„God Stalk“ von P. C. Hodgell

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Es gab in der Fantasy eine Zeit, in der es vor allem um Fantasie ging, um das, was man in der Science Fiction als »Sense of Wonder« bezeichnet. Geschichten, in denen Heldinnen und Helden leichten Fußes in exotischen Welten von einem Abenteuer ins nächste stolperten und sie mit Witz und Einfallsreichtum meisterten. Welten, die von Monstern, Dämonen, dunklen Göttern und bösen Zauberern bevölkert waren; in denen überall Magie in der Luft lag; Welten, in denen noch nicht diese pseudorealistische Grim-and-Gritty- bzw. Grimdark-Ambivalenz herrschte, die schon fast depressiv und fatalistisch daherkommt, und deren Weltenbau wie eine Mischung aus Politikseminar und VWL-Vorlesung wirkt; in der Magie noch nicht mit komplexen wissenschaftlich anmutenden Systemen erklärt wurde, die man auch als Aufsatz im Nature Magazine veröffentlichen könnte. Es war die Zeit der guten alten Sword and Sorcery.

Als Conan geheimnisvolle Türme böser Zauberer erkletterte, um ihnen ihre wertvollsten Schätze zu klauen; als Fafhrd und der graue Mausling die Straßen und Bordelle Lankhmars unsicher machten; als der unsterbliche und verfluchte Kane das Spiegelbild des Winters seiner Seele erblickte; und als Elric mit seinem unheilvollen Schwert Sturmbringer im matten Licht des Mondes einen Gefährten nach dem anderen ins Verderben stürzte.

Ich habe gar nichts gegen die oben erwähnte politisch ambivalente Grim-and-Gritty-Fantasy mit komplexen Magiesystemen, ich lese Serien wie Das Lied von Eis und Feuer sehr gerne, aber ab und zu dürstet es mich nach leichtfüßigen Abenteuern, in denen einfach drauflosgezaubert wird. Da solche Fantasy immer schwieriger zu finden ist, bin ich für Tipps und Empfehlungen immer dankbar. Und eine der reichhaltigsten und kompetentesten Quellen ist Gerd Rottenecker alias Gero von der Bibliotheka Phantastika, der ein nahezu enzyklopädisches Wissen in Bezug auf die Fantasyliteratur und ihre unzähligen Autorinnen und Autoren besitzt. Und in der Geburtstagsreihe auf der BP stellt er immer wieder AutorInnen, die selbst mir, der ich dachte, ich würde mich im Genre einigermaßen auskennen, völlig unbekannt sind. Und unter diesen mir unbekannten AutorInnen befinden sich auch echte Perlen, wie zum Beispiel Patricia Christine Hodgell.

Geros Laudatio auf ihren Roman God Stalk und die dazugehörige Reihe hat mich so begeistert, dass ich ihn umgehend lesen musste, da Geros Beschreibung eines jener leichtfüßigen, klassischen Sword-and-Sorcery-Abenteuer versprach, die ich so händeringend suche.

Von daher soll es genügen, einfach nur ganz deutlich zu sagen, dass God Stalk einer der besten Sword-&-Sorcery-Romane ist, die jemals geschrieben wurden, und damit ein Lesetipp für alle, die Abenteuerliteratur in einem farbigen, überzeugend geschilderten Setting und eine sympathische, aber keineswegs eindimensionale Protagonistin – was heutzutage vermutlich beides als altmodisch gilt – zu schätzen wissen (und auf Englisch lesen).

Auf den Inhalt will ich hier gar nicht näher eingehen, lest Geros Artikel!, er hat das viel besser beschrieben, als ich es je könnte.

God Stalk ist tolle Abenteuerfantasy in bester Sword-and-Sorcery-Tradition, die aber weitaus komplexer, reichhaltiger und subtiler daherkommt, als man es dem Subgenre in der Regel zutraut. Ich hatte einfach großen Spaß daran, Jame auf ihren Streifzügen durch diese faszinierende Stadt zu begleiten, wo sie so manchen Freund findet, sich viele Feinde macht und den einen oder anderen Priester in den Wahnsinn treibt.

Obwohl dieser Auftaktband der Serie noch recht episodenhaft daherkommt, ist ein roter Faden von Anfang an erkennbar. Geschickt mischt Hodgell leichtfüßige Abenteuer mit Tiefgang und einer Hintergrundgeschichte voller Mysterien und Geheimnissen. Dabei ist ihre Schreibe als äußerst schlank zu beschreiben, hält sie sich doch nie lange mit einer Szene auf. Selbst Kämpfe werden mit wenigen Zeilen abgehandelt. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass hier etwas fehlt.

Schade ist nur, dass dieses bereits 1982 auf Englisch veröffentlichte Buch bis heute nicht auf Deutsch erschienen ist.

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