„Sternenschiff“ von Rachel Bach

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Ein Liebesroman mit Action im Weltraum. So beschreibt die Autorin ihr Buch scherzhaft im Interview am Ende des Buches. Das trifft es ziemlich genau, und es macht erstaunlich viel Spaß. Die Einflüsse der Geschichte um die Söldnerin Devi aus dem Königreich Paradox, die auf dem berühmt-berüchtigten Schiff Glücklicher Naar anheuert, dessen Sicherheitsmitarbeiter eine geringe Lebensdauer haben soll, denen aber tolle Berufsaussichten winken, wenn sie überleben, sind recht deutlich zu erkennen. Zum Glück verwendet die Autorin dabei nicht so holprige Schachtelsätze, wie den vorangegangenen, sondern bedient sich einer einfachen, flotten Sprache, um diese an Warhammer 40K aber auch Military-SF á la Kris Longknife angelehnte Geschichte zu erzählen, in der es um einen zwielichtigen Kapitän mit einer sympathischen Besatzung geht, die aber voller Geheimnisse steckt.

Es wird gar nicht so viel gekämpft, wie man vielleicht vermutet, aber wenn, dann geht es richtig zur Sache und erinnert mit Devis mechanisch-elektronischer Kampfrüstung und ihrem glühenden Thermitschwert stark an japanische Videospiele wie Final Fantasy. Devi ist eine tolle Frauenfigur, gar nicht so die klischeehafte Söldnerin, sondern eher eine abgeklärte Kampfsau mit liebenswürdigen Zügen, einem Hang zur Romantik und einem Hitzkopf, der sie ständig in Schwierigkeiten bringt. Zum Beispiel, wenn sie sich in den mysteriösen Schiffskoch Rupert verliebt, der ihr gerade durch seine zurückhaltende und schüchterne Art den Kopf verdreht.

Die meiste Zeit spielt die Handlung auf dem kleinen Schiff, ab und zu geht es mal auf einen gefährlichen Planeten oder ein noch gefährlicheres gegnerisches Schiff, während sich die Besatzung auf für Devi unbekannter Mission befindet. Apropos Besatzung, die besteht nicht nur aus Menschen, sondern auch aus einem vogelartigen Navigator und einem echsenartigen Schiffsarzt, der einer Rasse angehört, die am liebsten Menschen schlachtet und verspeist (aber eigentlich ein netter Kerl ist).

Viel Tiefgang oder außergewöhnlichen Weltenbau bietet die Geschichte nicht, aber das muss sie auch nicht. Als locker flockige Popcornunterhaltung macht sie auf ihre oberflächliche aber durchaus sympathische Art viel Spaß. Das ist genau die richtige Abwechslung, wenn man zwischen sperrigen Autoren wie Neal Stephenson und Kim Stanley Robinson mal etwas Leichtes benötigt. Aber anders als viele andere einfach gehaltene Space-Action-Romane, gibt es in Bachs Sternenschiff dreidimensionale Figuren mit Herz und einem gut ausgearbeiteten Hintergrund, der über die üblichen Abziehbilder hinausgeht. Trotz des relativ hohen Anteils an Action und Söldnergerede dreht sich die Geschichte vor allem um ihre Handlungsfiguren, allen voran die Ich-Erzählerin Devi.

Ach ja, es handelt sich nicht um eine abgeschlossene Geschichte. Ein paar Geheimnisse werden gelüftet, aber vieles bleibt offen, und wird wohl erst in den beiden Fortsetzungen erklärt, die bisher aber nur auf Englisch erschienen sind. Vom langweiligen deutschen Titelbild und dem nichtssagenden und einfallslosen Titel Sternenschiff sollte man sich nicht abschrecken lassen. Im Original hat sich die Autorin mit Fortune’s Pawn, Honor’s Knight und Heaven’s Queen wohl von David Eddings inspirieren lassen, der in den fünf Titeln seiner Belgariad-Saga auch jeweils eine Schachfigur untergebracht hat. Die Übersetzung von Irene Holicki ließt sich ganz ordentlich, schwächt aber mit ihrer manchmal etwas biederen Wortwahl die rotzfrechen Formulierungen der Ich-Erzählerin im Original ein wenig ab.

Zu Beispiel wurde aus: Cotter leaned forward. »Where do you get off being such a bossy bitch?«

I looked him dead in the eyes. »I was born a bossy bitch, so you can either roll with it or get rolled over.«

»Cotter beugte sich vor. »Wo hast du eigentlich gelernt, so stur und zickig zu sein?

Ich schaute ihm fest in die Augen. »Ich wurde stur und zickig geboren, also spiel mit, oder du wirst überrollt.«

Autorin Rachel Bach lebt übrigens in der Stadt Athens im US-Bundestaat Georgia, nicht in Athen, wie es im Buch in der Autorinnenbeschreibung steht. 😉

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