Meine Lektüre Februar 2020

Laetitia Colombani – Der Zopf 8/10
Zoe Fishman – Die Frauen von Long Island 6/10
Lisa Taddeo – Three Women 8/10
T. S. Orgel – Das Haus der tausend Welten 7/10
Nick Hornby – High Fidelity 7/10 (Reread, bei Erstlesung vor 20 Jahren 9/10)
Yoko Ogawa – Das Geheimnis der Eulerschen Formel 9/10
Christian Baron – Ein Mann seiner Klasse 9/10

Meine Lesehighlights waren:

Christian Baron Ein Mann seiner Klasse: Bewegende Schilderung einer Kindheit in Armut in Kaiserslautern, mit gewalttätigen, saufendem Vater und einer früh verstorbenen Mutter, und wie schwierig sozialer Aufstieg in diesem Land ist.

und

Yoko Ogawa Das Geheimnis der Eulerschen Formel: Von einer jungen Japanerin und ihrem 10-jährigen, die einen älteren Mathematikprofessor betreuen, der alle 80 min. sein Gedächtnis verliert. Wunderbar verschrobene Geschichte über die Schönheit der Zahlen und die Poesie des Alltags.

Aus dem Japanischen übersetzt von Sabine Mangold.

Nur knapp dahinter:

Lisa Taddeo erzählt in Three Woman stilistisch herausragend die wahren Geschichten dreier Frauen mit all ihren Sehnsüchten, Verlangen und Hindernissen. Über Missbrauch, Liebe, Erwachsenwerden und die Frauenfeindlichkeit unserer Gesellschaft. Das Buch ist so gut geschrieben mit seinen scharfsinnigen Beobachtungen und feinfühligen Beschreibungen, da könnten sich auch viele RomanautorInnen eine Scheibe von abschneiden. Ist auch auf Deutsch erschienen.

Einen Reread gab es von Nick Hornbys High Fidelety, anlässslich der aktuellen Serienadaption mit Zoe Kravitz als Rob. Noch immer lesenswerte Geschichte eines misanthropischen Beziehungsnörglers und Plattennerds, der unter seinen ironischen Sprüchen und seiner notorischen Grantlerei verbirgt, wie schlecht es ihm eigentlich geht. Hat mir aber nicht mehr ganz so gut gefallen wie bei der Erstlesung vor 20 Jahren, da mir Robs Jammerlappigkeit gehörig auf die Nerven ging. (7/10, statt 9/10 damals)

In Zoe Fishmans Die Frauen von Long Island erbt eine junge, alleinerziehende Mutter ein Haus in den Hamptons inklusive der an Alzheimer erkrankten Bewohnerin. Spricht durchaus aus interessante Themen an und liest sich unterhaltsam, bleibt aber zu seicht, um über die gesamte Strecke zu überzeugen. Übersetzt von Annette Hahn.

Der Zopf von Laetitia Colombani (dt. Claudia Marquardt). Bewegende Geschichte dreier Frauen aus unterschiedlichen Welten, die lose miteinander verknüpft sind, aber zeigen, mit welchen Widerständen und Problemen sie sich ganz gleich vom sozialen Status herumschlagen müssen.

Haus der tausend Welten von T. S. Orgel.

Eine gelungene Mischung aus Gauner-Fantasy á la Locke Lamora und Abenteuer-Fantasy wie Fafhrd und der Graue Mausling, mit einer ausreichenden Prise Sens of Wonder und Spannung, ohne dabei die Figurenentwicklung zu vernachlässigen.

In der Bergstadt Atail, die von magischen Siegeln künstlich warm gehalten wird, gibt es das mythenumrankte Haus der aufgehenden Sonne. Ein riesiges Gasthaus, dessen oberen Stockwerke Magie und Schätze beherbergen soll, die aber seit Jahrhunderten niemand mehr betreten (und wenn, dann nicht wieder verlassen) hat. Doch eine Truppe von Straßengaunern, die kriminelle Wirtin des Hauses und ein paar andere geheimnisvolle Personen machen sich auf den gefährlichen Weg, die Geheimnisse des Hauses zu ergründen.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, wie sehr ich abgeschlossene Einzelromane in der Fantasy schätze. Die Story hier ist perfekt dafür, auch wenn das Buch etwas zu lang geraten ist. Das hätte man auch gut auf unter 500 Seiten erzählen können. Trotzdem hatte ich meinen Spaß mit dem Roman. Die Figuren sind gut ausgearbeitet, die Locations werden sehr stimmungsvoll beschrieben und das Haus selbst hält genügend Sens of Wonder bereit, um meinen Abenteuergeist zu wecken.

Ein paar Kritikpunkte gibt es aber durchaus:

A) die Länge. Nach ca. 450 Seiten hätte die Geschichte für mich gut enden können. Hier und da wirkt sie für mich zu sehr in die Länge gezogen, als wolle oder müsse man (fürs Marketing) unbedingt einen dicken Fantasyschinken produzieren, obwohl die epische Länge für diese Art von Geschichte überhaupt nicht erforderlich ist.

B) Die Live-Die-Repeate-Sequenzen habe ich als dramaturgische Schummelei empfunden. Die im Finale auch noch verpufft, weil man sie vom ersten Moment ahnt und weiß, dass alles, was auf den folgenden Seiten passiert, wieder annulliert wird. Hat nicht ins Gesamtkonzept des Buchs gepasst. Zumindest für mich nicht.

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