Carolyn Ives Gilman – Dark Orbit (Video)

Im vorletzten Beitrag habe ich ja ein wenig das Buch Dark Orbit bzw. Dunkle Materie vorgestellt, dass ich kürzlich übersetzt habe. Wer sich näher dafür interessiert, dem empfehle ich dieses halbstündige Video mit einer Lesung von Carolyn Ives Gilman in der Washingtoner Buchhandlung Politics & Prose, in dem sie sehr sympathisch und unterhaltsam über ihr Buch spricht.

Abgeliefert: „Dunkle Materie“ von Carolyn Ives Gilman

Letzten Montag habe ich die Übersetzung des Science-Fiction-Romans Dunkle Materie (Dark Orbit) bei Cross Cult abgeliefert. Soll im ausgezeichneten Herbstprogramm neben Linda Nagata, Nnedi Okorafor und Connie Willis erscheinen.

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Das Titelbild stammt von Martin Frei.

Dunkle Materie spielt in der fernen Zukunft der Zwanzig Planeten, in der die Menschen per Lichtstrahl von Welt zu Welt reisen. Doch während für die Reisenden nur wenige Sekunden vergehen, verstreicht für jedes Lichtjahr Distanz ein Jahr für den Rest der Menschheit.

For others, time passed. For a Waster, it was always just now. Fraglos eines der Highlights in „Dark Orbit“, dem jüngsten Roman Carolyn Ives Gilmans, ist das Anfangskapitel, in dem die US-Autorin die schönste Beschreibung eines nonlinearen Lebensstils seit Joe Haldemans „Der ewige Krieg“ abliefert.

(Schreibt Josefson in der SF & F Rundschau)

Zur Gemeinschaft dieser ausgegrenzten Reisenden, die sich in der ständig wandelnden normalen Welt stets fremd fühlen, gehört auch die Exoethnologin Saraswati Calicot, die eine einmalige Gelegenheit erhält, auf ein Erkundungsschiff zu reisen, das einen neuen Planeten entdeckt hat. Diese unbemannten Schiffe wurden vor Jahrhunderten von den Vorfahren der jetzigen Menschheit ausgeschickt, um die unermesslichen Weiten des Alls nach neuen Planeten und nach Leben zu durchsuchen. Per Lichtstrahltransmitter reist Sara auf das achtundfünfzig (Licht-)Jahre entfernte Erkundungsschiff Escher, das um den fremdartigen Regenbogenplaneten Iris kreist, der sich in einem Teil des Weltraums befindet, in dem Raum und Zeit nicht mehr den Gesetzen der Physik gehorchen zu scheinen und Dunkle Materie zu Anomalien im Gefüge des Universums führt.

lntellectually daring, brilliantly imagined, strongly felt. This one’s a winner.

Ursula K. Le Guin.

Von allen Romanen, die ich bisher übersetzt habe, hat mir dieser am meisten Spaß gemacht. Die Übersetzung ging mir daher auch leicht von der Hand und war erstaunlich schnell fertig. Das ist eine jener Geschichten, in der ich mich sofort heimisch gefühlt habe, in die ich intensiv eingetaucht bin. Eine komplexe und elegante Geschichte über zwei starke Frauen und die Grenzen unserer Wahrnehmung – mit viel »Sense of Wonder«.

Reizvoll ist in „Dark Orbit“ etwa die brisante Chemie zwischen Sara und dem Sicherheitschef der Expedition, Dagan Atlabatlow. Sie entstammt einer Kultur, in der man auf Autoritäten pfeift – er kommt von einem Planeten, auf dem man glaubt, dass die innigste Beziehung zwischen Jäger und (menschlicher) Beute besteht.

Josefson

Neben dem Sense of Wonder kommen auch das Innenleben der Figuren und ihre Beziehungen untereinander nicht zu kurz.

Und hier noch ein kleiner (unlektorierter und unkorrigierter) Auszug aus meiner Übersetzung):

