Meine Lektüre Januar 2016

Januar

1. Lemmy Kilmister – White Line Fever – Autobiography
2. Paul Toutonghi – Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war
3. Ben Aaranovitch – Ein Wispern unter der Baker Street
4. Taiye Selasi – Diese Dinge geschehen nicht einfach so
5. Allan Moore, Jacon Burrows – Providence 1-4
6. Amitav Ghosh – Der Glaspalast

Lemmy Kilmister – White Line Fever – Autobiography

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Lemmys Memoiren im schnodderig unterhaltsamen Tonfall, den man aus seinen Interviews kennt. Sehr witzig, teils nachdenklich, aber insgesamt doch recht oberflächlich. Bei der Schilderung seiner Kindheit erfährt man noch ein wenig über seine Familie und sein Privatleben, aber sobald er der ersten Band beigetreten ist, geht es fast nur noch um Musik. Das ist zwar stets unterhaltsam, aber man erhält z. B. keinerlei Informationen über seine Großmutter und seine Mutter ab dieser Zeit, was aus ihnen geworden ist, und was sie von Lemmys Karriere gehalten haben. In großen Teilen ist es die Autobiografie von Motörhead, weniger vom Menschen Lemmy abseits der Musik. War für mich trotzdem ein echter Pageturner.

Paul Toutonghi – Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war

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Skurrile Geschichte eines amerikanischen Teenagers mit ukrainischen Eltern, die ihm mit ihren Marotten das Leben schwer machen. Sehr humorvoll, aber mit ernsten und durchaus auch politischen Untertönen. Heißt im Original nicht umsonst Red Weather, was man in der deutschen Fassung doch recht „frei“ übersetzt hat. Ein Lesetipp, den mir Frank Böhmert in Bezug auf Literatur zu Außenseitern und Underdogs gegeben hat. Besten Dank, hat sich gelohnt.

Ben Aaranovitch – Ein Wispern unter der Baker Street

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Dritter Teil der urkomischen Urban-Fantasy-Reihe um den Londoner Police Constable Peter Grant, der im Vergleich zu den beiden Vorgängern als erfrischend unaufgeregter, ruhiger Krimi daherkommt.

Taiye Selasi – Diese Dinge geschehen nicht einfach so

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Komplexes ghanaisch-nigereanisch-amerikanisches Familiendrama, das in zunächst verwirrender Chronologie mehrere Jahrzehnte behandelt, und die düsteren Geheimnisse erst Stück für Stück ans Licht bringt. Stellenweise grandios zu lesen, stellenweise sehr anstrengend, aber auf jeden Fall eine lohnenswerte Lektüre. Auch hier hat man sich wieder einen sehr merkwürdigen deutschen Titel ausgedacht. Im Original heißt das Buch Ghana Must Go, was auf die Vertreibung der ghanaischen Minderheit in Nigeria im Jahr 1987 anspielt.

Allan Moore, Jacon Burrows – Providence 1-4 (Comic)

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Stimmungsvolle Geschichte mit atmosphärisch dichten Zeichnungen, die weniger eine Dekonstruktion des Horrorgenres ist, als eine Hommage an die Werke von H. P. Lovecraft und Robert W. Chambers. Obwohl die Geschichte deutlich mehr Ebenen und Themen als die Vorbilder besitzt, kann ich ein Watchmen des Horrors bisher nicht erkennen, was den Spaß an der Lektüre aber nicht mindert, auch wenn die langen Textpassagen stellenweise etwas anstrengend zu lesen sind.
Amitav Ghosh – Der Glaspalast

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Opulentes, episches Meisterwerk, das die Geschichte Burmas vom Sturz des letzten Königs bis zur Militärdiktatur in den 90ern anhand einer tragischen Familiengeschichte erzählt. Eine ausführliche Rezension folgt noch.

Foz do Iguaçu (Februar 2006)

Im Dreiländereck Paraguay, Argentinien und Brasilien, wo der Fluss Iguacu in den Rio Parana mündet, bietet sich dem Besucher ein atemberaubendes Naturschauspiel aus tosenden Wasserfällen, auf denen aus großer Höhe 10.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde rauschend in die Tiefe stürzen.

