Phantastikvorschau Herbst/Winter 16/17 von Blanvalet – Wiedersehen mit alten Bekannten

Wenn ich einen Blick auf mein Fantasyregal werfe, sehe ich dort jede Menge Fantasyserien von Autoren wie Raymond Feist, Terry Goodkind oder R. A. Salvatore, die zunächst bei Goldmann erschienen und irgendwann in dann das Logo von Blanvalet auf dem Buchrücken hatten. Was es mit diesem Wechsel auf sich hat, weiß ich nicht, aber ich kann sagen, dass es kaum einen Verlag gab, der mich in meinen jungen Jahren so geprägt hat, wie zunächst Goldman und dann später Blanvalet. Deshalb habe ich auch immer besonders gerne einen Blick in die neuen Verlagsvorschauen des Verlages geworfen – eine Freude, die in den letzten Jahren aber zunehmend getrübt wurde. Mir ist auch nicht ganz klar, was es mit dem Imprint Penhaglion auf sich hat, in das einige Autoren (wie z. B. George R. R. Martin) abgeschoben wurden. Sollte ich das jetzt zu Blanvalet zählen? Ich weiß es nicht, aber da es einen anderen Namen und ein separates Programm hat, werde ich es auch getrennt von Blanvalet betrachten.

Hier sieht man den Übergang von Goldmann zu Blanvalet, der zu einem unschönen Bild im Bücherrregal führt, was mir aber, anders als so manchem Sammler, ziemlich egal ist.

Hier sieht man den Übergang von Goldmann zu Blanvalet, der zu einem unschönen Bild im Bücherrregal führt, was mir aber, anders als so manchem Sammler, ziemlich egal ist.

Blanvalet hat 16 Titel im Programm (auch nicht alles Neuerscheinungen), von denen auch nur drei von Frauen stammen. Wer die Programmvorschau nur in Bezug auf Science Fiction und Fantasy betrachten möchte, der muss ordentlich suchen, da die phantastischen Titel querbeet mit dem Rest gemischt sind. Manchmal ist es auch nicht so einfach, zu erkennen, ob es sich bei einem Titel um einen Fantasyroman handelt, oder einen historischen, da einige Autoren in beiden Genres unterwegs sind.

Von Christie Golden gibt es den Star Wars-Roman Schülerin der dunklen Seite; wobei mir nicht ganz klar ist, ob der noch zum obsoleten Expanded Universe gehört, oder zur neuen Zeitlinie, basierend auf dem neuen Kinofilm. Da der Name Count Dooku in der Beschreibung auftaucht, scheint Ersteres eher der Fall zu sein. Obwohl … ach da habe ich jetzt den Überblick verloren. Solche Franchiseromane lese ich ja so gut wie nie. Einzig die Admiral Thrawn-Trilogie von Timothy Zahn konnte mich begeistern, die fand ich auch besser als den langweiligen und altbackenen neuen Kinofilm The Force Awakens. Na ja, mit Star Wars hat Blanvalet zumindest noch etwas Science Fiction im Programm, ansonsten sieht es da schon seit Jahren eher mau aus.

Secrets – Ich gebe nicht auf von Heather Anastasiu scheint mir der dritte Teil einer Jugendystopie zu sein, einem Genre, das sich in den letzten Jahren aufgrund diverser Verfilmungen (Hunger Games, Divergent usw.) größter Beliebtheit erfreut. Dystopien lese ich ganz gerne, aber wenn solch düsteren Zukunftsvisionen als romantisches Szenario verkauft werden (wie es bei einigen dieser Titel der Fall ist), stellen sich mir doch alle Nackenhaare auf.

Die dritte Autorin im Programm ist Lori M. Lee, deren Ninurta – Die Unendliche wohl Band 2 einer Fantasyserie ist, die ich bisher nicht auf dem Schirm hatte. Da muss ich mich erst einmal genauer drüber informieren.

