Licht und Schatten – Quartett vs. Quarktett

Gestern habe ich mir das Lesenswert Quartett und das Literarische Quartett angesehen. Zwei Sendungen, in den jeweils vier Menschen über Bücher diskutieren. Die eine total verkrampft und verfahren, ohne wirklichen Erkenntnisgewinn und einem Autor als Gast, der eine völlige Fehlbesetzung war; die andere das gewohnt unterhaltsame und Lust auf Bücher machende Lesenswert Quartett mit Felicitas von Lovenberg, Denis Scheck, Ijoma Mangold und Insa Wilke als Gast. Hier erlebt man ein eingespieltes Team von Büchernarren, die sich gegenseitig schätzen und respektieren, auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind.

Im Literarischen Quartett muss man drei Menschen zusehen, die sich anscheinend nicht leiden können, keinerlei Respekt vor der Meinung des anderen haben und nicht in der Lage sind, mal eine angeregte und anregende Diskussion über das zu führen, was angeblich ihre Leidenschaft ist. Weidermann wirkt noch immer so nervös wie in der ersten Sendung und ist dem durchaus unterhaltsamen Ekel Maxim Biller zu keiner Zeit rhetorisch gewachsen. Westermanns Beiträge bestehen meist darin, das Gesicht bei Billers Spitzen angewidert zu verziehen. Der tritt stets unglaublich arrogant auf, ist aber auch der einzige unterhaltsame Diskutant in der Sendung, dem es gelingt, seine Begeisterung für ein Buch auch verbal zu formulieren und auf mich als Zuschauer zu übertragen. Der bräuchte jemanden wie Scheck als schlagfertigen Gegenpol.

Was auch auffällt, im Literarische Quartett sprechen sie oft von brillanter Sprache, erwähnen aber, anders als das Lesenswert Quartett, fast nie die ÜbersetzerInnen. Hat Glavnici den Burnside, dessen großartige Sprache er so lobt, jetzt im Original gelesen oder in der Übersetzung von Bernard Robben?

Das Literarische Quartett anzusehen,  ist wie eine Deutschstunde, in der man eine Dreiviertelstunde lang das Referat eines unvorbereiten Schülers ertragen muss, über ein Buch , das er nie gelesen hat, und nur aus einem dürftigen Wikipediaeintrag oder (wenn man Glück hat!) aus der Verfilmung kennt.

Bücher, an denen mein Interesse geweckt wurde:

Ismail Kadare – Die Dämmerung der Steppengötter
John Burnside – Wie alle anderen
Colm Tóibín – Nora Webster

Und Meine geniale Freundin lese ich gerade.

P.S. Marc Reichwein (von Welt.de) hat beim Ansehen des Literarischen Quartetts offenbar ähnlich empfunden: „Eine Katastrophe, dass wir hier reden müssen.“

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