Doch bevor wir diesen Anblick genießen konnten, mussten wir erst einmal in der Stadt Foz do Iguaçu ankommen. Nach 16 Stunden im Nachtbus trafen wir um 7.00 Uhr in der Früh bei schon sommerlichen Temperaturen in dem Touristenort an. Das Hostel war schnell gefunden, dass Zimmer rasch bezogen und schon machten wir uns auf den Weg um etwas zu frühstücken. Die Temperaturen hatten die 30-Grad-Marke schon deutlich überschritten, und im Laufe des Tages sollten sie auch noch die 40-Grad-Marke noch deutliche hinter sich lassen, was uns aber nicht davon abhielt, ganz in kulturimperialistischer Tradition zu McDonalds zu gehen, wo wir uns, in einem brütend heißen und schwülen Wintergarten ganz aus Glas, Bic-Macs, Hamburger und Pommes reinschoben.

Nicht viel später suchten wir den Weg zu den Wasserfällen. Und an dieser Stelle ist mir erstmals eine Fehlinterpretation der Informationen in dem sonst so wertvollen Reiseführer unterlaufen: Ich dachte, wir könnten zu Fuß zu den Cataratas gehen. Schwerer Fehler. Über 40 Grad im Schatten, eine Kurve nach der anderen und Einheimische, die uns kopfschüttelnd als »Touristas« bespöttelnden, brachten uns zu der Einsicht, dass es doch weiter als gedacht sein könnte. An einer Bushaltestelle, aus deren Fahrplan wir nicht schlau wurden, stoppten wir unseren Gewaltmarsch. Gegenüber lag eine Tankstelle; Lea ging hin, um zu fragen, ob dort heute ein Bus fahren würde, und wenn ja, ob zu den Wasserfällen. Thomas und ich hielten die Stellung. Lea hatten die Tankstelle noch nicht richtig betreten, als der Bus kam, den wir dann notgedrungen weiterwinken mussten. Einen weiteren Bus später (vrooom, und weg war er …) kam Lea mit neuem Wasser bestückt zurück und meinte fröhlich, der Bus müsse bald kommen.

Am Naturpark angekommen ging es mit einer kleinen Tour im Open-Air-Bus weiter, bevor wir dann zu den Cataratas selbst gingen. Es war das erste Mal, dass ich Wasserfälle zu sehen und vor allem zu hören bekam. Von diesem atemberaubenden Anblick konnte ich gar nicht genug bekommen. Hier auf der brasilianischen Seite war alles mit metallenen Stegen ausgelegt, so dass man den Wasserfällen sowohl von oben, als auch an ihrem Fuße sehr nah kommen konnte. Was ihnen aber auch ein wenig von ihrer Natürlichkeit genommen hat. Das war keine unberührte Natur mehr, sondern eine durchkalkulierte Touristenattraktion, nichtsdestotrotz aber schwer beeindruckend. Ich lasse die Bilder mal für sich sprechen.

Einige der Bilder in der Galerie wurden von Thomas Gruner gemacht.

Ach ja, ein kleiner Tipp: Bei mehr als 40 Grad im Schatten schmilzt ein Eis am Stiel schneller als man schlecken kann.

Zurück im Hostel haben wir unsere deutschen Zimmernachbarn kennengelernt, darunter eine junge Journalistin aus Frankfurt, die unseren Professor Bernd Fichtner kannte (wie klein die Welt doch ist). Die Drei haben uns dann zum nächsten Supermarkt geführt und ein wenig über ihren längeren Aufenthalt in Brasilien berichtet.

Am nächsten Tag ging es nach Argentinien, aber darüber berichte ich im nächsten Blogeintrag, damit dieser hier nicht noch mehr mit Fotos überfrachtet wird. Nur so viel, es gab einen spannenden Wettlauf gegen ein Unwetter.

Und hier geht es zum vorigen Bericht „Die erste Woche in Brasilien„.

Februar 2006: Die erste Woche in Brasilien

In Brasilien läuft nichts so wie geplant. So zumindest meine Erfahrung, und die derjenigen, mit denen ich mich darüber unterhalten habe. Es läuft nicht wie geplant, aber irgendwie läuft es dann doch – das nennt man dort „chichino“ (wird das so geschrieben?). Mit Tricks, Beziehungen und Einfallsreichtum bekommt man es auf Umwegen doch irgendwie hin.

