Was dürfen Bücher kosten?

Da ich selbst vom Übersetzen von Büchern lebe, und davon, dass die Leserinnen und Leser dafür bezahlen, habe ich natürlich ein direktes Interesse daran, dass sich Bücher gut verkaufen. Aber in diesem Beitrag möchte ich die Frage rein aus Leserperspektive beantworten. Der Preis eines Buches wirkt sich übrigens überhaupt nicht auf das Honorar des Übersetzers aus. Ich zumindest weiß nicht, was das Buch, dass ich übersetze, später kosten wird.

Ein Blick auf meine Bücherregale zeigt schnell, dass die Taschenbücher eindeutig dominieren. Ich würde mal sagen, 80% meiner Bücher sind Taschenbücher (und Paperbacks). Das hat mehrere Gründe. Die Sammlung habe ich mir in den letzten zwanzig Jahren angelegt, angefangen als Schüler, der mit seinem Budget haushalten musste. Dazu kommt, dass ich damals fast ausschließlich Fantasy und Science Fiction gelesen habe, was beides klassische Taschenbuchgenres sind, in denen nur wenige Titel zunächst als Hardcover erscheinen. Da ich nach der Schulzeit eine nicht unbeträchtliche Zeit meines Lebens Student gewesen bin, musste ich auch in dieser Phase darauf achten, wie viel Geld ich ausgebe, und teure Hardcovers ab 20 Euro aufwärts waren da nicht drin.

Inzwischen ist die finanzielle Lage etwas entspannter, aber da man vom Übersetzen auch nicht gerade reich wird, schaue ich immer noch sehr genau darauf, was ein Buch kostet. Da geht es nicht nur darum, ob ich es mir leisten kann, sondern auch darum, ob ich es mir leisten will. 25 Euro für einen mir unbekannten Autor, mit dem Risiko, dass mir das Buch nicht gefällt und ich es abbreche, ist mir ein zu hohes Risiko. Meine Grenze bei Autoren, von denen ich noch nichts gelesen habe, liegt bei 15 Euro. Da ist gerade noch so ein Klappenbroschur drin (wie zuletzt z. B. Das Schiff von Andreas Brandhorst).

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Hardcover kaufe ich fast ausschließlich von meinen wenigen Lieblingsautoren, vor allem von Stephen King, dessen neu erschienenen Werke im Hardcover auch nicht so teuer sind. Ganz selten mal von einem Autor, den ich noch nicht kenne, wenn ich aufgrund von Rezensionen oder sonstigen Gründen brennend neugierig auf das Buch bin. Wie zuletzt z. B. bei Auerhaus von Bov Bjerg oder im letzten Jahr The Grace of Kings von Ken Liu (fast 30 Euro). Ansonsten lese ich Hardcover meist, wenn ich sie mir in unserer Gemeindebücherei ausleihe, wie zuletzt z. B. Diese Dinge geschehen nicht einfach so von Taiye Selasi.

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Ein zweiter Grund, warum ich wenig Hardcover kaufe, ist der Platz im Regal. Mit über 2.000 Bücher habe ich davon einfach nicht mehr viel. Meine über zwei Zimmer verteilte Bibliothek platzt aus allen Nähten, weshalb ich inzwischen verstärkt eBooks kaufe. Denn wenn ich mir ein Buch kaufe, dann behalte ich es auch (wobei ich kein Sammler bin, der einheitliche Ausgabe von Reihen und Serien haben muss). Ein paar gehen höchstens Mal als Spende an die Bücherei, aber ich verkaufe keine gebrauchten Bücher. Ich möchte meine Schätze behalten, selbst jene, die nicht so schön funkeln.

Hardcover sind auch ziemlich unhandlich. Ich weiß noch, dass ich, als ich Frank Schätzings Der Schwarm las, ständig Angst hatte, im Bett (meinem liebsten Leseort) davon erschlagen zu werden.

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Aber was darf ein Hardover kosten, damit ich es mir kaufe? Nicht mehr als 25 Euro. Das ist meine persönliche Grenze. Die Ausnahmen in meinem Regal kann man an einer Hand abzählen oder wurden mir geschenkt oder sonst wie kostenfrei zugeführt.

