze zu viele Bücher und sollte vermehrt auf E-Books umsteigen), stand hier im letzten Jahr. Hat nicht wirklich geklappt. Von den 53 Büchern, die ich 2014 gelesen habe, waren nur 8 E-Books, aber immerhin habe ich mir 9 gedruckte Werke aus der Bücherei ausgeliehen. Auf die neuen Bücher in meinem Besitz, die ich noch nicht gelesen habe gehe ich jetzt lieber nicht ein.

Aus dem letzten Jahr
Was 2014 bringen wird: berufliche Veränderungen, zwei bereits fertige Übersetzungen, deren Erscheinen schon sicher ist.

Die beruflichen Veränderungen vielen sogar noch stärker aus, als erwartet. Von den beiden Übersetzungen ist allerdings doch nur eine noch knapp vor Weihnachten erschienen. Die andere wird im Januar 2015 rauskommen.

Was 2015 bringen wird: Hoffentlich eine hauptberufliche Karriere als Übersetzer, die letzten drei Monate des Jahres 2014 liefen schon mal ganz gut.

Frohe und Phantastische Weihnachten

Ich wünsche allen fröhliche und phantastische Weihnachten, und möchte mich an dieser Stelle bei allen Leserinnnen und  Lesern meines Blogs für ihre Aufmerksamkeit bedanken. In den nächsten Tagen wird es hier einige phantastische und besinnnnnliche Einträge geben. Bis dahin dürft Ihr den von mir mit bloßen Händen in freier Wildbahn erlegten Weihnachtsbaum bewundern:

 

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„In einer anderen Welt“ – Bericht vom Übersetzungsworkshop in Straelen

Disclaimer: Das Copyright sämtlicher in diesem Beitrag verwendeten Fotos liegt bei Mo Zuber

Anschlüsse sind in der Literaturübersetzung von großer Bedeutung. Wird der Anschluss zwischen zwei Sätzen verpasst, gerät der Leser ins Stolpern, der Lesefluss wird gebremst und Zeit geht verloren. Kommt dies öfters vor, könnte der Leser den Roman entnervt abbrechen.

Anschlüsse bei der Deutschen Bahn besitzen ebenfalls eine große Bedeutung, und meistens funktionieren sie nicht. Auf meinem Weg zum Übersetzungsworkshop in Straelen (wird ohne das e ausgesprochen) musste ich in Köln am Hauptbahnhof umsteigen – Zeit dafür: 8 Minuten. Verspätung meines ICE aus Montabaur: 15 Minuten.

Fuck!

Aber kein Problem, denn von Köln fahren fast alle 10 Minuten Züge, so dass ich immer noch eine Stunde zu früh in Duisburg ankam. Um 14.00 Uhr wurde unser kleines Übersetzergrüppchen (12 ÜbersetzerInnen und zwei SeminarleiterInnen) mit dem Bus abgeholt. Dann ging es über das flache Land mit seinen zahllosen Feldern vorbei an der Bofrostfabrik hinein in die winzigen, verwinkelten Straßen der kleinen Stadt am Niederrhein, mit den putzigen Backsteinhäusern und der großen Kirche, die alles überragt.

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Straelens Kirche

Nach einer herzlichen Begrüßung bekamen wir unsere Zimmer. Das Europäische Übersetzerkollegium besitzt eine Bibliothek mit 125.000 Titeln, und obwohl es aus sechs miteinander verbundenen Häusern besteht, mangelt es an Platz, so dass die Bücher auch auf den Gästezimmern gelagert werden, was für zusätzliche Atmosphäre sorgt. Mich hat es zur deutschen Literatur mit dem Buchstaben B wie Benn, Brecht und Bernhard verschlagen. Zum Glück kam keiner der im Haus residierenden Übersetzer auf die Idee, mitten in der Nacht etwas in einem dieser Bücher nachschlagen zu müssen.

Nach der allgemeinen Begrüßung um 15.30 ging es um 16.00 Uhr bereits mit dem ersten Text los. Jeder der zwölf Teilnehmerinnen hatte eine Übersetzungsprobe von ca. 6 Seiten plus Originaltext eingereicht. Für jeden Text gab es dann 90 Minuten Zeit, um ihn in der großen Runde zu besprechen.

