Fit ohne Geräte? Ein Selbstversuch.

Als dünne Bohnenstange leide ich jetzt nicht gerade an Übergewicht (1,89m bei 85kg), habe aber im letzten Jahr (seit ich verletzungsbedingt mit dem Fußballtraining aufgehört habe und beruflich inzwischen nur noch am Computer sitze) 10 Kilo zugenommen, was sich vor allem auf den Bauchbereich konzentriert und dazu führt, dass mir viele meiner Hosen nicht mehr passen.

Ich versuche jetzt Training mit dem eigenen Körpergewicht, da ich nicht abnehmen möchte (bei Diäten verliert man auch Muskelmasse), sondern einfach einen fitteren Körper haben. Dabei trainiert man vier bis fünfmal die Woche intensiv zwischen 20-40 Minuten in Intervallen.

Bisher habe ich Sport immer im Verein meist mit Mannschaftssportarten betrieben (Fußball, Basketball, Volleyball, Tischtennis, Judo, Aikido), und bin nebenbei noch Joggen, Wandern und Fahrradfahren gegangen. Hier und da habe ich versucht, mich auch Zuhause mit Hanteln, Liegestütze und so weiter fit zu halten, was aber immer recht planlos ablief und nicht von Dauer war. Fitnessstudio kommt für mich nicht infrage, allein bei der Vorstellung sträubt sich bei mir schon alles. Wir mussten mal ein halbes Jahr lang im Sportunterricht ins Fitnessstudio, was ich furchtbar fand – dabei war Sport immer mein Lieblingsfach.

Ich muss aber etwas tun. Das eine Jahr ohne regelmäßigen Sport hat nicht nur dazu geführt, dass mir einige Hosen nicht mehr passen, sondern auch zu einer allgemeinen Trägheit, die sich meines Erachtens durchaus auch auf die geistige Kreativität auswirkt. Ich bin in diesem Jahr zwar durchaus fleißig gewesen, und habe meine kreative Übersetzungsarbeit stets pünktlich (und meiner Meinung nach ordentlich) abgeliefert, aber darüber hinaus, bin ich träge und faul geworden, was eigene kreative Projekte angeht. Körperlich wieder fitter zu werden, ist ein Baustein, um an diesem Zustand etwas zu ändern.

Deshalb habe ich getan, was ich am liebsten tue: Ich habe mir ein Buch gekauft. 🙂

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Fit ohne Geräte von Mark Lauren. Wunder erwarte ich mir davon nicht, bisher habe ich von solchen Motivations- und Fitnessbüchern nicht viel gehalten, bin aber bereit, einen Versuch zu wagen. Ich hoffe zumindest, dass mir die dort enthaltenen Trainingspläne dabei helfen, ein systematisches Trainingsprogramm über einen festen Zeitraum diszipliniert durchzuziehen.

Dazu beginne ich mit dem zehnwöchigen Basisprogramm für Einsteiger. In den ersten zwei Wochen trainiert man an vier Tagen der Woche und führt täglich vier Übungen mit einer Dauer von jeweils 7,5 Minuten durch. Dabei geht es um muskuläre Ausdauer. Dazu gehören Übungen wie Liegestütze (mit den Händen in erhöhter Position), umgekehrtes Bankdrücken, Trizepsdips mit Stuhl, Kniebeuge, Schwimmer usw. Mit dem Programm fange ich heute an, habe aber alle Übungen der ersten beiden Wochen vergangenen Sonntag und Freitag schon einmal ausprobiert. Dabei bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen und hatte danach Muskelkater an Stellen, wo ich bisher noch nie einen hatte (z. B. im Bereich der Rückenmuskulatur).

Bei den Übungen arbeitet man ganz ohne Fitnessgeräte, einzig mit dem eigenen Körpergewicht und einigen improvisierten Hilfsmitteln wie z. B. Möbelstücken, Besen, Fensterbank, Treppengeländer usw. Wobei es da nicht immer so einfach ist, die notwendigen Hilfsmittel zu finden. In einigen Übungen soll man sich an eine Tür hängen. Ich weiß ja nicht, in was für einem Haus Mark Lauren wohnt – in der Regel sind die Häuser in den USA ja eher weniger stabil gebaut, als bei uns -, aber unsere Türen würden sich dadurch so verziehen, dass man sie irgendwann nicht mehr richtig schließen könnte. Zum Glück kann ich unser Treppengeländer als Ersatz verwenden.

