Alles Retro, oder was? – Ein paar lose Gedanken zum aktuellen Retrotrend

Da ich gerade dabei bin, die Übersetzungen von zwei Kurzgeschichten abzuschließen, deren Abgabetermine immer näher rücken, fehlt mir aktuell die Zeit für neue Blogeinträge. Ab dem 27. Januar geht es dann mit einer ganzen Reihe von Beiträgen zu einem persönlichen Jubiläum weiter. Bis dahin müssen diese paar Gedanken reichen, die ich gestern Abend in einem Forum geposted habe. Anlass war eine Diskussion zu dem aktuellen Retrotrend in Film, Musik, Computerspiel usw. Gestern gab es eine Meldung, der zufolge in den USA 2015 erstmals mehr alte Musikalben verkauft wurden als Neue. Hier ein paar lose Gedanken dazu von mir:

Als Jahrgang 79 bin ich musikalisch doch sehr von meinen Jugendjahren in den 90ern geprägt, das ist einfach meine Musik. Das sind die Bands, die ich auch heute noch gerne und hauptsächlich höre (z. B. Radiohead, Pearl Jam, Nine Inch Nails, Björk usw.), aber auch Sachen aus den 60ern, 70ern und 80ern. Alle MusikerInnen, die erst nach dem Jahr 2000 mit der Musik angefangen haben, haben es schwer bei mir. Die CDs neuerer Bands aus den Nullerjahren kann ich an einer Hand abzählen (ZAZ, Die Antwoord, FKA Twigs und dann wird es schon schwierig, was zu finden).

Die meisten, die noch CDs und Alben per Download kaufen, sind vermutlich wie ich ab 30 aufwärts und ebenso von älterer Musik geprägt (wobei ich da auch Gegenbeispiele kenne, und mich selbst gerade durch die Alben von Queen und den Beatles – die ich noch nicht habe – bei Amazon Prime höre). Diejenigen, die jünger sind und neuere Musik hören, machen das vermutlich per Stream, Youtube usw.

Was Filme und Bücher angeht, da lasse ich mich viel einfacher von neuen Werken beeindrucken, lese zwischendurch aber auch immer wieder gerne einen Klassiker oder ein älteres Buch aus den 90ern oder so (gilt auch für Filme).

Musik hört man sich ja immer wieder an, während man Bücher meist nur einmal liest (manche Lieblingsbücher vielleicht auch zwei- oder dreimal).

Ein gewisser Retrotrend ist aber schon erkennbar, siehe die ganzen Computerspielklassiker (wie »Monkey Island«, »Grim Fandango« usw.), die erfolgreich neu aufgelegt werden, die Reanimation alter Serien, wie »Akte X« usw. oder »Star Wars – The Force Awakens« (der ja auch ziemlich Retro ist).

Bei der aktuellen Retrodiskussion frage ich mich, wann die ersten Autoren damit anfangen, ihre alten Besteller zu rebooten. Author’s Cut gibt es ja schon (siehe Neil Gaimans »American Gods«

Ich habe mir letztens einen neuen Kassettenrecorder gekauft (nachdem der alte seinen Geist aufgegeben hat), da ich noch ca. 150 Hörspiele auf Kassette habe (»Die drei Fragezeichen« natürlich, aber auch neueres Zeugs, wie »Gabriel Burns«) und sie regelmäßig beim Kochen höre. Da spielt auf jeden Fall ein Nostalgiefaktor mit, der mich an meine Kindheit erinnert (zumindest bei den Satzzeichen). Neue Hörspiele kaufe ich mir trotzdem nur noch als Download, weil ich bei ca. 3.000 Büchern, und Hunderten von DVDs und CDs einfach nicht mehr weiß, wohin mit dem Kram. Deshalb kaufe ich mir auch regelmäßig eBooks und schaue mir Filme und Serien auf Netflix, Amazon Prime und Sky Go an. Gekauft wird nur noch, was mir richtig gut gefällt.

Ich liebe den Geruch von Büchern, liebe es sie in der Hand zu halten und meinen Blick über meine Bücherregale schweifen zu lassen, in denen so viele kostbare Erinnerungen stehen, aber bei 69 Büchern, die ich letztes Jahr gelesen habe, kann ich ruhig auch mal ein paar eBooks lesen (22 waren es), ohne dass ich das haptische/olfaktorische Gefühl groß vermisse.

Ich mag diese Mischung aus Nostalgiefaktor und den unzähligen Möglichkeiten, den die Technik bietet, dass ich mir zum Beispiel freitagnachts spontan ein Buch kaufen und auf den Reader runterladen kann, weil ich gerade eine tolle Rezension dazu gelesen habe, oder Serien in der Originalfassung zu sehen. Trotzdem stöbere ich noch gerne in gut sortierten Buchhandlungen und würde auch gerne eine Videothek besuchen, wenn es bei mir im Umkreis denn noch eine geben würde.

2 Gedanken zu “Alles Retro, oder was? – Ein paar lose Gedanken zum aktuellen Retrotrend

  1. Was Bücher angeht,eindeutig “ Mein Kind „

  2. Oh, bei Musik entdecke ich eigentlich immer wieder mal was Neues. Die 90er fand ich insgesamt schrecklich, aber es gab ja zum Glück Nirvana und REM.
    Jedenfalls was Musik anbelangt sehe ich keine Retro-Welle. Vielmehr wird das Angebot immer breiter. In den 80ern etwa gab es ein paar Megastars wie Madonna, Tina Turner, Bruce Springsteen oder Micheal Jackson. Heute gibt es sehr viele kleinere, meist ununterscheidbare.
    Aber man benötigt auch keinen Mega-Konzern mehr, um groß rauszukommen.
    Streaming-Dienste wie Spotufy machen es natürlich für den Musik-Nachwuchs einfacher, alte Stücke zu entdecken, aber das geschieht nebenher und sehr Song-bezogen. Man entdeckt nicht die Beatles oder Genesis für sich, sondern Hey Jude oder Mama. Was eben grad in der Playlist steckt. Das Entstehungsjahrzehnt ist uninteressant.

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