Reread: Mond über Manhattan von Paul Auster

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Vorher:

Ich muss so 16 oder 17 Jahre alt gewesen sein, als ich Mond über Manhattan das erste Mal las. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich ausschließlich Stephen King und Fantasyliteratur gelesen, mit der Begründung, dass unsere Welt ja so schon langweilig genug sei, da müsse ich nicht auch noch Bücher lesen, die in ihr spielen. Das änderte sich erst, nachdem ich den Film Smoke mit Harvey Keitel und William Hurt gesehen habe, den ich ganz wunderbar fand. In der Hörzu hatte ich gelesen, dass das Drehbuch von dem Schriftsteller Paul Auster stammt, und da dachte ich mir, wenn er so ein tolles Drehbuch schreiben kann, dann könnte seine Romane doch auch was taugen.

Nach längerem Stöbern in der Bouvier Buchhandlung in Koblenz entschied ich mich für dieses Buch, von dem ich heute nur noch in Erinnerung habe, dass es irgendwie um einen jungen Studenten geht, der in einem Zimmer über einem Chinarestaurant lebt. Mehr könnte ich zur Handlung nicht sagen, ich glaube, er liest gerne Bücher, hat einen komischen Onkel? und verliert ein wenig den Bezug zur Realität. Aber da bin ich mir nicht mehr sicher. Bin gespannt, was beim Reread herauskommen wird.

Nachher:

Zu meinem Erstaunen muss feststellen, dass ich mich nur noch an das erste Kapitel – das die ersten hundert Seiten umfasst – erinnert habe. Die ganze Geschichte mit dem alten Effing: wie M.S. Fogg im vorliest, ihn in der Gegend rumfährt und sich von ihm beschimpfen lässt, war mir völlig entfallen. Auch die Geschichte in der Geschichte, mit dem malenden Einsiedler und die ganzen familiären Verzwickungen.

Aber das hat die erneute Lektüre nur um so spannender gemacht. Obwohl ich das erste Kapitel für das Stärkste halte. Wie Auster hier Foggs Abstieg in die Verwahrlosung beschreibt, reißt mich als Leser richtig mit. Ich hatte auch falsch in Erinnerung, dass die Geschichte in den 80ern spielt, nicht Ende der 60er, wie es tatsächlich der Fall ist.

Gegen Ende gibt es ein paar Längen, wenn dann plötzlich noch andere Personen auftauchen und deren Leben auch noch breit ausgewalzt wird. Da entsteht ein wenig der Eindruck, als hätte Auster versucht, zu viel auf zu engem Raum unterzubringen. Was dem Roman aber nicht wirklich schadet, da er ein begnadeter Autor ist, dem es gelingt originelle Figuren zu erschaffen (als unvergesslich würde ich sie nicht bezeichnen, denn immerhin hatte ich sie vergessen 😉 ). Stellenweise wirken die familiären Verwicklungen etwas unglaubwürdig wenn nicht gar phantastisch, aber hey, wenn das Leben verrücktesten Geschichten schreibt, dann kann ihm Paul Auster ruhig nacheifern.

Ach, mehr fällt mir zu meinem Reread ehrlich gesagt nicht ein. Dafür gibt es in den nächsten Tagen eine Besprechung von Hotel Honululu.

2 Gedanken zu “Reread: Mond über Manhattan von Paul Auster

  1. Auster wollte ich ja auch immer mal lesen. Smoke ist jetzt übrigens auf Netflix, fällt mir dabei ein.

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