Mein Plan ist es, das zehnwöchige Trainingsprogramm durchzuziehen, um zu sehen, ob ich dadurch tatsächlich Fortschritte mache. Wenn es gut klappt, mach ich weiter. Zu einem richtigen Fitnesstraining mit Muskelaufbau gehört auch die richtige Ernährung. Hier sehe ich mein größtes Problem. Teilweise habe ich sie jetzt schon in kleinem Maße umgestellt – der Nachmittagssnack besteht jetzt statt aus Duplo oder Milchschnitte aus einem Apfel. Meinen Colakonsum habe ich drastisch eingeschränkt. Die zuckerhaltige Plörre trinke ich schon mein ganzes Leben gerne und in großen Mengen, jetzt bin ich auf Milch und Wasser umgestiegen, Cola gibt es nur noch in kleine Mengen (ganz verzichten möchte ich dann doch nicht). Auf Chips werde ich auch nicht ganz verzichten, aber mich auf eine Tüte pro Woche beschränken (ansonsten keine Süßigkeiten).

Was ich nicht tun werde, ist Kalorien, Kohlehydrate, Eiweiße usw. zählen. Ich werde mir keinen konkreten Ernährungsplan aufstellen, Tabellen erstellen und dann nach entsprechenden Kalkulationen einkaufen und kochen. Essen und kochen gehört bei mir immer noch zur Kultur und Lebensqualität dazu, und darauf möchte ich nicht verzichten. Je nachdem, wie das Ergebnis nach den ersten zehn Wochen aussieht, bin ich aber durchaus bereit, dann noch weiter daran zu schrauben.

Buchautor Mark Lauren ist über viele Jahre Ausbilder beim Militär gewesen, was man dem Buch auch anmerkt. Für ihn scheint Nahrungsaufnahme ein rein logistisches Problem zu sein, dass man mit sorgfältiger Planung lösen kann. Er schreibt, dass er sich lieber einen Proteinshake reinkippt, als eine genüssliche Mahlzeit zu sich zu nehmen. Er rät, dass man bei Restaurantbesuchen mit Freunden schon vorher etwas essen solle, damit man sich dort nur eine Kleinigkeit bestellen braucht, um satt zu werden. Ich bin ja selbst kein kulinarischer Connoisseur, doch das klingt doch recht trostlos. Aber ich will ja auch kein Mitglied er Special Forces werden, die Lauren sonst so ausbildet.

Es gibt noch einige andere Sachen in dem Buch, die ich kritisch sehe. Lauren empfiehlt, in Sachen Hunger und Durst proaktiv vorzugehen, also immer schon trinken und essen, bevor sich der Körper meldet. Dazu solle man immer eine Wasserflasche dabei haben. Dass zu viel Wasser schädlich sein kann, machte erst diesen Sommer die Runde, als ein Marathonteilnehmer gestorben ist, weil er zu viel Wasser getrunken hat . Die Natur mag nicht perfekt sein, aber unsere komplexen Körper hat sie schon ganz gut hinbekommen, und es gibt wohl keinen besseren Anhaltspunkt dafür, wann man Essen und Trinken sollte, als das Hunger- und Durstgefühl – was dem Kontrollfreak Mark Lauren aber nicht zu behagen scheint.

Ein weiteres Problem bei einem solchen in Eigenregie durchgeführten Trainingsprogramm ist die richtige Haltung bei den Übungen. Ein Trainer kann bei einem noch Haltungskorrekturen durchführen, trainiert man alleine, muss man sich auf sein eigenes Urteil verlassen. Da sehe ich aber jetzt kein so großes Problem, da ich viele Übungen schon aus anderen sportlichen Aktivitäten kenne. Außerdem ist immer klar angegeben, welche Muskeln bei den einzelnen Übungen trainiert werden sollen. Hat man dann auch genau dort Muskelkater, ist das ein recht guter Anhaltspunkt.

Was die Schreibe in dem Buch angeht, ist der amerikanisch/militärische Tschaka,-du-schaffst-es(Private-Paula)-Ton etwas gewöhnungsbedürftig und nicht unbedingt mein Fall. Gleiches gilt auch für Lauren wiederholtes Fitnessstudiobashing (obwohl ich die Dinger ja selbst nicht mag). Aber dafür ist immer ausführlich beschrieben, warum man was genau macht, wie es funktioniert und welche Auswirkungen es hat.

Auf Spiegelonline hat Achim Achilles ein recht kritisches Interview mit Mark Lauren zu diesem Buch geführt. Ob das Buch was taugt, werde ich erste in einigen Monaten beurteilen können. Normalerweise hänge ich meine sportlichen Aktivitäten und körperlichen Befindlichkeiten nicht an die große Glocke. In diesem Fall habe ich es hier getan, weil ich nun nicht mehr aus der Nummer raus kann. Jetzt muss ich das erste zehnwöchige Trainingsprogramm auch durchziehen, und werde euch hier auf dem Laufenden halten.

Hier geht es zum ersten Zwischenbericht.

3 Gedanken zu “Fit ohne Geräte? Ein Selbstversuch.

  1. Das wird bestimmt eine Heidenarbeit. Bin gespannt, ob es Deine Trägheit verscheucht! Schade, dass Buchkauf allein nicht reicht.
    😀

  2. Pingback: Fit ohne Geräte – zweiter Zwischenbericht | translate or die

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