Phase X 11 mit einer von mir übersetzten Kurzgeschichte

Auf Geborstene Kiefer gab es keine Sterne – dort, wo alles in fensterloser Dunkelheit lag; und wo sich ein schwaches gelbes Glühen an die Haut aller Gefangenen klammerte, ganz gleich welcher Farbe. Aber einmal in der Woche war es den Gefangenen – unter schwerer Bewachung durch San-Tay-Wärter – gestattet, das Deck der Gefängnisstation zu betreten. Bots klinkten sich an ihre Gesichter und Augen und zwangen sie, in die Dunkelheit zu starren – auf den Ereignishorizont des Schwarzen Loches, wo alles Licht in Spiralen nach innen strömte und verschwand, wo alles zu Bedeutungslosigkeit zermalmt wurde. Dort draußen befanden sich Körper – Gefangene, die man nach gescheiterten Fluchtversuchen in Raumanzüge gesteckt hatte und langsam auf einen Ort zutreiben ließ, an dem Zeit und Raum jegliche Bedeutung verloren. Wenn sie Glück hatten, waren sie bereits tot.
Von Zeit zu Zeit zuckte jemand zusammen, als die Bots ihn zurück ins Wachsein stachen; oder leises Stöhnen und Schreien von jenen erklang, die den Verstand verloren hatten. Geborstene Kiefer beugte und brach jeden; und die Gefangenen, die man zurück auf die Station der Glückseligkeit entließ, kehrten vermindert und gekrümmt zurück, fuhren jede Nacht weinend und aufgewühlt von der Erinnerung an das Schwarze Loch aus dem Schlaf hoch.

Das ist aus der Kurzgeschichte „Verstreut entlang des Himmelsflusses“ von Aliette de Bodard (eine Autorin, die man sich merken sollte). Die Geschichte mischt asiatische Einflüsse mit den Themen Revolution, Poesie und Familiengeschichte. Die Herausforderung bei der Übersetzung lag in den unterschiedlichen Erzählebenen, von denen eine im Präsens und eine in der Vergangenheitsform erzählt wird. Da musste ich immer höllisch aufpassen, dass ich im Präsens-Teil nicht wieder ins Präteritum verfalle. Es ist eine sehr schöne Geschichte, die moderne Technik mit Sprache, Poesie und Tradition verbindet. Eine der Gefangenen aus dem Abschnitt oben gelingt es auf besondere Weise mittels Sprache ihre Kontrollbots zu überwältigen.

Die Geschichte wird in der kommenden Ausgabe des Phanastikmagazins Phase X erscheinen.

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Hier noch der Ankündigungstext von der Seite des Atlantis Verlags:

Von Lothar Bauer stammt das Titelbild zur elften Ausgabe des Magazins “Phase X”, herausgegeben von Ulrich Blode. Die neue Ausgabe steht unter dem Motto “Astronomie”. Alle Beiträge liegen vor, wir planen das Erscheinen im Frühjahr. Die neue Ausgabe ist vorbestellbar. Wir gehen im Moment von ca. 150 Seiten Umfang aus, so dass der Preis vermutlich diesmal nicht wie bei den bisherigen Ausgaben bei 6,90 EUR liegen wird, sondern bei 8,90 EUR (alleine die Geschichte von Alastair Reynolds ist ca. 40 Seiten lang). Enthalten sind Geschichten von – wie gesagt – Alastair Reynolds, Kurd Laßwitz und Aliette de Bodard sowie Artikel und Berichte von beispielsweise Alastair Reynolds und Herbert W. Franke und über unter anderem H. P. Lovecraft und Jules Verne. Abgerundet wird auch diese Ausgabe durch viele Rezensionen.

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