„Der Liebhaber“ von Marguerite Duras

p1010266

Entgegen der Ankündigung im letzten Blogeintrag habe ich es jetzt doch gelesen, einfach, weil ich meine Frankreichreihe weiter durchziehen möchte und es sprachlich so toll geschrieben ist.

Erzählt wird die Lebensgeschichte einer Französin, die vor dem Krieg in Indochina aufwächst und später nach Frankreich zieht. Sie tritt dabei als gealterte Ich-Erzählerin auf, die vor allem über diese Jugendjahre berichtet, insbesondere über ihr 15. Lebensjahr, in dem sie einen doppelt so alten Chinesen kennenlernt, mit dem sie ihre erste Liebe erlebt. Daneben geht es viel um ihre dysfunktionale Familie mit der wohl psychisch kranken Mutter, dem soziopathischen großen Bruder und dem kleinen Bruder, über den sich gar nicht viel sagen lässt.

Das alles wird aber nicht chronologisch in Form einer klassischen Erzählung erzählt, vielmehr ist es ein Schwelgen in Erinnerungen mit vielen assoziativen Sprüngen durch  Zeit und Raum. Was mir den Einstieg auch ein wenig schwer gemacht hat, da ich erst null Überblick darüber hatte, wer jetzt was wo und wie ist. Mit der Zeit habe ich dann aber einen Rhythmus gefunden und so langsam fügten sich die Puzzleteile zu einem Bild zusammen; wenn auch nicht alle Puzzleteile perfekt passen und das Gesamtbild ein wenig verschwommen ist. Aber so ist das nun Mal mit Erinnerungen.

Die erste Liebe, das liest sich jetzt so romantisch, ist es aber nicht. Viel mehr schwingt dieser Beziehung von Anfang an etwas Falsche, etwas Schmutziges mit. Illegal war sie auch damals schon in diesem Land. Und auch nicht gerne gesehen. Deswegen habe ich während der Lektüre auch ständig ein Unbehagen verspürt, das ich nicht so recht in Wort fassen kann. Dass ich das Buch komplett gelesen habe, liegt vor allem an der tollen Sprache in der Übersetzung von Ilma Rakusa.

 

7 Gedanken zu “„Der Liebhaber“ von Marguerite Duras

  1. Grrr, du bist mir zuvor gekommen! Ich habe den Roman fest als vierte Folge für meine Liebesgeschichten-Kolumne geplant. Ich hasse dich. 🙂

  2. Habe es halb durch und werde es wohl abbrechen. Gefällt mir ehrlich gesagt überhaupt nicht. Die Erzählerin weckt in mir wirklich keinerlei Sympathie. Sie strahlt ein absolut negatives Karma aus, und genau wie du schreibst, habe auch ich mich in ihrer Nähe eher unwohl gefühlt. Zweifellos eine schriftstellerische Leistung, aber mir definitiv zu nihilistisch.

    • Kann ich gut verstehen. Ich dachte die ganze Zeit, am Ende würde die angedeutet Begnung mit dem „Liebhaber“ nach vielen Jahrzehnten dazu führen, dass die beiden etwas reflektierter auf die Zeit zurückblicken, aber die Begegnung ist ehe ein McGuffin, der auf einer Seite knapp und unpersönlich abgehandelt wird. Da war mir das Buch von Delphine de Vigan tausend Mal lieber.

      • Puh, schon lange nicht mehr so ein abtörnendes Buch gelesen (gottseidank nur halb).

      • Das Zitat von Reich-Ranicki auf der Rückseite kann ich auch nicht so recht nachvollziehen. „Mag jeder dieses Buch auf seine Weise verstehen. Mir scheint, daß Marguerite Duras sagen wollte: Die Liebe, sie ist doch kein leerer Wahn.“ Dabei erscheint sie mir doch gerade in diesem Buch ein selbiger zus ein.

  3. Pingback: „Sagan 54“ von Anne Berest | translate or die

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s