Das Europäische Übersetzerkollegium in Straelen

Das Europäische Übersetzerkollegium in Straelen

Den Anfang macht direkt ein echter Brocken. »Toll the Hounds« von Steven Erickson in der Übersetzung von Tim Straetman alias Gerd Rottenecker. Über dessen Teilnahme habe ich mich besonders gefreut, nicht nur, weil mir miteinander befreundet sind, und ich Erikson total gerne lese, sondern auch, weil mit ihm ein alter Hase am Seminar teilnahm, der einen wahren Schatz an Erfahrung mitbrachte.

»Toll the Hounds« ist der achte Band der zehnbändigen Fantasyreihe »Das Spiel der Götter«, von der jeder Band um die 1.000 Seiten hat. Gerd übersetzt schon seit Jahren daran und hat sich damit wohl die schwierigste Übersetzungsaufgabe in der Fantasy überhaupt ausgesucht. Die Bücher sind nicht nur sehr dick, sondern extrem komplex, mit einem längeren Personenregister als »Game of Thrones«, unzähligen Handlungssträngen und einer anspruchsvollen Sprache, deren sprechenden Namen teilweise unübersetzbar sind (siehe Whiskeyjack). Es kann passieren, dass man in Band 2 einen Begriff übersetzt, mit dem man zunächst nicht viel anfangen kann, der in Band 7 aber plötzlich auf eine Weise wichtig wird, der die Übersetzung aus Band 2 aber nicht gerecht wird.

Für Gerd ist die Übersetzung von Erikson sozusagen ein Lebenswerk und man kann die Arbeit und das Können, die er in sie investiert nicht hoch genug schätzen. Würde er damit aufhören, es gäbe niemanden, der diese Übersetzungsarbeit adäquat fortsetzen könnte. Und das Traurige ist, für eine solch aufwendige und hochkomplexe Übersetzung wird man nicht besser bezahlt, als für eine 08/15-Fast-Food-Literaturübersetzung.

Bei dem Seminartext dieses erfahrenen Übersetzers ging es vor allem um kleinere sprachliche Probleme. Zum Beispiel der Frage, ob eine Kutsche Federn hat, die mit einem dröhnenden Aufprall aufeinander knallen können. Oder ob es »wirre Wogen« geben kann, ob man nicht lieber »wilde Wogen« daraus macht (es ging übrigens nicht um Wasser, sondern ein Meer aus Untoten). Ob man aus »hauptsächliche Aufgabe« besser »vordringlichste Aufgabe« macht. Das Wort »Szene« (»Plötzlich verschwamm die Szene«) warf die Frage auf, ob man »Scene« so wörtlich übersetzen könne (nicht nur in diesem Text, sondern allgemein).

Aufgrund der teils strapaziösen Anreise und der Komplexität des Textes haben wir gerade mal die Hälfte der Textprobe geschafft, was aber auch nicht schlimm war. Denn es ging nicht darum, den konkret vorliegenden Text zu verbessern, sondern ganz allgemein auf Übersetzungsprobleme hinzuweisen und für Lösungsalternativen zu sorgen.

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Der mit Glas überdachte Innenhof wird als Biblothek genutzt

Um 18.30 Uhr ging es dann zum Abendessen. An dieser Stelle muss ich dem Europäischen Übersetzerkollegium ein großes Lob für die Verpflegung aussprechen. Es gab jeden Tag Frühstück, kaltes Büffet zum Mittagessen und eine warme Mahlzeit zum Abendessen. Dazu eine Getränkeversorgung rund um die Uhr. Wobei die Übersetzer der hohen Literatur ausschließlich von Wasser und Wein zu leben scheinen. Für uns gab es abends immer reichlich Wein, was dazu führte, dass wir jeden Abend noch ein Stückchen länger zusammensaßen. Am letzten Abend bin ich erst um 3.30 Uhr ins Bett gegangen.