Für uns lief in den ersten Wochen in Brasilien auch nichts wie geplant. Was nicht unbedingt eine schlechte Erfahrung war, aber eine, die uns zu dem Zeitpunkt einige Nerven gekostet hat. Bis dahin hatte ich gedacht, dass ich eher der locker lässige Typ bin, zu dem die entspannte Lebenshaltung der Brasilianer perfekt passt. Doch zu meinem eigenen Erstaunen musste ich feststellen, wie viel Wert ich auf vermeintlich deutsche Tugenden wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Planbarkeit lege. In diesem Fall traf das Klischee, sich selbst während eines Auslandsaufenthalts zu entdecken, durchaus zu.

Nach zwei Tagen in der für uns neuen Welt haben wir irgendwie erfahren, dass sich unsere Kontaktperson in Campinas, die Professorin und ehemalige Bildungsministerin, Corinta Geraldi noch im Urlaub befand – und zwar für ganze zwei weitere Wochen! Im Prinzip waren wir also zwei Wochen zu früh nach Brasilien geflogen. Gleichzeitig wollte unser Gastgeber Phillip (siehe voriger Bericht) Thomas und mich loswerden. Zu unserem Glück war Badah so freundlich, uns alle drei bei sich in seiner kleinen Wohnung aufzunehmen – was ich ihm nie vergessen werde. Es muss für ihn unglaublich anstrengend gewesen sein, gleich drei Deutsche auf engstem Raum auf unbestimmte Zeit zu beherbergen.

Auch wenn wir viel Spaß mit Badah hatten, wollten wir ihm das auf Dauer nicht zumuten, denn seine komplette Freizeit ging dafür drauf, uns zu bespaßen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir, als er uns ins Sambódromo von Sao Paulo mitgenommen hat, wo Arbeitskollegen von ihm an der Probe des Karnevalsumzugs teilnahmen. Ja, wir waren zum Karneval in Brasilien, aber mehr als diese Probe habe ich nicht mitbekommen (Thomas hat Fotos von einem Karnevalsumzug gemacht).

Wir haben uns jedenfalls entschieden, Badahs Gastfreundschaft nicht zu überstrapazieren, und die Zeit zu nutzen, um etwas vom Land zu sehen. Dieser dicke und ausführliche Reiseführer (siehe Foto) war für die Planung der Reise Gold wert. Dank seiner wertvollen Informationen sind wir immer überall ohne größere Schwierigkeiten angekommen und haben stets eine Unterkunft bekommen.

Ein Geschenk meiner Eltern.

Ein Geschenk meiner Eltern.

Eine Woche ist nicht viel Zeit, um dieses riesige Land zu erkunden, wir mussten uns also einschränken und haben uns für eine der größten Touristenattraktion des Landes entschieden: Foz do Iguaçu. Dieses Ziel war von São Paulo aus mit dem Bus noch halbwegs erträglich zu erreichen. Die Reisezeit betrug ca. 16 Stunden (könnte auch mehr gewesen sein). Wir sind irgendwann nachmittags in São Paulo losgefahren und am nächsten Morgen um ca. 7.00 Uhr angekommen.

Hier machen wir einen ersten Zwischenstopp im letzten Tageslicht. Ich habe mir ein Teilchen mit Fleischfüllung gekauft, das mir nicht wirklich geschmeckt hat.

Foto von Thomas Gruner

Foto von Thomas Gruner

Die Busfahrt war lang, vor allem, da ich im Bus nicht schlafen kann, aber wir machten immer wieder Halt, was uns die Möglichkeit gab, auf Toilette zu gehen und die Beine zu vertreten. An diesen Raststätten sind ganz schön viele Busse unterwegs, und manche von der gleichen Firma wie unserer. Als ich nach einem dieser Toilettengänge zurückkam, in den Bus einstieg und mich auf meinen Platz setzen wollte,dauerte es dank der abgedunkelten Beleuchtung und der größtenteils schlafenden Passagiere, bis ich merkte, dass ich in den falschen Bus eingestiegen war! Also schnell rausgeflitzt und mit einem ansteigenden Panikgefühl den richtigen Bus gesucht, was sich als gar nicht so einfach rausstellte, da es mehrere gab, die genau gleich aussahen. Irgendwie habe ich es dann noch rechtzeitig geschafft, bevor er ohne mich losgefahren wäre, denn Thomas und Lea haben fest geschlafen.

