Quo Vadis Phantastikportale – Das Fandom im Wandel?

Sparflamme – Wer sich für interessante und gute Fantasy interessiert, kommt an der Bibliotheka Phantastika kaum vorbei. Seit vielen Jahren versorgt dieses Portal gierige Fantasten mit Informationen über geeigneten Lesestoff. Dazu kommt noch eines der größten und beliebtesten Fantasyforen in deutscher Sprache. Doch wer in den letzten Jahren noch in Foren und im Netz generell unterwegs war, wird bemerkt haben, dass sich die Gewichtungen in Richtung sozialer Netzwerke wie Facebook und individueller Bücherblogs verschoben haben.

Beim Fantasyguide waren wir z. B. zeitweilig bis zu 30 Redakteure, die fast täglich für neue Rezensionen, Artikel und Interviews gesorgt haben. Inzwischen ist diese Zahl auf eine Handvoll Mitstreiter gesunken. Und gäbe es nicht Einzelne, die einen Großteil der Arbeit auf sich nehme würde, gäbe es uns vermutlich schon längst nicht mehr.

Auch auf der Bibliotheka Phanatstika macht sich diese Entwicklung bemerkbar. Die letzten beiden verbleibenden tapferen Streiter für das Gute, Schöne und Phantastische wenden sich jetzt direkt an Ihre Leserinnen, gehen darauf ein und verkünden, dass es demnächst deutlich ruhiger auf dem Portal zu gehen werde.

Im Forum ist mir auch schon aufgefallen, dass da immer weniger los ist, und viele sonst so aktive Foristen einfach verschwunden sind. Ist die Zeit der Foren und Portal ein der Phantastik vorbei?

Wie Gero und Mistkaeferls richtig anmerken, gelingt es im englischsprachigen Raum Portalen wie Tor.com, Io9 und SF-Signal viele erfolgreiche Blogger an sich zu binden. In Deutschland hat Heyne mit diezukunft.de ein ähnliches Projekt gestartet. Ich vermute der Unterschied liegt darin, dass solche Portale in der Lage sind, ihren Redakteuren ein Honorar für ihre Beiträge zu zahlen, wenn auch vermutlich nicht viel.

Ich fände es schade, wenn die letzten großen Phantastikportale im deutschsprachigen Raum von der Bildfläche verschwinden würden. Obwohl ich ja selbst fleißiger Blogger und Eigenbrötler bin, lese ich nur eine Handvoll Blogs regelmäßig. Mir ist das einfach zu weit verstreut. Da habe ich lieber ein paar wenige Ressourcen/Seiten, auf denen ich mich über Phantastik informiere. Zumal es in deutschsprachigen Raum auch keine wirklich bekannten Phantastikblogs gibt, wie z. B. die Wertzone oder Pat’s Fantasy Hotlist in den USA (wobei die beiden in den letzten 2 Jahren auch nicht mehr so aktiv waren).

Kommerzielle Projekte wie die Phantastik-Couch, die von einer GmbH betrieben wird, die noch andere ähnliche Seiten unterhält, scheinen auch keine Lösung zu sein. Da läuft es seit einem Jahr anscheinend auch nicht mehr wirklich rund. Die Ausgaben erscheinen nur noch sporadisch, die Auswahl ist zu sehr auf die großen Verlage beschränkt, die Anzeigen ähneln optisch zu sehr den Artikeln und mit den LeserInnen Wird im Forum auch nicht mehr kommuniziert.

Fictionfantasy setzt inzwischen darauf, Artikel von Bloggerinnen einzubinden, die auch auf deren Blogs erscheinen. Nur bei Phantastik-News gibt es noch regelmäßige News und Rezensionen, aber auch nicht mehr so viel wie früher. Fantasybuch.de ist auch noch recht aktiv. Josefsons SF und F Rundschau ist weiterhin eine feste Bank, aber, obwohl sie auf dem Internetauftritt einer großen Zeitung erscheint, auch nur das Projekt eines einsamen Wolfes.

Wenn man auf Fantasycons wie den Bucon geht oder die Leipziger Buchmesse, sieht man, dass es immer noch eine große aktive Schar an Fantasyfans gibt. Aber sie sind anscheinend nicht in den alten Genre- und Fandomstrukturen aktiv. Das Fandom befindet sich seit einigen Jahren im Wandel. Wohin es geht, weiß ich nicht, aber ich bin gespannt.