Am zweiten Seminartag gab es dann das volle Programm. Direkt um 9.00 Uhr ging es mit dem ersten Text los, insgesamt waren es drei an diesem Tag und um 16.00 gab es dann einen Vortrag einer Lektorin/Redakteurin des Lyx Verlags. Der war hochinteressant und besaß überraschend viel Selbstironie und Offenheit bezüglich des Verlagsprogramms und der Abläufe bei der Buchproduktion. Mitunter war er aber auch sehr ernüchternd.

Freitag und Samstag gab es ebenfalls das volle Programm mit teilweise bis zu vier Texten pro Tag. Ich werde hier jetzt nicht jede Übersetzung einzeln durchgehen und auch nicht die Namen der ÜbersetzerInnen und der Bücher nennen, sondern nur allgemein über die Arbeit des Übersetzungsworkshops berichten. Zu meinem eigenen Text wird es noch einen gesonderten Eintrag geben.

Die Bandbreite an phantastischen Texten war groß. Die die Seminarleitung hat sie grob (der besseren Übersicht halber) in folgende (Sub-) Genre eingeteilt: Urban Fantasy, klassischer Horror, moderne Science Fiction, literarisches Märchen, magischer Realismus, epische Fantasy, klassische Science-Fiction (das ist mein Text), Fantasy-Jugendbuch, moderne Phantastik und Jugendbuch-Dystopie.

Nicht alle der eingereichten Texte haben schon einen Verlag, aber die meisten. Es ist durchaus üblich, dass man sich als Teilnehmer auch mit einem Text bewerben kann, für den man (noch) keinen Auftrag hat.

Where the magic happens ...

Where the magic happens …

Die Bandbreite an Genres führte auch zu einer Fülle an unterschiedlichen Übersetzungsproblemen bzw. Fragestellungen. Gemein war aber allen Texten die Arbeit an der Sprache.

Hier mal ein paar Beispiele:

In einer der Fantasyübersetzungen geht es nicht nur um Drachen, sondern auch um Phönixe. Also den Feuervogel, der sich aus seiner eigenen Asche erhebt. In diesem Fall geht es um ein ganzes Volk von Gestaltwandlern, die sich eben in Phönixe verwandeln können. Phönix hört sich im Plural schon blöd an. Aber was macht man bei der Unterscheidung zwischen männlich und weiblich? Eine elegante Lösung konnte während des Seminars nicht gefunden werden. (Pip darf nicht sterben!!!)

Ein Jugendbuch, das von einer Computerspielautorin im Stil eines Computerspiels geschrieben wurde, sorgte für besondere Schwierigkeiten. Die Hauptfiguren werden wie Computerspielcharaktere beschrieben und haben sogar jeweilige Eigenschaftsklassen, nach denen sie auch benannt werden. Da gibt es z. B. Weeper oder Rager. Wie macht man daraus vernünftige deutsche Namen, die sich für die jugendliche Zielgruppe nicht völlig uncool anhören?

Ein echter Brocken für die Übersetzerin ist ein amerikanischer Hard-SF-Roman, der sowohl sprachlich anspruchsvoll geschrieben ist, als auch unzählige Fachausdrücke und Abwandlungen von selbigen enthält. Da gibt es z. b. Menschen, die sich mit wissenschaftlichen (teils operativen) Methoden optimieren lassen, um bessere (intellektuelle) Leistungen erzielen zu können. Die Menschen, die das nicht machen lassen, werden als »baselines« bezeichnet. Eine direkte Übersetzung gibt es dafür nicht. In der Medizin ist die Baseline der Stand vor Behandlungsbeginn bzw. der Ausgangspunkt vor Beginn des Experiments. Was macht man daraus? Normalo passt nicht, weil die Optimierten inzwischen der Normalfall sind.

Ansonsten ging es vor allem um stilistische Fragen. Gibt es nicht ein passenderes Wort? Sollte man die Satzstellung umbauen? Geht das nicht flüssiger? Stimmen hier die Bezüge? Usw.
Dazu natürlich auch die Frage, ob das Wort hier auch richtig übersetzt wurde. Ich hatte z.B. vision als Vision übersetzt, obwohl es um die Anfangsszene eines Films ging. Da bin ich zu schnell durch den Text durch und habe mich von einem falschen Freund täuschen lassen, ohne darüber nachzudenken, dass der Satz mit der deutschen Vision überhaupt keinen Sinn ergibt.