Zwischen Hardcover und Taschenbuch gibt es ja noch den unsäglichen Klappenbroschur bzw. das Paperback, das das Schlechteste aus beiden Welten vereint. Ist wie ein Taschenbuch verarbeitet, kostet aber fast so viel wie ein Hardcover und nimmt oft genauso viel Platz weg und ist ähnlich unhandlich, aber nicht so gut und stabil verarbeitet, da der runde Buchrücken fehlt – also auch unpraktisch zu lesen, weil man es nicht so gut aufklappen kann. Ist vor allem seit dem Boom der Völkerfantasy im Fantasygenre sehr beliebt. Ich finde es furchtbar und versuche es inzwischen zu meiden. Die Orks hat schon vor mehr als zehn Jahren 15 Euro gekostet, inzwischen geht die Preistendenz weiter nach oben. Aber 15 Euro bleiben für mich die Obergrenze.

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Traditionell ist das Taschenbuch mein liebstes Format – vorausgesetzt, dass es nicht mit winziger Schrift bedruckt ist. Bei englischen Büchern ziehe ich allerdings die digitale Version vor, da Taschenbücher dort oft grauselig auf billigem Papier verarbeitet sind, man sie kaum aufklappen kann und eine Lupe zum Lesen braucht. Ein Taschenbuch sollte für mich nicht mehr als 12 Euro kosten. eBooks auch nicht. Das sind 12 Euro für mich die Obergrenze bei Autoren, die mich besonders interessieren. Ansonsten geht es bis 6 Euro abwärts.

Wie gesagt, das ist mein persönliches Preisempfinden, das vor allem durch meine Zeit als Schüler und Student geprägt ist. Andere mögen da anders empfinden. Erstaunt bin ich ein wenig über diese Aussagen der Buchhändler, denen zufolge die Preisgrenze ihrer Kunden eher zwischen 35 bis 40 Euro liegen würde. Ich vermute mal, dass es sich dabei vor allem um LeserInnen handelt, die grundsätzlich oder überwiegend Hardcover kaufen und eher von Verlagen wie Hanser oder Kunstmann, also weniger Genreliteratur. In meinem sozialen Umfeld (virtuell und real) herrscht eher ein ausgeprägtes Preisbewusstsein, das mir in manchen Extremfällen aber auch schon als Geiz erscheint.

Bücher sollten meiner Meinung nach nicht zu viel kosten (wobei hier jeder für sich selbst definieren soll, was »zu viel« bedeutet). Sie sollten aber auch nicht zu billig sein, bzw. sich nicht unter Wert verkaufen. Das bezieht sich vor allem auf eBook-Ausgaben, die sich an den Kampfpreisen von Sefpublishern orientieren und unter 6 Euro liegen. Ich erwarte von einem Buch eine ordentlich lektorierte, korrigierte und gesetzte Fassung, und dafür bin ich auch bereit, einen entsprechenden Preis zu zahlen. Ich bin kein Sammler und auch kein Liebhaber von Sonderausgaben und besonderen Ausstattungen. Wobei ich ein besonders schön gestaltetes Buch durchaus zu würdigen weiß. Bücher von Golkonda kaufe ich mir z. B. ausschließlich in den Printausgaben, oder die tolle Tiptree-Gesamtausgabe von Septime. Aber mir kommt es in erster Linie auf den Inhalt an, die Ausstattung ist da zweitrangig. Wenn sich ein Buch scheiße liest, nutzt auch die tollste Ausstattung und Gestaltung nichts.

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Ich will mit diesem Beitrag jetzt nicht sagen, dass ich bestimmte Bücher für zu teuer halte. Sondern nur, dass ich mir bestimmte Bücher (je nach Ausgabe) ab einem gewissen Preis nicht mehr kaufe. Die Mentalität, bestimmte Sachen sofort nach Erscheinen lesen zu müssen (selbst bei meinen Lieblingsautoren), habe ich mir inzwischen abgewöhnt. Da bin ich sehr geduldig und warte gerne auf die Taschenbuchausgabe.

Wie sieht es bei euch aus?

 

Nachtrag: Es geht dabei um die Preise von neuen Büchern, nicht von gebrauchten. Gegen gebrauchte Bücher hege ich eine leichte monksche Abneigung, weshalb ich sie mir nur kaufe, wenn sie neu vergriffen sind.