Im nächsten Reisebericht erzähle ich dann von den Wasserfällen (dazu gibt es auch tolle Fotos).

Da in meinen Aufzeichnungen von damals eine Lücke zwischen dem ersten Tag in Brasilien und dem Beginn des Projektes in Campinas klafft, gibt es bis zum 27. Februar nur Berichte, die ich jetzt erst verfasst habe. Die wirken natürlich nicht mehr so unmittelbar und authentisch, da ich inzwischen vieles vergessen habe.

Bücher mehrmals lesen?

Mir begegnen (im Netz wie auch im ganz richtigen wirklichen Leben) immer wieder Menschen, die sagen, dass sie ein Buch nur einmal lesen. Und zwar konsequent. Meist mit der Begründung, dass es noch so viele Bücher zu lesen gäbe, und man keine Zeit damit verschwenden wolle, eines zweimal zu lesen.

Naja, selbst wenn man sich daran hält, ist das doch eine Sisyphusarbeit, da man es nie schaffen wird, alle interessanten Bücher zu lesen und auf ewig seiner Leseliste nachhecheln wird. Ich habe es inzwischen selbst in den Genres, in denen ich möglichst belesen sein möchte, aufgegeben, alle interessanten und tollen Bücher lesen zu wollen.

Ich lese nur noch, worauf ich gerade Lust habe. Und gelegentlich habe ich Lust, ein Buch zu lesen, dass ich schon einmal gelesen habe. Wie aktuell z. B. Frank Herberts Der Wüstenplanet in der Neuübersetzung von Jakob Schmidt. Das habe ich in der alten Übersetzung von Ronald M.Hahn vor ungefähr 20 Jahren gelesen, seitdem nicht mehr.

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Jeder von uns liest Bücher mit unterschiedlichem Gepäck. Damit meine ich Wissen, Erfahrungen, bereits Gelesenes usw., alles Faktoren, die unser Leseerlebnis beeinflussen. Bei meiner Erstlektüre von Der Wüstenplanet, war ich 16 Jahre alt, hatte bis dato vielleicht 100 Bücher gelesen, keines davon Science Fiction. Ich bin also relativ unbedarft und mit viel Raum für den berühmten Sense of Wonder an die Lektüre herangegangen, was meine Meinung und mein Leseerlebnis natürlich massiv beeinflusst hat.

Jetzt, 20 Jahre später habe ich tausende von Büchern gelesen – hunderte SF-Werke darunter -, ich kenne so viele Ideen, Geschichten, Handlungsschemata usw. Die Chance, den Sense of Wonder in einem neuen Buch zu erleben, ist deutlich gesunken. Ich bin nicht mehr so leicht zu beeindrucken, dafür muss sich die Autorin schon ordentlich was einfallen lassen. Trotzdem habe ich nach wie vor viel Spaß mit neuen Büchern, und von den 69 Werken, die ich letztes Jahr gelesen habe, haben mir fast alle gut gefallen.

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Aber wie ist das mit Büchern, die man schon einmal gelesen hat? Meine absoluten Lieblingsbücher (z. B. Sommer der Nacht von Dan Simmons, Es von Stephen King oder Elric von Melniboné von Michael Moorcock) habe ich schon mehr als zweimal gelesen. Deren Inhalt kenne ich jetzt nicht ganz auswendig, aber doch gut genug, um nicht mehr überrascht zu werden. Da spielt bei der erneuten Lektüre auf jeden Fall ein Nostalgiebonus eine Rolle. Meine Erinnerungen an die Zeit, als ich das Buch das erste Mal gelesen habe, was für ein wundervolles Abenteuer es damals war, mit welcher Begeisterung ich es verschlungen habe. Die erneute Lektüre ist dabei also auch ein Versuch, das damalige Lesegefühl zu wiederholen, was bei den wirklich besonderen und mir besonders kostbaren Büchern auch immer wieder gelingt.