In einer einzelnen Reihe schritten sie hinaus in die Prärie, mit Atlabatlow an der Spitze, der das Gras mit einem Wanderstock teilte, um Speerpflanzen und eine Art niedrigem Bodenkaktus mit metallischen Nadeln, die sie ebenfalls im Gras gefunden hatten, aufzuspüren. Bis auf ein paar gelegentliche Warnungen oder Aufschreie, wenn eine Nadelfliege jemandes Overall durchbohrte, gab es keine Unterhaltungen. Hinter sich konnte Sara hören, wie Mr. Gibb sich selbst Notizen diktierte. »Die Entdecker brechen auf, um einen jungfräulichen Planeten zu penetrieren und seine Geheimnisse freizulegen. Iris, in Geheimnisse verhüllt, und so weiter, und so weiter.«
Sie kamen nur langsam voran. Ihre Augen waren notwendigerweise auf den Boden vor sich gerichtet, und so hörten sie die Anomalie, bevor sie sie sahen.
Über dem Pfeifen des Windes auf dem Gras lag ein schwacher musikalischer Unterton, der an Windspiele erinnerte. Inzwischen konnten sie die Grenze des Gebiets deutlich vor sich sehen, und so hielten sie verblüfft an.
Sara konnte nicht im mindesten verstehen, was sie da sah. In einem Moment sah es wie die vertikale Oberfläche eines Sees aus; im nächsten wie eine Masse aus kantigen Spalten – Risse im Tag. Für einen Augenblick hatte sie das Gefühl, dass sie nach unten blickte, über den Rand des Abgrunds, und trat einen Schritt nach vorne, um den Fall zu stoppen, nur um herauszufinden, dass der Boden immer noch horizontal war, auch wenn sie desorientiert schwankte.
»Was zur Hölle?« keuchte sie.
Thora neben ihr starrte mit gebannter Faszination darauf. »Das ist etwas, zu dem unsere Sinne nicht entwickelt sind, es wahrzunehmen«, sagte sie.
Überraschenderweise war es Mr. Gibb, der rausfand, um was es sich handelte. »Oh, ich verstehe«, sagte er plötzlich. »Das ist ein Wald.«
»Was?« Sara konnte keinerlei organische Formen darin sehen – zumindest keine nach menschlichen Maßstäben.
»Die ganzen kleinen Reflexionen, das sind die Blätter«, erklärte er. »Die Stämme sind die vertikalen Oberflächen, wie facettierte Spiegel. Einige von ihnen besitzen diese reflektierenden Wedel und Bänder anstelle von Blättern. Deshalb ist es so schwierig, die Stämme zu sehen.«
Mit einiger geistiger Anstrengung gelang es Sara, zu sehen, was er meinte. Es war, als würde man auf ein visuelles Paradoxon blicken, als würde sie sich zwingen, die beiden Gesichter anstelle der Vase zu sehen.
»Das ist sehr clever«, sagte Thora leise, »und sehr falsch.«
Falsch oder nicht, die schimmernde Wand aus Reflexionen, die sich jetzt in eine Art kubistische Origamiszene auflöste, ergab zumindest einen bizarren Sinn. Die Musik kam aus dem Inneren.
»Windspielbäume«, sagte Sri Paul. Er hielt einen Taschenrecorder in der Hand und stellte ihn darauf ein, Choralgesänge abzuspielen. Als der erste Akkord des Glockenkonzerts erklang, wurde er umgehend von dem Wald zurückgeworfen. Es folgte ein Arpeggio, das im Bruchteil einer Sekunde später von den flüssigen Windspielen imitiert wurde. Paul hielt die Aufzeichnung an, und die Waldmusik kehrte zu den komplexeren Harmonien von vorher zurück. »Zeichne es auf und spiel es ab«, schlug Ming vor. Paul tat es, und die Musik der Bäume pfiff fröhlich zur Antwort.
»Du musst eine Art sympathischer Vibrationen ausgelöst haben«, sagte Touli.
»Spiegelbilder«, grübelte Thora mehr zu sich selbst.
Vorsichtig näherten sie sich dem Rand des Waldes. Kurz davor musste sich Sara erneut geistig anstrengen, um die Bäume zu sehen. Ihre Stämme sahen wie Klumpen aus transparentem Kristall aus, wie Kandiszucker am Stiel. Um sie herum hingen die »Blätter« – lange, baumelnde Dinger in Prismenform, so durchsichtig wie Glas, die klingelten, wenn sie sich, durch den Wind aufgewühlt, gegenseitig berührten.
Die Windspielblätter bildeten einen dicken Vorhang am Waldrand und reichten fast bis auf den Boden. Während sie sich drehten und wandelten, warfen sie Regenbogenschatten. Ein Spektrum jagte über Atlabatlows entschlossenes Gesicht, als er seinen Stock ausstreckte, um eines der größten Blätter zu berühren, das fast so groß wie er war. Doch statt die Oberfläche zu berühren, ging sein Stock durch das Blatt hindurch, sein Ende tauchte auf der anderen Seite wieder auf, um sechzig Grad von der Ausgangsposition abgewinkelt. Langsam zog er ihn wieder raus, sie versammelten sich alle darum, um ihn zu inspizieren. Er sah perfekt intakt und ganz unberührt aus.
»Es muss eine Art optischer Täuschung sein«, sagte Touli. Dann, bevor jemand reagieren konnte, trat er nach vorne, um das Blatt selbst zu berühren. Seine Hand fuhr durch die spiegelartige Oberfläche und trat auf der anderen Seite aus, in einem unmöglichen, gebrochenen Winkel verdreht. Es sah so schrecklich aus, dass mehrere Leute aufkeuchten. Aber er zog seinen intakten Arm wieder hervor, betrachtete ihn neugierig und wackelte mit den Fingern.
»Bitte seien Sie in Zukunft vorsichtiger«, sagte Atlabatlow mit ernster Stimme. »Wir haben keinen Arzt dabei.«
»Wie fühlt sich das an?«, fragte Thora eifrig.
»Als würde man eine Wasseroberfläche durchstoßen«, brummelte Touli nachdenklich. »Ich glaube nicht, dass es eine optische Täuschung ist.«
Das Windspielblatt hatte sich im Wind gedreht, und Atlabatlow benutzte jetzt seinen Stock, um es zurückzudrehen. In dem Augenblick, in dem der Stock das Blatt berührte, zerfiel er in zwei Teile, als wäre er sauber von einer lautlosen Kreissäge zerschnitten worden.

