„Paris-Spaziergänge“ von Hella Broerken, der Besprechung erster Teil (Quartier Latin)

Letzte Woche habe ich Urlaub in Paris gemacht, und wie es sich für eine Leseratte gehört, habe ich mich natürlich mit Büchern darauf vorbereitet. Es war mein erster Besuch in der Stadt, einige Sehenswürdigkeiten waren mir natürlich ein Begriff, aber einen wirklichen Überblick hatte ich nicht. Was ich nicht machen wollte, war die einzelnen typischen Touristenattraktionen (Eiffelturm, Louvre, Notre Dame usw.) der Reihe nach abhaken, ohne vom Rest der Stadt etwas mitzubekommen.


Also habe ich mir dieses Buch mit empfohlenen Spaziergängen gekauft, da ich die Stadt weder vom Bus aus noch per Boot erkunden wollte, sondern zu Fuß, ganz gemütlich in meinem eigenen Tempo. Hella Broerken stellt neun verschiedene von ihr individuell nach ihrem Geschmack gestaltete Spaziergänge vor, die ich mir im Vorfeld alle durchgelesen habe. Für fünf Tage in Paris (von denen zwei größtenteils für An- und Abreise draufgehen) sind neun Spaziergänge natürlich zu viel. Also musste ich eine Auswahl treffen und habe mich einfach an die Reihenfolge im Buch gehalten, da mir die ersten drei auch sehr vielversprechend erschienen (die restlichen werde ich dann bei meinem nächsten Besuch nachholen).

Die Autorin machte in ihren Beschreibungen einen sympathischen Eindruck, deckt durchaus einige bekannte Sehenswürdigkeiten ab, hat aber auch Empfehlungen, die man in den üblichen Touristenführern eher nicht findet (wobei ich zum Vergleich nur den von Lonely Planet kenne). Jedenfalls haben mir ihre Schilderungen richtig Lust darauf gemacht, in ihre Fußstapfen zu treten.

Die Spaziergänge beginnen und enden immer an einer Metrostation, so dass man immer gut hin und auch wieder wegkommt. Zu Beginn jedes Kapitels (ein Kapitel pro Spaziergang) gibt es eine kleine Karte, auf der die Route (mit den Highlights der Strecke) eingezeichnet ist. Trotzdem sollte man noch einen richtigen Stadtplan mitnehmen, da nur die Straßen bezeichnet sind, die man entlanggeht. Hat man sich mal verlaufen (was mir mehrmals passiert ist) benötigt man eine Straßenkarte oder Googlemaps auf dem Smartphone (was ich aber aus Angst vor hohen Roaminggebühren nicht genutzt habe, da ich per Aldi-Auslandspaket nur eine geringe Datenmenge frei hatte).

Im Vorfeld habe ich mir im Fließtext alle Straßennamen, interessante Einrichtungen (Museen, Parks usw.) per Textmarker markiert, damit ich im Gehen nicht immer den ganzen Text lesen muss. Jedes Kapitel enthält auch einige Fotos und am Ende eine Informationstafel mit den Öffnungszeiten der im Spaziergang enthaltenen Einrichtungen.

Im Quartier Latin

Das Viertel liegt im Südosten der Stadt, direkt am linken Seineufer unterhalb der Île Saint-Louis, jener kleineren Insel direkt hinter der Île de la Cité (auf der die Kathedrale von Notre-Dame steht). Startpunkt ist die Metro-Station Sully Morland am rechten Seine-Ufer. Hier muss man darauf achten, welchen Ausgang man nimmt, sonst könnte es erst mal verwirrend werden, ich bin dann auch direkt auf der falschen Brücke gelandet und musste wieder zurückgehen, um die Pont de Sully zu betreten. Von dieser Seine-Brücke hat man einen guten Blick auf die Rückseite von Notre-Dame.

Hat man das andere Ufer erreicht, erhebt sich vor einem direkt das modern gestaltet Gebäude des Institut du Monde Arabe, in dem ich eine ganz interessante Ausstellung zur Geschichte der arabischen Welt besucht habe (da kommt man mit dem Museumspass rein, dessen 62 Euro für vier Tage sich durchaus lohnen, wenn man einige Museen auf dem Programm hat). Danach geht es dann am Ufer den Quai Saint Bernard entlang, an dem einige Skulpturen ausgestellt sind. Hier lässt sich – wie in eigentlich jedem Park von Paris – auch bei heißem Wetter noch ein freies schattiges Plätzchen zum Hinsetzen finden. Ich war in der Mittagszeit dort, als viele Franzosen ihre Mittagspause in der strahlenden Sonne genossen. Am Ende des Quais geht es dann über die Straße in den Jardin des Plantes, einem großen, grünen Park, in dem sich die Galerie d’Anatomie befindet (in der Dinosaurierskelette ausgestellt werden) und das Naturkundemuseum. Dummerweise hatte ich nicht auf die Angaben der Öffnungszeiten am Ende dieses Kapitels geachtet und stand an diesem Dienstag bei beiden Museen vor verschlossener Tür. Egal, weiter ging es zur Moschee des Viertels (die man für 3 Euro besichtigen kann), die ich mir aber nur von außen angesehen habe.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich Hunger und stürzte mich in das Gewirr aus kleinen Straßen und Boulevards des Quartier Latin, bis ich schließlich in der Rue Censier in einem Restaurant landete, wo ich kulinarischer Hasenfuß mir erstmal ganz unfranzösisch einen Burger bestellte (der dann noch nicht mal wirklich gut war). Genügend Mut mich auf die französische Küche einzulassen, sollte ich erst am nächsten Tag zeigen.