 

Nachtrag (11.02): Ein aufmerksamer und geschätzter Sprachnörgler hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Überschrift eigentlich „Quo vaderis, Phantastikportale?“ heißen müsste. Tja, was soll ich sagen, ich gehörte in der Schule zur Französischfraktion* und habe mit Latein nichts am Hut, was mich aber nicht davon abhielt, in dieser Sprach rumzufuschen, da ich eine kurze, knackige Überschrift gesucht habe. 🙂

 

*nicht, dass ich Französsisch heute besser könnte, als Latein 😉

15 Gedanken zu “Quo Vadis Phantastikportale – Das Fandom im Wandel?

  1. Gute Vorlage für kulturpessimistisches Gejammer!

    Mir ging vor einigen Jahren die fruchtlose & nervige Kommunikation mit unfreundlichen, bescheuklappten Leuz zu sehr aufn Senkel, um mich bei der knappen Zeit, die ich hab, in Foren herumzutreiben. (Hege deshalb ab & zu heut noch das Gedankenspiel, ein strenger moderiertes Forum zu gründen, wo jeder, der nicht freundlich teilhaben kann ratzfatz fliegt. Hätte ich mehr Zeit, würde ich das vielleicht sogar anleiern.)

    Das Fehlen guter, ergiebiger Blogs oder Portale wundert mich auch oft — seit Jahren. Irgendwie haben die deutschsprachigen Phantasten kein Händchen dafür, eine gescheite Internetkultur aufzubauen. Fehlende Professionalität (sprich: Bezahlung für jene, die den Schaff erledigen) kann m.E. nur ein Teilgrund dafür sein. Ich lehn mich mal aus dem Fenster und mache auch ein gerüttelt Maß Intellektuellenfeindlichkeit (oder zumindest -Skepsis) und Meinungsverzagtheit dafür verantwortlich, sowie Synergieeffekte aus ungeschickten Verlagsprogrammen & Marketing, williger kostenloser Promotion von Fans für die Kulturindustrie, nicht zu vergessen fehlendem Traditionsbewußtsein einer-, und mangelnde Offenheit für internationale Entwicklungen andererseits … und freilich ist bei der unseligen Hegemonialität von Perry Rhodan für die geistige Monokultur deutscher SF-Phantastik auch irgendwie Teilschuld zu verorten.

  2. Ich finde diese Entwicklung, die mir auch schon aufgefallen ist, eigentlich gar nicht schlimm.

    Lass die Leute mal ruhig bei Facebook rumpöbeln und klatschen!

    Ich verfolge meine vielleicht zwei Dutzend Blogs und fühle mich in der Regel gut informiert … und wozu gibt es schließlich RSS-Feeds? Ich sehe jeden Morgen meine gebündelten Nachrichten, als wär’s auf einem Portal.

  3. In der Schule hatte ich auch Französisch. Fürs Studium musste ich dann doch noch Latein lernen, was gräßlich war. Und völlig unnütz, denn ich habe es nicht einmal wirklich gebraucht. Grrr. Jetzt muss ich den Frust an unschuldigen Nichtlateiner_innen auslassen …

    On topic: Ich frage mich, ob die Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung von Portalen und Foren (bzw. das Phänomen, dass sich immer wieder nur die ‚alte Garde‘ an solchen interessiert zeigt) nicht vielleicht daran liegen, dass es immer weniger Menschen gibt, die sich (fast oder ganz) ausschließlich für SFF interessieren.* Und wenn man vor diesem Hintergrund ein Forum oder Portal (oder auch eine Community in einem sozialen Netzwerk) haben kann, dass die ganze Bandbreite der literarischen Interessen abdeckt, warum sollte man sich dann noch in einem Forum herumtreiben, wo es puristisch zu- und hergeht?

    * Dafür habe ich natürlich keinen empirischen Beleg, aber ich halte es für wahrscheinlich, dass es so eine Entwicklung gibt.

    • Gut möglich, zu dieser Fraktion gehöre ich teilweise auch. Habe hier erst kürzlich einen Afrikaroman besprochen, der nun wirklich nichts mit Phantastik zu tun hat. Um immer auf dem neuesten Stand in Bezug auf Phantastik zu sein, vor allem was Neuerscheinungen angeht, lese ich einfach zu viel aus anderen Bereichen.

      Andererseits drängt die Phantastik immer mehr in Mainstream. Im Bereich Film ist sie schon marktbeherrschend. Im Buchbereich führt es dazu, dass vieles an Phantastik einfach in allgemeinen Reihen erscheint und von den Lesern nicht speziell als Genreliteratur wahrgenommen wird (siehe Titel wie »Die Frau des Zeitreisenden«, »Shinning Girls« oder »Die Landkarte der Zeit«). Dementsprechend interessieren sich diese LeserInnen auch nicht für das Fandom. Muss man ja auch nicht. Die darin investierte Zeit kann man ja auch zum Bücherlesen nutzen (statt um über das Bücherlesen zu diskutieren, und sich zu beschweren, dass man gar nicht mehr dazu kommt). 😉