Belegexemplare eingetroffen: „Akte X – Vertrauen Sie Niemandem“

Ich bin Akte X-Fan der ersten Stunde. Als Pro Sieben die erste Folge am 5. September 1994 ausstrahlte, war ich 14 Jahre alt, vom Golden Age of Science Fiction (twelve) also noch nicht allzu weit entfernt. Natürlich kannte ich damals schon Raumschiff Enterprise und Twillight Zone, meine Lieblingsserie war Twin Peaks, aber Akte X war noch mal was ganz anderes. Hier kulminierten Verschwörungstheorien, Aliens und das Übernatürliche zu einer einzigartigen, kultigen Mischung, die mich über viele Jahre gebannt vor der Mattscheibe hielt. Ausgestiegen bin ich dann kurz nach David Duchovny, da hatte die Serie für mich den berühmten Hai übersprungen und ihren Reiz verloren.

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Da die beiden deutschen SynchronsprecherInnen von Mulder und Scully, Benjamin Völz und Franziska Pigulla, mit ihren Kultstimmen maßgeblich zu der dichten Atmosphäre der Serie beigetragen haben, habe ich mir beim meinem Rewatch der ersten vier Staffeln im letzten Jahr auch wieder die deutsche Fassung angesehen (obwohl ich inzwischen sonst alles im Original gucke).

Als man mich fragte, ob ich einige Kurzgeschichten für eine Akte X-Anthologie übersetzen wolle, habe ich keine Sekunde gezögert, den diese Mystery-Serie ist ein prägender Teil meiner Jugend gewesen. Dank der erneuten Sichtung der ersten Staffeln hatte ich auch den Tonfall der deutschen Stimmen im Kopf, während ich übersetzt habe. Und einige der Autoren haben diesen Tonfall von Mulder und Scully wirklich gut getroffen. Unter ihnen übrigens Brian Keene – jener Autor, mit dem meine Übersetzerkarriere vor einigen Jahren begonnen hat (seine Hauptfigur ist allerdings Skinner).

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„Akte X“ in prominenter Gesellschaft auf der Leipziger Buchmesse

Mit der kürzlich ausgestrahlten (und reichlich verstrahlten) zehnten Staffel konnte ich leider nicht viel anfangen, da ich sie (vor allem die Folgen von Chris Carter) für recht schlecht geschrieben halte. Da treffen die Kurzgeschichten in diesem Band (sicher nicht alle), die unterschiedlichen Zeiträume im Akte X-Universum abdecken Ton und Atmosphäre deutlich besser.

Solche Franchisegeschichten sind ja nicht jedermanns und -fraus Sache, aber wer nochmal Lust auf die gute Alte Akte X-Atmosphäre hat, sollte sich dieses Anthologie nicht entgehen lassen. Sie enthält 15 Geschichten. Meine Lesetipps:

Non Gratum Anus Rodentum von Brian Keene, in der Direktor Skinner von seiner Vergangenheit in Vietnam eingeholt wird.

