Last Chance To Read – Ein kurzer Streifzug durch 6 Jahre Translate Or Die

Bevor man sein Comeback planen kann, muss man erst mal eine Abschiedstournee mit den alten Hits machen. Hier ein paar ausgewählte Blogbeiträge mit Hintergrundinfos, die es nur noch bis Donnerstag zum Lesen gibt:

Im November 2011 ging Translate Or Die an den Start, eigentlich als meine berufliche Präsentationsseite als Übersetzer. Damals studierte ich noch Amerikanistik an der Freien Universität in Berlin (hier mehr zum Studium) und betrieb meine Bestrebungen Übersetzer zu werden zunächst nebenbei.

Sexismus, Diskriminierung und Captain Future – Zu meinen ersten Übersetzungen gehörte Captain Future im Golkonda Verlag. Das war vermutlich der für mich beruflich wichtigste Kontakt, denn Hannes Riffel hatte damals schon einen exzellenten Ruf in der Branche und war anfangs für mich eine Art Mentor. Damals lebte ich noch in Berlin und bin zur Besprechung der Übersetzungen direkt bei ihm zu Hause vorbei. Und auch heute arbeite ich noch für ihn bei Tor Online. Den Golkonda Verlag hat er allerdings letztes Jahr verkauft, und die neuen Besitzer haben wohl ihre eigenen Übersetzer mitgebracht, weshalb meine letzte Captain Future-Übersetzung im März erschienen ist. Mit allen zukünftigen werde ich vermutlich nichts mehr zu tun haben.

2014 besuchte ich einen Übersetzungsworkshop bei Hannes Riffel und Karen Nölle im Europäischen Übersetzungskolleg in Straelen. Passenderweise habe ich nur einen Tag vorher erfahren, dass ich meine halbe Stelle als Sozialpädagoge in der Jugendhilfe verlieren würde. Was mir nur recht kam. Von Ende meines Studiums in Berlin im September 2013 bis September 2014 hatte ich zur Hälfte als Sozialpädagoge und zur Hälfte als Übersetzer gearbeitet. Der Stellenwegfall gab mir dann die nötige Motivation, ganz als freiberuflicher Übersetzer zu arbeiten. Und womit hätte ich besser in den Beruf starten können, als mit diesem tollen fünftägigen Übersetzungsseminar.

Das Europäische Übersetzerkollegium in Straelen

Danach ging es dann auch richtig los mit den Aufträgen: insgesamt habe ich inzwischen über 50 Fernsehdokumentationen für N24 übersetzt, zwölf Bücher und zahlreiche Kurzgeschichten. Aktuell herrscht allerdings etwas Flaute, was Aufträge angeht. Im letzten Jahr hatte ich mir die Zeit genommen, an meinem eigenen Buch zu arbeiten – das sich jetzt in einer gründlichen Überarbeitung befindet -, was vielleicht ein Fehler war, was das Übersetzen angeht. Denn aktuell gestaltet sich die Auftragsakquise etwas schwierig. Die großen Publikumsverlage haben die Zahl der Übersetzungen in ihren Phantastikprogrammen deutlich reduziert (ich habe nachgezählt), da ist es dann schwierig, an Aufträge zu kommen, wenn man sich nicht schon als Stammübersetzer etabliert hat. Ich werde jetzt versuchen, außerhalb der Phantastik einen Fuß in die Tür zu bekommen, was aber auch nicht einfach sein wird. Mal sehen, wie es die nächsten Monate läuft. Ansonsten müsste ich mich beruflich wohl mal wieder neu orientieren.

Literaturübersetzer werden – aber wie? Der einzige Gastbeitrag auf meinem Blog stammt von Frank Böhmert. Dabei handelt es sich um eben jenen Beitrag von ihm aus dem Jahr 2009, der mich überhaupt erst zum Übersetzen gebracht hat. Frank hat seinen Blog kürzlich auch aufgrund der Datenschutzverordnung dichtgemacht, da er eh nur noch wenig darauf veröffentlicht hat. Mit Frank bin ich immer noch befreundet und habe ihn erst vor zwei Wochen in Berlin beim Fantasyguide-Grillen gesehen.

Im Laufe der Jahre habe ich auf diesem Blog auch einige meiner akademischen Arbeiten wie meine Diplomarbeit sowie einige Essays und Hausarbeiten veröffentlicht. Auf Englisch z. B. einen Essay zu Richard Wrights Native Son, der oft aus den USA aufgerufen wird, vermutlich von Schülern, die selbst einen Aufsatz über das Buch schreiben sollen. Auf Deutsch gibt es eine Hausarbeit mit dem Titel The Dispossessed – Ein feministischer Blick auf die Utopie von Ursula K. Le Guin und eine über die HBO-Serie Deadwood – Die Entwicklung des amerikanischen Western und die Möglichkeiten, die das moderne Serienformat diesem Genre eröffnet.

Im letzten Jahr bin ich seit vielen Jahren erstmals wieder in den Urlaub gefahren und habe auf meinem Blog über zwei Spaziergänge durch Paris berichtet – was teils auch eine Recherchereise für mein Buch war, das in der französischen Hauptstadt spielt.

