„She’s Gotta Have It“, die Netflixserie von Spike Lee

Eine Frau, drei Männer. Nola Darling, schwarze Künstlerin aus Brooklyn. Ein Freak? Abnormal? Nein, nur mit Spaß am Leben. Eine selbstbewusste Frau, die macht, worauf sie Lust hat. Elegant, intelligent, talentiert, graziös, stolz. Von einer mitreißenden Fröhlichkeit; einer Lebhaftigkeit, die ansteckend wirkt.

Ständig am Kämpfen, in Brooklyn, im Herzen der afroamerikanischen Kultur, gegen Gentrifizierung, Frauenfeindlichkeit und Rassismus. Gegen das System und manchmal sich selbst. Umgeben von Lebenskünstlern, deren Gesellschaft den Alltag zum Abenteuer macht.

Mit vier Autorinnen (Radha Blank, Lynn Nottage, Eisa Davis und Joie Lee) an Bord hat Spike Lee eine moderne und vielschichtige Version seines gleichnamigen Films von 1986 – der so kontrovers endete – als Serie für Netflix geschaffen. Experimentell, ohne starren Konventionen zu folgen, teils so spielerisch frei, wie es zuletzt nur Aziz Ansaris Master of None gelungen ist. Eine Liebeserklärung an Brooklyn und die afroamerikanische Kultur, mit ganz fantastischer Musik, Songs, die Lee komplett laufen lässt und am Ende das Plattencover dazu einblendet. So wie er seine Darstellerinnen auch regelmäßig die vierte Wand durchbrechen lässt, ohne dass es aufgesetzt oder effekthascherisch wirkt. Viel mehr eine Ebene der Selbstreflexion, die dem Ganzen mehr Tiefe verleiht.

An den Film erinnere ich mir nur noch vage, wollte den Seriengenuss nicht dadurch beeinflussen lassen, mir ihn vorher erneut anzusehen. Deshalb kann ich nicht sagen, wie sehr sich die beiden Versionen voneinander unterscheiden. Die Serie scheint mir trotz aller politischen Töne (der Kritik am Klown with da nuclear codes), der Verzweiflung über den Ausgang der Präsidentschaftswahl mit dem Liar in Chief als Sieger, optimistischere Töne anzuschlagen.

She’s gotta Have It feiert Unterschiede und Differenzen, Vielfältigkeit, gleichgeschlechtliche Beziehungen, freie Liebe, ein freies Leben, mit viel Humor, teils stark satirisch, manchmal slapstickhaft, aber immer auch mit einem ernsten Unterton, nie ins Lächerliche abgleitend. Sehr schön auch das Intro zu melancholischer Klaviermusik, das jedes Mal andere Fotos von Menschen aus Brooklyn zeigt. Das sorgt direkt für die richtige Atmosphäre

Die drei Männer (Mars, Greer und Overstreet) wirken zunächst wie Karikaturen, unterschiedliche Aspekte bestimmter Eigenschaften, erhalten im Verlauf aber mehr Persönlichkeit.

Die Schauspielerinnen sind fantastisch, allen voran DeWanda Wise als Nola Darling, mit ihrer bezaubernden und facettenreichen Stimme und dem subtilen Mienenspiel, das am Ende von Folge 9 seinen Höhepunkt erlang, als man Nola über mehrere Minuten nur ins Gesicht sieht, während sie sich auf einem Stuhl im Kreis dreht, während Faithful von Meshell Ndegeocello läuft und Nola … ach, ich will hier nicht zu viel verraten.

Für mich eine der besten Serien des Jahres, weitaus weniger mit erhobenem Zeigefinger und verbissen als (das trotzdem gute) Dear White People. Wer sich für afroamerikanische Kultur interessiert, kommt an She’s Gotta Have It nicht vorbei. Spike Lee in Höchstform, aber mit viel weiblicher Unterstützung.

Song zur Serie:

P.S. und endlich mal eine Netflix-Serie, die nicht so prüde daherkommt. 😉

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