30 (Fun) Facts aus meiner Zeit im Studentenwohnheim

1. Im Erdgeschoss gab es einen Waschraum mit Waschmaschinen und einen Tischtennisraum, die ich beide in meinen 6 Jahren dort nie betreten habe, und bis heute nicht weiß, wie sie ausgesehen haben.

2. Meinen Briefkasten habe ich alle 6 Monate einmal gelehrt, wenn das neue Semester begann. Habe nirgendwo meine Anschrift angegeben und nie etwas bestellt außer Pizza, die aber nicht durch den Briefkastenschlitz passte. Aufgrund der Türensituation am Eingang und auf den Etagen waren Lieferungen eine unpraktische Angelegenheit.

2.b Die Bewerbungsunterlagen auf eine Professur, für die ich in einer Berufungskommission saß, habe ich nur rechtzeitig entdeckt, weil der Briefkasten so voll (mit unerwünschter Werbung) war, dass sie halb herausgeragt haben. Irgendwo an der Uni muss ich wohl doch diese Anschrift angegeben haben.

3. Wenn du (nicht ich) Ärger mit einem georgischen Kampfhundbesitzer namens Georgi – der stolz Videos von Hundekämpfen zeigt – hast, kann es passieren, dass er dir vor die Zimmertür kackt (obwohl er direkt daneben wohnt). Der Besitzer, nicht der Hund (der blieb in Georgien zurück).

4. Eine Gaspistole aus nächster Nähe abgefeuert kann durchaus ein T-Shirt in Brand setzen. Wenn dir jemand den Schädel mit einer leeren Glasflasche einschlagen will, weil kein Bier mehr im Kühlschrank ist, bleiben einem aber nur wenig Alternativen. (Einem Mitbewohner passiert, attackiert von einem psychisch kranken Studenten aus dem Nachbarwohnheim, der gerade einen psychotischen Schub hatte).

5. Wenn du dich für eine Postdoc-Stelle bewirbst und die Frage aufkommt, ob es gegen Sie laufende Verfahren gibt, und es gerade eines gibt, weil du dich mit einer Gaspistole gegen einen Angreifer gewehrt hast, der eigentlich vor Gericht steht, ist das eher suboptimal.

6. Bei 20 Bewohnern auf einer Etage (mit 5 Gemeinschaftstoiletten) gibt es immer jemanden, für den die Benutzung der Klobürste ein Mysterium darstellt.

7. Wenn man beim gemeinschaftlichen Pizzabacken den neuen japanischen Mitbewohner fragt, ob er noch etwas essen möchte, sagt der so lange »Ja«, bis jemandem einfällt, dass es in Japan als unhöflich gilt »Nein« zu sagen und ein solches Angebot abzulehnen.

8. Lässt man die Etagentüren offen, weil die meisten Leute zu faul sind, für ihren Besuch selbige von Hand zu öffnen, fängt man sich Ungeziefer, Zeugen Jehovas und GEZ-Kontrolleure ein. Die Zeugen vor allem früh am Samstagmorgen.

9. Öffnet man die Zimmertür, weil jemand klopft (die Klingel haben die meisten abgeklemmt), sollte man immer erst den Fernseher oder das Radio ausmachen, denn es könnte der GEZ-Kontrolleur sein, den man dann des Hauses verweisen sollte.

10. In meinem 6 Jahren im Wohnheim hatte ich bewusst keinen Fernseher, außer zur Fußball-WM 2002, bei der ich aber das Halbfinal gegen Südkorea verpasst habe, weil ich zur gleichen Zeit ein Referat halten musste, das Ergebnis aber am Jubel aus dem Studentencafé nebenan verfolgen konnte.

11. Weil ich keinen Fernseher hatte, habe ich die ersten Bilder vom 11. September 2001 erst am 14. gesehen, als ich fürs Wochenende nach Hause fuhr. Während der Anschläge saß ich im Matheseminar, habe danach gepennt und erst abends in der Pizzeria was von Flugzeugen und Hochhäusern gehört.

12. Im Studentenwohnheim ist immer irgendwo Party. Außer am Wochenende, da fahren alle nach Hause, damit Mutti die Wäsche waschen kann und man was Richtiges zu Essen bekommt.

13. Wenn man einen Computermonitor (kein Flachbild) aus dem 7. Stock wirft, zerspringt der in tausend kleine Teile.

14. Schnippt man Kronkorken vom Balkon der 7. Etage sorgen diese in Verbindung mit der Gravitation zu Schmerzens- und Unmutsbekundungen der Getroffenen.