Die Bestie von Little Hill von Peter Clines, eine amüsante Geschichte, in der es Scully und Mulder mit Rednecks und vermeintlichen (?) Aliens im Gefrierschrank zu tun bekommen.

Späte Einsicht von Aaron Rosenberg, in der sich Walter Skinner mit einer widerspenstigen Dame aus der Buchhaltung rumschlagen muss.

Bisher kenne ich allerdings auch nur die sechs Geschichten, die ich übersetzt haben. Den Rest muss ich noch lesen. Aber vertrauen Sie mir und kaufen Sie Vertrauen Sie niemandem, erschienen bei Cross Cult in der Übersetzung von Claudia Kern, Sabine Elbers, Helga Parmiter Susanne Picard und Markus Mäurer.

Verschiedenes zum Übersetzen

Auf der Seite Schwarz auf Weiß berichtet die Übersetzerin Gabriele Haefs (Percy Jackson) über ihre Abenteuer beim Übersetzen. In Teil 4 erzählt sie auf sehr amüsante Weise von ihren Kontakten zu ambitionierten Nachwuchsübersetzerinnen und Übersetzern und deren Kampf gegen die Realität.

Ich bin selbst mal einer dieser Nachwuchsübersetzer gewesen, die bei einem erfahrenen Kollegen um Rat gebeten haben, wie der Berufseinstieg am besten gelingen könne. Wer diesen Blog hier schon länger verfolgt, weiß vielleicht, dass in meinem Fall das bedauernswerte Opfer meiner naiven Anfrage Frank Böhmert war, der darauf hin auf seinem Blog den Beitrag Literaturübersetzer werden – aber wie? verfasste, mit dem für mich alles begann. Zu sehr kann ich Frank aber damals (2009) nicht genervt haben, da wir heute noch Freunde sind und er mir schon mal Unterschlupf gewährt, wenn ich in Berlin bin.

Sechs Jahre sind nach dieser ersten Anfrage und meinen ersten Überlegungen Übersetzer zu werden vergangen, bis es dann so weit war, dass ich den Beruf erstmals tatsächlich hauptberuflich ausgeübt habe. Was vor einem Jahr war. Dazwischen lagen noch 4 Jahre Studium und einige Tätigkeiten als Sozialpädagoge, wobei ich währenddessen immer schon nebenberuflich übersetzt habe. Es ist also machbar, kann aber bisweilen ein langer Weg sein.

Die aktuellste von mir erschienene Übersetzung ist Die Maschine erwacht von Adam Christopher bei Cross Cult. Das Wichtigste, was ich nach Abgabe der Übersetzung bekomme, ist natürlich das Honorar, aber ich freue mich auch sehr über Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern. Es ist doch ein befriedigendes Gefühl, zu sehen, dass das, was man übersetzt hat, auch auf Gefallen stößt und dass man einigen Menschen damit ein paar schöne Lesestunden verschafft hat. Mit Ausnahme der beiden Bücher von Edward Lee ist das Feedback der Leserschaft zu den von mir übersetzten Büchern aber recht überschaubar, weshalb ich mich über jede noch so kleine Besprechung freue.

Wie auch schon zu Das Blut der Helden und den beiden Captain Future-Romanen, gibt es zu Die Maschine erwacht bisher recht wenige Bewertungen, aber auch hier fallen sie größtenteils positiv aus.

Auf Amazon.de schreibt Kaiz74:

Ein solides und komplexes SF-Machwerk, gespickt mit Verschwörungen und vielen verschachtelten Geheimnissen.

Auch das 2. Buch der Reihe kann grundsätzlich überzeugen.

Auf Splashbooks hat Götz Piesbergen eine etwas ausführlichere Besprechung verfasst:

Was Adam Christopher auf jeden Fall gelingt, ist eine gelungene Atmosphäre zu erzeugen. Innerhalb weniger Seiten weiß man, wo und wann man sich befindet. Und die Erde hat hier einen ähnlichen Charme, wie das Sonnensystem mit der unheimlichen Sonne des ersten Teils.

Die Story erinnert an einen SciFi-Krimi, was im vollkommenen Kontrast zum SciFi-Mystery-Grusel des Vorgängerbandes steht. Und auch von der Tonart her nicht passt.

Da hat er nicht ganz unrecht. Lesern, denen Band 1 vor allem wegen der Gruselatmosphäre gefallen hat, und die jetzt Ähnliches in Band zwei erwarten, könnten enttäuscht werden. Andererseits wiederholt sich Christopher nicht, sondern hat sich was Neues einfallen lassen, um dieses Universum um weitere interessante Aspekte zu erweitern. Dadurch ist auf jeden Fall für Abwechslung in der Reihe gesorgt.

