Eine Ode an das Lesebändchen

Zwischen 50 bis 80 Bücher lese ich im Jahr. Taschenbücher, Trade Paperbacks, eBooks und auch gelegentlich Hardcover. Letzteres aber eher selten. Ich liebe Bücher, aber damit meine ich vor allem den Inhalt. Ich bin nicht wirklich bibliophil veranlagt und brauch keine besonders schön gestaltete Ausgabe im Regal, auch wenn ich diese durchaus zu schätzen weiß und mich freue, wenn es keinen hässlichen oder tristen Einheitsbrei auf dem Cover gibt.

Mit mehreren tausend Büchern in den Regalen wird bei mir der Platz langsam knapp, von der elenden Schlepperei bei Umzügen ganz zu schweigen. Weshalb ich versuche, verstärkt eBooks zu kaufen (was aber nicht so wirklich funktioniert, es werden trotzdem immer mehr gedruckte Bücher). Aber was Hardcover angeht: die liegen schwer in der Hand und nehmen viel Platz im Regal weg. Wenn ich die Möglichkeit habe, kaufe ich mir das Buch lieber in einer Taschenbuchausgabe, oder – bei einer Übersetzung aus dem Englischen – das eBook im Original. Außer bei meinen Lieblingsautoren (Stephen King z. B.) oder Büchern, die mich wirklich brennend interessieren.

Bei jenen Büchern, auf die ich neugierig bin, aber auch nicht so sehr, also jene, bei denen die Kaufentscheidung für das Hardcover auf der Kippe steht, kann das Lesebändchen durchaus den entscheidenden Ausschlag geben. Vielen Lesern mag dieser dünne Stoffstreifen nichts bedeuten, doch ich liebe ihn. Mit ihm ist ein Buch perfekt. Ohne, muss man externe Hilfsmittel heranziehen, die eigentlich nicht zum Buch gehören: also ein Lesezeichen. Oder man muss das Buch mittels Eselsohren verunstalten (was mir nicht einmal im Traum einfallen würde). Die dritte Möglichkeit ist, sich die Seitenzahl einfach zu merken. Habe ich mal eine Weile gemacht, bis das Buch dann ungeplant länger unangetastet liegen blieb und ich nicht mehr wusste, auf welcher Seite ich zuletzt gewesen bin.

Das Lesebändchen ist die eleganteste Lösung: Direkt am Buch befestigt, gleitet es sanft und kitzelnd durch die Hand, hängt geduldig und ohne zu ermüden als symbolischer Cliffhanger über dem Buchrücken, während man liest. Ist das Buch zugeklappt, späht es neckend und lockend zwischen den Seiten hervor, eine daran erinnernd, wo man zuletzt gewesen ist, welche Abenteuer dort zwischen den weißen Seiten mit den lustigen schwarzen Kringeln auf einen warten.

Von den Verlagsprofis würde ich gerne wissen, welche Gründe für oder gegen die Verwendung eines Lesebändchens sprechen? Welche Mehrkosten entstehen dadurch?

5 Gedanken zu “Eine Ode an das Lesebändchen

  1. Hat dies auf Die Wortspielerin rebloggt und kommentierte:
    Da hat Markus Mäurer mit seiner Ode an die Lesebändchen meiner Meinung nach völlig recht. Ich mag sie ebenfalls sehr, und vermute, dass es schlichtweg eine Kosten- und Produktionsfrage ist, dass es immer weniger Lesebändchen in Büchern gibt.

    Glücklicherweise kann man ja immer noch selbst eins einkleben und so Abhilfe schaffen. Ich bestelle mir ab und zu einen Packen Lesebändchen hier: http://www.lesebaendchen.com/shop/produktkategorie/lesebaendchen-classic/ (nicht verwandt und nicht verschwägert, nur davon überzeugt ;)) und verschenke sie auch gern.

  2. Ich finde ein fehlendes Bändchen auch immer sehr traurig. Das sollte immer drin sein.

  3. Mir geht es auch so, dass mir oft Lesebändchen fehlen. Wenn man schon Hardcover kauft, dann erwarte ich das eigentlich schon und bin enttäuscht, wenn keins drin ist.

  4. Ich bin regelrecht entsetzt, wenn ich mir ein Hardcover bestelle und es dann nicht einmal ein Lesebändchen gibt. Btw: Vllt kann gl was dazu sagen, falls er hier mit liest. Hat er an seinen Büchern eigentlich Bändchen?

    • In den Atlantis-Hardcovern, die ich hier stehen habe (z. B. „Vektor“ von Jo Koren), sind Lesebändchen drin. Septime hat auch welche (z. B. bei Tiptree). Kleinverlage können es sich also durchaus leisten. Wo ich sie öfters vermisse, sind die großen Publikumsverlage, zuletzt z. B. bei Oliver Plaschkas tollem „Marco Polo“, da hätte ein Lesebändchen perfekt zu tollen Buchgestaltung gepasst. Heyne hat bei Stephen King z. B. auch keine.

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