Phantastikvorschau Herbst/Winter 2016/17 von Piper – Wo sind die Frauen?

Als langjähriger leidenschaftlicher Leser von Science Fiction und Fantasyliteratur, der seit über 10 Jahren aktiv im deutschsprachigen Fandom (als Pogopuschel) unterwegs ist, geht es mir ähnlich wie Klaus N. Frick, der sich ein kritischeres deutschsprachiges Phantastikmagazin wünscht. Da es das aber nicht gibt, und sich die kritische Betrachtung des Genres und der Branche auch auf den diversen Internetportalen und Blogs in Grenzen hält, versuche ich selbst diese Lücke ein wenig auf meinem Blog zu füllen (siehe meinen Beitrag Phantastikvorschauen Herbst/Winter 2016: Wo sind die Frauen?).

Als jemand, der jetzt aber auch seit zwei Jahren hauptberuflich als Übersetzer phantastischer Literatur arbeitet, stelle ich fest, dass das doch eine recht heikle Angelegenheit ist, da ich damit auch schnell potenzielle und aktuelle Auftraggeber kritisieren und verärgern könnte. Da muss ich wirklich ganz genau aufpassen, was ich schreibe. Ich bin ja eher ein konfliktscheuer Mensch, der Konfrontationen meidet, und versucht, stets höflich und ruhig zu bleiben, aber wenn man das Genre kritisch betrachten und Beiträge dazu verfassen möchte, bleibt es wohl nicht aus, dass man Leute verärgert. Bei meiner Betrachtung der Programmvorschauen versuche ich vor allem, das Positive (bzw. das, was ich dafür halte) hervorzuheben. Ist ja auch schwierig, Bücher zu kritisieren, die man nicht gelesen hat. Trotzdem gibt es in den Vorschauen und an der Zusammensetzung der Programme durchaus Punkte, an denen man, mit (hoffentlich konstruktiver) Kritik ansetzen kann.

In der Herbstvorschau von Piper (unten rechts, leider nur im unpraktischen ISSUU-Format) gibt es 26 Neuerscheinungen (wobei nicht alles neu ist, was da glänzt), von denen erschreckenderweise nur drei von Frauen stammen.

Da bin ich jetzt mal knallhart und gehe auch nur auf diese drei Bücher genauer ein (auch wenn die Autoren natürlich nichts dafür können).

G. A. Aiken wird als eine der beliebtesten Autorinnen der Erotic Fantasy bezeichnet. Damit fällt sie aus meinem „Beuteschema“ schon einmal heraus. Nicht wegen der Beliebtheit, sondern wegen meines mangelnden Interesses an Erotic Fantasy, der ich zwar nicht prinzipiell abgeneigt bin, wenn sie, wie z. b. bei Jacqueline Careys Kushiel – Das Zeichen gut gemacht ist, bei mir aber nicht zieht, wenn sie eher in der Romantasyschiene á la Outlander (Highland-Saga) daherkommt. Und wenn ich das richtig sehe, spielt Aikens Call of Crows bei den Wikingern. Ob Aikens Erotic Fantasy gut gemacht ist, kann ich nicht beurteilen, da ich noch nie etwas von ihr gelesen habe, was aber vermutlich auch so bleiben wird – sollte jemand, der diese Zeilen hier liest, schon mal was von ihr gelesen haben, möge sie sich bitte in den Kommentaren unten dazu äußern. Mich spricht es einfach nicht an.

Auch Bound to You: Requiem (Teil einer Serie, als E-Book schon 2015 erschienen) von Jamie McGuire wird als Romantic Fantasy beschrieben. Im Klappentext heißt es: Denn Ninas Alpträume stellen sich als Warnung heraus und diesmal kann Jared sie vielleicht nicht vor ihrem Schicksal beschützen … Geht es da jetzt wirklich um eine Frau, die sich von einem Mann beschützen lassen muss? Das klingt mir zu altmodisch, ich lese lieber Geschichten von starken, selbstständigen Frauen, die sich selbst retten.

Spinnengift von Jennifer Estep ist der siebte Teil einer Urban-Fantay-Reihe, was mir jetzt schon zu viele Teile sind, um da noch einzusteigen.

Genau genommen sind nur 14 der 26 Titel Neuerscheinungen, alles andere sind Neuauflagen und Sammelbände. Was auffällt, ist die starke Präsenz deutschsprachiger Autoren wie Andreas Brandhorst, Robert Corvus, Bernhard Hennen, Christoph Hardebusch, Christopher Marzi, Karl-Heinz Witzko, Richard Schwartz und Markus Heitz.