      • »Andererseits drängt die Phantastik immer mehr in Mainstream. Im Bereich Film ist sie schon marktbeherrschend. Im Buchbereich führt es dazu, dass vieles an Phantastik einfach in allgemeinen Reihen erscheint und von den Lesern nicht speziell als Genreliteratur wahrgenommen wird …«

        Das halte ich auch für eine begrüßenswerte Entwicklung. Allerdings glaube ich, dass sich die SF damit wesentlich schwerer tut als Fantasy/Phantastik. Im Fall der SF ist halt recht klar abgesteckt, was dazugehört (und was nicht), und die Fans haben sich immer eine gewisse Deutungshoheit darüber bewahrt, was als ‚richtige‘ bzw. gute SF zu gelten hat. Dagegen gab es in der sogenannten Hochliteratur ja schon immer märchenhafte und übernatürliche Elemente, und entsprechend durchlässig sind die Grenzen zu Phantastik/Fantasy. Das ist zumindest meine Erklärung, warum die Entwicklung hin zum Mainstream unter SF-Fans sehr oft als Krise wahrgenommen wird, wozu es in der Fantasy-Ecke keine wirkliche Parallele gibt.

      • Der „Mainstream“, also das, was in den allgemeinen Reihen erscheint wird auch im Gegenzug von vielen SF-Fans nicht wahrgenommen, wie z. B. das von mir schon erwähnte „Die Landkarte der Zeit“. „Drohnenland“ bildete da im letzten Jahr eine positive Ausnahmen, ebenso wie „Der Circle“.

    • Murilegus: Leuchtet mir ein, diese Überlegung.

  4. Sag ich ja: Kultur- & Intellektuellenfeindlichkeit. Mich interessieren reine Hard Core SF-Fans nicht. Ich bevorzuge — und würde mich selbst auch so bezeichnen — Literaturfreunde die eine große Schwäche für SF haben.

  5. Im Schnitt stelle ich jeden Monat um die 50 Rezensionen bei PN.de online, das finde ich relativ viel. Ansonsten gibt es halt alles, was es früher gab – wie Interviews – schon seit vielen Jahren nicht mehr; die Konzentration liegt da halt auf den News. Gibt es nennenswerte News, stelle ich die online. Wenn es keine nennenswerten News gibt, mache ich halt was anderes. web 2.0 war PN.de nie – wer möchte, kann per Mail, Telefon oder Fax Kontakt aufnehmen. Was Facebook & Co. ist, das weiß ich nicht.

    • „Im Schnitt stelle ich jeden Monat um die 50 Rezensionen bei PN.de online,“

      Doch noch so viele. Hatte irgendwie das Gefühl, dass es weniger geworden sind. Aber vielleicht schaue ich auch nicht oft genug vorbei.

      • Das wird es sein… Als ich eben in Deinen Blog geschaut hatte, las ich 1, 2 Beiträge – so weit runter bis zu diesem hatte ich auch nicht gescrollt, zuerst.

  6. @gl: Wegen den News bei PN. Bekommt Ihr für die Public Relations-Arbeit etwas, und sei es Rezensions- oder Freiexemplare oder macht ihr das freiwillig für umme? Immerhin hat das Portal einen guten Namen & zumeist gebt ihr schlicht die PR-Meldung weiter, ohne große Hinterfragung oder Kommentierung. — Ich will nicht sagen, daß ich doof oder ›böse‹ finde … aber komisch (seltsam) dünkt mir das schon.

    • Also. Das muss ich jetzt aufdröseln.

      Zum einen bekomme ich (bzw. habe ich Zugriff auf) PR-Mitteilungen. Von Verlagen oder auch Film-Verleihern. Die setze ich meist 1:1 online, die schlimmsten/dämlichsten Übertreibungen streiche ich.

      Dann stoße ich auf News. Halte ich sie für relevant, formuliere ich die selbst und ich die auch online.

      Dann gibt es News, die mir zu doof sind, da mache ich keinen Handschlag. Eingereichte unfertige „PR-Meldungen“ lösche ich auch.

      Rezensionsexemplare fordern die Mitarbeiter von sich aus an. Rezensionsexemplare, die unaufgefordert eintreffen, verteile ich – _irgendwann_. Und vielleicht gibt es auch _irgendwann_ Rezensionen online dazu.

      Ansonsten fordere ich keine Rezensionsexemplare an, Geld fließt auch keins.

  7. PN hat ja einen durchaus erfreulich regen (oder zumindest: respektgebietenden) Stream. Kann verstehen, daß das schon genug Arbeit macht. Mir persönlich ist allerdings das Verhalten ›kostenlose PR-ARbeit für die Kulturindustrie‹ leicht suspekt.

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