9 Gedanken zu “Was dürfen Bücher kosten?

  1. „Ich weiß noch, dass ich, als ich Frank Schätzings Der Schwarm las, ständig Angst hatte, im Bett (meinem liebsten Leseort) davon erschlagen zu werden.“
    Ui, war das eine so albtraumhafte Lektüre? 😀

    Bei mir ist es so, dass ich nicht in erster Linie auf den Preis schaue und mir das glücklicherweise auch leisten kann und mag. Dafür feiere ich selten Kauforgien und versuche, meine Buchkäufe zu dosieren.
    Ich habe einige Sonderausgaben, etwa von der Edition Phantasia oder zuletzt der Lansdale-Storyband von Festa, die auch schon mal über 30 oder 40 Euro kosten dürfen, wenn mich ein Buch wirklich interessiert. Nicht, dass ich unbedingt so viel zahlen möchte, aber wenn es mir das Buch wert erscheint, dann zahle ich den Preis eben. Ein gutes Essen kostet mit Vor- und/oder Nachspeise und Getränken auch so viel, und ganz ehrlich: Von dem Buch habe ich mehr und länger etwas.
    Es kommt also immer darauf an. 16,90 für die Golkonda-Paperbacks sind nicht billig, aber ich zahle den Preis für die toll aufgemachten Bücher und da sind mir 2 bis 4 Euro mehr es dann wert, auch als Honorierung der guten Arbeit, die der Verlag leistet.
    Aber ich überlege mir bei teureren Büchern schon, ob ich sie tatsächlich haben will / muss und habe mich schon über aufgeblähte, dicke Paperbacks mit riesengroßer Schrift geärgert, die man auch günstiger hätte anbieten können (wobei ich mit schlechter werdenden Augen allzu kleine Schrift auch nicht mag).

  2. Ich bin hinsichtlich der Preise, die ich zu zahlen bereit bin, dicht an deinen Vorstellungen. Für ein Taschenbuch bis 15 Euro, ein Hc (kommt nur von meinen Lieblingsautoren ins Haus) bis maximal 30 Euro. Was drüber geht ist mir zu sehr Richtung Luxusgut und das sollte ein Buch, zumindest in einer Standardausgabe, in meinen Augen nicht sein.

    Mittlerweile kaufe ich aber ohnehin vorwiegend auf Flohmärkten und bei Rebuy, die Abneigung gegen gebrauchte Bücher teile ich also nicht. Da kriegt man gewisse Titel schon kurz nach dem Erscheinen 20 bis 30 % günstiger. Und bei meinem Stammhändler auch in sehr gutem Zustand.

  3. Mir gehts auch so, dass ich bei Kleinverlagen eher weniger auf den Preis achte. Der bereits erwähnte Golkonda-Verlag oder die Edition Phantasia sind da gute Beispiele. Da kaufe ich auch gerne Liebhaberausgaben. Ansonsten schau ich schon auf den Preis und ab 15 Euro für ein Taschenbuch überleg ich mir schon, ob ich das will. Bei Hardcovern ist das unterschiedlich. Wenn es gutes Papier ist und gut gebunden ist, dann zahl ich gern mehr als für ein lieblos gemachtes Buch.

    Bei manchen Büchern, deren Inhalt ich bereits kenne, kommt es mir auch auf die Verpackung an. So wie DUNE von der Folio-Society, das mit etwa 100 Euro doch deutlich über der normalen Schmerzgrenze liegt, aber trotzdem bei mir im Regal steht. Aber solche Preise zahle ich nur, wenn ich ein Buch unbedingt haben muss.

    Deutschsprachige E-Books kaufe ich eher selten (ausser, es gibt sie nicht anders, wie z.B. „Die sterbende Erde“ von Jack Vance, das es sonst nur antiquarisch gibt). Englische E-Books hingegen kaufe ich häufiger. Wenn man warten kann, gibt es da häufig nach einem halben Jahr günstigere Preise.

    Ich glaube, die Quintessenz bei mir ist: Je liebevoller ein Buch gemacht ist, desto mehr bin ich bereit, dafür auszugeben.