Science Fiction ist fünfmal im Programm vertreten, darunter ist aber ehrlich gesagt nichts, was mich wirklich interessiert (abgesehen davon, dass ich den ersten Band von Hugh Howeys Silo noch ungelesen im Regal stehen habe). Vielleicht Blue Screen von Dan Wells. Aus dem letzten Piper-Programm habe ich übrigens das lesenswerte Chrysaor von James Sullivan gerade gelesen (lasst euch von der Kritik am Schreibstil nicht abschrecken, die ist maßlos übertrieben). Und Das Objekt möchte ich auch noch lesen; da haben mich die negativen Kritiken auf Amazon richtig neugierig gemacht.

Und jetzt kommen wir zu dem Teil, in dem ich es mir als Übersetzer eventuell aufgrund der starken und kritischen Wortwahl mit einem potenziellen Auftragsgeber verscherzen könnte, aber der Leser und Fan in mir kann einfach nicht die Klappe halten. 😉 Denn ich bin Richard-Schwartz-Leser der ersten Stunde, seit er mich mit Das erste Horn so begeistern konnte. Der darauf folgenden Serie Das Geheimnis von Askir bin ich insgesamt über zehn Bände lang treu geblieben, und erst ausgestiegen, als man unter dem Namen die Götterkriege so tat, als würde man eine neue Serie starten, die man unabhängig von Askir lesen könne – was aber nicht der Fall war, es ging nahtlos weiter mit der Handlung (kann man hier in meiner Besprechung zu Das blutige Land nachlesen).

Wie auch immer, mit Die Eule von Askir veröffentlicht man jetzt ein bereits erschienenes Buch – das ich auch im Regal stehen habe, und das mir gut gefallen hat – „ungekürzt“ als „Die Komplettfassung“ (Endlich liegt die Saga um »Die Eule von Askir« in der ursprünglichen Fassung vor, wie der Autor sie erdacht hatte) (hat man mit Der Kronrat auch schon gemacht). Da komme ich mir als Leser der „inkompletten“ Fassung ehrlich gesagt veräppelt vor und empfinde es als Abzocke. Soll ich mir das Buch jetzt etwa nochmal kaufen? Und was hat den Verlag dazu gebracht, uns diese vom Autor erdachte Fassung fünf Jahre lang vorzuenthalten? Werden da Bücher in Fassungen veröffentlicht, die der Autor so gar nicht haben möchte? Da werde ich in Zukunft eher misstrauisch und verzichte lieber auf den Kauf von Büchern von Richard Schwartz (sorry Helmut). Und kommt mir nicht mit Neil Gaiman, da kann ich auf den „Author’s Cut“ auch gut verzichten.

So, dass musste ich jetzt mal loswerden, ansonsten finde ich es aber toll, dass Piper so vielen deutschsprachigen Autoren (auch in der Science Fiction) eine Chance gibt und auch über einen längeren Zeitraum an ihnen festhält. Für meinen Geschmack ist in diesem Programm aber nicht wirklich etwas dabei. Christoph Hardebusch lese ich eigentlich gerne (die Sturmwelten-Trilogie ist toll), aber diese Serie spricht mich thematisch jetzt nicht so an. Robert Corvus werde ich vielleicht mal ausprobieren, und von Andreas Brandhorst wollte auch schon immer mal was gelesen haben. Aber da ich mich ja aktuell mehr auf interessante Autorinnen konzentriere, und die Konkurrenz im Herbst einfach zu stark ist, werde ich aus dem Herbstprogramm 16/17 wohl nichts von Piper lesen.

Auf folgende Programmvorschauen habe ich schon einen Blick geworfen: Droemer Knaur und Fischer ; sowie Heyne.

Ein Gedanke zu “Phantastikvorschau Herbst/Winter 2016/17 von Piper – Wo sind die Frauen?

  1. „Silo“ von Hugh Howey hat mir sehr gut gefallen. Das Setting finde ich spannend und der Schreibstil hat mir auch zugesagt. Auch der dritte Band kann meiner Meinung nach fast mit dem ersten Band mithalten. Band 2 hat das „Book-in-the-middle“-Problem (heisst doch so, oder?), Ich würd das Buch nicht länger ungelesen im Regal stehen lassen 🙂
    Von den aktuellen Programmen sieht mir das Fischer/Tor-Programm am interessantesten aus. Auf das freue ich mich besonders.

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