Das Seminar hat bei mir vor allem den Blick für Details geschärft. Dafür, dass sich der Text in der deutschen Fassung flüssig lesen muss, so als hätte ihn ein deutscher Autor auf Deutsch verfasst.

Insgesamt waren es tolle fünf Tage. Nachdem ich fast den ganzen Sommer in meinem Sozialpädagogenberuf durchgearbeitet und daneben noch TV-Dokus übersetzt habe, war dieses Seminar wie ein Urlaub in einer anderen Welt. Neben der konkreten Arbeit an den Texten ging es vor allem um die Kontakte und zahlreichen tollen Gespräche mit den anderen ÜbersetzerInnen. Das war eine tolle Truppe, die für eine tolle Arbeitsatmosphäre gesorgt hat und stets konstruktiv bei der Sache war. Es waren ohne Ausnahme nur nette Menschen dabei, dazu die dichte Atmosphäre des ehrwürdigen Kollegiums – besser kann ein Übersetzungsworkshop gar nicht ablaufen.

Im nächsten Teil geht es dann um die konkrete Arbeit an meiner Übersetzung.

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P.S. auch auf der Rückfahrt passte es nicht mit den Anschlüssen. In Köln kam ich aus Duisburg wenige Minuten zu spät an; der ICE nach Montabaur war weg, der nächste würde erst in 2 Stunden fahren. Als blieb ich in der regionalen Bimmelbahn sitzen und fuhr bis Koblenz weiter, wo ich dann abgeholt werden konnte. Also, auch wenn es nicht so läuft wie geplant, findet sich meistens doch eine Lösung.

P.P.S. Gesponsert wurde der Workshop übrigens vom Deutschen Übersetzerfonds, der sämtliche Kosten übernommen hat.

Mich gibt es auch auf …

LinkedIn, Traduguide, Facebook und Twitter.

Wenn man als Übersetzer Aufträge bekommen möchte, braucht man Kontakte. Kontakte kann man auf alle möglichen Arten bekommen: Schule, Studium, Verwandtschaft, Freundes- und Bekanntenkreis, Messen, Seminare usw.

Immer wichtiger wird es aber, im Internet vernetzt zu sein. Sprich in den sozialen Netzwerken. Facebook ist jetzt eher was für den privaten Kreis der Freunde und weiteren Bekannten. Twitter ganz ähnlich, aber auf reduzierte Weise.

LinkedIn hingegen ist ein soziales Netzwerk für berufliche Kontakte. Ich bin da jetzt schon seit einem Jahr dabei, habe aber noch nicht so recht verstanden, wie das funktioniert. Die fünf Kontakte, die ich hatte, sind inzwischen wieder auf drei geschrumpft.

Heute habe ich mich auf Empfehlung eines Kollegen noch bei Traduguide.com angemeldet. Eine Plattform auf der Übersetzer und Dolmetscher ihre Dienste anbieten und auf der Aufträge ausgeschrieben werden. Mal schauen, ob sich da was tut.

Sollte jemand Empfehlungen haben, wo man sich sonst noch im Netz anmelden sollte, nur her damit. 🙂

Bei LinkedIn sieht das z. B. so aus:

LinkedIn-Profil

 

Übersetzungscoup war natürlich ein Aprilscherz!

Bevor ich jetzt in meinem Bekanntenkreis völlig in Verruf gerate, möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass ich zu jenen nervigen Spaßvögeln gehöre, die es zu schätzen wissen, wenn sie auf einen guten Aprilscherz hereinfallen. Dementsprechend versuche ich mich auch selbst schon mal (mehr oder weniger erfolgreich) an einem kleinen Späßchen (gibt es einmal Anlass zum Scherzen …).

