Quo Vadis Phantastikportale – Das Fandom im Wandel?

Sparflamme – Wer sich für interessante und gute Fantasy interessiert, kommt an der Bibliotheka Phantastika kaum vorbei. Seit vielen Jahren versorgt dieses Portal gierige Fantasten mit Informationen über geeigneten Lesestoff. Dazu kommt noch eines der größten und beliebtesten Fantasyforen in deutscher Sprache. Doch wer in den letzten Jahren noch in Foren und im Netz generell unterwegs war, wird bemerkt haben, dass sich die Gewichtungen in Richtung sozialer Netzwerke wie Facebook und individueller Bücherblogs verschoben haben.

Beim Fantasyguide waren wir z. B. zeitweilig bis zu 30 Redakteure, die fast täglich für neue Rezensionen, Artikel und Interviews gesorgt haben. Inzwischen ist diese Zahl auf eine Handvoll Mitstreiter gesunken. Und gäbe es nicht Einzelne, die einen Großteil der Arbeit auf sich nehme würde, gäbe es uns vermutlich schon längst nicht mehr.

Auch auf der Bibliotheka Phanatstika macht sich diese Entwicklung bemerkbar. Die letzten beiden verbleibenden tapferen Streiter für das Gute, Schöne und Phantastische wenden sich jetzt direkt an Ihre Leserinnen, gehen darauf ein und verkünden, dass es demnächst deutlich ruhiger auf dem Portal zu gehen werde.

Im Forum ist mir auch schon aufgefallen, dass da immer weniger los ist, und viele sonst so aktive Foristen einfach verschwunden sind. Ist die Zeit der Foren und Portal ein der Phantastik vorbei?

Wie Gero und Mistkaeferls richtig anmerken, gelingt es im englischsprachigen Raum Portalen wie Tor.com, Io9 und SF-Signal viele erfolgreiche Blogger an sich zu binden. In Deutschland hat Heyne mit diezukunft.de ein ähnliches Projekt gestartet. Ich vermute der Unterschied liegt darin, dass solche Portale in der Lage sind, ihren Redakteuren ein Honorar für ihre Beiträge zu zahlen, wenn auch vermutlich nicht viel.

Ich fände es schade, wenn die letzten großen Phantastikportale im deutschsprachigen Raum von der Bildfläche verschwinden würden. Obwohl ich ja selbst fleißiger Blogger und Eigenbrötler bin, lese ich nur eine Handvoll Blogs regelmäßig. Mir ist das einfach zu weit verstreut. Da habe ich lieber ein paar wenige Ressourcen/Seiten, auf denen ich mich über Phantastik informiere. Zumal es in deutschsprachigen Raum auch keine wirklich bekannten Phantastikblogs gibt, wie z. B. die Wertzone oder Pat’s Fantasy Hotlist in den USA (wobei die beiden in den letzten 2 Jahren auch nicht mehr so aktiv waren).

Kommerzielle Projekte wie die Phantastik-Couch, die von einer GmbH betrieben wird, die noch andere ähnliche Seiten unterhält, scheinen auch keine Lösung zu sein. Da läuft es seit einem Jahr anscheinend auch nicht mehr wirklich rund. Die Ausgaben erscheinen nur noch sporadisch, die Auswahl ist zu sehr auf die großen Verlage beschränkt, die Anzeigen ähneln optisch zu sehr den Artikeln und mit den LeserInnen Wird im Forum auch nicht mehr kommuniziert.

Fictionfantasy setzt inzwischen darauf, Artikel von Bloggerinnen einzubinden, die auch auf deren Blogs erscheinen. Nur bei Phantastik-News gibt es noch regelmäßige News und Rezensionen, aber auch nicht mehr so viel wie früher. Fantasybuch.de ist auch noch recht aktiv. Josefsons SF und F Rundschau ist weiterhin eine feste Bank, aber, obwohl sie auf dem Internetauftritt einer großen Zeitung erscheint, auch nur das Projekt eines einsamen Wolfes.

Wenn man auf Fantasycons wie den Bucon geht oder die Leipziger Buchmesse, sieht man, dass es immer noch eine große aktive Schar an Fantasyfans gibt. Aber sie sind anscheinend nicht in den alten Genre- und Fandomstrukturen aktiv. Das Fandom befindet sich seit einigen Jahren im Wandel. Wohin es geht, weiß ich nicht, aber ich bin gespannt.

