„Das Herz der Hölle“ von Jean-Christophe Grangé

Das Böse ist immer und überall, wusste schon die Erste Allgemeine Verunsicherung. Und auch Mathieu wird diese Erkenntnis im Verlaufe des Romans noch machen müssen. Dabei glaubt der strenggläubige Katholik, der das Priesterseminar in Rom nur abgebrochen hat, weil er glaubt, Gott als Polizist noch besser dienen zu können. Den Teufel und das personifizierte Böse hält er für Katholizismus aus dem finstersten Mittelalter. Doch als sein Jugendfreund und Kollege, der eben so gläubig ist, das Undenkbare tut, und einen Selbstmordversuch unternimmt, stößt der Commandant der Mordkommission auf eine Spur des Bösen, die sich durch ganz Europa zieht.

Was hat es mit den scheinbar harmlosen Menschen auf sich, die plötzlich grausame Verbrechen begehen? Wie kann es Leichen geben, die nur teilweise verwest sind? Was hat der Vatikan mit dem Ganzen zu tun? Und warum sind plötzlich gnadenlose Killer hinter Mathieu her?

Eine Identifikationsfigur ist der strenggläubige Ermittler für einen Atheisten und Religions- und Kirchenskeptiker wie mich sicher nicht, aber das macht ihn nur interessanter. Denn es macht Spaß, zuzusehen, wie sein Glaube immer wieder auf die Probe gestellt wird, wenn auch meist auf grausame Weise. Denn das Buch vom französischen Thrillermeister ist nichts für schwache Nerven. Was er sich hier an Grausamkeiten ausgedacht hat, sucht seinesgleichen.

Mit fast 800 Seiten ist das Buch allerdings mindestens 200 Seiten zu lang. Die ersten 400 Seiten lesen sich schnell und spannend weg, da entwickelt das Buch einen unheimlichen Sog, der einen in die Abgründe und Schlünde des menschlichen Daseins hinabzieht. Doch irgendwann tritt die Handlung auf der Stelle, die Ermittlung gerät in einen Leerlauf und es wiederholt sich zu viel. Trotzdem bleibt Das Herz der Hölle ein unheimlich spannender und faszinierender Thriller.

Die Bücher von Grangé lese ich schon seit seinem Debüt Der Flug der Störche (noch vor seinem Durchbruch mit Die purpurnen Flüsse) mit großem Vergnügen, auch wenn nicht alle überzeugen können, wie z. B. Der steinerne Kreis. Ich kenne kaum einen Thrillerautor, dem es gelingt, solch abgründige Themen so spannend und komplex zu inszenieren. Die Übersetzung von Thorsten Schmidt liest sich insgesamt ganz gut, auch wenn sie auf den ersten 50 Seiten noch etwas schwächelt, doch dann fängt sich der Stil und liest sich flüssig weg.

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