Ilha do Mel

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Wie man auf dem Foto sieht, hatte ich auf unserer Reise durch Brasilien alles minutiös durchgeplant. Und erstaunlicherweise sind wir auch immer überall pünktlich angekommen. Von Foz de Iguacu ging es also weiter nach Curitiba, der saubersten Stadt Brasiliens, die allerdings schon etwas zu steril wirkte. Begleitet wurden Thomas, Lea und ich von Cindy aus, nein nicht Mazahn, sondern Holland. Viel haben wir von Curitiba allerdings nicht gesehen, da wir abends ankamen und früh morgens bereits weitergefahren sind.

Der Innenhof unseres Hostels in Curitiba.

Der Innenhof unseres Hostels in Curitiba.

Es gibt nicht viele Bahnstrecken in Brasilien, aber die des durch das Küstengebirge führende Serra Verde Express nach Paranaguá ist atemberaubend schön. Leider war es an diesem Morgen bewölkt, regnerisch und neblig, weshalb ich hier nicht mit wirklich tollen Fotos dienen kann. Am Bahnhof angekommen ging es mit dem Bus weiter zur Küste. Wir standen weit hinten mit unseren schweren Reiserucksäcken und wurden von einem brasilianischen Jungen und seiner Mutter angesprochen. Eine Erfahrung, die sich noch oft wiederholen sollte – die Menschen begegneten uns stets mit freundlicher Neugierde, wollten wissen, wo wir herkamen, freuten sich, dass wir ein wenig Portugiesisch sprachen, und kamen natürlich schnell auf das Thema Fußball – wohl der größte gemeinsame Nenner zwischen Brasilianern und Deutschen. Na ja, damals zumindest noch. Aktuell wird man das Thema vermutlich lieber meiden. 😉

Fotos von der Zugfahrt von Thomas Gruner. Meine sind leider nichst geworden bzw. habe ich viele noch mit einer Analogkamera gemacht.

Die letzte Etappe zur Ilha do Mel (der Honiginsel) legten wir mit der Fähre zurück. Die Insel hatte Thomas vorgeschlagen; ich glaube, seine Schwester war mal dort. Die wie eine 8 geformte Insel ist recht klein, mit ungefähr 1.000 Einwohnern. Wir haben in einem Hostel in der kleineren Siedlung auf der Südseite der Insel übernachtet. Ein etwas größeres Dorf mit einigen Hotels gibt es an der Nordspitze, aber dazu später mehr.

Paranaguá und die Fahrt zur Insel.

Unser Hostel lag auf der Inselseite Richtung Küste, und man konnte sehen (und riechen), wie die Abwässer direkt ins Meer geleitet wurden, weshalb wir davon absahen, dort schwimmen zu gehen (manch andere Touristen waren wohl nicht so empfindlich). Am nächsten Tag gingen wir dann zusammen mit einem netten walisischen Paar auf die andere, dem Meer zugewandten Seite der Insel, wo man in sauberem Wasser baden konnte. Nach einigen Stunden mit fröhlichem Geplantsche an einem Strand, den wir ganz für uns hatten, brachen wir auf, um über die Klippen die Insel zu umrunden. Wir folgten der Küste bis zu einer kleinen, noch geschlossenen Strandbar, von wo aus, wie dann auf einen Pfad durch den Dschungel einschlugen.

Wir schafften es bis zum Dorf auf der Nordseite, wo deutlich mehr los war, als bei uns im Süden. Während wir dort in Ruhe aßen, bemerkten wir, wie immer dunklere Wolken aufzogen und das Personal Stühle und Tische ins Innere trugen. Da befand sich offenbar ein Sturm im Anmarsch. Zeit zurück zum Hostel zu gehen. Dieses Mal wollten wir nicht wieder über die Klippen klettern, sondern dem auf unserer Karte eingezeichneten Hauptweg folgen. Also wieder zurück durch den Dschungel, bis zur Strandbar, die nun geöffnet war und Jack Johnsons spielte. Dort erfuhren wir, dass der Weg über die Klippen und der auf der Karte eingezeichnete Hauptweg identisch waren, und dass es dank des stürmischen Seegangs zu gefährlich sei, diesen jetzt zu nehmen. Wir saßen fest.