 

Nachtrag (11.02): Ein aufmerksamer und geschätzter Sprachnörgler hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Überschrift eigentlich „Quo vaderis, Phantastikportale?“ heißen müsste. Tja, was soll ich sagen, ich gehörte in der Schule zur Französischfraktion* und habe mit Latein nichts am Hut, was mich aber nicht davon abhielt, in dieser Sprach rumzufuschen, da ich eine kurze, knackige Überschrift gesucht habe. 🙂

 

*nicht, dass ich Französsisch heute besser könnte, als Latein 😉

Epische Fantasy von Frauen (3): The Riddle-Master of Hed von Patricia A. McKillip

Vor einem Jahr hatte ich angekündigt, mich in den nächsten Monaten verstärkt mit epischer Fantasy von Frauen zu beschäftigen. Das hat jetzt doch etwas länger als geplant gedauert. Dabei hatte ich es zwischenzeitlich durchaus mit Fantasyautorinnen wie Kate Elliot und Janny Wurts versucht, aber obwohl die Bücher, die ich angefangen haben, gar nicht schlecht sind, war ich einfach nicht in der Stimmung dafür. Manchmal gibt es die richtigen Bücher zur falschen Zeit. Da ist es dann am Besten, sie zur Seite zu legen, bis es passt. Beim Riddle-Master of Hed hat es gepasst.

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Bereits 1976 erschienen, verwendet McKillip zwar durchaus typische Plotelemente der klassischen epischen Fantasy, weiß sie aber zu einer interessanten und nicht so ganz genretypischen Mischung zu präsentieren. Es geht um eine alte Prophezeiung, in der ein einfacher Bauernjunge (Okay, er ist der Herrscher von Hed, aber da es sich nur um einen klitzekleinen Agrarstaat/Insel handelt und er selbst in relativ einfachen Verhältnissen aufwächst, geht Morgan durchaus als einer durch) jene Prophezeiung erfüllen muss, um die Welt zu retten oder so ähnlich. Ganz klar ist es nicht, worum es darin geht.

Wobei diese klassischen Plotelemente 1976 vermutlich noch gar nicht so klassisch waren. Mit Lloyd Alexanders Taran gab es zwar schon 1964 einen Schweinehirten, der zu Größerem bestimmt war (auch wenn damit eigentlich das von ihm zu hütende Orakelschwein gemeint ist), aber bis auf den einfachen Hobbit, der allein das Böse bezwingen konnte, war die Fantasyliteratur dieser Zeit vor allem durch große Helden wie Conan, Kane und Elric bestimmt. Der Trend zur epischen Fantasy mit dem Helden aus einfachen Verhältnissen setzte erst in den 80er Jahren mit Dave Eddings und Raymond Feist ein. McKillips Riddle-Master of Hed kann als durchaus als Vorläufer dieser Werke gesehen werden. Allerdings hebt er sich  selbst aus heutiger Rückschau von den ihm folgenden Werken ab.

Ganz so episch ist der erste Band der Trilogie gar nicht. Es handelt sich vor allem um einen Reiseroman. Morgans Reise beginnt der kleinen Insel Hed und führt ihn dann aufgrund eine Verkettung unglücklicher Umstände (man könnte auch von Attentaten sprechen) durch das ganze Reich (von dem Hed nur ein winziger Teil ist). Um herauszufinden, was es mit der Prophezeiung, dem Stern auf seinem Gesicht und der magischen Harfe, die er unterwegs erhält, auf sich hat, muss er zum High One (so was wie ein Gott, ganz kapiert hab ich es nicht) hoch in den Norden reisen, wobei er interessante und gefährliche Begegnungen macht.

Krieg liegt zwar in der Luft, Morgan kommt aber nicht direkt damit in Berührung, ihm machen nur einzelne Attentäter das Leben schwer. Doch der Riddelmaster of Hed ist kein großer Krieger, sondern, wie der Titel schon sagt, ein Rätselmeister. Und in einer Welt, die voller Rätsel steckt, ist das eine mächtige Gabe. Hier gibt es keinen harten Realismus und brutale Gewalt, wobei McKillips Figurenzeichnung alles andere als schwarz-weiß ist. Es treten viele undurchsichtige Gestalten auf, die es Morgan schwierig machen, jemandem zu vertrauen. Aber es sind auch liebenswürdige und vor allem faszinierende Personen darunter.