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Bei Büchern, deren Lektüre 15 Jahre und mehr zurückliegt, sieht die Sache etwas anders aus. Wenn ich mit dem zweiten Lesen beginne, bin ich immer wieder überrascht, wie viel von dem Buch ich vergessen und wie viel ich falsch in Erinnerung habe. In diesem Fall besitze ich also nur noch eine vage Erinnerung an ein positives Leseerlebnis und nur noch grobe Kenntnisse über die Grundhandlung. Die Zweitlektüre gleicht einem Wiederentdecken, aber eben mit dem weiter oben erwähnten neuen Gepäck. Inzwischen bin ich viel gebildeter (oder bilde mir das zumindest ein) und verstehe viele Anspielungen, Verweise und Metaphern, die mir einst entgangen sind; sehe neue Ebenen und lese dadurch ein ganz anderes Buch, wie der jugendliche Markus. Die Worte mögen die gleichen sein, wie damals, aber das Buch hat sich in meinen Augen verändert. Dadurch entsteht ein eindeutiger Mehrwert durch die erneute Lektüre.

Der Reread kann aber auch in die Hose gehen. Bei manchen Büchern merke ich jetzt, wie schlecht sie eigentlich geschrieben (oder übersetzt?) sind. Als Teenager besaß ich kein großes Gespür für guten Stil, plausible Handlung, eine originelle Erzählstimme usw., da hat mir auch das literarische Äquivalent eines Chuck-Norris-Films gefallen. Teilweise wird die Erinnerung an die damalige Lektüre durch den Nostalgiebonus verklärt, und während der Zweitlektüre frage ich mich, wieso mir das damals so gut gefallen hat. So ging es mir zum Beispiel mit dem ersten Band der Drachenlanze von Margarete Weis und Tracy Hickman, der mir inzwischen doch zu plump geschrieben ist, auch wenn ich verstehen kann, warum ich die Figuren der Heldengruppe (Fizban, Raistlin und Co.) damals mochte.

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Meistens macht mir der Reread aber großen Spaß. Zwei Fälle habe ich vor nicht all zu langer Zeit dokumentiert und die Bücher genau unter den oben erwähnten Aspekten besprochen. Helle Barden, mein erster Scheibenweltroman von Terry Pratchett und Der Drachenbeinthron von Tad Williams (als Vorbereitung auf die angekündigten Fortsetzungen). Auch mit Stephen Kings Shining hatte ich viel Spaß, ähnlich wie bei Der Wüstenplanet bin ich erstaunt, wie viel der Erinnerung von den Bildern der Filme überlagert wurde. Da ich als Jugendlicher vor allem Fantasy und Stephen King gelesen habe, sind es auch vor allem phantastische Werke, die ich erneut lese.

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Demnächst ist aber mein erstes unphantastisches Buch an der Reihe: Mond über Manhattan von Paul Auster. Bis zu diesem Buch dachte ich, dass Bücher, die in unserer Welt spielen nur langweilig sein können. Damals habe ich vermutlich vor allem aus eskapistischen Gründen gelesen, aber das ist ein anderes Thema. Ich bin schon sehr gespannt, wie mir der Auster dieses Mal gefallen wird. Kürzlich habe ich mir nach 20 Jahren wieder den Film Smoke (mit Harvey Keitel und William Hurt) angesehen, dessen Drehbuch von Paul Auster stammt, und der mich auf diesen Autor aufmerksam gemacht hat.

Wie sieht es bei euch aus? Lest ihr Bücher mehrmals?

Phantastische Netzstreifzüge 46,5

Ein paar Nachträge zur 46:

Im Endspurt vor der Buchmesse – Nach vielen Monaten gibt der Golkonda Verlag auf seiner Homepage mit einem neuen Newsblogeintrag wieder ein Lebenszeichen von sich. Entgegen einer ursprünglichen Prophezeiung hat der Wechsel von Verlagschef Hannes Riffel zu S.Fischer nicht zu einem Einbruch in den Buchveröffentlichungen geführt. Demnächst stehen wieder einige interessante Neuerscheinungen an; ich freue mich vor allem auf den von Robert Silverberg herausgegebenen Kurzgeschichtenband Science Fiction Hall of Fame, der einige der besten Geschichten aus dem »Golden Age of SF« enthält. Auch mit Captain Future geht es weiter. Der von mir übersetzte Band 6 soll sich gerade im Lektorat befinden. Da ich die Übersetzung vor über einem Jahr abgegeben habe, hoffe ich, dass ich mich noch halbwegs daran erinnern kann, wenn das Lektorat zurückkommt. 😉

Anders als in den letzten beiden Jahren werde ich dieses Jahr übrigens nicht auf die Leipziger Buchmesse fahren.

