Buchempfehlung: Die Traummalerin von Kathrine Scholes

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Mit Afika-Romanen ist das so eine Sache. Autoren setzen da gerne auf Entdecker- und Abenteuergeschichten wie z. B. T. C. Boyle in Wassermusik. Bei Frauen überwiegt das Klischee der romantischen Kitschgeschichte á la Nora Roberts. Die Romane von Kathrine Scholes wirken auf den ersten Blick ähnlich (inklusive der gleichen Übersetzerin). Aber bei ihr steckt deutlich mehr dahinter, wie sie schon mit ihrem Debüt Die Regenkönigin gezeigt hat, das ich seinerzeit rezensiert habe.

Die Traummalerin ist ein wunderbar herzliches und bewegendes Buch über eine junge Frau, die sich gegen gesellschaftliche Normen und Zwänge ihre Selbständigkeit erkämpft.

Die auf einer australischen Farm aufgewachsene Kitty zieht mit ihrem landadeligen Mann von Großbritannien nach Tanganjika, dem heutigen Tansania. Dort wollen sie einem gesellschaftlichen Skandal entkommen, mit Kitty die spießigen Nachkriegsbürger in helle Aufregung versetzt hat. Es ist die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, und ihr Mann Theo, der im Krieg als Pilot für die Royal Air Force Bomben abgeworfen hat und seine eigenen Dämonen mit sich rumträgt, bekommt eine leitende Stellung in einem wahnwitzigen Erdnussprojekt.

Der Roman beginnt mit Kittys Ankunft in Afrika, aber es gibt auch viele Rückblenden, in denen wir mehr über ihre Zeit in England, bei dem russischen Künstlerprinzen erfahren, ihr Kennenlernen mit Theo und die Zeit des Krieges. In Afrika fällt Kitty dadurch auf (und gesellschaftlich auch aus der Reihe), dass sie Swahili gelernt hat, sich mit den Einheimischen unterhält, sich für ihre Kultur interessiert und sich als Anglikanerin in der katholischen Mission engagiert.

Der hintersinnige Originaltitel The Perfect Wife (Die perfekte Ehefrau) passt viel besser zum Buch und zu Kitty, als der kitschige deutsche Titel Die Traummalerin, der nur die Verbindung zu bisherigen Büchern von Scholes, wie z. B. Die Traumtänzerin schaffen soll. Kitty soll die perfekte Ehefrau für den adligen jungen Mann aus gutem Haus spielen, und solche hysterischen Unerhörtheiten wie Eigenständigkeit und künstlerische Tätigkeiten schön sein lassen. Aber Kitty lässt sich nicht unterkriegen und manövriert sich mit Charme und Forschheit durch das soziale Minenfeld.

Den Büchern der in Tansania geborenen Kathrine Scholes merkt man an, dass sie Afrika nicht nur als exotische Kulisse benutzt, sondern sich wirklich für die lokalen Kulturen und die Menschen interessiert. Sie geht auf die wahnwitzigen und realitätsfernen Pläne und Vorstellungen der arroganten Kolonisten ebenso ein, wie auf die Herzlichkeit und das Wissen der Einheimischen. Hinter dem vordergründigen romantischen Afrika-Frauenroman verbirgt sich eine spannende und tiefgründige Geschichte über Kolonisierung, Emanzipation und Lebensfreude.

Das Einzige, was mich ein wenig gestört hat, war der etwas unsauberer Stil der deutschen Fassung. Da gibt es ganz viele Sätze mit »… hatte, hatte …« und »war,war«. Wenn eine Geschichte schon in der Vergangenheitsform erzählt wird, und es dann noch viele Rückblenden gibt, kommt man als Übersetzer aus grammatikalischer Notwendigkeit gar nicht umhin, viel mit hatte-Konstruktionen zu arbeiten. Aber manchmal hätte man es auch eleganter lösen können. Wie z. B. auf Seite 283:

»In seinen Augen stand eine Mischung aus Verachtung und Angst – ein Boss, der betrunken war, war mitleiderregend und gefährlich zugleich.«

Warum nicht: … ein betrunkener Boss war mitleiderregend und gefährlich zugleich«?

Da hätte ich mir ein etwas gründlicheres Lektorat gewünscht. Aber ansonsten liest sich die Übersetzung wirklich gut, auch bei der Einbindung der Sätze aus dem Swahili.

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