Belegexemplare eingetrudelt: Die Maschine Erwacht von Adam Christopher

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Heute sind die Belegexemplare zu meiner Übersetzung von Adam Christophers Die Maschine erwacht eingetroffen. Dazu hier noch mal der Klappentext:

Als der alternde Flottenadmiral ermordet wird, vermutet Special Agent Von Kodiak, es wäre das Werk seines Nachfolgers gewesen. Doch als auch dieser ermordet wird, gerät alles aus den Fugen und Kodiak findet heraus, dass der Hauptverdächtige jemand aus seinen eigenen Reihen ist – ein PSI-Marine und ausgezeichneter Held – ein Held, der vor Monaten im Kampf gefallen war … Doch noch etwas anderes geht im Jovian-System vor sich. Sie sind hinterlistig und intelligent. Sie sind Maschinen und sie sind hungrig. Die Spinnen sind nicht mehr weit …

Warum es sich lohnt, das Buch zu lesen? Ich finde, dass Christopher da ein sehr interessantes Zukunftsszenario entworfen hat: Die Menschheit im Konflikt (manche nennen es auch Krieg) mit einer intelligenten Maschinenrasse, die aus spinnenartigen Wesen besteht, die teilweise so groß sind, dass sie ganze Kontinente verschlingen können (zwecks Rohstoffabbau). Was sie in diesem Fall auch mit Südamerika gemacht haben. Die Erde ist also deutlich gezeichnet, von diesem Konflikt (der auf unzähligen Planeten auf äußerst blutige Weise ausgetragen wird). Geführt wird die Menschheit dabei von einer militärischen Organisation, die deutlich autoritärer ausgelegt ist, als die Sternenflotte.

Während Band 1 noch auf einer abgelegenen Weltraumstation spielt, geht es jetzt mit neuen Hauptfiguren auf die Erde, wo sich ein spannender Thrillerplot um eine Verschwörung innerhalb der Führungsriege und dem militärisch-industriellen Komplex entfaltet, die zu einer spannenden Hetzjagd und schließlich zu einem spektakulären Showdown im All führt.

Die Maschine erwacht ist ein flott zu lesender und unterhaltsamer SF-Thriller in militärischem Umfeld, mit einer ganz interessanten (wenn auch nicht übermäßig detailliert ausgebauten) Zukunftsvision. Kann man auch unabhängig von Band 1 lesen.

Die Übersetzung von Band 3 werde ich vermutlich Anfang nächsten Jahres beginnen (der Autor muss erst selbst noch mit dem Buch fertig werden).

Mich freut es jedenfalls, wenn mein Regal mit den Belegexemplaren weiter anwächst. Da fehlt jetzt noch Captain Future – Sternenstraße zum Ruhm. Aber ich habe keine Ahnung, wann das erscheinen wird. Sicher nicht vor Mitte 2016.

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An dieser Stelle möchte ich mal auf das lesenswerte Romanprogramm von Cross Cult hinweisen. Da gibt es nicht nur Franchise-Romane zu Star Trek, Dr. Who, James Bond, Castle usw., sondern inzwischen auch eine eigenständige SF-Schiene mit (nicht nur SF-) Romanen von Stephen L. Kent, Claudia Kern, Stephen Baxter und eben Adam Christopher. Dazu ist gerade ein dicker Kurzgeschichtenband von Tad Williams (Das Beste von Tad Williams) erschienen, der bei mir schon im Regal direkt neben den Osten-Ard-Romanen steht.

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Erschienen: „Die Maschine erwacht“ von Adam Christopher

Heute erscheint der von mir übersetzte Roman Die Maschine erwacht von Adam Christopher im neuen SF-Programm von Cross Cult. Dabei handelt es sich um den zweiten Teil der Spider-Wars-Trilogie. Wobei das keine Trilogie im Sinne einer fortlaufenden, zusammenhängenden Handlung ist. Man kann beide bisher erschienenen Bücher auch völlig unabhängig voneinander lesen.

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Band 1 Dunkelheit in Flammen ist SF-Horror in Richtung Alien und Event Horizon, der auf einer abgelegenen Weltraumstation spielt, auf der es unheimliche Vorkommnisse gibt. Die Maschine erwacht ist wiederum ein SF-Thriller um einen Ermittler im militärischen Umfeld, der das Attentat auf seinen obersten Befehlshaber aufklären muss.