Zum 75. Geburtstag von Hugh Walker – Gero gratuliert auf der Bibliotheka Phantastika dem deutschen Phantastikurgestein Hugh Walker alias Hubert Straßl zum 75. Geburtstag und schildert nebenbei noch ein packendes Stück deutschsprachige Genregeschichte. Den Glückwünschen schließe ich mich an

February’s Science Fiction, Fantasy and Horror Books – Auf SF-Signal gibt es wieder die monatliche Covergalerie mit den phantastischen Neuerscheinungen und Wiederveröffentlichungen des Monats. Mich interessieren vor allem zwei Bücher: Lovecraft Country von Matt Ruff, das passend zur aktuellen Lovecraft/Rassismus Debatte (siehe World Fantasy Award) sehr politisch ausgefallen sein soll und The High Mountains of Portugal von Yann Martel, dessen Life of Pi ich so großartig erzählt fand.

Phantastische Netzstreifzüge 46

Die letzten phantastischen Netzstreifzüge liegen schon eine Weile zurück, was einfach daran liegt, dass mein Interesse an der Phantastik in den vergangenen Monaten eine kleine Pause eingelegt hatte und ich mich anderen Themen zugewandt habe, wie man teilweise auch hier im Blog verfolgen konnte. Inzwischen habe ich wieder angefangen Phantastik zu lesen, im Januar z. B. Ein Wispern unter der Baker Street von Ben Aaranowitsch und Providence von Allan Moore und Jacen Burrows. Aktuell lese ich Der Wüstenplanet von Frank Herbert in der Neuübersetzung von Jakob Schmidt.

Beruflich werde ich der Phantastik das gesamte Jahr 2016 über treu bleiben. Alle drei Romane, die ich dieses Jahr übersetzen werde, sind lupenreine, im Weltraum und auf fremden Planeten spielende Science Fiction. Captain Future ist übrigens nicht darunter. Die Bücher werden bei Cross Cult und einem großen Publikumsverlag erscheinen. Die Titel verrate ich aber erst, wenn die Verlage sie angekündigt haben. Die Kritiken im englischsprachigen Raum (und auch bei Josefson) fallen äußerst positiv aus. Gestern habe ich die lektorierte Fassung einer Kurzgeschichte von Jeff VanderMeer bearbeitet, die ich übersetzt habe und die in der nächsten Ausgabe der phantastisch! erscheinen wird. Im März erscheint bei Cross Cult ein Band mit Kurzgeschichten aus dem Akte-X-Universum (Vertrauen Sie niemandem), aus dem ich inzwischen einige davon übersetzt habe (mir gefallen ja die mit Skinner als Hauptfigur besonders gut).

Aber jetzt zu den Netzstreifzügen. Es hat sich einiges getan:

Pan – Einige deutschsprachige Phantastikautorinnen und Autoren haben mit PAN das Phantastik-Autoren-Netzwerk gegründet, einen Verein, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, AutorInnen zu vernetzen und die Phantastik zu fördern. Dazu findet im April z. B. ein Branchentreffen statt, bei dem ich mir trotz der hohen Teilnahmegebühr überlege hinzugehen. Ich bin weder Phantastikautor noch Vereinsmensch, halte diese Gründung aber für eine gute Sache, da ich es immer gut finde, wenn sich AutorInnen zusammentun. Und das Branchentreffen wirkt den ersten Infoschnipseln zufolge auch sehr ambitioniert.

Die aus meiner Verbandsgemeinde stammende Autorin Alessandra Reß (Spielende Götter) gehört auch zu den Gründungsmitgliedern und hat auf ihrem Blog Fragmentansichten ein wenig darüber geschrieben. Dort berichtet sie auch über die Longlist des Phantastikpreises Seraph (Glückwunsch zur Nominierung) und die Tagung der GFF, der Gesellschaft zur Fantastikforschung (die Banausen schreiben Phantastik doch tatsächlich mit „F“ 😉 ).

