Meine Lektüre im März 2015

14. Drew Chapman – Der Analyst
15. Carl Hiaasen – Affentheater
16. Michel Houellebecq – Unterwerfung
17. Nina Allan – The Race
18. Nnedi Okarafor – Lagoon
19. Clemens Meyer – Als wir Träumten
20. Andrej Rubanov – Chlorofilija
21. Kartin Harlaß (Hrsg.) – Handbuch Literarisches Übersetzen

Drew Chapman – Der Analyst

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Spannender Cyberthriller um einen genialen Finanzanalysten, der für die Regierung in den virtuellen Krieg ziehen soll. Sehr spannend, gut recherchiert, teilweise etwas zerfahren, aber der beste Thriller, den ich seit längerem gelesen habe.

Carl Hiaasen – Affentheater

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Humorvoller Krimi, in dem Hiaasen wieder einmal Florida mit seinen Bürgern und Geschäftsleuten auf die Schippe nimmt. Teilweise etwas vorhersehbar. Die Auflösung war mir schon von Anfang an klar, aber darum geht es bei diesem witzigen Buch auch gar nicht. Allein die Kontrollbesuche des zur Schabenpatrouille degradierten Ermittlers in einigen Lokalitäten, die selbst Christian Rach das Fürchten lehren würden, sind zum Schreien.

Michel Houellebecq – Unterwerfung

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Sehr kluges Buch über einen Literaturprofessor in der Midlife-Crisis, der dank des Wahlsiegs der muslimischen Partei vor eine Entscheidung gestellt wird, mit der er entweder seine Ideale verraten muss und ein schönes Leben führen kann, oder mit der er seinen Idealen treu bleibt und ein nicht ganz so schönes Leben führen kann. Kein islamfeindliches Buch, da es doch eine sehr gemäßigte Variante des Islams schildert, die es in ihrer Liberalität meines Wissens nach in keinem islamischen Land in dieser Form gibt. Insofern sogar eine Utopie, die einem Atheisten wie mir aber immer noch zuwider ist. Das Buch ist recht sperrig geschrieben, und wird sicher viele Leserinnen enttäuschen, die kontroverse Islamkritik erwarten.

Nina Allan – The Race

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Ein sperriger und unzugänglicher, aber auch hervorragender Mosaikroman, der teils in unserer Welt und teils in einer etwas anderen Version/Zukunft unserer Realität spielt. Sehr einfühlsam und eindrucksvoll geschrieben. Was den Inhalt angeht, versuche ich erst gar nicht, ihn hier wiederzugeben. 😉

Nnedi Okarafor – Lagoon

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Alien landet in Afrika und sorgt für eine Menge Aufregung. Nicht der Action-B-Movie-Roman, den ich durch die Verweise auf District 9 erwartet habe. Vielmehr ein literarischer SF-Roman, der auch afrikanische Mythen mit einbringt. Sehr entspannt und unterhaltsam erzählt. Wird aber nicht einfach zu übersetzen sein, da es viele Dialoge in Pidgin-Englisch gibt.

Clemens Meyer – Als wir träumten

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Starker und authentisch wirkender Roman über eine Jugend unter sozial schwierigen Verhältnissen in Leipzig vor und nach der Wende. Ist nicht chronologisch erzählt, Meyer springt in der Timeline hin und her, so dass man sich oft selbst erschließen muss, wo man sich gerade befindet; hält die Geschichte aufgrund vieler Andeutungen darüber, was mit wem so passiert war, spannend. Ein trostloses Porträt einer Generation, der es nie ganz gelungen ist, sich im Leben zurechtzufinden. Hier wird keine stringente Geschichte erzählt, vielmehr gibt es episodische Momentaufnahmen ohne große Erklärungen und Rückblenden. Zeigt auch, was für ein Schweinesystem (nichts gegen Schweine!) die DDR gewesen ist. Wenn ich da an das Schicksal von Rico denke. Ich finde das Buch großartig.

Andrej Rubanov – Chlorofilija

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Leben im zukünftigen Moskau im Schatten der Halme. 300 Meter hohe Grashalme stehlen den Moskauern plötzlich die Sonne, was dazu führt, dass sie ihr Leben in Hochhäuser verlagern; die Nummer des Stockwerks spiegelt den sozialen Status wieder. Angenehm unaufgeregt erzählte Zukunftsvision, die stark von den Strugazkis beeinflusst ist. Mit einigen gruseligen modischen Einfällen, wie z. b. rotem Zahnlack.

Kartin Harlaß (Hrsg.) – Handbuch Literarisches Übersetzen

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Ausgezeichnetes Handbuch für Berufseinsteiger, aber auch erfahrene Übersetzer, die nicht in der bewährten? Routine erstarren möchte. Enthält viele wichtige Tipps und Ratschläge über formelle Angelegenheiten, geht teilweise aber auch in die Textarbeit. Die Quintessenz zur Frage »Wie bekomme ich als Übersetzer Aufträge?«, lautet: Kontakte, Kontakte, Kontakte plus Zufall. (Ich werde es noch ausführlich vorstellen.)

5 Gedanken zu “Meine Lektüre im März 2015

  1. Zu „Unterwerfung“ war das bisher die erste positive Äußerung, die ich gesehen habe. Da bin ich mal gespannt, ob ich das auch so sehen werde.

    • Das freut mich. Jemand anderem, der meiner Empfehlung gefolgt ist, hat es nicht gefallen. Was ich aber auch verstehen kann. Bestimmte Sachen dürfen einen bei der Lektüre eben nicht stören.

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