Tripods – John Christopher

Gerade ist ein Sammelband zu der ursprünglichen Jugendbuchtrilogie von John Christopher in einer limitierten Sonderausgabe mit 60 Illustrationen bei Cross Cult erschienen (und wie ich gerade sehe, auch in einer günstigeren Variante bei Piper), die ich vor Jahren mal für den Fantasyguide (mit vielen Komma- und Tippfehlern!) besprochen habe. Wer die Bücher noch nicht kennt, hat jetzt die Gelegenheit, sie in einem Band kaufen zu können. Und warum sich das lohnt, kann man hier nachlesen:

P1040667

Will ist der Sohn eines Müllers und lebt in einem kleinen Dorf in einem mittelalterlichen England. Es sind einfache Leute, die einfachen Tätigkeiten nachgehen, die ihnen das tägliche Überleben sichern. Da Will noch keine 14 Jahre alt ist, lebte er bisher eine unbeschwerte Kindheit mit den üblichen Streitigkeiten unter Altersgenossen. Sein bester Freund ist Jack, der ein Jahr älter als Will ist, und deshalb dieses Jahr geweiht wird – wie alle Menschen die diese Alter erreichen. So weit, so gut, doch jetzt wird es ungemütlich. Die Weihe sieht nämlich folgendermaßen aus: Einmal im Jahr kommt einer der Dreibeiner – der Tripoden – vorbei. Das sind riesige metallene Maschinen (?) die nach einem erbarmungslosen Krieg die Herrschaft über die Menschen gewonnen haben. Dieser Dreibeiner hebt die jungen Leute mit langen Tentakeln in sein Inneres. Wenn sie wieder herauskommen, tragen sie metallene Kappen, mit denen die Dreibeiner die Gedanken der Menschen steuern können und sie somit zu willenlosen Sklaven machen.

Nach seiner Weihe ist Jack ein „Erwachsener“ und verhält sich Will gegenüber ganz anders als vorher. Will merkt, dass er seinen Freund für immer verloren hat. Gleichzeitig kommen ihm Zweifel gegenüber der Weihe. Diese werden noch von einem Wanderer bestärkt. Wanderer sind Erwachsene, bei denen die Weihe schief ging, und die geistig zurückgeblieben auf ewige Wanderschaft gehen. Und so beginnt Will, die Herrschaft der Dreibeiner in Frage zu stellen. Um der Weihe, und somit der geistigen Sklaverei, zu entkomme, flieht Will aus seinem Dorf und macht sich auf den Weg zum Festland, wo es angeblich noch andere wie ihn geben soll, die sich gegen die Dreibeiner verbündet haben.

Unterwegs stößt er immer wieder auf die Überbleibsel der von den Dreibeiner zerstörten Zivilisation. Unserer Zivilisation.

Bereits 1967 erschienen hat sich „Tripods“ zu einem Klassiker der Jugend und SF-Literatur entwickelt. Nicht zuletzt auch durch die kultige TV-Verfilmung. Nachdem sie jahrelang vergriffen war, ist die Kulttrilogie nun im Arena Verlag als Hardcoverausgabe erschienen. Die verschiedenfarbigen Umschläge ziert jeweils ein Dreibeiner. Dazu gibt es erfreulicherweise auch ein Lesebändchen. Der Preis von jeweils 12.95 Euro ist für diese hübschen gebundenen Ausgaben durchaus angemessen.

Es ist ein beängstigendes Endzeitszenario, dass John Christopher hier inszeniert. Nicht unbedingt, weil die Menschheit wieder auf dem technischen Stand des Mittelalters ist, und auch nicht weil eine fremde Macht die Erde erobert und die bisherige Zivilisation zerstört hat. Sonder, weil die Menschen nun in einer geistigen Sklaverei leben, von der sie gar nichts mitbekommen – nein sie glauben sogar, glücklich zu sein. Ein anderes Leben kennen sie ja auch nicht. Die Erinnerungen an die alten Zeiten sind größtenteils verloren gegangen. Genau an diesem Punkt setzt Christopher mit seinem Helden Will an. Will ist ein Junge, der nicht alles hinnimmt, was man ihm vorsetzt. Er beginnt die gängige Praxis der Weihe zu hinterfragen, und entwickelt dabei nicht nur eigene Gedanken, sondern einen eigenen freien Willen. Der Roman zeigt, dass nicht immer alles gut ist, was von den Erwachsenen kommt, und dass Kinder durchaus das Recht und vielleicht sogar die Pflicht haben dies zu hinterfragen.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Will erzählt, und bietet so, dem Leser die Möglichkeit, sich in Wills Gedankenwelt hineinzuversetzen. Der Leser erlebt aus erster Hand geistigen Kampf von Will. Denn es scheinen ja alle glücklich mit der Situation zu sein, und so kommt auch er in Versuchung sich in diese (trügerische) Sicherheit zu begeben. Denn eines ist klar, wenn er sich der Weihe entzieht, ist er für die Dreibeiner ein Feind und wir erbarmungslos gejagt. Hilfe von der Bevölkerung kann er ebenso wenig erwarten.

Und so wie Will in kurzer Zeit seinen freien Willen entwickelt, so schnell wird er auch erwachsen. Ein tolles Jugendbuch, das zu Recht ein moderner Klassiker ist. Eine Geschichte, die junge Leute zum Nachdenken anregt, und sture Obrigkeitshörigkeit in Frage stellt.

Band 2 „Das Geheimnis der dreibeinigen Monster“ ist ebenfalls im Arena Verlag erschienen.

Die damalige Ausgabe von Arena.

Die damalige Ausgabe von Arena.

2 Gedanken zu “Tripods – John Christopher

  1. Was bedeuten die Durchstreichungen?

    • Die bezogen sich auf die Arena-Ausgaben, die ja inzwischen vergriffen sind. Womit die durchgestrichenen Sätze nicht mehr aktuelle sind. Hätte ich natürlich auch löschen können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s