Interessante Bücher aus den aktuellen Verlagsvorschauen Phantastik Frühjahr 2019

In der Vergangenheit habe ich hier auf dem Blog schon öfters die neuen Phantastikverlagsvorschauen vorgestellt, teilweise mit einem langen Blogeintrag pro Verlag. Das mache ich dieses Jahr mangels interessanter Titel nicht. Gleich vorweg: Mit „interessant“ meine ich vor allem Bücher, die für mich interessant sind.

Ich bin alle Verlagsvorschauen seit 2010 gründlich durchgegangen, habe teilweise sogar Statistiken darüber und über die Entwicklungen geführt: wie viele Erstausgaben, Neuübersetzungen und Neuauflagen älterer Titel erscheinen. Würde also behaupten, einen ganz guten Überblick über die Entwicklung der letzten Jahre zu haben. Und was ich da beobachte, gefällt mir als langjähriger und leidenschaftlicher Phantastikfan überhaupt nicht.

Man sollte das Ganze natürlich auch im Kontext der allgemeinen Entwicklung des Buchmarktes betrachten, und da sieht es trotz viel zu vieler Neuerscheinungen nicht allzu rosig aus. Auch bei den Krimi- und Thrillervorschauen der hier erwähnten Verlage finde ich nur noch wenig, was mich anspricht, auf den ersten Blick sieht alles irgendwie gleich oder zumindest sehr ähnlich aus. Nach Stangenware und Sachen, die irgendwelchen vermeintlichen Trends hinterherhecheln.

Kann natürlich auch sein, dass das einfach mein Problem ist und ich mich mit meinem Lesegeschmack verändert habe, aber Unterhaltungen mit Freunden und Kennern der Phantastik bestätigen diesen Eindruck. Manche Verlage, wie Blanvalet z. B. scheinen die Fantasy inzwischen ganz aufgegeben zu haben und bringen nur noch alte Sachen aus der Backlist (R. A. Salvatore, Raymond Feist, Terry Brooks, Christopher Paolini …). Und in mir beschleicht sich das Gefühl, dass wir hier gerade beobachten, wie der Fantasymarkt – wie wir ihn bisher kannten – zusammenbricht. So zumindest mein Eindruck.

Aber genug der Untergangsprophezeiungen und des Gemeckers. Schauen wir mal, was sich zwischen den ganzen alten Kamellen (die natürlich in eine gut gepflegte Backlist gehören, aber nicht als Spitzentitel in neue Programmvorschauen) an interessanten neuen Büchern so findet. In diesem Thread des Forums der Bibliotheka Phantastika findet man Links zu allen aktuellen Phantastikvorschauen. Mit Klick auf die Verlagsnamen gelangt ihr direkt zu den PDF-Vorschauen.

Blanvalet

Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv von Judy Taylor ist leider der einzige Titel aus dem Programm, den ich mir notiert habe. Urban Fantasy mit einer Archäologin auf Zeitreisen, das schreckt mich zumindest nicht direkt ab. Die Kritiken zu englischen Fassung sind recht vielversprechend.

Mit Die Gabe des Winters von Mara Erlbach findet sich zumindest noch eine weitere neue Autorin im Programm, ansonsten neben ein, zwei Fortsetzungen nur Neuauflagen von Büchern, die ich schon seit Jahrzehnten im Regal stehen habe. Science-Fiction hat man bei Blanvalet schon vor langer Zeit aufgegeben.

Penhaligon

Über Sohn der Sieben von Justin Travis Call lässt sich noch nicht viel sagen, da sein Debütroman auch auf Englisch erst im Jahr 2019 erscheinen wird. Das war wahrscheinlich eines dieser Manuskripte, das als der nächste heiße Scheiß die Runde bei den Literaturscouts und Verlagen gemacht hat, bis Penhaligon dann den Zuschlag erhielt. Allerdings auch ein 800 Seiten dicker Auftakt zu einer Serie. Als jemand, der inzwischen lieber abgeschlossene Einzelromane liest (möglichst auch nicht zu dick) bin ich bei der Fantasy definitiv im falschen Genre.

Knaur

Anna Smith Sparks Das Reich der zerbrochenen Klinge hatte ich mir bereits nach Erscheinen der Originalfassung notiert, das scheint vor allem auch sprachlich interessant und eine Herausforderung an die Übersetzerin zu sein.

