Montag 27. Februar 2006 Campinas/Brasilien

Trotz Karneval sind wir bereits vor 9.00 Uhr aufgestanden, um uns in Oziel mit dem Canario zu treffen. Dort angekommen haben wir in seinem Büro seinen „Stellvertreter“ und fünf Kinder angetroffen. Mit ihnen zusammen haben wir ein wenig im Internet gesurft und uns gegenseitig Fotos von Deutschland bzw. Brasilien gezeigt. Währenddessen hat der Canario mit Corinta telefoniert, die zusagte, sich mit uns um 16.00 Uhr zu treffen. Da wir zum diesem Zeitpunkt erst 11.00 Uhr hatten, konnten wir uns schon einmal auf einen langen Tag einrichten, doch wir ahnten noch nicht, wie lange er noch werden sollte.

In der Zeit bis 16.00 Uhr sind wir zu PAF (dem Jugendzentrum), um uns mit Adailton zu unterhalten. Gegen 15.00 Uhr sind wir in einen Supermarkt gegangen um unser Mittagessen (Almocar) einzukaufen. Thomas hätte nicht erwartet, dass ein Supermarkt (Mercador) in einer Favela so gut ausgestattet ist. Man sah aber schon, dass es sich teilweise um Ausschussware handelte. Mit Hühnchen und Bohnen ging es dann weiter zu Isabella, der Mutter von Bruno, eines der Kinder aus dem „Fenster zur Welt“-Projekt. Da es im PAF an diesem Tag kein Wasser gab, hat sie uns bei sich zu Hause Mittagessen gemacht. Natürlich Fejao (Reis mit Bohnen) und Spaghetti mit Hühnchen. Überrascht hat mich die Sauberkeit in Isabellas Haus, die man gar nicht in den von Müll umsäumten Häusern erwartet. Es handelt sich um ein kleines gemauertes Haus mit einem Blechdach und vier bis fünf Zimmern inklusive Küche und Bad. Nicht viel für eine vier- bis fünfköpfige Familie. Aber gemütlich eingerichtet mit Couch, Fernseher und einer weißen Maus, die für einen Hamster gehalten wird, und deshalb ein Hamsterrad besitzt. Mit 27 Jahren ist die nicht sehr gesprächige Isabella schon Mutter von drei Kindern, im Alter von 8, 10 und 12 Jahren. Ein Trend, der typisch für die Favela ist.

Während wir gegessen haben, sind der Canarion, Corinta und Wanderley eingetroffen. Corinta meinte, wir sollen für das Essen bezahlen, doch Adailton und Isabella wollten davon nichts wissen. Thomas meinte, ich solle trotzdem 10 Reais auf den Tisch legen. Allerdings haben die beiden das gesehen, und es entstand eine peinliche Situation. Dadurch habe ich den Eindruck bekommen, dass Corinta, obwohl sie viel mit Oziel zusammenarbeitet, sich nicht wirklich in die Lage der Leute versetzen kann und nicht ihre Gefühle und ihren Stolz versteht.

Nach dieser peinlichen Episode haben wir uns dann an der Ping-Pong-Platte vom PAF zusammengesetzt, um unsere weiteren Pläne zu besprechen. Am Ende wurde entschieden, dass wir drei Gruppen bilden: von 10-12, 13-16 und 17-25 Jahren. Um Kinder für dieses Projekt zu finden, werden wir sie mit Plakaten einladen. Corinta bestimmte, dass wir noch 30 Plakate malen sollten, natürlich selber und noch am selben Abend. Aufgehängt werden sollen sie dann am Mittwoch. Außerdem hatte Wanderley noch die glorreiche Idee, dass wir mit dem Canario in seinem VW Bus rumfahren sollen, um über Lautsprecher die Einladung vorlesen, damit die Leute auch merken, dass wir echte Deutsche sind.

Einen kleinen Disput gab es nur bei der Alterseinteilung für die Gruppen, da der Canario der Meinung ist, dass Jugendliche ab 18 Jahren Erwachsene sind und nicht mehr „Jovens“(Jugendliche). Am Ende gab er aber doch nach.
Nach der Besprechung ging es dann weiter zum Einkaufen mit Corinta und Wanderley. Im „Campinas Shopping“ kauften wir 30 Plakate und einige Stifte. Danach fuhren wir weiter zu Corintas Wohnung, wo es dann mit einigen brasilianischen Käsebällchen an die Arbeit ging. Es dauerte allerdings eine ganze Weile bis Corinta und Wanderey sich auf einen Entwurf einigen konnte.

In die Wohnung kam auch noch Chris. Es war inzwischen 21.00 Uhr. An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich Corinta und Wanderley sehr dankbar dafür bin, dass sie sich an einem Feiertag die Zeit genommen haben, in die Favela zu kommen, um uns bei unserem Projekt zu helfen. Allerdings schießt sie manchmal über das Ziel hinaus. Denn sie hat uns gar nicht erst gefragt, ob wir die Plakate noch heute Abend machen wollen. Denn dadurch, dass wir seit 9.00 Uhr in Oziel waren, sind wir auch ziemlich müde gewesen. Um 22.00 Uhr haben wir dann entschieden, dass es genug ist, und sind gefahren. Die Plakate wollen wir dann morgen fertigmachen.

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