Kurzkritiken Mai 2018

Kurz vor Blognarök gibt es noch ein paar Kurzkritiken zu Büchern, die ich in den letzten Monaten gelesen habe.

Melissa Febos – Whip Smart

Whip Smart ist keine Erotikliteratur, kein Shades of Grey aus authentischer Feder. Febos blickt reflektierend und analysierend auf vier Jahre ihres Lebens zurück, in denen sie neben ihrem Studium als Domina in New York gearbeitet hat, geht aber auch auf ihre Kindheit, ihre Beziehungen, ihre Persönlichkeit und ihr Drogensucht ein. Die Sessions mit ihren Kunden beschreibt sie eindrucksvoll, wortgewaltig und sehr ernüchternd, nicht erotisch, sondern analytisch und psychologisierend. Eine faszinierende Autobiografie über eine komplizierte, komplexe Frau.

Sven Regener – Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt

Karl Schmidt, das alte Schlachtwahlross der Berliner Elektrolyteszene, das am Ende von Herr Lehmann leicht überschnappte, ist zurück, um auf Magical Mystery Tour zu gehen, zusammen mit alten Bandkollegen, die inzwischen ein erfolgreiches Technolabel führen, mit dem sie gegen den Stumpfsinn von Gummistiefeltechno ankämpfen wollen. Dass dies nicht ohne Komplikationen abläuft und Karl Schmidts Abstinenz – immerhin lebt er im betreuten Wohnen und arbeitet als Hilfshausmeister – auf die Probe stellt, versteht sich wohl von selbst. Mit gewohnt lakonischem Humor und ausgezeichneten Dialogen bleibt Regener seinem Lehmann-Kosmos treu und liefert einen unterhaltsamen Roadtrip, der durchaus Tiefgang (und Meerschweinchen) besitzt.

Paul Tremblay – A Head Full of Ghosts

Moderne Variante von Der Exorzist, die hier Familiendrama mit Mediensatire verbindet, nicht ganz so spannend und gruselig, wie ich erwartet hatte, dafür mit viel Tiefgang und Einblicken in die Psyche einer zerrütteten Familie.

Douglas Preston und Lincoln Child – Attic (übersetzt von Thomas A. Merk)

Quasi-Fortsetzung des superspannenden Museumshorror Relic, der im Naturkundemuseum von New York spielt (das ich nächsten Monat endlich besuchen werde). Attic spielt zwar teilweise auch im Museum of Natural History, aber der eigentliche Star des Romans ist die Tunnelwelt unter der Stadt, die noch über mehrere Ebenen unter der U-Bahn liegt. Nicht ganz so spannend wie der Vorgänger, aber immer noch faszinierend, mit interessanten Einblicken in das New York der 90er-Jahre. Ist auch noch nicht so übertrieben abgedreht wie die späteren Pendergast-Romane.

William Hjortsberg – Falling Angel

Hard-Boiled-Krimi mit okkultem Einschlag über einen hartgesottenen Privatschnüffler, der in den 50er-Jahren in New York durch einen zwielichtigen Auftraggeber in einige unheimliche Vorgänge verwickelt wird. Toller Stil, absolut schnörkellos aber elegant auf den Punkt geschrieben mit vielen Slang-Ausdrücken und Formulierungen aus dieser Zeit. Habe so z. B. gelernt, was ein „shamus“ ist. Wurde übrigens mit Mickey Rourke und Robert De Niro als Angel Heart verfilmt (allerdings in New Orleans).

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