Meine Lektüre Dezember 2017

Patrica Williams und Jeannine Amber – Rabbit: A Memoir

 

Hier die englischsprachige Besprechung dieser beeindruckenden Autobiografie eines Mädchens, das in Verhältnissen aufwuchs, die auf uns hier in Deutschland fast unvorstellbar wirken (und das schreibe ich als Sozialpädagoge, der schon mit heftigsten Fällen konfrontiert wurde).

Angela Davis – An Autobiography

Faszinierende Autobiografie einer afroamerikanischen Bürgerrechtsaktivistin und Kommunistin, die die Black Panther Party mitgegründet hat und in Frankfurt bei Adorno und Habermas studierte (hätte bei Adorno promovieren können, wollte aber zurück in die USA, um in der Bewegung aktiv zu werden). Vor allem aber ein Buch darüber, wie die amerikanische Justiz versucht, politische Aktivisten mit an den Haaren herbeigezogenen Anklagen zu schikanieren. Davis‘ Prozess fand Anfang der 1970er statt, die Parallelen zu den aktuellen J20-Prozessen sind erschreckend. Es scheint sich tatsächlich nicht viel geändert zu haben. Teilweise sind die Schilderungen der jungen Angela Davis (sie war 28, als sie das Buch schrieb) stark ideologisch geprägt und wirken etwas naiv (vor allem in Bezug auf Kuba), aber ihre Schilderungen der Untersuchungshaft (Jail) – nicht zu verwechseln mit dem Gefängnis (Prison) – gehen unter die Haut. Stilistisch klar und elegant formuliert (lektoriert von Toni Morrison). Eine ausführliche Besprechung folgt vermutlich noch.

Jean-François Parot – Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel

Atmosphärisch dichter historischer Krimi im Jahre 1761, über einen jungen Ermittler, der zunächst nur nach einer vermissten Person sucht, dann aber in einen Mordfall und politische Intrigen verstrickt wird. Besonders interessant, weil es einige Jahrzehnte vor den revolutionären Änderungen der Kriminalistik durch Eugène François Vidocq spielt. Die Übersetzung von Michael von Killisch-Horn liest sich ausgezeichnet. Allerdings hätte dem Buch ein weiterer Korrektoratsdurchgang sehr gut getan.

Philip Pullman – Das magische Messer

Nach Der goldene Kompass mein zweiter Pullman-Reread. Anders, als beim ersten Teil der Trilogie, konnte ich mich hier an absolut nichts erinnern. Insofern fand ich es sehr spannend, wie hier zwischen den Welten gewechselt wird. Ein kurzes Buch, kompakt und auf den Punkt geschrieben, ein typischer Mittelband, der auf das große Finale vorbereitet. Übersetzt von Wolfram Ströle.

Jeffery Deaver – Der talentierte Mörder

Der zwölfte Band der Reihe um das ungewöhnliche Ermittlerduo Lincoln Rhymes und Amelie Sachs. Die Bücher sind immer nach dem gleichen Schema, mit ähnlichen überraschenden Wendungen aufgebaut, die vor allem daraus bestehen, dass Deaver dem Leser an entscheidenden Stellen Wissen vorenthält. Bisher haben die Bücher für mich trotzdem ausgezeichnet funktioniert, doch dieses Mal scheint die Luft ein wenig raus zu sein. Es fehlt vor allem an Spannung, und die war bisher immer der wichtigste Teil der Bücher. Der eigentliche Fall plätschert so vor sich hin, während sich Rhymes und Sachs einer persönlichen Krise widmen und Deaver noch einige Nebenstränge einführt, die nichts mit dem Hauptfall zu tun haben. Die Themen um Computermanipulationen und Datensammlung gab es auch schon in den Vorgängern. War ganz okay, aber für mich der bisher schwächste Band der Reihe. Die Übersetzung von Thomas Haufschild kam mir, wie schon bei den vorangegangenen Bänden, stellenweise etwas altbacken vor.

Leigh Bardurgo – Das Lied der Krähen (übersetzt von Michelle Gyo)

Heist-Fantasy in einem industriellen Setting mit Gewehren, Panzern, Börsenhandel und ähnlichen Errungenschaften. Gar nicht so spannend, da der eigentlich Einbruch über weite Strecken zugunsten der ausführlichen Charakterisierungen der sechs Hauptfiguren in den Hintergrund rückt, was zu sehr langen und zahlreichen Flashbacks führt, die aber nicht wirklich stören, weil wir dadurch Figuren mit Tiefe erhalten. Toller Weltenbau, wobei mir der Einbruch in das Gefängnis stellenweise etwas zu schnell und glatt über die Bühne geht. Trotzdem habe ich mich an keiner Stelle gelangweilt und mich über das erfrischend moderne Setting gefreut.

Warnung: Was der Verlag auf dem Buch verschweigt, ist, dass es sich nicht um einen abgeschlossenen Einzelroman handelt, sondern, nach dem was, ich habe in Erfahrung bringen können, um einen Zweiteiler, dessen erster Band mit einem kleinen Cliffhanger endet.Teil 2 soll wohl 2018 erscheinen.

Spielt in der gleichen Welt, wie die bereits erschienene Grisha-Trilogie, aber einige Jahrhunderte später, wenn ich das richtig verstanden habe. Auch das wird auf dem ansonsten wunderschön, in krähenschwarzer Färbung gestalteten Buch nicht erwähnt.

Ein wenig gestolpert bin ich über die englischen Spitznamen wie Big Bolliger oder Dirtyhands in der deutschen Übersetzung, obwohl das Buch in einer Welt spielt, in der eindeutig kein Englisch gesprochen wird. Stimmiger wäre es gewesen, die auch zu übersetzen. Wobei mir für Dirtyhands bis her noch nichts Passendes eingefallen ist. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.