Phantastische Netzstreifzüge 36

Was ist Weltenbau? – Teil 1: Welten und Geschichten – ich hatte ja kürzlich das Thema Weltenbau, zu dem ich ein paar lose Gedanken niedergeschrieben habe. Michael Waning geht das Thema sehr viel ernsthafter und professioneller an. Er hat eine ganze Internetseite gestaltet, auf der es um Weltenbau in Theorie und Praxis geht. Sehr empfehlenswert. Ein Blick auf die Seite lohnt sich. In einem Beitrag geht es um den Weltenbau in der Computerspielreihe Dragon Age. Die habe ich bisher nur kurz angespielt (der Steamsale-Fluch).

George R.R. Martin: »Armageddon Rock«, oder: Herzblut mit ›Sex, Drugs & Rock’n Roll … & Fantasy‹ – ein anders Thema war der Roman von Martin. Molosovsky hat ihn jetzt auch durch und viel besser und tiefergehend besprochen, als das bei mir der Fall war.

Martin gibt sich als nostalgisch-skeptischer Gegner von Fanatismen, Bevormundung & Beengung jeglicher Coleur zu erkennen & der Roman schließt also mit dem beherzigenswerten Fazit, dass Menschen & persönliche Beziehungen glücklicher machen & die Welt wohl besser aussähe, wenn man diese pflegte, statt sich mit kämpferischem Zorn für Ideologien einzusetzen.

February Releases in Science Fiction, Fantasy and Horror…All 350 of Them – Auf SF-Signal gibt es mal wieder die Liste mit den englischsprachigen Erscheinungen des aktuellen Monats. Vieles darunter ist aber gar nicht so neu. Mir ist die Liste zu lang, um mich damit genauer zu beschäftigen. Aber es ist auch schon unterhaltsam, sich anzusehen, was in den USA so alles auf ein Buchcover darf. Über die Titelbilder von Eric Flint könnte ich mich jedes Mal wieder beömmeln. 😉

Die Zukunft der Superhelden-Filme – Die Überschrift sagt ja schon, worum es in diesem Thread des Forums von SF-Fan.de geht. Ich lese schon seit meiner Kindheit gerne Superheldencomics (vor allem Spider-Man und Batman) und bin samstags immer schon um 7.00 Uhr aufgestanden, um mir auf RTL Spider-Man and his Amazing Friends anzusehen. Ein Comicsammler bin ich aber nie geworden. Ich habe sie immer nur sporadisch gelesen (aber anders als z. b. Spawn oder Darkness) nie kontinuierlich gesammelt. Deshalb kenne ich mich in dem Bereich auch nicht so gut aus. Die Superheldenfilme des ausgehenden Jahrtausends (Batman von Burton und Spider-Man von Raimi) habe ich sehr gerne gesehen. Und auch die Filme von Nolan und den ersten Iron Man. Aber inzwischen ist mir das alles zu viel geworden mit den unzähligen Superheldenfilmen und Serien, die ja auch oft nach dem gleichen Schema ablaufen.

Wie auch immer, im Thread von SF-Fan.de sind wir irgendwie auf den ersten Rambo-Film gekommen. Und ich habe mich dazu geäußert, wie man ihn aus kulturwissenschaftlicher Sicht betrachten könnte. Diese Weisheiten will ich euch nicht vorenthalten, vieleicht mach ich da mal einen längeren Blogeintrag draus. Die Zitate sind jetzt etwas »out of context«, aber wer will, kann ja die gesamte Diskussion in dem oben verlinkten Thread nachlesen. So erfährt man zumindest mal, warum ich es interessant finde, sich mit Büchern und Filmen näher zu beschäftigen.

Noch mal OT:

Man kann »Rambo« auch als Vertreter der Hard-Body-Politics-Filme der 80er Jahre sehen, die in der Zeit nach Jimmy Carters Präsidentschaft in Mode kamen. Da steht der übergewichtige Sheriff für das verweichlichte und moralisch verkommene Amerika, dass die Opfer der Soldaten (im Vietnamkrieg) nicht zu würdigen weiß, und dessen Regierung, die die Leute schikaniert, während John Rambo für das harte, männliche, nach amerikanischen Werten wie Individualismus und Unabhängigkeit strebende Amerika steht, das sich nichts gefallen lässt und hart durchgreift. Eine Politik, die Ronald Reagan dann vertreten hat.

Auf eine Äußerung, dass solche Interpretationen Blödsinn seien, habe ich mich etwas ausführlicher zur Funktion der kulturwissenschaftlichen Beschäftigung mit solchen Filmen geäußert.

Eine Wertung bzgl. Pornografie ist das natürlich nicht.

