Meine Lektüre im Mai

27. Melanie Raabe – Die Falle
28. Peter Newman – The Vagrant
29. James L. Burke – Sturm über New Orleans
30. Laird Barron – The Imago Sequence

Ich hinke mit meiner Leseberichterstattung (und den Blogeinträgen generell) leider etwas hinterher.
Dass es im Mai nur vier Bücher geworden sind, von denen auch nur eines wirklich dick ist (der Burke), liegt zum einen daran, dass ich in einigen Kurzgeschichtenbänden gelesen habe, die noch nicht beendet sind, aber vor allem daran, dass ich Ende Mai Abgabetermin für eine Romanübersetzung hatte. Nachdem ich oft den ganzen Tag an sieben Tagen der Woche am Bildschirm meinen Text überarbeitet habe, musste ich in der Freizeit meinen Augen ein wenig Entspannung gönnen. Da habe ich mir dann eher mal eine Serie angesehen.

Melanie Raabe – Die Falle

Das Buch wird ja als deutsche Sensation des Buchführlings 2015 gehandelt, wie z. B. dieser Artikel auf Welt.de zeigt. Rechte in 40 Länder verkauft, Filmrechte ebenso, und alles vor Erscheinen des Buches. Meiner Mutter hat es sehr gut gefallen, ich kann auch verstehen, warum das Buch bei vielen LeserInnen gut ankommt, aber ich bin mit der Geschichte nicht so recht warm geworden, in der es um eine 38-jährige Bestsellerautorin geht, die nach einem tragischen Todesfall (Mord) zurückgezogen in ihrer eigenen Welt lebt. Zumindest, bis sie den Mörder ihrer Schwester zu erkennen glaubt und einen Racheplan schmiedet. Die Falle ist ein sehr psychologischer Thriller, der sich vor allem auf das Innenleben der Protagonistin konzentriert, das Raabe auch wirklich meisterhaft und literarisch anspruchsvoll darstellt. Auch das Buch im Buch, das auf reale Ereignisse anspielt, ist sehr geschickt konstruiert, aber schwächeln tut das Buch in Hinblick auf den großen Racheplan, nicht weil er unbeholfen daher kommt (das war von einer Autorin, die Kontakt zu anderen Menschen scheut, nicht anders zu erwarten), sondern weil er so vorhersehbar ist. Nimmt man die ungewöhnliche Konstruktion mit dem Buch im Buch und den starken Anfangsteil über das Leiden der Protagonistin weg, bleibt ein gewöhnlicher und sehr unspektakulärer Rachethriller, der mich leider völlig kalt gelassen hat.

Peter Newman – The Vagrant

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Ein wilder Mix aus Fantasy und Science Fiction, in dem ein stummer Held mit Schwert, Baby und störrischer Ziege an der Leine durch eine von Dämonen eroberte und dementsprechend düstere Welt zieht. Ein englischsprachiger Rezensent hat Newmans Schreibstil als »stark« bezeichnet, was man in diesem Fall am ehesten als »schroff« übersetzen könnte. Es ist auf jeden Fall ein ungewöhnlicher (aber durchaus lesenswerter) Stil, der hervorragend zum Inhalt passt. Um diese Mischung inhaltlich einzuordnen, würde ich als Vergleichsreferenzen am ehesten Kings Der dunkle Turm, McCarthys The Road, Gemmels John Shannow und Warhammer heranziehen.

Kleiner Nachtrag: Im Forum der Bibliotheka Phantastika hatte ich ein wenig über mein Leseerlebnis berichtet.

James L. Burke – Sturm über New Orleans

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Bei vielen Reihen und Serien stellt sich irgendwann eine gewisse Routine ein und die Bücher laufen oft nach demselben Schema ab. Sturm über New Orleans ist der sechzehnte! Teil der (bisher zwanzigteiligen) Reihe um David Robicheaux. Was kann man da erwarten? Ein Meisterwerk! James L. Burke packt seine ganze Wut über die skandalösen Versäumnisse der Regierung während und nach dem Hurrikan Katrina in dieses Buch. Das Ergebnis ist ein spannender und mehr als gesellschaftskritischer Krimi vor apokalyptischer Kulisse.

Schön, dass die Reihe (von der bisher 11 Teile auf Deutsch erschienen sind) neu aufgelegt wird. Ein großes Lob an den Pendragon Verlag (der auch Robert B. Parker veröffentlicht) und die sprachgewaltige Übersetzung des leider schon verstorbenen Georg Schmidt.

Laird Barron – The Imago Sequence

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Zumindest unter Kennern gilt Laird Barron aktuell als der aufregendste (und beste) Horrorautor. Dieser Band enthält seine ersten Geschichten, die sich nicht unbedingt durch einen originellen Plot auszeichnen, sondern vor allem durch sprachliche Meisterschaft. Wortgewaltig erzeugt Barron eine Dynamik, die kosmischen und sonstigen Schrecken so atmosphärisch und poetisch in den Kopf des Lesers projiziert, dass ihm selbiger mit einem Lächeln auf dem Gesicht explodiert. Nicht alle Geschichten sind gleich gut, aber alle sind lesenswert. Bei Golkonda befindet übrigens die erste Übersetzung von Barron in Arbeit, und mit Jakob Schmidt wurde da ein kompetenter Übersetzer gefunden, der Barrons anspruchsvollem Stil sicher gerecht wird.

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