Ich weiß ja nicht, ob es an dem enttäuschend Essen lag, jedenfalls gelang es mir dann trotz Straßenkarte nicht, die Rue Mouffetard zu finden, die mich zum Pantheon führen sollte. Irgendwie bin ich in einer Parallelstraße gelandet, und als ich das Pantheon dann schon in Sichtweite hatte, wollte ich nicht mehr zurücklaufen. Die Ruhmeshalle, in der einige französische Berühmtheiten wie Victor Hugo, Émile Zola und Alexandre Dumas bestattet liegen, bietet sowohl von außen als auch von innen einen imposanten Anblick. An einem so hochsommerlichen Tag mit strahlenden Sonnenschein empfiehlt sich nach einem schweißtreibenden Spaziergang auch ein Besuch der angenehm kühlen Krypta. Vom Pantheon geht es dann noch weiter zum Schlusspunkt dieses Spaziergangs: den riesigen Jardin de Luxembourg, wo es auch zahlreiche Bänke und Stühle im Schatten gibt.

Mir hat dieser erste Spaziergang nach dem Buch von Hella Broerken ausgezeichnet gefallen, auch wenn ich mich unterwegs verlaufen und die Rue Mouffetard verpasst habe. Nicht schlimm, denn anders als die Autorin bin ich nicht so ein Ladenbummler, der sich für putzige kleine Geschäfte und deren Waren interessiert. Alles, was keine Buchhandlung ist, erhält von mir nur eingeschränkt Beachtung. Dass man sich auf diesen Spaziergängen schon mal verlaufen kann, liegt vor allem an den riesigen Straßenkreuzungen, an denen mehr als vier Straßen zusammenlaufen, da wird es dann unübersichtlich. Ist aber nicht schlimm, denn auch abseits der geplanten Wege kann man auf interessante Sachen stoßen.

Für diesen ersten Spaziergang wählte ich übrigens – aufgrund des heißen Wetters – das falsche Schuhwerk. Jene Sandalen, die jahrelang bei mir auf dem Speicher standen, weil sie mir zu unbequem waren, sorgten dann für einige Blasen an meinen Füßen, die mich aber nicht daran hinderten, nach dem Spaziergang noch vom Jardin de Luxembourg zur Kathedrale von Notre Dame zu latschen.

Untergekommen bin ich übrigens im putzigen Hotel Chopin in der Passage Jouffroy, die Teil des neunten Spaziergangs ist, der durch einige dieser Einkaufspassagen aus dem 19. Jahrhundert führt. Das ist zentral gelegen, direkt vor der Metrostation Grand Boulevard am Boulevard Montmatre, in Fußnähe zum Louvre und dem Seineufer. Ein etwas in die Jahre gekommenes Hotel mit Charme und Katze, relativ günstig, für meinen Geschmack aber mit etwas zu hellhörigen Wänden, dafür aber ruhig gelegen und sauber.

Im zweiten Teil der Besprechung wird es dann nach Montmatre und ins Marais gehen.

P. S. Meinen Hinflug nach Paris hätte ich fast verpasst, weil ich auf der Anfahrt zum Frankfurter Flughafen am Wiesbadener Kreuz zwei Stunden in einem 20 Kilometer langen Stau gestanden habe (Montagsmorgens ist keine gute Zeit, um über die Autobahn nach Frankfurt zu fahren). Landet man auf dem Roissy (dem Flughafen Charles de Gaulle), sollte man sich vorher einen Plan ansehen, denn der Flughafen ist riesig und leicht verwirrend, ich bin in Terminal 2g angekommen, das Abseits von allem anderen liegt, und hatte erst mal keine Ahnung, wie ich zu meinem Bus komme. Ich dachte, es gäbe nur einen Terminal 2 und nicht sieben. Für die Fahrt in die Stadt sollte man auch noch mal eine Stunde plus einplanen, je nachdem wo man hinmuss.

Ist man eine Woche in Paris, lohnt sich die Wochenkarte Navigo Decouverte. Dafür holt man sich in einer Metrostation oder am Flughafen (wenn man es findet) einen Bon am Automaten, für den man dann am Informationsschalter den Navigo Pass ausgestellt bekommt (für den man ein Passfoto benötigt), den man dann wiederum am Automaten mit Geld auflädt. Im Navigo ist ein RFID-Chip, mit dem man dann am Drehkreuz zur Metro über einen Scanner fährt und dann eintreten kann.

3 Gedanken zu “„Paris-Spaziergänge“ von Hella Broerken, der Besprechung erster Teil (Quartier Latin)

  1. Mit dem Wetter macht Paris ja doppelt soviel Spaß!

  2. Der Bericht macht tatsächlich meine ewige Unlust auf Städtereisen wanken.

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