Dass ich mich jetzt (anders als bei Piper) noch genauer mit einigen Autoren aus dem Programm beschäftigen werde, liegt zum einen daran, dass das Verhältnis von 3 Frauen zu 13 Männern, nicht ganz so krass wirkt, wie 3 zu 23; zum anderen aber auch daran, dass sich darunter einige meiner Lieblingsautoren befinden, die meine Leidenschaft für Fantasy maßgeblich mit geprägt haben.

Im Zuge der TV-Serie The Shannara Chronicles (die ich nach einigen Folgen abgebrochen habe), legt man die Bücher von Terry Brooks natürlich neu auf. Die Serie basiert auf dem zweiten Band Die Elfensteine von Shannara. Dazu schrieb ich nach meiner Lektüre im letzten September:

Die klassische epische Fantasy begann mit einer Kopie. Das Schwert von Shannara habe ich als dreisten Tolkien-Abklatsch in Erinnerung, der aber ganz ordentlich geschrieben ist. Mit dem 50 Jahre später spielenden Folgeband um Die Elfensteine von Shannara – den man ganz unabhängig und eigenständig lesen kann – löst sich Brooks von seinem großen Vorbild und erschafft eine toll geschriebene, fantasievolle, spannende und ergreifende Geschichte, mit der er den Grundstein für den Erfolg der epischen Fantasy der 80er Jahre legte.

Wer sich für das Schwert von Shannara interessiert, dem empfehle ich Peter Schmitts aktuelle abenteuerliche Reise durch die Untiefen dieser Tolkienepigone.

Neben Terry Brooks pflegt man auch weiterhin den unvermeidlichen R. A. Salvatore mit seiner Saga um den Dunkelelfen Drizzt Do’Urden (Die Nacht des Jägers), eine der Lieblingsserien meiner Jugendzeit, bei der ich dann aber nach 17 deutschen (gesplitteten) Bänden ausgestiegen bin, weil einfach kein Ende in Sicht ist. Endlosserien habe ich früher total gerne gelesen, inzwischen komme ich da aber nie sehr weit (ich brauche mehr Abwechslung). Sechs Bände von Salvatore stehen aber noch ungelesen im Regal, und irgendwann will ich auch weiterlesen. Dass mir die Serie immer noch so präsent ist, liegt an den tollen Hörspielumsetzungen von Lausch. Aktuell ist übrigens eine Filmumsetzung der Forgotten Realms geplant, in der auch Drizzt auftauchen könnte. Bleibt nur zu hoffen, dass dabei was Besseres rauskommt als bei den Dungeons and Dragons-Filmen.

Terry Goodkind gehört zu den ersten Fantasyautoren überhaupt, die ich als Jugendlicher verschlungen habe. Und auch hier bin ich aufgrund des Endlossyndroms irgendwann ausgestiegen. Goodkind soll seine Serie Das Schwert der Wahrheit um Richard und Kahlan ja irgendwann tatsächlich beendet haben. Nur um sie dann doch wieder aus der Versenkung zu holen (Die Seelen der Toten). Ich habe da irgendwie den Überblick verloren. Über die Serienumsetzung hülle ich mal den Mantel des Schweigens.

Die Saat der Schatten von Harry Connoly könnte mich interessieren (aber erst, wenn ich all die interessanten Titel von Autorinnen gelesen habe, die bei anderen Verlagen erscheinen 😉 ) Wie ich gerade bei der Verlinkung sehe, handelt es sich auch um Teil 2 einer Serie.

Blanvalet gehört leider zu den Verlagen, die Serien auch schon mal mittendrin einstellen (siehe Dolch und Münze von Daniel Hanover oder Ken Scholes), aber dankenswerterweise halten sie an Steven Eriksons (im Englischen zehnbändigem) Meisterwerk Das Spiel der Götter fest, trotz einiger Verzögerungen bei der Übersetzung. Da ich mal mit dem Übersetzer der Bücher auf einem Übersetzungsworkshop war, auf dem ein Auszug aus der Serie bearbeitet wurde, weiß ich auch, was für eine anspruchsvolle und zeitaufwendige Arbeit das ist. Vor der Leistung habe ich höchsten Respekt! Im Januar 2017 (mit dem Bollerwagen auf dem Cover hätte ich es ja eher am Vatertag veröffentlicht 🙂 ) soll es jedenfalls mit Tot eines Gottes weitergehen, dem mittlerweile 15. Band der im Deutschen gesplitteten Reihe.

