Kurzkritiken zu Filmen (November 2017)

Lion

Rührstück über einen kleinen indischen Jungen, der im falschen Zug einschläft und seine Mutter erst 25 Jahre später wiedersieht. Vor allem der erste Teil über die Odyssee des Kleinen ist eindrucksvoll geworden, im zweiten Teil bei der Suche des erwachsenen Saroo – der von einer australischen Familie adoptiert wurde – nach seiner Heimat, drückt die Inszenierung ein wenig zu offensichtlich auf die emotionalen Knöpfe des Zuschauers – unter anderem durch den Einsatz des Klavierspiels von Hauschka. Trotzdem ein toller Film.

I, Daniel Blake

Großartiges Sozialdrama über die Perversität und Unmenschlichkeit unserer Sozialsysteme und Behörden. Könnte auch in Deutschland spielen. Mit einer grundsympathischen Hauptfigur; Ken Loach in Höchstform.

Paterson

Über einen dichtenden Busfahrer namens Paterson, der in der Stadt Paterson wohnt. Jener Stadt, die einst den berühmten amerikanischen Kinderarzt und Poeten William Carlos Willams beherbergte, der seiner Frau so ein wunderbares Gedicht schrieb, als er ihr die Pflaumen wegaß. Im Prinzip passiert nicht viel in dem Film, und genau das ist Jim Jarmuschs Stärke, die Banalität und Schönheit des Alltags hat er hier wunderbar lyrisch festgehalten.

Just la Fin du Monde (Einfach das Ende der Welt)

Ausgezeichnetes und hochkarätig besetztes Familiendrama von Xavier Dolan über die Unfähigkeit von Familien, sich die wirklich wichtigen Dinge zu sagen. Spielt an einem Nachmittag, und wirkt doch trotz seiner Kammerspielartigkeit (basiert auf einem Theaterstück) episch.

Manchester by the Sea

Bewegendes Familiendrama mit tollen Darstellern, dessen Tragik sich sehr subtil während der ruhigen Inszenierung entfaltet.

Nocturnal Animals

Geschickt inszeniertes Beziehungsdrama, dessen Fiesheit sich erst ganz zum Schluss erschließt. Allerdings auch sehr sperrig und wenig zugänglich.

The Witch

Sehr eigenwilliges Gruseldrama in puritanisch karger Kulisse der ersten europäischen Kolonisten in Nordamerika, das gängige Sehgewohnheiten unterläuft.

The Wicker Man

Ungewöhnlicher Horrorthriller vor märchenhafter Kulisse mit ganz toller Musik und einer schrägen aber wirksamen Dramaturgie. Habe die kürzere Kinofassung gesehen. Das Original natürlich, nicht das Remake mit Nicholas Cage.

Auch gesehen habe ich die routinierten und unterhaltsamen Actionthriller John Wick 2 und Jack Reacher 2.

Ins Kino komme ich leider kaum noch (zuletzt Dunkirk im August). Bei mir in der Nähe läuft leider nur der übliche Blockbuster-Mainstreamkram. Und auch alles nur in deutscher Synchro. Nix für mich.

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