Dienstag 14. März 2006 Campinas/Brasilien

Der letzte Tagebucheintrag aus Brasilien. Irgendwann gibt es noch einen zusammenfassenden Bericht. Für ausführliche Blogeinträge fehlt mir momentan ein wenig die Zeit. Diese Woche gibt es noch eine Kurzgeschichte.

Heute ging es um 13.00 Uhr nach Oziel. Drei Kameras, die ich nachkaufen musste, habe ich heute verteilt. Leider reichen sie aber immer noch nicht, so dass ich vier weitere kaufen muss.

Neun Kameras habe ich heute schon wieder eingesammelt und zum Entwickeln gebracht. Viel haben wir heute mit den Kindern mangels Ideen nicht gemacht. Thomas kam erst, als ich schon wieder weg war.

Für Sonntag den 26. März haben wir eine Ausstellung geplant. Inzwischen bin ich ein bisschen enttäuscht von unserem Projekt, da wir kaum Zeit mit den Kindern verbringen, und eine richtige Gruppenarbeit gar nicht möglich ist. Im Prinzip sieht das Projekt so aus: Kameras verteilen, Kameras einsammeln, Filme entwickeln lassen und wieder mitbringen.

Nachtrag von 2007:

Da ich mein Tagebuch handschriftlich geführt habe, hat mich nach diesem etwas negativen Eintrag die Lust am Tagebuchführen verlassen. Im Weiteren schildere ich die restlichen zwei Wochen aus der Erinnerung.

Die Enttäuschung des letzten Eintrages hängt vor allem mit den Erwartungen und Plänen zusammen, die wir von Deutschland mitgebracht hatten. Obwohl wir im Vorfeld schon gewarnt wurden, dass in Brasilien nichts so läuft, wie man es plant, ist es im ersten Moment trotzdem enttäuschend, wenn die eigenen Pläne über den Haufen geworfen werden. Diese Enttäuschung hielt aber nicht lange an, und trat während der gesamten Zeit, nur an zwei drei Tagen auf. Wettgemacht wurde sie durch die liebevolle und engagierte Unterstützung seitens unserer brasilianischen Freunde.

In Deutschland hatten wir noch gedacht, mit einer Schulklasse zu regelmäßigen Terminen kontinuierlich arbeiten zu können. Die lokale Schulpolitik machte uns da einen Strich durch die Rechnung. Aber in Brasilien beklagt man sich nicht lange über das, was nicht funktioniert, sondern packt das an, was funktioniert.

So lief die Arbeit mit den Kindern zwar ziemlich chaotisch ab, aber am Ende hat doch alles funktioniert. Sämtliche 34 Kinder haben nach einer Woche, in der sie mit ihren Einwegkameras ihr Umfeld fotografiert haben, die Kameras zurückgegeben, so dass wir die Bilder noch rechtzeitig entwickeln lassen konnten. Wir hatten sogar noch genug Zeit, die Kinder mit einer Videokamera zu ihren Lieblingsfotos zu interviewen. Sie konnten bis zu fünf Bilder aussuchen, die dann in der Ausstellung gezeigt wurden.

Am 26. März um 9.00 Uhr morgens war es dann so weit. Parallel zur Ausstellung fand noch eine Mitgliederversammlung von P.A.F statt, was zahlreiche Besucher garantierte. Voller Stolz präsentierten die jungen Fotografen den Besuchern ihre Bilder. Neben den zahlreichen Verwandten waren auch einige Besucher von der Uni-Campinas gekommen.

Nachtrag 2016:

Während der Ausstellung kam es auch noch zu einem kleinen Konflikt mit einer Professorin der Universität von Campinas. Sie fragte uns, ob sie die Negative (die entwickelten Bilder haben die Kinder erhalten) zum Einscannen mitnehmen könnte. Zwei Tag vor unserer Abreise aus São Paulo! Ich verneinte natürlich, da mir das Risiko viel zu groß war, die Bilder nicht rechtzeitig zurückzubekommen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich ja schon aus eigener Erfahrung, wie die Uhren in Brasilien ticken. Hinzu kommt noch, dass sich mit Ausnahme von Corinta bis zur Ausstellung niemand von der Uni für unser Projekt interessiert hatte und gerade jene Professorin uns recht abschätzig begegnet war. Und jetzt, wo sie sahen, was für ein Schatz an Material bei den 900 Fotografien rausgekommen war, wollte sie plötzlich ihren Anteil haben, ohne selbst etwas beigetragen zu haben. Meine strikte Ablehnung führte zu einer kleinen diplomatischen Verstimmung zwischen den Universitäten von Campinas und Siegen. Professor Fichtner kam zu uns und meinte, da habe es wohl ein kleines Missverständnis gegeben. Worauf ich entgegnete: »Ein Missverständnis war das nicht.« Jedenfalls haben wir die Fotos und Negative nicht mehr aus der Hand gegeben. Die Mitglieder meiner Gastfamilie meinten im Nachhinein mit dem Hinweis auf »pirata«, dass diese eine gute Entscheidung gewesen sei.

Leider ging es für uns, aufgrund von anstehenden Abschlussprüfungen in Siegen, schon zwei Tage nach der Ausstellung zurück nach São Paulo, wo wir noch einige Tage bei unserem Freund Badah verbrachten, der uns ja schon zu Beginn der Reise so freundlich bei sich aufgenommen hatte.

Prof. Wanderleys Vorschlag, den er mir während der Ausstellung machte, die Fotografien für meine Diplomarbeit zu verwenden, habe ich übrigens aufgegriffen und ein Jahr später meine Diplomarbeit dazu verfasst. Wer sich dafür interessiert, kann sie hier im Blog lesen.

Zu diesem Projekt wird noch ein zusammenfassender Artikel folgen, indem ich auch über unsere Ausstellung der Fotografien in Siegen und einer Benefizparty zu Gunsten von Parque Oziel berichten werde.

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