Ich kann The Riddle-Master of Hed nur empfehlen. Etwas altmodische aber sympathische Fantasy, die es versteht, ihre Leser mit relativ einfacher Magie zu verzaubern und vor allem sprachlich schön geschrieben ist. Ich würde das Buch stilistisch und inhaltlich als verträumt bezeichnen.

In meiner Omnibusausgabe von Ace sind alle drei Bände in einem enthalten (wobei inzwischen wohl noch ein vierter dazu gekommen ist). Gelesen habe ich bisher aber nur den ersten. Auf Deutsch ist die ursprüngliche Trilogie in den 80er Jahren bei Goldmann erschienen, in den 90ern gab es noch eine Neuauflage, inzwischen sind die Titel aber schon lange vergriffen. Band 1 heißt auf Deutsch Die Schule der Rätselmeister

Link zu sehr interessantem Lektorinneninterview zum Thema Übersetzungen

„Der Text gehört dem Übersetzer, und ich tue weh.“ – Auf Relue-online.de – eine Rezensionszeitschrift für Literaturübersetzungen (wusste gar nicht, dass es so etwas gibt) – gibt es ein hochinteressantes Interview mit der Lektorin Bärbel Flad, die seit vielen Jahrzehnten in der Branche tätig ist und schon Heinrich Böll seine (durchaus umstrittene) Übersetzung von J. D. Salingers Der Fänger im Roggen abgetippt hat. Neben dem Salinger habe ich unter anderem das von Fald lektorierte Unterwelt von Don DeLillo und Die Liebe in den Zeiten der Cholera von Gabriel Garcia Márquez gelesen.

Flad betont, dass das Copyright der Übersetzung beim Übersetzer liegt, und er das letzte Wort hat. Sollte er zumindest haben. Oft wird das leider anders praktiziert. Wobei Flad auch ein Beispiel dafür bringt, was passieren kann, wenn der Übersetzer die Vorschläge der Lektorin komplett ignoriert.

Das Interview bietet einen sehr interessanten und unterhaltsamen Einblick in die Literaturbranche aus Lektorinnensicht. Darunter eine herrliche Anekdote, wie Flad kurz vor Weihnachten die einzige Fassung! der Druckfahnen von Die Liebe in den Zeiten der Cholera von einem Taxifahrer in die Druckerei bringen ließ, weil immer alles schnell und auf den letzten Drücker gehen muss.

Ebenfalls interessant ihre Meinung zu Neuübersetzungen von Klassikern und wie es ist, Übersetzungen aus Sprachen zu lektorieren, die man nicht kennt.

Nachtrag: Es lohnt sich auch, auf der Seite etwas zu stöbern. Da gibt es zum Beispiel auch ein Interview mit dem Neuübersetzer von Nick Hornbys Fever Pitch, darüber, warum eine Neuübersetzung sinnvoll erschien (ich liebe dieses Buch übrigens).

Buchempfehlung: Die Traummalerin von Kathrine Scholes

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Mit Afika-Romanen ist das so eine Sache. Autoren setzen da gerne auf Entdecker- und Abenteuergeschichten wie z. B. T. C. Boyle in Wassermusik. Bei Frauen überwiegt das Klischee der romantischen Kitschgeschichte á la Nora Roberts. Die Romane von Kathrine Scholes wirken auf den ersten Blick ähnlich (inklusive der gleichen Übersetzerin). Aber bei ihr steckt deutlich mehr dahinter, wie sie schon mit ihrem Debüt Die Regenkönigin gezeigt hat, das ich seinerzeit rezensiert habe.

Die Traummalerin ist ein wunderbar herzliches und bewegendes Buch über eine junge Frau, die sich gegen gesellschaftliche Normen und Zwänge ihre Selbständigkeit erkämpft.

Die auf einer australischen Farm aufgewachsene Kitty zieht mit ihrem landadeligen Mann von Großbritannien nach Tanganjika, dem heutigen Tansania. Dort wollen sie einem gesellschaftlichen Skandal entkommen, mit Kitty die spießigen Nachkriegsbürger in helle Aufregung versetzt hat. Es ist die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, und ihr Mann Theo, der im Krieg als Pilot für die Royal Air Force Bomben abgeworfen hat und seine eigenen Dämonen mit sich rumträgt, bekommt eine leitende Stellung in einem wahnwitzigen Erdnussprojekt.

