„Toter Himmel“ von Gilly Macmillan

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Ich kann jetzt nicht behaupten, dass ich das Buch schlecht fand, sonst hätte ich es nicht so schnell durchgelesen. Die Vergleiche mit Gone Girl, die der Verlag auf der Rückseite ins Spiel bringt, leisten dem Buch allerdings einen Bärendienst, da sie falsche Erwartungen wecken, die schnell in Enttäuschung münden könnten. In Gone Girl verschwindet eine Frau, der Mann wird verdächtigt, ihr etwas angetan zu haben. In Toter Himmel verschwindet der achtjährige Benedict Finch, seiner Mutter wird (von einer hysterischen Internetmeute) vorgeworfen, im etwas angetan zu haben.

Damit Enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten. Toter Himmel ist viel geradliniger und klassischer inszeniert, als es auf den ersten Blick wirkt. Von der cleveren und vielschichtigen Konstruktion Gone Girls, wo der Leser immer wieder geschickt in die Irre geführt wird, ist dieser Roman weit entfernt. Die ständigen Wechsel der Erzählperspektive zwischen der Mutter Rachel und dem leitenden Ermittler Jim, jeweils als Ich-Erzähler, sowie die immer wieder eingestreuten Gesprächsprotokolle von Jims Psychologin wirken zwar zunächst, als würde es sich um eine komplexere Inszenierung handeln, aber im Prinzip ist die Geschichte so geradlinig und wenig originell, wie unzählige Krimis, in denen es um Entführungen geht.

Was nicht heißt, dass es schlecht ist, aber weder ein rasanter Thriller noch ein abgründiges Psychoduell wie Gone Girl. Vielmehr konzentriert sich die Autorin auf das Innenleben der beiden Hauptfiguren und wie sie unter der Entführung und der Ungewissheit zu leiden haben. Die große Stärke der Geschichte sind die gut ausgearbeiteten Nebenfiguren aus dem Umfeld der beiden Protagonisten, von denen keine das ist, was sie zu sein scheint.

Kleiner Spoiler bezüglich des Ausgangs:

Die Auflösung kommt dann doch recht unspektakulär und einfallslos daher. Da hatte ich nach den geweckten Erwartungen deutlich mehr erhofft.

Die Übersetzung hat mich stellenweise ins Stolpern gebracht. Da wird ein Rollenspieler von der Polizei zu seinem Charakter befragt und antwortet: »Ich bin ein Todesschütze.« Im Original steht »I’m an assassin.«

Immer wieder tauchen Begriffe auf, die knapp neben dem an dieser Stelle passenden Wort liegen.

Insgesamt ist das Buch in der deutschen Fassung eine ganz ordentliche Lektüre, die aber weniger spannender Krimi ist, sondern mehr Charakterdrama á la The Killling, das sich vor allem auf die Opfer der Tat konzentriert und die Täterperspektive erfrischenderweise außen vor lässt (wenn auch teilweise etwas zu sehr, wie oben erwähnt).

Die Besprechung ist jetzt etwas arg kurz geraten, aber es ist schon ein paar Monate her, dass ich das Buch gelesen habe, und aus irgendwelchen Gründen, habe ich die Rezi damals nur angefangen, dann aber vergessen. Und mehr fällt mir zu dem Buch inzwischen nicht mehr ein.

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