Was Rambo angeht, da habe ich mich auf eine Theorie aus der Kulturwissenschaft bezogen, insbesondere auf das Buch »Hard Bodies« von Susan Jeffords. https://www.kirkusreviews.com/book-reviews/susan-jeffords/hard-bodies/
Diese Theorie muss man nicht teilen, aber ich finde sie ganz schlüssig. Um noch ein Beispiel zu bringen. »Stirb Langsam« wird von Jeffords auch zu diesen Filmen gezählt. Da ist der einfache, hart arbeitende amerikanische Cop, der einfach nur Weihnachten mit seiner Familie verbringen will, und plötzlich gegen eine Horde ausländischer Terroristen (Verbrecher) kämpfen muss. Und natürlich gelingt nur ihm dies (unter ganzen Körpereinsatz), während die unfähigen Regierungsbeamten des FBI alles nur noch schlimmer machen. Ein perfektes Beispiel für die less-goverment-Politik Reagons.

Wenn man solche Filme aus kulturwissenschaftlicher Perspektive betrachtet, versucht man, dies ohne Wertung des Films zu tun; ohne zu sagen, ob er gut oder schlecht sei. Es geht vielmehr darum, herauszustellen, welchen Einfluss aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen auf das Kino haben. In der Rückschau auf vergangene Jahrzehnte kann man diesen Einfluss deutlich erkennen. Z. B. den Erfolg von Torture-Porn-Filmen während des zweiten Irakkriegs. Da hat sich die Gewalt, die in dunklen Verhörverliesen stattfand, auch auf der Leinwand widergespiegelt.

Auch der weltweite Erfolg der Superheldenfilme (um mal wieder zum Thema zurückzukommen) steht für eine bestimmte Entwicklung. Die Globalisierung der Märkte und die Suche nach einfachen Lösungen in Zeiten unübersichtlicher und unlösbarer Konflikte. Die Superhelden entsprechen den mythischen Helden vieler Kulturen. Wenn Regierungen scheitern Lösungen für bedrohliche Lagen entwickeln zu können, dann müssen eben Superhelden her, und (mit Ausnahme von Captain America) kann sich weltweit ein Publikum mit ihnen identifizieren. Hollywood hat das erkannt. Deswegen werden z. b. auch speziell auf den chinesischen Markt zugeschnittene Fassungen erstellt.

Es hat seinen Grund, dass der erste Boom der Superheldencomics zur Zeit der Weltwirtschaftskrise stattgefunden hat. Der globalisierte Kinomarkt macht dies nun zu einem weltweiten Phänomen.

P. S. Das gilt nicht nur für Superheldenfilme. Auch bei »Avatar« z. B. muss sich ein Einzelner aus der Masse der Gesellschaft erheben, um diese zu retten.

Kulturwissenschaft läuft schon nach strengen Kriterien ab (oder sollte es zumindest). Da wird nicht einfach ins Blaue gedeutet, sondern durchaus auch mit empirischen Daten gearbeitet. Trends bestimmter Filmjahrgänge lassen sich durchaus statistisch erfassen. Ein Film alleine ist da wenig aussagekräftig. Erst wenn man eine relevante Datenmenge (sprich Anzahl an Filmen hat), kann man eine schlüssige Argumentation bzw. Theorie entwickeln.
Das mag auf den ersten Blick albern wirken und mag die Welt nicht zu einem besseren Ort machen, aber es kann dabei helfen, vergangene Epochen zu verstehen. Schaut man sich an, welche Filme im Dritten Reich gedreht wurden, welche verboten wurden usw. liefert das durchaus interessante Einblicke in diese Zeit.

Interessiert dich als normalen Filmgucker natürlich nicht die Bohne. Und es hat auch nichts mit der qualitativen Bewertung eines Films zu tun. Aber es ist doch mehr als Hokuspokus. Ich bin da eher bei Admiral Thrawn, der durch die Kunst seiner Gegner verstehen kann, wie sie handeln werden.

3 Gedanken zu “Phantastische Netzstreifzüge 36

  1. Ich habe die Diskussion verfolgt, aber nicht kommentiert, da ich aus technischen Gründen nur selten aktiv am Forum teilnehmen kann. Amtranik ist da m.E. auf einer sehr intoleranten und snobistischen Schiene unterwegs und es ist echt schade, dass er „gefällt mir nicht“ mit „taugt nicht“ gleichsetzt, und das nicht nur bei den Superheldenfilmen (nebenbei, Raimis Spider-Man gehört nicht zum ausgehenden Jahrtausend, da er erst 2002 in die Kinos kam). Kollege Muhr macht das durch seine ständigen persönlichen Angriffe allerdings auch nicht besser.

  2. »{…} viel besser und tiefergehend besprochen {…}«.
    Aaach, schnick-schnack, Du alter Charmeur!

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