Der Roman beginnt mit Kittys Ankunft in Afrika, aber es gibt auch viele Rückblenden, in denen wir mehr über ihre Zeit in England, bei dem russischen Künstlerprinzen erfahren, ihr Kennenlernen mit Theo und die Zeit des Krieges. In Afrika fällt Kitty dadurch auf (und gesellschaftlich auch aus der Reihe), dass sie Swahili gelernt hat, sich mit den Einheimischen unterhält, sich für ihre Kultur interessiert und sich als Anglikanerin in der katholischen Mission engagiert.

Der hintersinnige Originaltitel The Perfect Wife (Die perfekte Ehefrau) passt viel besser zum Buch und zu Kitty, als der kitschige deutsche Titel Die Traummalerin, der nur die Verbindung zu bisherigen Büchern von Scholes, wie z. B. Die Traumtänzerin schaffen soll. Kitty soll die perfekte Ehefrau für den adligen jungen Mann aus gutem Haus spielen, und solche hysterischen Unerhörtheiten wie Eigenständigkeit und künstlerische Tätigkeiten schön sein lassen. Aber Kitty lässt sich nicht unterkriegen und manövriert sich mit Charme und Forschheit durch das soziale Minenfeld.

Den Büchern der in Tansania geborenen Kathrine Scholes merkt man an, dass sie Afrika nicht nur als exotische Kulisse benutzt, sondern sich wirklich für die lokalen Kulturen und die Menschen interessiert. Sie geht auf die wahnwitzigen und realitätsfernen Pläne und Vorstellungen der arroganten Kolonisten ebenso ein, wie auf die Herzlichkeit und das Wissen der Einheimischen. Hinter dem vordergründigen romantischen Afrika-Frauenroman verbirgt sich eine spannende und tiefgründige Geschichte über Kolonisierung, Emanzipation und Lebensfreude.

Das Einzige, was mich ein wenig gestört hat, war der etwas unsauberer Stil der deutschen Fassung. Da gibt es ganz viele Sätze mit »… hatte, hatte …« und »war,war«. Wenn eine Geschichte schon in der Vergangenheitsform erzählt wird, und es dann noch viele Rückblenden gibt, kommt man als Übersetzer aus grammatikalischer Notwendigkeit gar nicht umhin, viel mit hatte-Konstruktionen zu arbeiten. Aber manchmal hätte man es auch eleganter lösen können. Wie z. B. auf Seite 283:

»In seinen Augen stand eine Mischung aus Verachtung und Angst – ein Boss, der betrunken war, war mitleiderregend und gefährlich zugleich.«

Warum nicht: … ein betrunkener Boss war mitleiderregend und gefährlich zugleich«?

Da hätte ich mir ein etwas gründlicheres Lektorat gewünscht. Aber ansonsten liest sich die Übersetzung wirklich gut, auch bei der Einbindung der Sätze aus dem Swahili.

Phantastische Netzstreifzüge 36

Was ist Weltenbau? – Teil 1: Welten und Geschichten – ich hatte ja kürzlich das Thema Weltenbau, zu dem ich ein paar lose Gedanken niedergeschrieben habe. Michael Waning geht das Thema sehr viel ernsthafter und professioneller an. Er hat eine ganze Internetseite gestaltet, auf der es um Weltenbau in Theorie und Praxis geht. Sehr empfehlenswert. Ein Blick auf die Seite lohnt sich. In einem Beitrag geht es um den Weltenbau in der Computerspielreihe Dragon Age. Die habe ich bisher nur kurz angespielt (der Steamsale-Fluch).

George R.R. Martin: »Armageddon Rock«, oder: Herzblut mit ›Sex, Drugs & Rock’n Roll … & Fantasy‹ – ein anders Thema war der Roman von Martin. Molosovsky hat ihn jetzt auch durch und viel besser und tiefergehend besprochen, als das bei mir der Fall war.

Martin gibt sich als nostalgisch-skeptischer Gegner von Fanatismen, Bevormundung & Beengung jeglicher Coleur zu erkennen & der Roman schließt also mit dem beherzigenswerten Fazit, dass Menschen & persönliche Beziehungen glücklicher machen & die Welt wohl besser aussähe, wenn man diese pflegte, statt sich mit kämpferischem Zorn für Ideologien einzusetzen.