Meine Meldung über den Übersetzungscoup bzgl. L. Ron Hubbard war natürlich ein solcher Aprilscherz. Ich werde Hubbard genauso wenig übersetzen, wie ich George W. Bush übersetzt habe oder Red Jon.
Nie würde ich für eine Sekte wie Scientology arbeiten (auch wenn jetzt manche Spötter oder Katholiken anmerken mögen, dass ich doch für die evangelische Kirche arbeite …).

Berlin: erste Eindrücke von 2010

Ich bin erst im Oktober 2009 nach Berlin gezogen. Berlin, diese moderne Metropole, die direkt am Puls der Zeit liegen soll; marode aber mit Stil. Das neue Paris oder New York. Vor allem war es in den Wintermonaten kalt, düster, dreckig und vereist. Eine matschig, glitschige Eiswüste, groß und anonym; eher abweisend als einladend. Nicht sehr futuristisch, eher sibirisch. Kaum einen Schritt konnte man machen, ohne dabei auszurutschen. Das „hochmoderne“ Verkehrssystem (in Berlin S-Bahn genannt) fiel ständig aus und ratterte ansonsten, als würde es dem Fünfjahresplan um 10 Jahre hinterher hinken.

Um mit der Zukunft Schritt zu halten, musste ich also zu Hause bleiben – im Warmen. Die Füße hochgelegt, einen SF-Schmöker in der Hand; oder im Netz surfend auf SF-Netzwerk.de oder SF-Fan.de. Die Zukunft fand überall statt, aber nicht in Berlin.

Das änderte sich am 24. April. Das Raumschiff Andymon kam, und mit ihm nicht nur die Zukunft, sondern auch der Sommer. Es war T-Shirt-Wetter, als ich die Startrampe hinaufschritt und die kalten, tristen Wintermonate hinter mir ließ. Ich war nicht der Einzige. Menschen, die ich sonst nur aus dem Internet kannte, unter obskuren Nicknames (meiner ist übrigens Pogopuschel), erschienen mir auf einmal in der dritten Dimension. Aber James Cameron hatte nichts damit zu tun, dass sich »SF-Freaks« wie ShockWaveRider oder Frank Böhmert in die Öffentlichkeit trauten. Nein, es war die Zukunft, die rief, und die will man möglichst mit Gleichgesinnten erleben.

Das Team um den SF-Club Andymon sorgte dafür, dass es in angenehmer und unvergleichlicher Atmosphäre geschah. Welcher Ort könnte besser für einen SF-Con sein, als Deutschlands größtes Planetarium. Die Räumlichkeiten waren unschlagbar und die großzügig bemessene Programmplanung sorgte dafür, dass man zwischen den Programmpunkten immer genügend Zeit hatte, zum Quatschen oder Bratwurstessen.

An dieser Stelle Herzlichen Glückwunsch zu 25 Jahren SF-Club Andymon, und auf die nächsten 25.

Das sind meine ersten schriftlichen Eindrücke von Berlin, nach meinem Umzug in die Hauptstadt 2009. Anlass war die Fanconvention Andycon 2010 im Zeiß-Planetarium. Hier geht es zum vollständigen Bericht.

Fantasy Filmfest 2014 – die Termine

Die Termine für das Fantasy Filmfest 2014 stehen fest (nicht zu verwechseln mit den Fantasy Filmfest Nights, die im März stattfinden, aber dazu wird es noch einen extra Blogeintrag geben):

BERLIN     27. Aug – 07. Sept
FRANKFURT     28. Aug – 08. Sept
STUTTGART     03. – 14. Sept
NÜRNBERG     03. – 14. Sept
MÜNCHEN     08. – 19. Sept
HAMBURG     08. – 19. Sept
KÖLN     10. – 21. Sept

Ich habe den Eindruck, dass es immer später stattfindet. Schade, ich mochte es immer gerne im Hochsommer. Aber dieses Jahr kommt das Fantasy Filmfest für mich sehr wahrscheinlich gar nicht infrage. Seit Oktober wohne ich ja nicht mehr in der Festivalstadt Berlin, wo ich gemütlich von meiner Wohnung aus mit der U-Bahn zum Kino fahren konnte, sondern eine Stunde Autofahrt zwischen Köln und Frankfurt (wo ich früher immer aufs FFF bin). Die Verschiebung nach hinten ist auch blöd für jene, die schon ihren Urlaub für 2014 einreichen mussten.