  4. Interessant. Ich bin ja weniger Autorentreu (bis auf ein paar wenige Ausnahmen) und vielmehr ein Opfer schöner Aufmachungen. Wenn ich ein schick aufgemachtes Buch sehe das meine Lieblingsgenres bedient (also Fantasy und SF), dann entscheidet meist die Optik darüber, ob ich ein Buch haben will oder nicht. Das hat irgendwo auch den Vorteil, dass ich unabsichtlich viel experimentiere und viele verschiedene AutorInnen kennenlerne. Es ist erstaunlich, wie viele ungeahnte Schätze ich dabei entdecke. Manchmal ist es natürlich auch ein glatter Reinfall, aber ein schönes Buch hab ich dann noch immer im Regal stehen. 😉
    Dabei bevorzuge ich ganz klar Hardcover und gebe dafür auch gerne mal mehr aus, weil ein Buch für mich nicht nur die inhaltliche Geschichte ist, sondern auch das liebevolle Drumherum. Ich bin jetzt aber auch keine die sich 200 Bücher auf den SUB legt, so dass ich mir die teureren Bücher ohne schlechtes Gewissen gönnen kann.

    Umgekehrt wähle ich, bei Büchern die mich inhaltlich ansprechen, optisch aber eine Grätsche sind, immer die günstigste Variante. Sei das nun ein abgegriffenes Taschenbuch oder die eBook Variante. Ob Kleinverlag oder Großverlag spielt insgesamt weniger eine Rolle, wobei ich aber mit dem deutschen Buchmarkt leider nur sehr wenig anfangen kann und da deutlich geiziger unterwegs bin.

  5. Als Student bin ich noch in der Auswahl-Situation, und zwar aus mehreren Gründen: Erstens spielt der Preis eine deutliche Rolle, Tradepaperbacks kaufe ich nur im Ausnahmefall und dann unter größtem Ärger. Bei jedem gekauften Buch ärgere ich mich, wenn es sich als aufgeblähtes Irrwerk handelt. Zumal, wenn es dann auch inhaltlich ein Unglück ist.
    Zweitens lebe ich im Spagat zwischen Studium, Familie und Nebenjob, so dass ich zeitlich eingeschränkt bin und deutlich weniger lese, als ich gerne möchte. Das zieht ebenfalls eine deutliche Auswahl nach sich, die beinahe noch schwerer wiegt als der Preis. Ein Lieblingsautor wird da sicher bevorzugt.
    Drittens reicht mein Lagerplatz nicht mehr für viele Bücher, sie stehen schon in zwei Reihen im Regal und etwaige Räume werden mit gestapelten Büchern vollgestopft. Ebook lese ich nur im Ausnahmefall.
    Leider werden echte Taschenbücher kaum noch gedruckt, meist sind das – zumindest in den meiner Sucht ausgelieferten Verlagen – größere Formate. Dass sich das im Preis niederschlägt, ist klar. Und damit kommt man nicht umhin, sich an diesen Preisen zu orientieren: 12,95 Euro als Grenze für ein Taschenbuch, Tradepaperback nur im Ausnahmefall, Hardcover nur zu Weihnachten.

  6. Das ist wirklich eine gute Frage. In Anlehnung, was wir Menschen so für Filme, Musik, Spiele, etc. ausgeben, und unter Berücksichtigung, wie viel gerade der Autor am Ende von seinem Buch bekommt, verkaufen sich eigentlich viele Bücher unter Wert. Ich denke jetzt nicht an 40 Exemplare mit Schmuckumschlag, sondern gerade an elektronische Bücher, die nicht mal einen Euro kosten. Literatur so zu verramschen, tut mir schon weh. Auch wenn es der Geldbeutel – gerade meiner – eigentlich eher nicht zulässt, finde ich, ein Buch darf ruhig auch 20 € kosten, solange der Inhalt mir gefällt

  7. Da ich recht viel lese, aber auch einige andere kostspielige Hobbys pflege, kaufe ich die meisten Bücher vom Grabbeltisch. In der Regel sind es Taschenbücher, die bevorzuge ich, da ich meist auf dem Arbeitsweg lese. Hardcover sind mir zu unpraktisch und meist zu schwer, die kaufe ich nur in Ausnahmefällen (z.B. bei Sachbüchern, die meist nicht als TB zu haben sind). Natürlich kaufe ich auch neue Bücher zum regulären Preis, aber dann meist von meinen bevorzugten Autoren oder wenn sie mich so sehr interessieren, dass ich nicht warten will. Aber mehr als € 20 gebe ich für kein Buch aus.
    Inzwischen habe ich mir aufgrund mehrerer Umzüge mit massiver Schlepperei das Horten von Büchern, die ich nicht besitzen muss, aufgegeben und stelle die für mich unwichtigen Sachen regelmäßig in die diversen Büchertauschschränke, aus denen ich mich auch oft bediene.

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