February Releases in Science Fiction, Fantasy and Horror…All 350 of Them – Auf SF-Signal gibt es mal wieder die Liste mit den englischsprachigen Erscheinungen des aktuellen Monats. Vieles darunter ist aber gar nicht so neu. Mir ist die Liste zu lang, um mich damit genauer zu beschäftigen. Aber es ist auch schon unterhaltsam, sich anzusehen, was in den USA so alles auf ein Buchcover darf. Über die Titelbilder von Eric Flint könnte ich mich jedes Mal wieder beömmeln. 😉

Die Zukunft der Superhelden-Filme – Die Überschrift sagt ja schon, worum es in diesem Thread des Forums von SF-Fan.de geht. Ich lese schon seit meiner Kindheit gerne Superheldencomics (vor allem Spider-Man und Batman) und bin samstags immer schon um 7.00 Uhr aufgestanden, um mir auf RTL Spider-Man and his Amazing Friends anzusehen. Ein Comicsammler bin ich aber nie geworden. Ich habe sie immer nur sporadisch gelesen (aber anders als z. b. Spawn oder Darkness) nie kontinuierlich gesammelt. Deshalb kenne ich mich in dem Bereich auch nicht so gut aus. Die Superheldenfilme des ausgehenden Jahrtausends (Batman von Burton und Spider-Man von Raimi) habe ich sehr gerne gesehen. Und auch die Filme von Nolan und den ersten Iron Man. Aber inzwischen ist mir das alles zu viel geworden mit den unzähligen Superheldenfilmen und Serien, die ja auch oft nach dem gleichen Schema ablaufen.

Wie auch immer, im Thread von SF-Fan.de sind wir irgendwie auf den ersten Rambo-Film gekommen. Und ich habe mich dazu geäußert, wie man ihn aus kulturwissenschaftlicher Sicht betrachten könnte. Diese Weisheiten will ich euch nicht vorenthalten, vieleicht mach ich da mal einen längeren Blogeintrag draus. Die Zitate sind jetzt etwas »out of context«, aber wer will, kann ja die gesamte Diskussion in dem oben verlinkten Thread nachlesen. So erfährt man zumindest mal, warum ich es interessant finde, sich mit Büchern und Filmen näher zu beschäftigen.

Noch mal OT:

Man kann »Rambo« auch als Vertreter der Hard-Body-Politics-Filme der 80er Jahre sehen, die in der Zeit nach Jimmy Carters Präsidentschaft in Mode kamen. Da steht der übergewichtige Sheriff für das verweichlichte und moralisch verkommene Amerika, dass die Opfer der Soldaten (im Vietnamkrieg) nicht zu würdigen weiß, und dessen Regierung, die die Leute schikaniert, während John Rambo für das harte, männliche, nach amerikanischen Werten wie Individualismus und Unabhängigkeit strebende Amerika steht, das sich nichts gefallen lässt und hart durchgreift. Eine Politik, die Ronald Reagan dann vertreten hat.

Auf eine Äußerung, dass solche Interpretationen Blödsinn seien, habe ich mich etwas ausführlicher zur Funktion der kulturwissenschaftlichen Beschäftigung mit solchen Filmen geäußert.

Eine Wertung bzgl. Pornografie ist das natürlich nicht.

Was Rambo angeht, da habe ich mich auf eine Theorie aus der Kulturwissenschaft bezogen, insbesondere auf das Buch »Hard Bodies« von Susan Jeffords. https://www.kirkusreviews.com/book-reviews/susan-jeffords/hard-bodies/
Diese Theorie muss man nicht teilen, aber ich finde sie ganz schlüssig. Um noch ein Beispiel zu bringen. »Stirb Langsam« wird von Jeffords auch zu diesen Filmen gezählt. Da ist der einfache, hart arbeitende amerikanische Cop, der einfach nur Weihnachten mit seiner Familie verbringen will, und plötzlich gegen eine Horde ausländischer Terroristen (Verbrecher) kämpfen muss. Und natürlich gelingt nur ihm dies (unter ganzen Körpereinsatz), während die unfähigen Regierungsbeamten des FBI alles nur noch schlimmer machen. Ein perfektes Beispiel für die less-goverment-Politik Reagons.