Für dieses Jahr hatte ich geplant eine Woche nach Berlin zu fahren, mir ein Zimmer in Festivalnähe zu nehmen (um auch die Nachtvorstellungen sehen zu können) und wie immer einen einwöchigen Filmmarathon zu genießen. Leider gibt es ein paar Änderungen im Festivalablauf, die diesen Plan für mich unattraktiv machen.

Die Festivallänge wurde von 7 auf 12 Tage verlängert. Das ist mir zu viel. Eine Woche ist in Ordnung, mehr aber nicht.

Durch die Verlängerung wird es auch nur noch einen Film pro Slot geben, nicht mehr zwei. Das heißt, man hat keine Wahl mehr zwischen zwei Filmen. Da mich von den ca. 70 Filmen des Festivals nur ungefähr die Hälfte interessiert, gäbe es da für mich ziemlich viel Leerlauf zwischen den Filmen. Bisher habe ich immer pro Tag einen Filmslot als Pause eingeplant, um Essen zu gehen (mal schnell was zwischendurch reinschieben, ist nichts für mich). Manchmal kam noch einer dazu, weil mich beide Filme partout nicht interessiert haben. Da musste ich immer irgendwie die Zeit totschlagen. Bei schönem Wetter habe ich mich auf eine Bank gesetzt und gelesen, bei schlechtem ist es aber Mist.

Jeden Tag fünf Filme, und dass 12 Tage lang, wäre mir dann doch etwas zu viel. Bei 12 Tagen besteht auch die Gefahr, dass die für mich interessanten Filme z. B. an den Tagen 1 u. 2 und 9 u. 12 laufen, und dazwischen wenig Interessantes. Oder nur zwei interessante Filme pro Tag, einer um 13.00 Uhr und einer um 22.00 Uhr. Damit würden auch Tagesfahrten nach Köln wegfallen. Aber das entscheide ich, wenn das Programm steht.

Die Dauerkarten sind 40 Euro teuerer geworden und kosten jetzt 250 Euro. Die sind nur noch für Leute interessant, die alle Filme sehen wollen. Für die sind die Änderungen natürlich wunderbar, da in einer Festivalstadt alle Filme an den 12 Tagen sehen können. Für viele ist es aber uninteressant geworden, weil das Verhältnis zwischen dem Preis und der Anzahl der interessanten Filme nicht mehr passt (wobei die Filme für dieses Jahr noch gar nicht feststehen, man kann aber mit den Jahren aus Erfahrung gut abschätzen, wie viel es sein werden).

Es wird keine freie Platzwahl mehr geben (was aber, glaube ich, nicht für alle Festivalstädte gelten soll). Auch die Dauerkartenbesitzer werden zwei feste Reihen haben. Das hat Vor- und Nachteile. Mir war die freie Platzwahl immer lieber.

Vorteile: Platzreservierer, die nach Ende der vorigen Vorstellung teilweise ganze Reihen mit ihren „Badetüchern“ reservieren, habe keine Chance mehr. Nach jeder Vorstellung müssen alle raus, auch wenn man den nächsten Film wieder im gleichen Saal sieht. Dadurch landet man zwangsläufig ganz hinten in der Schlange und muss bei vollen Filmen weit vorne sitzen (was mich aber nie gestört hat, da man in den Multiplexen meist von überall noch eine ganz gute Sicht hat).

Nachteile: Dauerkartenbesitzer sind an die beiden festen Reihen gebunden. Ob jemand lieber in den ersten Reihen sitzt oder in der Mitte Links ist dabei egal. Viele haben da wie Sheldon Cooper ihren perfekten Platz, den sie immer besetzen möchten. Dauerkartler können nicht mehr mit normalen Ticketkäufern zusammensitzen, obwohl es da durchaus Schnittmengen im Freundeskreis gibt. Bei normalen Kinobesuchen finde ich feste Platzkarten gut, beim Filmfest überhaupt nicht. Da will ich in den Saal kommen, mir einen Überblick verschaffen und dann den Platz wählen. Bei Filmen mit Untertiteln sitze ich gerne etwas weiter weg, damit ich die Zeilen immer als ganzes erfassen kann, und nicht von Rechts nach Links lesen muss (bei asiatischen Filmen fehlt dafür oft die Zeit). Bei englischsprachigen Filmen sitze ich gerne weiter vorne, von wo ich zur Leinwand aufblicken kann, um ganz darin zu versinken. Ich mag es nicht, auf die Leinwand herab zu sehen.

