The Ninja and I

Zu meinem Musikgeschmack habe ich mich hier im Blog (bis auf den Eintrag mit Instrumentalmusik, die ich zum Übersetzen höre), noch gar nicht geäußert – damit nerve ich sonst nur meine Facebookfreunde. Demnächst werde ich aber mal eine Liste oder einen Beitrag zu meiner Lieblingsmusik verfassen. Da sind fast nur Künstlerinnen und Künstler dabei, die schon vor dem Jahr 2000 Musik gemacht haben. Neuere Sachen können mich eher selten begeistern. Eine der wenigen Ausnahmen (neben ZAZ) ist Die Antwoord aus Südafrika. Ich hatte zwar schon 2009/2010 mitbekommen, dass sie sich zu einem Internetphänomen entwickelt haben, mich aber nicht weiter mit der Musik beschäftigt. Bis ich kürzlich das Chappie-Video zu Enter the Ninja sah (danke für den Hinweis, Kai!) – da war es um mich geschehen.

Der Song hat mich auf so vielen Ebenen erreicht, inzwischen bin ich von der Band total begeistert und werde demnächst anfangen, hier ihre Alben hier besprechen. Aber zunächst nur ein paar Worte zum Ninja:

Wer wie ich mit Ninja-Filme aufgewachsen ist, wird vermutlich verstehen, wie der Text diese Songs gemeint ist.

Früher, kurz nach dem Krieg (als ich noch in die Grundschule ging), da hatten wir ja nichts! 😉 Nur drei Fernsehprogramme: ARD, ZDF und SWR. Aber, wenn mir der Wettergott hold war, haben wir auch RTL mit mehr oder weniger Schnee im Bild empfangen. Und der erste Film, bei dem ich mir erinnere, ihn auf RTL gesehen zu haben, war American Fighter (American Ninja) mit Michael Dudikoff als amerikanischen Ninja. Das grieselige Bild machte es allerdings schwierig, die schwarzgekleideten Ninjas in der Nacht zu erkennen.

Jedenfalls war das der Beginn meiner Ninja-Leidenschaft. Zusammen mit meinem damaligen besten Freund habe ich an Ninjakostümen und Waffen gebastelt. Wir haben uns selbst Ninjamasken aus verschiedenen Stoffen in unterschiedlichen Farben genäht, die wir bei ihm auf dem Dachboden gefunden haben. Nunchakus wurden aus Draht und Holzstücken bebaut, ich habe mir eine Armschiene aus Pappe und Bindfaden gebastelt, auf die ich ein winzig kleines ausklappbares Taschenmesser geklebt habe (die es damals auf Kirmes zu gewinnen gab), mein Freund hat sich seinen Judoanzug schwarz gefärbt (hätte ich mit meinem nie gemacht, zu mal das Ergebnis auch eher kotzgrün aussah). Meine Eltern haben mir sogar ein Butterflymesser geschenkt und mein Kumpel hatte echte Wurfsterne. Nur die Schwerter waren aus Plastik. Dass Ninjas bezahlte Meuchelmörder waren, war uns damals natürlich nicht bewusst. Für uns waren Ninjas vor allem cool.

Mit dem Einzug des Kabelfernsehens konnten wir dann auch noch die weiteren Teile der American Fighter-Reihe sehen und ältere Jungs aus dem Freundeskreis haben obskure Ninjafilme aus Asien auf VHS besorgt.

Als ich Bücherregal meiner Mutter den Roman Der Ninja von Eric van Lustbader entdeckte, begann ich dann, nach der Lektüre, mit Kuli und kleinem Notizblock meinen eigenen ersten Ninjaroman, der glücklicherweise nie über die ersten Seiten hinausging. Als Erwachsener habe ich Der Ninja dann nochmal mit großem Vergnügen gelesen.

Meine Vorliebe für Ninjas (und japanische Kultur und Geschichte insgesamt) ist geblieben. Ich schaue mir immer noch gerne Ninja-Filme an, wobei ich zugeben muss, dass es da nur wenig gute gibt. Aber es gibt ja zahlreiche hervorragende Samurai-Filme, in denen ab und zu auch mal ein Ninja auftaucht (wie z. B. in der exzellenten und leicht durchgeknallten Okami-Reihe, auf Englisch als Lone Wolf and Cub bekannt). Als im sowieso schon grandiosen Roman Die verschwundene Welt von Nick Harkawy auch noch Ninjas auftauchten, kannte meine Begeisterung keine Grenzen.

Jetzt bin ich erwachsen, aber ein Ninja bin ich nicht geworden. Statt Ninjutsu zu lernen, habe ich mich lieber für die sanfte Kampfkunst Aikido entschieden, bei der es darum geht, den Gegner möglichst so zu überwältigen, seine Kraft und seinen Schwung so gegen ihn zu verwenden, dass er dabei nicht verletzt wird. Die Hebel sind so ausgelegt, dass er nur verletzt wird, wenn er selbst weitermacht, obwohl ihm die Schmerzen signalisieren sollten: Bis hier hin und nicht weiter. Mein letztes Training ist jetzt aber auch schon wieder 10 Jahre her, da es hier im Westewald leider kein Aikido-Dojo in der Nähe gibt.

Der Ninja war für uns ein Symbol, dass man alles schaffen kann, egal was die anderen (die Erwachsenen) einem einreden. Dass man sein Ding durchziehen soll, ganz gleich, was die anderen denken, ganz gleich, welche Hürden es zu überwinden gibt, der Ninja schafft das. Und wenn nicht, hat er es zumindest versucht.

2 Gedanken zu “The Ninja and I

  1. Deutsche Ninja-Story schreiben, los! Mit dem Spaß, den du als Kind hattest …

    Der überträgt sich nämlich noch bis in diesen Blogeintrag.

    • Ja, gute Idee. Vielleicht eine Parodie auf die „American Fighter“-Filme oder sowas.
      Momentant schreibe ich an etwas, in das meine akutelle Schwärmerei für Die Antwooord miteinfließt – so als Muse sozusagen. 🙂

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