Wenn man solche Filme aus kulturwissenschaftlicher Perspektive betrachtet, versucht man, dies ohne Wertung des Films zu tun; ohne zu sagen, ob er gut oder schlecht sei. Es geht vielmehr darum, herauszustellen, welchen Einfluss aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen auf das Kino haben. In der Rückschau auf vergangene Jahrzehnte kann man diesen Einfluss deutlich erkennen. Z. B. den Erfolg von Torture-Porn-Filmen während des zweiten Irakkriegs. Da hat sich die Gewalt, die in dunklen Verhörverliesen stattfand, auch auf der Leinwand widergespiegelt.

Auch der weltweite Erfolg der Superheldenfilme (um mal wieder zum Thema zurückzukommen) steht für eine bestimmte Entwicklung. Die Globalisierung der Märkte und die Suche nach einfachen Lösungen in Zeiten unübersichtlicher und unlösbarer Konflikte. Die Superhelden entsprechen den mythischen Helden vieler Kulturen. Wenn Regierungen scheitern Lösungen für bedrohliche Lagen entwickeln zu können, dann müssen eben Superhelden her, und (mit Ausnahme von Captain America) kann sich weltweit ein Publikum mit ihnen identifizieren. Hollywood hat das erkannt. Deswegen werden z. b. auch speziell auf den chinesischen Markt zugeschnittene Fassungen erstellt.

Es hat seinen Grund, dass der erste Boom der Superheldencomics zur Zeit der Weltwirtschaftskrise stattgefunden hat. Der globalisierte Kinomarkt macht dies nun zu einem weltweiten Phänomen.

P. S. Das gilt nicht nur für Superheldenfilme. Auch bei »Avatar« z. B. muss sich ein Einzelner aus der Masse der Gesellschaft erheben, um diese zu retten.

Kulturwissenschaft läuft schon nach strengen Kriterien ab (oder sollte es zumindest). Da wird nicht einfach ins Blaue gedeutet, sondern durchaus auch mit empirischen Daten gearbeitet. Trends bestimmter Filmjahrgänge lassen sich durchaus statistisch erfassen. Ein Film alleine ist da wenig aussagekräftig. Erst wenn man eine relevante Datenmenge (sprich Anzahl an Filmen hat), kann man eine schlüssige Argumentation bzw. Theorie entwickeln.
Das mag auf den ersten Blick albern wirken und mag die Welt nicht zu einem besseren Ort machen, aber es kann dabei helfen, vergangene Epochen zu verstehen. Schaut man sich an, welche Filme im Dritten Reich gedreht wurden, welche verboten wurden usw. liefert das durchaus interessante Einblicke in diese Zeit.

Interessiert dich als normalen Filmgucker natürlich nicht die Bohne. Und es hat auch nichts mit der qualitativen Bewertung eines Films zu tun. Aber es ist doch mehr als Hokuspokus. Ich bin da eher bei Admiral Thrawn, der durch die Kunst seiner Gegner verstehen kann, wie sie handeln werden.

Lesezeichenarchäologie 2: Sklaven des Humors

Hier kann man nachlesen, was es mit dieser Reihe aus sich hat.

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Das Lesezeichen

Tja, was soll ich zu diesem Lesezeichen sagen. Es ist das einzige, für das ich mich ein wenig schäme. Wer mich kennt, weiß vielleicht, wie sehr ich Karneval hasse. Die sogenannte »lustige Jahreszeit« ist für mich das genaue Gegenteil von dem, was ich unter Humor verstehe. Das ist die organisierte Humorlosigkeit, versteckt hinter bigottem Lachen und hemmungslosem Suff. Ich lache gerne das ganze Jahr über und bin (auch wenn man es mir nicht ansieht) gerne täglich lustig (meine Facebookfreunde können von diesem Humorversuchen momentan ein Lied singen). An Karneval kommen dann die ganzen Menschen hervorgekrochen, die sonst zum Lachen in den Keller gehen, und tun so, als wüssten sie, was Humor ist, haben aber wahrscheinlich nur einmal zu oft harte Kamellen an den Kopf bekommen.

Das ist für mich so etwas, wie der Cargo-Kult des Humors. Ich habe da dieses aus Holz nachgebaute Flugzeug vor Augen, das verehrt wurde, aber natürlich nicht fliegen konnte. Ebenso wenig wie der Humor an Karneval/Fastnacht lustig ist. Ich meine, die tragen Uniformen und Orden, die Auftritte werden von einer Marschkapelle mit Tusch angekündigt. Lachen auf Befehl. Dabei galt das Ganze im Mittelalter mal als Parodie auf die Obrigkeit. Viel ist davon aber nicht geblieben.

