„Die Neunte Stadt“ von J. Patrick Black – Belegexemplare eingetroffen.

Das Buch spielt in einer Zukunft nach einem Alienangriff, durch den fast die gesamte Menschheit ausgelöscht wurde, bevor einzelne Menschen Superkräfte in sich entdeckten, mit denen die Angreifer zurückgeschlagen werden konnten. Seitdem herrscht Krieg. Neun große Städte gibt es noch, die als Verteidigungsbastionen gegen die unbekannten Angreifer (die nicht mit Raumschiffen kamen) dienen. In diesen Städten wird die militärische Elite ausgebildet. Außerhalb der Städte gibt es Siedlungen, in denen die Menschen in Fabriken schuften müssen, um die Kriegsanstrengungen voranzutreiben. Und außerhalb dieser Siedlungen ist die Menschheit auf den Stand des 19. Jahrhunderts zurückgefallen und leben wie an der Frontier, mit wilden Stämmen und Siedlertreks und wissen nichts von dem Krieg und den großen Städten.

Aus diesen unterschiedlichen Umfeldern stammen die sieben jugendlichen Protagonisten des Buchs, die alle als Ich-Erzähler im Präsens auftreten, und deren Wege sich früher oder später kreuzen werden. Im Prinzip handelt es sich um so eine Ausbildungsgeschichte an einer Militärakademie und im Bootcamp (á la Ender’s Game). Doch bis dahin ist es für einige der Protagonisten ein langer und abenteuerlicher Weg.

Was den Roman so ungewöhnlich macht, ist seine Mischung aus Science Fiction und Fantasy. Die Technik der Zukunft, die Kriegsführung und die »Superkräfte« einiger der Hauptfiguren basieren auf etwas, das man durchaus als Magie bezeichnen könnte, im Roman aber Thelemetie heißt und an der Akademie wissenschaftlich erforscht und umgesetzt wird. Es gib riesige Mechroboter, gigantische Geschütze und allen möglichen Kram, der mit diesen Kräften/Energien angetrieben wird.

Was den Roman außerdem ungewöhnlich macht, ist der Stil des Autors, denn jeder der sieben Ich-Erzähler hat seinen ganz eigenen Stil. Torro, der in einer der dystopischen Fabriksiedlungen schuftet, spricht in einem locker-rotzigen jugendlichen Tonfall, die junge Naomi, die mit ihrer Familie durch die Wildnis zieht, im altmodischen Stil 19. Jahrhundert; das Technikgenie Kizabel in einer verschwurbelten akademischen Sprache mit unzähligen Fußnoten und wissenschaftlichen Erklärungen, aber auch mit viel Ironie. Und so weiter. Das macht das Lesen (und auch Übersetzen) dieses dicken Buches sehr abwechslungsreich und verleiht jedem Protagonisten eine eigene Stimme.

Von der Auswahl der Figuren her könnte man meinen, es handele sich um ein Jugendbuch á la Red Rising, doch dafür ist es inhaltlich zu komplex und sprachlich zu anspruchsvoll geschrieben. Es fällt mir schwer eine genaue Zielgruppe zu benennen, aber in seiner Mischung und vom Stil her ist das Buch einzigartig und originell (auch wenn viele bekannte Versatzstücke verwendet werden). Wer also mal was ganz anderes abseits der üblichen Science Fiction und Fantasy lesen möchte, sollte es mit Die Neunte Stadt versuchen.

Es gibt zwar viele spektakuläre Kämpfe und Schlachten auf der Erde und im Weltraum, aber die große Stärke des Romans sind die (mal mehr, mal weniger) liebenswürdigen Figuren mit ihren Beziehungen untereinander.

Es fällt mir schwer, das Buch adäquat zu beschreiben, da so viel drinsteckt und es keine passenden Vergleichsmöglichkeiten gibt. Wer es wagt, erhält eine Wundertüte, die auf jeden Fall einige Überraschungen bereithält.

Das Buch erscheint am Dienstag den 13. Juni.

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