Meine Lektüre im April

Eigentlich hatte ich für letzte Woche schon einige Blogeinträge geplant, aber da mein Chef so freundlich war, mir Urlaub zu gewähren, habe ich die Zeit lieber abseits des Bildschirms verbracht.

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22. Ellen Datlow (Hrsg.) – Best Horror of the Year Volume Seven
23. Michael Moorcock – Das Buch Corum
24. Dave Eggers – Der Circle
25. Ken Liu – The Grace of Kings
26. Volker Kutscher – Märzgefallene

Der erste Monat in diesem Jahr, in dem ich weniger als sieben Bücher gelesen habe. Liegt aber vor allem daran, dass die gelesenen Bücher alle ziemlich dick sind. Corum hat 880 Seiten und besteht im Prinzip aus sechs einzelnen Büchern, The Grace of Kings hat 620 Seiten, Märzgefallene 600 und Der Circle 560.

Ellen Datlow (Hrsg.) – Best Horror of the Year Volume Seven

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Datlows Jahresanthologie aus dem letzten Jahr hat mich ein wenig enttäuscht. Unter den besten Horrorgeschichten des Jahres hatte ich mir doch etwas anderes vorgestellt. Auffällig ist, dass viele Autorinnen und Autoren ihre Geschichten in einer sozial prekären Situation oder zumindest unter familiär schwierigen Verhältnissen ansiedeln. Die Versuche Sozialkritik mit Horror zu verbinden, haben für mich aber nicht so wirklich funktioniert. Die besten Geschichten dieser Sammlung beziehen sich überraschenderweise auf Lovecraft. Eigentlich hängen mir die Lovecraft-Pastiches ja zum Hals raus, aber Laid Barron (Jaws of Saturn) und Brian Hodge (The Same Deep Waters as You) liefern nun mal die beste Schreibe und die packendsten Geschichten ab. Ebenfalls toll geschrieben ist Kim Newmans The Only Ending we have, eine Hommage an Hitchcocks Psycho. Eine wirklich schaurig-schreckliche Geschichte liefert Simon Clarke mit The Tin House. Zu meiner Überraschung hat mir The Tiger von der von mir hochgeschätzten Nina Allan aufgrund des altbackenen Plots und des lahmen Endes so gar nicht gefallen. Erwähnenswert ist auch The Soul in the Bell Jar von K.J. Kabza. Dark Fantasy in einer leicht schrägen Parallelwelt, in der tote Tiere mit den Seelen anderer Geschöpfe »betrieben« werden. Schön grotesk und verschroben.

Michael Moorcock – Das Buch Corum

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Zweitlektüre des Sammelbandes mit den sechs Corum-Romanen von Morcock, die sich in jeweils zwei Trilogien unterteilen lassen. Die erste ist eine melancholische Geschichte über das Ende eines Zeitalters und den immerwährenden Kampf zwischen Ordnung und Chaos. Moorcock at hist best. In der zweiten Trilogie fehlen Ordnung und Chaos (aufgrund von Ereignissen in der ersten) völlig. Weshalb sie mir auch nicht so gut gefallen hat, wie die ersten drei Bände. Corum darf wieder durch Raum und Zeit reisen, bekommt es mit übernatürlichen und übermächtigen Feinden zu tun und auch alte Weggefährten tauchen wieder auf, aber irgendwas fehlt. Die Geschichte wirkt über die drei einzelnen Bände zu sehr in die Länge gestreckt. Es fehlt der Sense of Wonder, der die meisten Geschichten um den ewigen Helden auszeichnen. Schlecht ist die zweite Trilogie natürlich nicht, aber so richtig zufrieden bin ich mit ihr nach meiner Zweitlektüre nicht.

Dave Eggers – Der Circle

Das Buch ging mir tierisch auf die Nerven. Die Thematik ist hochbrisant, topaktuell und vom Plotaufbau auch recht spannend gestaltet, aber Eggers Schreibe nervt einfach. Was wohl vor allem an der dämlichen Protagonistin liegt, der man alle paar Seiten am liebsten in den Hintern treten möchte, und an den ewig langen und detaillierten Beschreibungen der unzähligen sozialen Aktivitäten, die am Ende aber immer auf so etwas wie Liken, OMG, LOL usw. rauslaufen. Es kommt äußerst selten vor, dass ich bei einem Roman die Seiten nur überfliege, also Absätze mit einem schnellen Blick lese (was ich sonst nur bei Sachtexten an der Uni gemacht habe), aber anders hätte ich das Buch nicht zu Ende gebracht.

Ken Liu – The Grace of Kings

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Phantastische Silk-Punk-Fantasy in einem vom historischen China inspirierten Szenario, dass aber durchaus auch westliche Einflüsse (wie die griechische Tragödie) beimischt. Bisher die aufregendste Fantasyneuerscheinung des Jahres. Im Forum der Bibliotheka Phanastika habe ich mich etwas ausführlicher dazu geäußert.

Volker Kutscher – Märzgefallene

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Der fünfte Roman um den Ermittler Gereon Rath beginnt mit dem Abend des Reichstagsbrands, der nicht nur für die Berliner Polizei, sondern für das ganze Land eine Zeitenwende einläutet. Gereon und seine Verlobte Charly bekommen deutlich zu spüren, wie sich die politische Lage in der Behörde Schritt für Schritt verschlimmert. Die brutalen Schläger der SA dürfen als Hilfspolizisten schalten und walten wie sie wollen, und gute Ermittler werden dazu abgestellt, »Kommunisten« zu verhören. Der eigentliche Kriminalfall, der mit Ereignissen aus dem Ersten Weltkrieg zu tun hat, gerät dabei ein wenig in den Hintergrund, was aber nicht schlimm ist, da er auch nicht unbedingt sehr spannend oder originell ist. Trotzdem ein tolles Buch mit bedrückender Atmosphäre, das vielleicht ein bis zweihundert Seiten zu lang geraten ist.

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