Hier der offizielle Klappentext:

Als der alternde Flottenadmiral ermordet wird, vermutet Special Agent Von Kodiak, es wäre das Werk seines Nachfolgers gewesen. Doch als auch dieser ermordet wird, gerät alles aus den Fugen und Kodiak findet heraus, dass der Hauptverdächtige jemand aus seinen eigenen Reihen ist – ein PSI-Marine und ausgezeichneter Held – ein Held, der vor Monaten im Kampf gefallen war … Doch noch etwas anderes geht im Jovian-System vor sich. Sie sind hinterlistig und intelligent. Sie sind Maschinen und sie sind hungrig. Die Spinnen sind nicht mehr weit …

Beide Romane spielen im gleichen Universum, in dem die Menschheit einen Krieg gegen eine Maschinenrasse – die sogenannten Spinnen – führt, haben aber unterschiedliche Protagonisten. In Band 1 kommen die Spinnen aber nur am Rande vor. Band 2 – in dem die Ereignisse aus dem Vorgänger nur mal kurz erwähnt werden – spielt zu einem großen Teil auf der Erde und ist eine Mischung aus Ermittlungskrimi und rasantem Thriller, der im letzten Drittel gewaltige Dimensionen annimmt. Ein sehr spannendes Buch mit flotter Handlung und einigen sehr interessanten Ideen.

Aufgrund der oben genannten neuen Ausrichtung kann man Die Maschine erwacht auch lesen, wenn man Dunkelheit in Flammen nicht gelesen hat oder es einem nicht gefallen hat.

Belegexemplar eingetroffen: Phase X 11 – Astronomie

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Es ist schon ein paar Tage her, dass mein Belegexemplar der aktuellen Ausgabe von Phase X eingetroffen ist. Darin enthalten, die von mir übersetzte Geschichte Verstreut entlang des Himmelsflusses von Aliette de Bodard, die ich jedem SF-Fan nur ans Herz legen kann. Das ist ganz große Science Fiction!

Für die nächste Ausgabe werde ich wieder eine Kurzgeschichte von de Bordard übersetzen, und zwar die mit dem Nebula-Award ausgezeichnete Geschichte Immersion.

Und hier eine Übersicht über die restlichen Beiträge in Phase X 11 – Astronomie:

Artikel:
Gerd Küveler: Vor 150 Jahren: Jules Vernes Reise zum Mond. Die Erfindung des naturwissenschaftlichen Romans
Ulrich Blode: Thadewalds Spaziergänge durch die Vernistik. Buchvorstellung
Ulrich Blode: Wunder der Schöpfung (1925). Rezension
Ulrich Blode: Fremde Welten und Zivilisationen. Eine Literaturauswahl
Ulrich Blode: Taschenuniversen en gros. Philip José Farmers »Welt der Tausend Ebenen«
Ulrich Blode: Universen. Eine Literaturauswahl
Colin Johnston: H. P. Lovecraft und der kosmische Horror. Übersetzung: Ulrich Blode
Kurd Laßwitz: Der tote und der lebendige Mars
Alastair Reynolds: Mein Leben in der Forschung. Übersetzung: Ulrich Blode
Ulrich Blode: Die Milchstraße. Eine Literaturauswahl
Ulrich Blode: Stephen Baxter, Sternenkinder (2004). Rezension
Ulrich Blode: Robert L. Forward, Das Drachenei (1980). Rezension
Ulrich Blode: Schwarze Löcher und Neutronensterne. Eine Literaturauswahl
Ulrich Blode: Die Kometenpanik. Postkarten aus dem Jahr 1910
Ulrich Blode: Gregory Benford, Zeitschaft (1980). Rezension
Ulrich Blode: Astronomen. Eine Literaturauswahl

Literatur:
Herbert W. Franke: Planet des Lichts. Story
Alastair Reynolds: Jenseits des Aquila-Grabens. Story, Übersetzung: Dirk van den Boom
Aliette de Bodard: Verstreut entlang des Himmelsflusses. Story, Übersetzung: Markus Mäurer
Georg Christoph Lichtenberg: Gnädigstes Sendschreiben der Erde an den Mond
Sendschreiben des Mondes an die Erde, zur Antwort auf das Sendschreiben der Erde an den Mond, in der Sammlung von Lichtenberg-Schriften
Kurd Laßwitz: Des Astronomen Rache. Gedicht

Die Titelabbildung stammt von Lothar Bauer.

Kaufen kann man das Magazin unter anderem im Shop des Atlantis Verlag.