Ansonsten würde mich bei Knaur noch interessieren, ob es denn mit N. K. Jemisins Trilogie weitergeht?

Heyne

Mit Robo Sapiens (Sea of Rust) von C. Robert Cargill hat Heyne immerhin einen ungewöhnlichen Titel im Programm, den ich dort nicht erwartet hätte (hier geht es zu Josefsons nachtragender Besprechung). Allerdings bin ich nicht so ein Fan von Geschichten, in denen es nur um Roboter geht.

Der neue SF-Roman von Richard Morgan Mars Override (Thin Air) interessiert mich nach den ersten englischsprachigen Kritiken nicht so wirklich, da er einfach wieder nach dem alten Muster zu schreiben scheint, das für mich in der Takeshi-Kovacs-Reihe nur in zwei von drei Romanen funktioniert hat.

Mit Die Silizium Insel von Quifan Chen führt man den aktuellen China-Trend in der SF fort. Die Inhaltsangabe spricht mich jetzt nicht so an. Aber die hat ja gerade bei Heyne oft überhaupt nichts mit dem Buch zu tun. Mal abwarten.

Fantasymäßig werde ich mal Kritkien zu dem mir bisher völlig unbekannten Jeff Wheeler abwarten, da schreckt mich allerdings ab, dass direkt drei Teile so schnell hintereinander veröffentlicht werden. Bis ich dann bei Teil drei ankomme, ist der von Verlagsseite vermutlich schon längst verramscht und vergriffen. Aber immerhin muss man nicht bangen, ob überhaupt alle Teile übersetzt werden. Die Inhaltsangabe liest sich allerdings wenig originell.

Klett Cotta

Nix gefunden, was mich interessiert. Aber aus den vergangenen Programmen will ich mal noch irgendwann Brian Durfees Der Mond des Vergessens lesen. Ist aber auch wieder so ein dicker Schinken, dem viele Fortsetzungen folgen sollen.

Piper

Die Inhaltsangabe zu James Sullivans Die Stadt der Symbionten macht mich schon ein wenig neugierig. Der Besucher von Tyler Parsons scheint zumindest ein interessantes Konzept zu haben, mit dem gestrandeten Astronauten, der an einem Alienschiff hängt, reinblicken darf, aber draußen bleiben muss, bis er etwas sieht, was er nicht sehen soll.

Fantaymäßig hat mich da nichts angesprochen.

Fischer Tor

Hier freue ich mich natürlich tierisch auf Unter uns die Nacht von Becky Chambers, meiner aktuellen Lieblings-SF-Autorin, da sie zu den Wenigen gehört, denen es in dieser Flut an dystopischer Science Fiction noch gelingt, einen positiven Zukunftsenwurf zu entwickeln, der trotz aller Konflikte, die in den Geschichten herrschen, für ein optimistisches Leseerlebnis sorgt. Space Opera hatte ich ja schon an anderer Stelle erwähnt.

Golkonda

Ich weiß zwar nicht so recht, was ich mir unter Die Geschichte der schweigenden Frauen von Binah Shah vorstellen soll, aber interessiert bin ich durchaus an dieser pakistanischen Dystopie. Ansonsten werde ich auf jeden Fall China Miéville Die letzten Tage von Neu Paris lesen. Und der Kurzgeschichtenband von Michael Marrak ist auch vorgemerkt.

Bastei Lübbe

Da ist auch nichts für mich dabei.

Noch vor wenigen Jahren schrieb ich, dass ich nicht einmal ansatzweise alle Titel in den Phantastikprogrammen schaffen könnte, die mich interessieren. Das hat sich geändert. Ob das an mir liegt, oder an den Programmen, werde ich mal in einem eigenen Beitrag behandeln.

2 Gedanken zu “Interessante Bücher aus den aktuellen Verlagsvorschauen Phantastik Frühjahr 2019

  1. Nur am Rande, wann hat denn die BP ihren Grünton verloren?

    Zugegeben, das sah immer etwas nach frühem-2000er-Design aus, aber ich fand das eigtl. ganz charmant.

    • Das ging leider verloren, als man aufgrund der DGSVO eine neue Forensoftware installieren musste. Das alte Design wird von allen schmerzlich vermisst, bisher wurde aber noch keine Möglichkeit gefunden, ein ähnliches Grün herbeizuzaubern.

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