15. Möchte man samstagmorgens um 7.00 Uhr mit der Etage nach Amsterdam fahren, sollte sich nicht ausgerechnet eine der Fahrerinnen aus ihrem Zimmer aussperren.

15.b Mit 12 Leuten auszuklamüsern, wie man eine verschlossene Zimmertür aufbekommt, kann eine sehr spaßige Angelegenheit sein. Nur nicht für jene Mitbewohner, die nicht mitfahren und noch schlafen möchten.

16. Es gibt Menschen, die sich ihr Zimmer vollkommen schwarz streichen, inklusive der Steckdosen. Andere ziehen rot vor.

17. Toaster können schimmeln.

18. Es gibt Männer, die öffnen die Tür nur im Leopardentanga, wenn man sich die Wohnheimbohrmaschine leihen möchte. Ist man eine Frau, knallen sie die Tür zu und öffnen sie 30 Sekunden später im geschniegelten Anzug.

19. Nicht alle Bewohner eines Studentenwohnheims studieren wirklich. Und nicht alle Bewohner eines Studentenwohnheims wohnen dort wirklich.

20. Es gibt Menschen, die dort 10 Jahre gewohnt haben, ohne am Wochenende und in den Ferien »nach Hause« zu fahren.

21. Es gibt auch Menschen, die ihr 13 Quadratmeter großes Zimmer noch mit einer Spanplatte aufteilen, um sich dort eine Werkstatt einzurichten.

22. Ein Kühlschrank im Zimmer nicht weit vom Bett (und das ist praktisch überall im Zimmer) kann sehr praktisch sein, aber auch sehr laut.

23. Es gibt Menschen, die stellen die Herdplatte zum Vorheizen an und kommen erst 10 Minuten später mit einem Topf zurück.

24. Sitzt man zu lange zusammen in der Küche, kommt man auf die dümmsten Ideen. Wie zum Pizza Hut nach Köln zu fahren, und dann noch zum McDonalds am Frankfurter Flughafen, damit man den Flugzeugen während des Essens beim Starten zusehen kann. (Wer hat zu Beginn der Nullerjahre schon an seinen CO2-Ausstoß gedacht?)

25. Aus der Idee, den neuen Harry Potter stilecht in London zu kaufen, kann auch schon mal ein zehntägiger Wanderurlaub in Schottland werden. Statt »Harry Potter« habe ich mir aber »Snow Crash« von Neal Stephenson gekauft.

26. Sperrt man sich am Feiertag aus seinem Zimmer aus und hält sich für McGyver, der die Tür nur mit einem Draht öffnen kann, macht man sich beim Hausmeister nicht gerade beliebt, wenn der den abgebrochenen Draht mit einer Zange aus dem Schloss frimmeln muss.

27. Indische Mitbewohner freuen sich nicht immer über Besuch von Landsleuten, da es Brauch ist, solche Gäste stets zu bekochen. Was sich manche zu Nutze machen, um mit kostenfreier Verköstigung durch die Woche zu kommen.

28. Die Flaschen stehen nicht in der Flucht. (Nur für Insider).

29. Sich nur mal schnell was in der Küche zum Mittagessen zuzubereiten, bevor man kurz vor der Prüfungsphase zur Uni möchte, kann schon mal mit einer zwölfstündigen Uno-Runde enden.

30. Die Lektüre von Matt Ruffs „Fool on the Hill“ hat mein Studium um ein Semster verlängert.

2 Gedanken zu “30 (Fun) Facts aus meiner Zeit im Studentenwohnheim

  1. Zu Punkt 28…. „niemand hat die Absicht eine Pyramide zu errichten“

    Zu Punkt 29 Hausregeln….. Bei einer 0 muss mit Mcgyver getauscht werden.

    Punkt 31
    Das Grillen auf dem Balkon ist verboten…..

    Punkt 31b
    Brandschutz? Da passiert schon nichts

    Und doch haben einige ihren Abschluss gemacht…..

    Wenn ich das so lese….. Etagentreffen 2020?

  2. Mir ist es schlicht nicht klar, warum man Studentenheime aufsuchen soll. Sie sind inzwischen derart angepasst an die Mietpreissituation der jeweiligen Stadt…das man sich auch gleich nie Wohnung mieten kann…Oder was macht den Reiz eines Studentenheims aus?

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