Die Maschine ist erwacht

Gestern habe ich pünktlich meine aktuelle Übersetzung des Romans The Machine Awakes von Adam Christopher abgegeben, der bei Cross Cult unter dem Titel Die Maschine erwacht erscheinen wird. Angekündigt ist der Titel für August, aber ich vermute, dass er sich noch ein wenig verschieben wird, da ich kurzfristig für die Übersetzerin des ersten Bandes (Claudia Kern) eingesprungen bin.

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Wie man sieht, drucke ich mir die fertige Übersetzung für einen letzten Korrekturgang aus.

 

Bei dem Buch handelt es sich um den zweiten Band der »Spiders Wars«-Trilogie. Band 1 ist im April unter dem Titel Dunkelheit in Flammen erschienen. Beide Romane kann man aber völlig unabhängig voneinander lesen. Sie spielen zwar im gleichen Universum, haben aber unterschiedliche Hauptfiguren und inhaltlich nur wenig miteinander zu tun. Band 1 ist eine von dem Film Event Horizon inspirierte Gruselgeschichte auf einer Weltraumstation. Band 2 ein Krimi/Thriller im Military-SF-Umfeld, der teils auf der Erde spielt. Ich werde hier im Blog in nächster Zeit noch näher darauf eingehen.

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Mit der Abgabe dieser Übersetzung geht auch meine selbstauferlegte Blogpause zu Ende. Über einen Monat ist es her, seit ich hier zuletzt einen Eintrag geposted habe. Und ich muss gestehen, dass mir die Bloggerei nicht wirklich gefehlt hat. Hier und da hat es mich durchaus mal in den Fingern gejuckt, etwas zu einem bestimmten Thema zu schreiben, aber insgesamt habe ich die Pause sehr genossen. Könnte aber auch daran liegen, dass ich mit meiner Übersetzung schwer im Stress war und deshalb wenig Motivation verspürte, mich zusätzlich noch mit Texten zu befassen.

Mit Translate or die wird es auf jeden Fall weitergehen. Die nächsten Blogeinträge sind schon geplant. In welchen Abständen und in welchem Umfang ich in Zukunft Beiträge veröffentlichen werde, wird sicher von meiner Arbeitsbelastung aber auch einfach von meiner Lust abhängen.

Da es sich bei Die Maschine erwacht um die erste Romanübersetzung handelt, die ich als hauptberuflicher Übersetzer angefertigt habe, werde ich in den nächsten Wochen noch ein wenig über diese Erfahrung und meine Vorgehensweise dabei berichten.

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Blogpause bis Ende Mai

Da der Abgabetermin für eine Romanübersetzung (Die Maschine erwacht von Adam Chistopher bei Cross Cult) immer näher rückt und ich alle Hände voll damit zu tun habe, diesen knapp kalkulierten Termin einzuhalten, werde ich meine Bloggertätigkeit bis Anfang Juni auf Eis legen. Wenn ich am Tag zehn Seiten und mehr übersetze, fehlen mir nach Feierabend Zeit, Lust und Energie, noch weitere Textarbeit zu leisten. Dann möchte ich mal vom Bildschirm weg und in Ruhe ein Buch lesen, einen Film oder eine Serie schauen und Fahrrad fahren oder Joggen gehen. Deswegen werde ich meine Internetaktivitäten vorübergehend stark zurückfahren.

Montag werde ich noch meine Übersetzung der Kurzgeschichte What Would Same Spade Do von Jo Walton für die nächste Ausgabe der Phantastisch abgeben. Ab dann konzentriere ich mich ganz auf die Romanübersetzung und Auftragsakquise. Denn einen neuen Auftrag sollte man schon haben, bevor man mit dem alten fertig ist, damit die Übergänge möglichst übergangslos verlaufen. Nachdem ich jetzt schon an mehreren Wochenenden durchgearbeitet habe (etwas, dass ich in der Regel zu vermeiden versuche, was sich aber bei Auftragsüberschneidungen und engen Deadlines nicht immer vermeiden lässt), hätte ich nichts gegen ein, zwei Wochen Urlaub (bzw. Freizeitausgleich) einzuwenden, aber ich muss auch zusehen, dass die nächsten Aufträge ins Haus kommen.

Nachdem ich seit drei Jahren konstant blogge, und in den letzten drei Monaten sogar besonders intensiv, fehlt mir momentan ein wenig die Lust. Ich brauche mal eine Pause, damit die Tätigkeit, die ich aus reinem Spaß mache, nicht zur lästigen Pflichterfüllung wird.