Mit Haus mit dünnen Wänden habe ich kürzlich versucht, mal etwas experimenteller und literarischer auf meinem Blog zu schreiben. Eigentlich wollte ich in Zukunft mehr in diese Richtung machen, aber das wird ja jetzt erst mal nix.

Mit dem Blog werden auch meine drei Kurzgeschichten verschwinden:

  • In Stadt der Zähne geht es um einen jungen Deutschen, der auf der Suche nach dem amerikanischen Traum in die USA auswandert, dort schnell von der Realität eingeholt wird und in einer Abwärtsspirale im tiefer in der Gosse landet, während er einer destruktiven Beziehung mit seiner amerikanischen Frau feststeckt. Warning: Explicit Lyrics!
  • „Im Foltercamp der geschändeten Frauen“ ist eine Ode an die VHS-Kassettenzeit der 90er-Jahre. Drei Jugendliche begeben sich auf eine Quest, um obskure Filme aufzutreiben, damit an einer legendären und einmaligen Filmführung teilnehmen können, und erleben dabei einige skurrile Abenteuer. Ist ganz harmlos.
  • Und Das grausame Spiel des Herbstes ist eine kleine Hommage an Ray Brabury und Halloween.

Gelegentlich habe ich auch Filmbesprechungen verfasst. Die erste stammt noch aus meiner Berliner Zeit, als ich mit Lapismont regelmäßig in die Kulturbrauerei ging, um Filme zu sehen, die bei mir hier im Westerwald nicht laufen. Den Anfang machte The Broken Circle Breakdown.

Für viel Aufsehen und hohe Zugriffszahlen sorgten vor zwei Jahren meine Blogbeiträge zur Frage: Phantastikvorschauen Herbst/Winter 2016: Wo sind die Frauen? Da hatte ich mal nachgezählt, wie gering der Anteil an Autorinnen in den Phantastikprogrammen der Publikumsverlage ist. Demnächst sollte eigentlich ein Nachfolgeartikel kommen, durchgezählt habe ich die aktuellen Programme schon und den Artikel halb verfasst, aber der passt jetzt nicht mehr vor der Blogschließung rein. Nur so viel: Die Situation hat sich nicht verbessert, der Frauenanteil ist sogar eher noch zurückgegangen.

Der Blog sah übrigens nicht immer so aus wie jetzt. Das Design habe ich über die Jahre zweimal verändert. Hier kann man nachsehen, wie Translate Or Die früher aussah.

2013 hatte ich meinen Blog auch mal für ein Arbeitskraftangebot genutzt.

Politische Beiträge wie Abweichung von der Norm – warum uns der aktuelle Überwachungsskandal alle angeht! blieben in der Minderheit.

Unter dem Titel Phantastische Netzstreifzüge habe ich in 46,5 Ausgaben darüber berichtet, was mir im Netz so an interessanter Phantastik begegnet ist. In leicht abgewandelter und reduzierter Form führe ich diese Reihe jetzt auf Tor Online fort.

Vor ziemlich genau vier Jahren machte ich mir Gedanken zur Fußball WM in Brasilien. Tja, von dem erhofften wirtschaftlichen Aufschwung durch die WM und Olympia ist ja, wie zu erwarten, nicht viel geblieben. Die gebauten Stadien und Sportstätten verfallen und Brasilien steckt in einer tiefen wirtschaftlichen und politischen Krise, die die Demokratie im Land massiv gefährdet. Zumindest um Letzteres braucht man sich in Russland ja keine Sorgen mehr machen, während der Show-WM für den Despoten. Mein WM-Fieber befindet sich irgendwo im negativen Bereich. Diese korrupte Farce geht mir am Allerwertesten vorbei.

Der Sportplatz von Oziel

Die Reihe Lesezeichenarchäologie ist über die Jahre etwas eingeschlafen und wurde von mir erst kürzlich wiederbelebt. Einen weiteren Beitrag habe ich schon angefangen zu verfassen. Da würde es dann um eine erste Reise nach Berlin und meinen ersten Besuch in der Ufo-Buchhandlung (heute Otherland) gehen.

Wie lange dürfen Fantasyserien und Reihen sein? Oder Was dürfen Bücher kosten? Beiträge zu solchen Fragen bezüglich Büchern und Genres erfreuten sich immer großer Beliebtheit und sorgten auch für Kommentare.

Besonders gefreut hat es mich immer, wenn ich über eingetroffene Belegexemplare meiner Übersetzungen berichten konnte, also die Früchte meine Arbeit. Von allen bisherigen Übersetzungen hat mir Dunkle Materie von Carolyn Ives Gilman am meisten Spaß gemacht. Ich halte das Buch auch für einen der aufregendsten SF-Romane der letzten Jahre. Leider ist er in Deutschland ziemlich untergegangen, obwohl er – ganz unabhängig von meiner Übersetzung – viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Meine zahlreichen Buchbesprechungen findet man hier, leider nur in chronologischer Reihenfolge, da ich es versäumt habe, sie von Anfang an zu indexieren.

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