Dunkle Wolken hingen am Himmel, die See toste und der Regen peitschte uns ins Gesicht. Wir machten das beste daraus und hockten uns an die Strandbar, wo Thomas mit einigen brasilianischen Biologen musizierte. Als sich das Wetter nach zwei Stunden immer noch nicht gebessert hatte, schlug ich vor, zurück ins nördliche Dorf zu gehen, und es mit der Fähre zu versuchen, die dort zwischen der Nord- und Südspitze der Insel verkehrte.

Doch dort angekommen war von der Fähre keine Spur zu sehen, vor dem Anleger hing ein dickes Tau als Schranke und wir fanden keinen Hinweis darauf, ob die Fähre heute noch einmal fahren würde. Wir bekamen den Tipp, es bei den Fischern zu versuchen. Wenn man sich unten an den Strand stellen würde, käme einen von ihnen, um seine Dienste anzubieten. Gesagt, getan.

Ein wenig vertrauenserweckender älterer Mann schipperte uns mit seiner wenig vertrauenserweckenden Nussschale hinaus auf die See. Kaum hatten wir abgelegt, passierte uns die reguläre Fähre und lief im Hafen ein. Die Besatzung starrte uns an, als wären wir geisteskrank und lebensmüde. Was nicht unbedingt zu meiner Beruhigung beitrug. Es stürmte immer noch leicht, der Regen hatte kaum nachgelassen und während der Sonnenbrand, den ich mir am Morgen (trotz T-Shirt, Sonnenschutz und Wolken) eingefangen hatte, auf meiner Haut brannte, fror ich jämmerlich, aber auch stur (trug ich doch nur T-Shirt, Badeshorts und Sandalen). Thomas, Lea und Cindy hatten sich unter eine Plane gekauert, wo sich die Körperwärme sammelte, aber ich wollte oben bleiben, um zu sehen, wohin uns das kleine Männlein mit dem irren Kichern steuerte.

Geradewegs auf eine Sandbank zu, wie sich herausstellte. Plötzlich hingen wir fest, der kleine Motor gab seinen Geist auf und das Boot füllte sich durch ein kleines Leck mit Wasser, da einige der Planke nur lose am Boot befestigt waren. Das war dann der erste und einzige Moment während unserer neunwöchigen Brasilienreise, in dem ich mir ernsthafte Sorgen um unsere Sicherheit gemacht habe. Zum Einbruch der Dunkelheit kamen wir aber doch unbeschadet am südlichen Anleger an, nachdem der Fischer das Boot wieder flottgemacht hat. Ich habe den Rest des Abends trotz Pullover und sommerlicher Temperaturen gefroren.

Am nächsten Tag ging mit der Fähre zurück aufs Festland und weiter nach Curitiba. Ich weiß gar nicht mehr, ob wir wieder per Zug zurück sind, oder mit dem Bus. Mit Letzterem ging es dann nach einer Übernachtung zurück nach São Paulo. Diese zehnstündige Fahrt ist mir vor allem wegen zwei Dingen im Gedächtnis geblieben. Der irre Fahrstil des Busfahrers, der dafür sorgte, dass regelmäßig die Koffer aus den Gepäckfächern durch die Gegend und auf die Passagiere flogen, und mein mehr als übergewichtiger Sitznachbar, der auf halber Strecke hinzu stieg und dafür sorgte, dass meine ohnehin schon eingeschränkte Beinfreiheit noch weiter quälend eingeengt wurde. Nach dieser Fahrt habe ich mir vorgenommen, längere Strecken in Brasilien nur noch mit Liegebusen zu fahren, in denen man es sich richtig bequem machen kann.

Es waren nur ein paar Tage richtiger Urlaub, aber die haben wir wirklich genossen. Zurück in São Paulo rückten wir wieder dem großzügigen Badah auf die Pelle und blieben noch einige weitere Tage darüber im Ungewissen, wann wir denn endlich nach Campinas konnten.

Hier geht es zum vorigen Teil Die Wasserfälle von Iguazú in Argentinien

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Ein Gedanke zu “Ilha do Mel

  1. Schöner Bericht! Enge Busse sind die Qual, besonders, wenn man neben spitzknochigen Hungerharken sitzen muss 😀

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