In der Fangemeinde gehen die Meinungen bezüglich der Änderungen auseinander, wie man and er Diskussion hier z. B. sehen kann.
Wortvogel Torsten Dewi (der jedes Jahr zum FFF nach Berlin reist) stören die Änderungen z. B. gar nicht.

Ich bin mal gespannt, wie es für die Festivalmacher laufen wird. Ob sich die Änderungen bemerkbar machen. Frage mich auch, was sie sich davon versprechen? Im letzten Jahr habe ich erstmals in Berlin ein FFF ohne eine einzige ausverkaufte Vorstellung erlebt. Das könnte sich jetzt ändern, da sich die Festivalbesucher nicht mehr auf zwei Kinosäle verteilen. Könnte dadurch aber auch stellenweise sehr eng werden.

Persönlich finde ich die Entwicklung schade, da sie für mich einfach ungünstig ist. Ich gehe übrigens seit über 10 Jahren schon auf das FFF.

Zurück von den Toten

Dass hier im Blog so lange Funkstille herrschte, liegt an zwei Sachen. Erstens habe ich mir vor zwei Wochen die Daumenkuppe weggeraspelt, was meine Lust aufs Tippen erst einmal ins Negative gehen ließ. Und dann zweitens streckte mich eine heftige Erkältung nieder, die mein Gehirn weich und tippunfreudig werden ließ, so dass ich fast zwei Wochen lang nichts Vernünftiges zu Papier gebracht habe.

Für alle, die als freiberufliche Übersetzer arbeiten wollen: Wenn ihr krank werdet, gibt es niemanden, der eure Arbeit übernimmt. Ist ja bei einer festen Arbeitsstelle teilweise anders (ich schreib da jetzt von meinen Erfahrungen), ein Teil der Arbeit wird von Kollegen übernommen, ein Teil bleibt liegen und muss dann später nachgeholt werden, und ein anderer Teil verschwindet im Nirwana, weil sich herausstellt, dass er total überflüssig ist, und die Welt nicht untergeht, weil er nicht erledigt wurde.

Arbeitet Ihr freiberuflich, bleibt die Arbeit einfach liegen, und muss von euch nachgeholt werden. Das wird besonders spaßig, wenn ein Abgabetermin kurz vor der Tür steht (was bei mir momentan zum Glück nicht der Fall ist).

Ganz unfleißig war ich aber nicht. Für den Fantasyguide habe die die Folge 8 der Hörspielreihe Die Elfen besprochen, sowie Folge 38 von Point Whitmark. Im Artikel über die Elfen liefer ich nochmal einen kleinen Überblick über die chronologische Einordnung der Hörspiele in der Welt der Buchvorlagen von Bernhard Hennen.

Die Kritik zu Point Whitmark ist mehr eine Kritik an der ganzen Reihe, die zwar weiterhin gute Folgen liefert, sich aber zu sehr in Schema F verfangen hat, und dadurch langweilig und vorhersehbar wird, wenn man die neuen Folgen regelmäßig hört.

Demnächst wird es von mir noch Buchkritiken zu Blood Song  von Anthony Ryan (erscheint vermutlich im Herbst bei Klett/Cotta in der Übersetzung von Hannes und Sarah Riffel) und Der Thron von Melengar von Michael J. Sullivan  (erscheint am 21. Februar bei Klett/Cotta auf Deutsch)geben. Beide schon gelesen und für gut befunden, auch wenn sie die Fantasy nicht gerade revolutionieren.

Ansonsten übersetze ich  (inzwischen wieder) fleißig Captain Future 06.