Knaur Fantasy und Science Fiction – Im Herbst wird das neue Phantastikprogramm von Knaur starten. Dazu gibt es jetzt auf Facebook eine passende Seite, auf der man schon erste Infoschnipsel erhaschen kann. Knaur wird auf dem Branchentreffen übrigens ebenso vertreten sein wie Fischer/Tor, die ja auch im Herbst mit einem neuen phantastischen Programm starten, bisher haber noch keinen öffentlichen Internetauftritt haben.

The Worlds of Ursula K. Le GuinBin eigentlich kein großer Freund von Crowdfounding, aber das ist eine Doku, die ich sehen will. Le Guin ist eine der größten lebenden SF- und Fantasyautorinnen. The Left Hand of Darkness und The Dispossessed sind großartige SF-Bücher, über letzteres habe ich auch mal eine Hausarbeit geschrieben. Ich habe das Projekt unterstützt, obwohl der Mindestbetrag von 80.000 Euro bereits erreicht ist. Die Doku ist schon gefilmt, es fehlt aber noch Geld für die Postproduktion. Auf dem deutschsprachigen Buchmarkt ist ihr Werk leider ein wenig in Vergessenheit geraten. In den letzten 10 Jahren ist kaum was erschienen, obwohl sie weiterhin fleißig schreibt. Verlorene Paradiese im Atlantis Verlag bildet die löbliche Ausnahmen.

 Die Top 25 Fantasy-Werke – Solche Bestenlisten gibt es ja wie Sand in der Wüste von Arrakis, und sie sind stets streitbar, aber diese hier gefällt mir besonders gut, weil sie ihre Auswahl ausführlich und nachvollziehbar begründet. Was ich davon gelesen habe und was mir auf der Liste fehlt, kann man dort in den Kommentaren nachlesen. Die Liste ist auf jeden Fall ein guter Orientierungspunkt, wenn man mit dem Genre nicht so vertraut ist, sich aber ausführlicher damit beschäftigen möchte.

Hier die Bücher aus der Liste, die ich gelesen habe (jeweils nur ein Band). Robin Hobb fehlt, die hatte ich mir nur ausgeliehen.

Hier die Bücher aus der Liste, die ich gelesen habe (jeweils nur ein Band). Robin Hobb fehlt, die hatte ich mir nur ausgeliehen.

Business Musings: Serious Writer Voice – Die Autorin Kristine Kathryn Rusch (Das Buch der Fey) bemängelt in diesem Beitrag das Fehlen einer eigenen Erzählstimme in den unzähligen Kurzgeschichten, die sie in der letzten Zeit gelesen hat. Diese Geschichten hätten zwar gute Plots und Ideen, würden sich aber von der Erzählstimme her alle gleich anhören bzw. lesen. Dafür hat sie auch einen Schuldigen ausgemacht: vermeintlich hilfreiche Schreibregeln von Autorenworkshops, durch die die Erzählstimmen alle in ein konformes Korsett gezwängt werden. Gerade in den USA sind ja Schreiblehrgänge, Studiengänge wie Creative Writing und Workshops wie zum Beispiel Clarion West weit verbreitet, und führen (meiner Vermutung nach) teilweise dazu, dass das Handwerk im Schreiben überbetont wird, und die Kunst dadurch ein wenig verdrängt. Man muss das Handwerk natürlich beherrschen, aber wenn man es tut, kann man die Regeln gezielt und gekonnt brechen, um Kreativität und Originalität zu schaffen.

So werden Bestseller wirklich gemacht – Auf Welt.de gibt es einen interessanten Artikel von Felix Zwinzscher, darüber, wie wenig aussagekräftig die bekannten Bestsellerlisten wirklich sind, was die tatsächlichen Verkäufe von Büchern angeht.

Hong Kong In The 1950s Captured By A Teenager – Ich stehe ja total auf Filme aus Hongkong, der in den 1960ern spielende Film Days of Being Wild von Kar-wai Wong gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Deshalb gefallen mir diese tollen Fotografien aus den 1950ern besonders gut. Danke für den Link, Oli.

Hysterical Literature – Und zum Abschluss noch was Spaßiges. Hier lesen einige Frauen aus Büchern vor, während sie sich mit technischen Hilfsmittel stimulieren und damit in eine gut gelaunte Lesestimmung bringen lassen. Sehe ich da einen neuen Trend für Lesungen … 🙂