Meine Lektüre Januar/Februar 2015

Ich komme mit den Buchbesprechungen nicht mehr hinterher, und da ich beruflich die nächsten Monate gut im Stress sein werde, muss ich jetzt die Notbremse ziehen und einige Bücher, die eine ausführliche Besprechung verdient hätten, mit Kurzkritiken abspeisen. Um meine Rezensionen zu den ausführlich besprochenen Werken zu lesen, müsst ihr einfach auf den Link im Buchtitel klicken. Die restlichen Kurzkritiken gib es weiter unten.

1. George R. R. Martin – Armageddon Rock
2. Ernest Cline – Ready Player One
3. Patricia A. McKillip – The Riddle Master of Hed
4. George G. Pelecanos – Das große Umlegen
5. Cixin Liu – The Three-Body Problem
6. Kathrine Scholes – Die Traummalerin
7. Andrej Sapkowski – Das Schwert der Vorsehung
8. Patrick Lee – Breach
9. Andre Marx – Die drei Fragezeichen und das Kabinett des Zauberers
10. Thomas Ziegler – Stimmen der Nacht
11. Terry Pratchett – Helle Barden
12. Kate Atkinson – Die Unvollendete
13. Robin Sloan – Mr. Penumbras sonderbare Buchandlung

George G. Pelecanos – Das große Umlegen

P1000298

Wunderbarer Crime-Noir-hafter Roman (worauf ja schon der an/bei Dashiell Hammett angelehte/geklaute deutsche Titel anspielt), der die Geschichte eines griechischen Einwandererjungens in Washington vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt. Ist vor allem mal was anderes, von einer griechischen Gemeinde in den USA zu lesen, und man lernt Washington von einer ganz anderen Seite, abseits des Capitol Hills und der Oberschicht, kennen. Das große Umlegen ist mehr, als nur ein einfacher Krimi, Pelecanos ist ein begabter Schriftsteller, der hier ein eindrucksvolles Porträt eines einfachen Mannes geschaffen hat, der versucht es im Leben zu etwas zu bringen, dabei aber immer wieder heftig auf die Schnauze fällt. Ach ja, das ist der erste Teil der Washington-Trilogie, deren Fortsetzungen einige Jahrzehnte später spielen sollen.

Andrzej SapkowskiDas Schwert der Vorsehung

P1000299

Zweiter Band mit hintersinnigen, humorvollen und klugen Kurzgeschichten über den Hexer Geralt von Riva. So langsam zeichnet sich ein roter Faden in Geralts Geschichte ab. Der nächste Band ist dann auch ein Roman. Sapkowksi verpackt ernste Themen wie Rassismus, Diskriminierung und Umweltzerstörung in spannende Geschichten mit flotten Dialogen und augenzwinkerndem Humor.

Patrick LeeBreach

P1000301

Sauspannender und sehr clever konstruierter SF-Thriller, der einige atemberaubende und so noch nicht dagewesene Actionszenen bereithält, zwischendurch etwas an Fahrt verliert, gegen Ende aber wieder voll auftrumpft.

Andre MarxDie drei Fragezeichen und das Kabinett des Zauberers

P1000300

Ein schwacher Marx. Die Geschichte um den Zauberer, der während einer Kindervorstellung verschwindet und nicht wieder auftaucht, braucht viel zu lange, um in die Gänge zu kommen. Die Geschichte um alte Zauberertricks ist ganz interessant, kommt aber viel zu kurz und wird von einem viel zu plumpen und brutalen Finale überschattet.

Kate AtkinsonDie Unvollendete

P1000293

Dazu wird es noch eine ausführliche Besprechung geben. Nur so viel: Ich halte das Buch für ein Meisterwerk, das Beste, was ich bisher in diesem Jahr gelesen habe. Die narrative Struktur mit den vielen »groundhog lifes« die immer und immer wiederkehren und sich teils nur durch kleine Details unterscheiden, dann aber völlig andere Richtungen nehmen können, ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich habe noch nie einen Roman gelesen, der den Blitz, also die Bombenangriffe auf London, so packend und emotional mitreißend beschrieben hat. Ich konnte förmlich den Staub der Trümmer auf der Zunge spüren und die Enge, die Ursula empfunden haben muss, als sie durch die zusammengestürzten Ruinen auf der Suche nach überlebenden kroch. Die Übersetzung liest sich übrigens großartig. Ganz toller Stil, sehr elegant und wortgewaltig.

Robin SloanDie sonderbare Buchandlung des Mr. Penumbra

P1000297

Das bisher enttäuschendste Buch des Jahres. Das ist keine Liebeserklärung an die Welt der Bücher, wie die New York Times auf der Rückseite zitiert wird, sondern eine hemmungslose Lobhudelei auf Google und das Sillicon Valley. Die Buchhandlung selbst und das Rätsel wirken zunächst noch sehr interessant, aber die Bücher sind eigentlich nur Staffage für Sloans Verehrung des digitalen Zeitalters. Selbst Buchpiraten werden positiv erwähnt, also jene Verbrecher, die denen das Geschäft ruinieren, die Bücher schreiben, herstellen, vertreiben und verkaufen. Wie schon erwähnt, die Grundidee mit dieser geheimnisvollen Büchervereinigung ist gar nicht schlecht, aber Sloans Schreibe wird dem Anspruch zu keiner Zeit gerecht. Denn die ist einfach und nüchtern, gänzlich unauffällig, und versprüht keinerlei Magie oder Charme. Die Figuren bleiben flach (wenn auch teils sympathisch und die Handlung spannungsarm.

Ein Gedanke zu “Meine Lektüre Januar/Februar 2015

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