Einen langjährigen Goldmann/Blanvalet-Autor, der in den 90er Jahren zu den Größen des Fantasygenres gehörte, ist Raymond Feist, an dem man allerdings nicht durchgehend festgehalten hat. Nach Der verrückte Gott hat man die letzten fünf Bänd der Midkemia-Saga – mit der Feist diese auch zum Abschluss bringt – leider nicht mehr übersetzt und plant dies wohl auch nicht. Ich muss allerdings auch zugeben, dass Feist zwischenzeitlich doch deutlich geschwächelt hat. Nachdem die ersten Bände der Saga vor einiger Zeit im englischsprachigen Raum wieder neu aufgelegt wurden, hat man dies jetzt auch mit den deutschen Ausgaben gemacht, was mich besonders freut, war es doch Raymond Feist mit Der Lehrling des Magiers, der meine Leidenschaft für die Fantasy erst so richtig entfacht hat. Alle anderen Autoren (Tolkien, Goodkind, Salvatore, Martin, Moorcock usw.) kamen erst, nachdem ich die ersten sechs deutschen Bände der Midekemia-Saga innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. Mich würde allerdings interessieren, ob man die Übersetzungen von Dagmar Hartman mal ordentlich überarbeitet hat, denn bei meinem Reread vor drei Jahren ist mir doch aufgefallen, wie altbacken und holprig diese wirken, als hätte die Übersetzerin nicht so recht gewusst, was sie mit Fantasy anfangen soll. Ab Dunkel über Sethanon hat dann Andreas Helweg die Übersetzungen übernommen (das steht bei Amazon falsch), die sich auch deutlich besser lesen.
Wie man sieht, setzt Blanvalet vor allem auf altbewährte Fantasyautoren und Franchiseromane aus dem Star Wars-Universum. Nach den wohl negativen Erfahrungen mit Daniel Abraham und Daniel Hanover (ein und dieselbe Person) hat sich in den letzten Jahren schon abgezeichnet, dass man bei Blanvalet kaum noch für Neues und für Experimente offen ist. Mal abgesehen davon, dass es mit einigen der alteingesessenen Autoren zumindest eine gewisse Beständigkeit gibt, wirkt das Programm auf mich doch recht langweilig und einfallslos. Da ich inzwischen kaum noch Serien mit mehr als fünf Bänden lese, bin ich immer neugierig auf Neues und auf abgeschlossene Romane. Da bin ich bei Blanvalet allerdings an der falschen Adresse. Was wirklich schade ist, gerade in Anbetracht meiner Einleitung zu diesem Artikel, in der ich ja verdeutlicht habe, wie sehr mich das Programm von Goldmann/Blanvalet über die Jahre geprägt hat.

Ach ja, was noch auffällt, ist, dass man, anders als Piper, stärker auf Übersetzungen setzt, hat man doch mit Frank Rehfeld und Wolfgang Thon nur zwei deutschsprachige Autoren im Programm.

Anders als bei Heyne und Piper zeigt man sich bei Blanvalet von der neuen SF-Offensive unbeeindruckt. Aber ein Blick in mein SF-Regal zeigt kaum SF von Goldmann/Blanvalet (was dafür spricht, das der Verlag noch nie viel mit dem Genre am Hut hatte). Einzig die Sten-Chroniken von Allan Cole und Chris Bunch, die mich als Jugendlicher mit zur Science Fiction gebracht haben, finden sich dort. Die Neuauflage dieser siebenteiligen Serie von vor drei Jahren wurde übrigens nach nur zwei Bänden wieder eingestellt.

Hier kann man einen Blick auf meine deutlich von Goldmann/Blanvalet geprägtes Fantasyregal werfen.

P1000762P1000763

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s