Die beste und entlarvendste Karnevalssitzung, die ich je gesehen habe, ist übrigens diese hier:

Natürlich stoße ich jetzt allen Jecken vor den Kopf (meine Mutter gehört auch dazu) und tue ihnen teilweise vermutlich Unrecht. Die eine oder andere Büttenrede mag ja durchaus witzig sein. Meine Mutter lacht sich regelmäßig bei den Sitzungen im Fernsehen scheckig. Aber ich empfinde Karneval nun einmal so. Und habe es schon immer getan (gewisse Phasen in der Kindheit ausgenommen).

Wie kommt es also, dass auchgerechnet ich auf eine Karnevalssitzung gegangen bin. Genau kann ich es auch nicht mehr nachvollziehen, aber vermutlich hat es etwas mit Gruppenzwang zu tun. 1998 war ich 19 Jahre alt und wir hatten bei uns im Dorf mit einigen Freunden gerade eine neue Fußball-Herren(mensch)mannschaft gegründet. Das letzte Training der Woche war immer freitags und da sind wir nach dem Training immer noch zusammen weggegangen. Obwohl das nie so mein Ding war, habe ich mich aufgrund der tollen Stimmung in der Mannschaft angeschlossen. Und so bin ich wohl auf dieser Sitzung gelandet, an die ich mich zum Glück kaum noch erinnern kann.

Karneval in Brasilien ist allerdings etwas, das ich gerne noch einmal erleben würde. 2006 war ich genau in der Karnevalszeit dort, und auch im Sambodrom von São Paulo, aber nur zur Generalprobe.

Das Buch

Und wie kommt es, dass dieses Lesezeichen noch mitten in einem Buch von Raymond Feist steckt, obwohl der doch damals mein Lieblingsautor war und mich durch sein Buch »Der Lehrling des Magiers« überhaupt erst zur Fantasyliteratur gebracht hat?

Angefangen habe ich mit Feists Midkemia-Saga 1995 oder 96. Die ersten sechs deutschen Bände habe ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Darin geht es um einige Figuren in der Fantasywelt Midkemia, auf der es eine Invasion aus einer anderen Welt gibt. Die aus einer der japanischen Kultur ähnelnden Gesellschaft stammenden Tsuranis dringen durch einen Spalt zwischen den Welten aus ihrer eigenen Welt Kelewan nach Midkemia vor, um diese zu erobern. All das wird aus der Perspektive der Bewohner Midkemias wie z. B. dem Küchenjungen/Magier Pug erzählt.

»Der Sklave von Midkemia« ist der dritte Band der Kelewan-Saga, die die ganze Geschichte aus der anderen Perspektive erzählt, aus der von Kelewan eben. Die Bücher der Reihe wurden zusammen mit Janny Wurts geschrieben. Ich vermute mal, dass Feist hier nur die Welt und vielleicht ein paar grobe Vorgaben beigetragen hat, während das Buch selbst von Wurts verfasst wurde (es liest sich doch sehr untypisch für Feist). Anders als in der » Midkemia-Saga« geht es hier weniger um epische Fantasy mit großen Schlachten und viel Magie, sondern mehr um politische Intrigen sowie das Leben und die Kultur auf Kelewan. Das hat damals vermutlich nicht so ganz meinem Lesegeschmack entsprochen, wobei ich ja doch bis Band 3 (von 6) durchgehalten habe.

In den 90er Jahren ist man in den Fantasyregalen der Buchhandlungen kaum an Raymond Feist vorbeikommen. Über viele Jahre und unzählige Bände ist er eine feste Genregröße gewesen, auch wenn die Midkemia-Saga großen qualitativen Schwankungen unterlag. Die letzten fünf abschließenden Bände der Saga sind leider nie auf Deutsch erschienen. Ich plane schon seit längerem, diese fünf Bände noch zu lesen. Vielleicht klappt es ja dieses Jahr.

Ich habe Raymond Feist übrigens 2007 interviewt

In diesem Sinne: Helau, Alfa, Zicke Zacke, Zicke Zacke, Heu Heu Heu, Sieg …