Bis Juni werde ich mich im Internet also etwas rarmachen, und den nächsten Blogeintrag gibt es dann Anfang Juni, wenn ich von der Manuskriptabgabe berichten werde.

P.S. Morgen wird man mich übrigens auf dem Marburg Con antreffen.

Ankündigung: phantastisch! 58 (mit Übersetzung von mir)

Im April wird die Nummer 58 der Phantastisch! erscheinen. Die Phantastisch! ist das einzige regelmäßig erscheinende Phantastikmagazin mit einem Schwerpunkt auf Literatur. Neben Artikeln, Interviews und kurzen Comics, erscheint auch pro Augabe eine Kurzgeschichte. Dieses Mal Selfies von Lavie Tidhar. Tidhar ist ein israelischer Autor, der in Deutschland vor allem durch den bei Rogner & Bernhard erschienenen alternativgeschichtlichen Roman Osama bekannt ist, für den er 2012 den World Fantasy Award erhalten hat. Aus seiner seiner dreibändigen Reihe Das ewige Empire ist nur der erste Teil Bookman bei Piper erschienen, und wurde dann wohl sang- und klanglos eingestellt. Im englischsprachigen Raum ist er eine feste Größe in der Phantastik, in Deutschland konnte er sich bisher leider noch nicht durchsetzen.

In Selfies geht es um eine junge Frau, die ein günstiges Smartphone ersteht, das auch aus einer Folge von Erben des Fluchs oder Warehouse 13 stammen könnte. Die Geschichte wird anhand ausgewählter Selfies erzählt und nimmt einen grausigen Verlauf. Es hat richtig Spaß gemacht, mal etwas so Ungewöhnliches und Kurzes zu übersetzen.

Hier der noch unlektorierte Anfang der Geschichte:

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Auf einem der letzten Bilder bin ich am Rennen. Ich renne die Straße entlang, und es ist dunkel; das Licht der Straßenlampen sickert in mattem Gelb herab. Ich kann spüren, wie das Herz in meiner Brust beinahe explodiert; in meinem Mund liegt ein saurer, unangenehmer Geschmack. Ich renne so schnell ich kann. Ich muss entkommen.

Und hier der restliche Inhalt der Ausgabe:

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Das Titelbild ist von Timo Kümmel

Interview
Christian Endres: DAVID FALK: »Seit ein paar Jahren ist das Genre im Wandel.«

Bücher, Autoren & mehr
JAN NIKLAS MEIER: Mehr als eine Bestie? Der Werwolf in der neueren deutschen Phantastik
CHRISTIAN ENDRES: Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen mit EXKLUSIVER LESEPROBE
HORST ILLMER: Professor Eggerths Rückkehr
MICHAEL PEINKOFER: Ein Werkstattbericht zu »Sternenritter« mit EXKLUSIVER LESEPROBE
MUNA GERMANN: Wie werden wir uns in der Zukunft kleiden?
SONJA STÖHR: phantastisch! im Dialog – »Warum schreiben Sie eigentlich Science Fiction?«
CHRISTIAN ENDRES: Schuld und Symbiose
SONJA STÖHR: Phantastisches Lesefutter für junge Leser
ULRICH BLODE: Wolfgang Thadewald – Ein Nachruf
RÜDIGER SCHÄFER: Deutschstunde – Sprachensterben – Ist unser Deutsch noch zu retten?

Phantastische Nachrichten zusammengestellt von Horst Illmer

Rezensionen
Ian Tregillis »Der kälteste Krieg«
Christopher Nuttall »Die Wissende«
Joann Sfar »Aspirine«
Andreas Eschbach »Der Jesus-Deal«
Ransom Riggs »Die Stadt der besonderen Kinder«
Tom Daut »Die Sinistra«
Gareth Roberts »Shada. Das verlorene Abenteuer von Douglas Adams«
Jo Walton »Die Stunde der Rotkehlchen«
Anonymus »Psychokiller«
Leonie Swann »Dunkelsprung«
Catherine Fisher »Die vergessene Kammer«
China Miéville »Das Gleismeer«

Comic & Film
STEFFEN BOISELLE: Cartoon
OLAF BRILL & MICHAEL VOGT: Ein seltsamer Tag – Teil 17
OLAF BRILL & MICHAEL VOGT: Ein seltsamer Tag – Teil 18

Story
LAVIE TIDHAR: »Selfies«

Quelle: https://atlantisverlag.wordpress.com/2015/03/13/phantastisch-ausgabe-58-der-inhalt/