Meine Lektüre Juli/August 2015

Juli
37. Joe R. Lansdale – Blutiges Echo
38. Preston/Child – Attack
39. André Marx – Die drei Fragezeichen und das versunkene Schiff
40. Don Winslow – Das Kartell
41. Ramez Naam – Nexus
42. Jonathan Strahan (Hrsg.) – Best SF and F of the Year

August
43. Nicole Krauss – Die Geschichte der Liebe
44. Peter Hessler – Orakelknochen

Juli

Joe R. Lansdale – Blutiges Echo

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Dem schluffigen Studenten in dieser Geschichte ergeht es ebenso wie der jungen Frau in meiner Juni-Lektüre Ich sehe was, was niemand sieht: Er hat Visionen, geht aber nicht zum Arzt – das heißt, seine Eltern waren durchaus mit ihm beim Arzt, der im aber nicht glaubt. Also hat er sich mit seinem Leiden arrangiert und meidet Orte, an denen Böses geschehen ist, da er, wenn er sich an solchen befindet, ausgelöst durch Geräusche, Gerüche oder sonst was, die Verbrechen sieht, die dort stattgefunden haben. Dabei folgt er der allgemein gebräuchlichen Vermeidungsstrategie, in dem er sich in den Suff stürzt. Auf einer seiner Sauftouren lernt er einen alternden ehemaligen Kampfsportlehrer kennen, der ebenso dem Suff zugetan ist, die ganze Lage aber etwas entspannter und reflektierter sieht. Man tut sich zusammen und versucht ein altes Verbrechen aufzuklären, wobei man sich nicht nur mit bösen Kerlen anlegt, sondern auch mit der Polizei.

Wieder einmal ein lesenswerter Südstaatenroman von Lansdale, um einen jungen Mann, der einige Hindernisse überwinden muss, um im Leben auf die richtige Bahn zu geraten. Spannend, stimmungsvoll und unterhaltsam. Vielleicht nicht sein bester Roman (da zähle ich eher Kahlschlag und Ein feiner dunkler Riss zu), aber ein guter, in ausgezeichneter Übersetzung von Heide Franck.

Douglas Preston und Lincoln Child – Attack

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Der neue Pendergast. Der erste, nach der Trilogie um seine Frau Helen, die im letzten Band leider etwas arg absurde Züge angenommen hat. Eine Entwicklung, die für die Pendergast-Reihe leider symptomatisch ist. Um so erfrischender ist das relativ bodenständig geraten Attack, in dem es Pendergasts Schützling Corrie in eine zugeschneite Bergstadt in Colorado verschlägt, wo sie mit ihren Ermittlungen – die eigentlich nur als Studiumsprojekt gedacht waren – in ein Wespennest stößt. Die Verwicklungen gehen bis zu einem USA-Besuch von Oscar Wilde und einem Treffen mit Arthur Conan Doyle zurück, was zu einer netten Hommage an Sherlock Holmes führt. Für mich der beste Pendergast seit vielen Bänden.

Auf dem Cover der deutschen Fassung prangt aus mir unerklärlichen Gründen eine Wespe. Das Buch spielt in den verschneiten Bergen Colorados bei Minus 10 Grad. Im gesamten Buch kommt nicht eine einzige Wespe vor!

André Marx – Die drei Fragezeichen und das versunkene Schiff

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Der erste Drei-Fragzeichen-Roman von André Marx, der aber dann für viele Jahre in der Schublade verschwand. Liest sich ganz nett, aber leider führt der Titel etwas in die Irre und weckt falsche Erwartungen.

Don Winslow – Das Kartell

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Überragende Fortsetzung seines Meisterwerks Tage der Toten und die Fortführung des Duells zwischen dem Drogenfahnder Max Keller und dem mexikanischen Drogenbaron Adan Barrera (der stellvertretend für den echten El Chapo steht). Noch düsterer, noch brutaler, noch näher an der grausamen Wirklichkeit dran, als der Vorgänger – eine deprimierende Dystopie über einen gescheiterten Staat, die schon längst Realität geworden ist.

Ramez Naam – Nexus

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Recht spannender SF-Roman über eine Droge, die das Gehirn zum Computer werden lässt. Beginnt relativ langsam mit einigen tollen Ideen, artet im letzten Drittel aber zu sehr in ein sinnloses und brutales Actionspektakel aus, bei dem die ursprüngliche Idee zu sehr in den Hintergrund rückt. Trotzdem sehr lesenwert.

Jonathan Strahan (Hrsg.) – Best SF and F of the Year

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Dazu gibt es im SF-Netzwerk einen Lesezirkel, in dem ich mich zu den einzelnen Geschichten geäußert habe. Insgesamt eine gute Sammlung, in der mir aber die wirklich visionären Geschichten fehlen. Handwerklich sind alle ausgezeichnet, inhaltlich und sprachlich gibt es einige Highlights, aber nichts, was mich so richtig aus den Socken gehauen hat.

August

Nicole Krauss – Die Geschichte der Liebe

Krauss

Schafft es unter den 46 Büchern, die ich in diesem Jahr bisher gelesen habe locker in die Top 2 (das andere Buch ist Die Unvollendete von Kate Atkins). Krauss hat eine wunderbar kauzige und komplexe Geschichte um den höchst sympathischen Kauz Leon Gursky geschrieben, den ich bereits auf der ersten Seite mit Begeisterung und viel Gelächter ins Herz geschlossen habe. Die Geschichte ist ziemlich verschachtelt und spielt zeitlich auf verschiedenen Ebenen, bei denen fast bis zum Schluss nicht klar ist, wie sie miteinander zusammenhängen. Aber am Ende fügt sich alles stimmig zusammen. Ein sprachlich und erzählerisch herausragendes Meisterwerk in exzellenter Übersetzung von Grete Osterwald.
Peter Hessler – Orakelknochen

P1000549

Dazu gibt es hier im Blog eine Besprechung.

5 Gedanken zu “Meine Lektüre Juli/August 2015

  1. Nicole Krauss – Die Geschichte der Liebe hab ich mir mal notiert. Danke für den Tipp!

  2. Nicole Krauss – Die Geschichte der Liebe hab ich jetzt gelesen und schließe mich Deiner Begeisterung an. Ein großartiges Buch mit sehr vielen Meta-Ebenen. Und vor allem tatsächlich ein Buch über Liebe.

  3. Pingback: Perspektivenwechsel « Montbron

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