Meine Lektüre: Oktober bis Dezember 2014 (2/2)

Aus den angekündigten Beiträgen zwischen den Jahren ist dann doch nicht geworden. Dafür habe ich das Faulenzen viel zu sehr genossen. Nachdem vier Wochen, in denen ich fast jeden Tag (auch an den Wochenden) übersetzt haben, viel es mir zunächst schwer, nichts zu tun. Aber dann fand ich Gefallen am gepflegten Faulenzen mit tollen Büchern und Netflix. Aus den angekündigten fünf Titeln, sind inzwischen acht geworden. Die letzten Bücher, die ich 2014 gelesen habe. Bei Armageddon Rock von George R. R. Martin bin ich jetzt auf Seite 244, werde das Buch aber in diesem Jahr nicht mehr schaffen. Angefangen habe ich im Dezember auch Die Magier von Montparnasse von Oliver Plaschka und The Riddlemaster of Hed von Patricia A. McKillip, bin auch schon zu Hälfte durch, aber dann kamen die Weihnachtsgeschenke dazwischen.

Zum Barker, Rymann und Korb wird es noch ausführliche Rezis geben. Aufgrund meiner momentanen Faulheit sind die Kurzkritiken hier etwas oberflächlich und knapp ausgefallen, und werden den Büchern sicher nicht ganz gerecht.

Clive Barker – Imajica

Das Buch habe ich mal im Alter von 16 Jahren gelesen und konnte mich nur noch an einige grobe Handlungsabläufe erinnern. Sehr fantasievoll, sehr ungewöhnlich (besonders zu Beginn der 90er Jahre), aber mit 1.100 Seiten etwas lang. Ich vermute mal, dass Barker damals einen Status hatte, der es im erlaubte, sich über jegliches (kürzende) Lektorat hinwegzusetzen.

Andrzej Sapkowski – Der letzte Wunsch

Die ersten Kurzgeschichten um den Hexer Geralt von Riva (der inzwischen vor allem durch die Computerspielreihe The Witcher) bekannt ist. Die mit einem feinen Humor durchzogenen Geschichten enthalten zahlreiche Anspielungen auf klassische Märchen und liefern originelle Fantasy abseits der üblichen generischen Dutzendware. Teilweise verknüpft Sapkowksi die Geschichten durch kleine Zwischenkapitel, eine durchgehende Handlung gibt es aber noch nicht. Mit der Zauberin Yennefer gibt es höchstens ein durchgehendes Motiv.

Geoff Rymann Pol Pots wunderschöne Tochter

Außergewöhnliche (meist phantastische) Kurzgeschichten, die sich größtenteils um das Thema Kambodscha drehen. Teils sehr abstrakt, teils aber auch in einem modernen Setting angelegt. Es konnten mich nicht alle Geschichten gleich überzeugen, die Mehrheit aber durchaus. Mehr dazu in meiner längeren Rezi.

Keigo HigashinoVerdächtige Geliebte

Großartiger japanischer Krimi, der sich um das Duell zwischen zwei genialen Köpfen dreht. Aufgepasst! Bis zum Schluss habe ich mich gefragt, was den so verdammt clever an diesem doch recht gewöhnlichen Kriminalfall sein soll. Das erfährt man dann bei der Auflösung auf den letzten Seiten. Insgesamt kommt der Roman angenehm ruhig daher, erinnert am ehesten noch an Columbo. Vom Titel sollte man sich nicht täuschen lassen, denn es kommt überhaupt keine Geliebte in der Geschichte vor. Da wollte man wohl Assoziationen zu Murakamis Gefährliche Geliebte wecken.

Markus K. Korb – Der Struwelpeter-Code

Abwechslungsreiche Sammlung von kurzen Horrorkurzgeschichten (Shocking Shorts) aus der Feder des aktuell amtierenden Meisters der Kurzgruselgeschichte. Wird noch eine ausführliche Rezi dazu geben.

Stephen King – Revival

King erzählt die Lebensgeschichte eines Süchtigen, dessen Begegnung mit einem jungen Pfarrer sein Leben für immer verändern wird. Eindrucksvolles Porträt eines suchtkranken Barmusikers, dessen Lebensweg sich immer wieder mit der elektrifizierenden Persönlichkeit des erwähnten Pfarrers kreuzt. Das Buch würde auch ohne die phantastischen Elemente (die eine Hommage an Lovecraft und Co. sind) ganz hervorragend funktionieren, die zum wirklich starken Teil über die Biografie der Hauptfigur etwas abfallen. Kings Stärke ist die Erschaffung glaubwürdiger und mitreißender Figuren und deren Familienleben.

Thomas Thiemeyer – Valhalla

Eine bisher unbekannte prähistorische Zivilisation, Hyperborea, Archäologie, größenwahnsinnige Naziwissenschaftler, ein tödliches Virus, eine Superwaffe – alles Zutaten ganz nach meinem Geschmack. Insgesamt ist das Buch auch recht spannend geraten und braucht sich nicht hinter den Werken von James Rollins, Steve Berry oder Matthew Reilly zu verstecken. Meine Erwartungen wurden allerdings ein wenig enttäuscht, denn durch die Hauptfigur Hannah Peters (Medusa, Nebra) dachte ich, die Archäologie würde im Vordergrund stehen. Leider bleibt das interessante Setting mit im Eis von Spitzbergen versunkenen Stadt einer unbekannten prähistorischen Zivilisation nur Kulisse für einen 08/15 Actionthriller mit bösen Russen und der Suche nach einer Superwaffe. Dabei beginnt das Buch so vielversprechend und kann direkt zu Beginn mit einer überraschenden Wendung aufweisen, wenn die archäologische Ausgrabung im Eis so ganz anders verläuft, als Hannah Peters es erwartet hat. Von da an rückt der archäologische Aspekt aber leider zu sehr in den Hintergrund und es folgt vorhersehbare Action, wie ich sie schon zigmal gelesen habe. Autor Thomas Thiemeyer nimmt teilweise auch eine sehr merkwürdige Gewichtung vor. So werden die wirklich interessanten Teile über Hyperborea usw. in wenigen Sätzen abgehandelt, aber eine Fahrt mit Schlittenhunden wird über mehrere Seiten bis ins kleinste Detail beschrieben. Mir scheint, er konnte einfach seine Begeisterung für Schlittenhunde nicht im Zaum halten. Wenn im zweiten Teil des Buches die drei neuen Teammitglieder vorgestellt werden, erhält jeder von ihnen ein eigenes längeres Kapitel, in dem er oder sie eingeführt werden. Alle drei Kapitel folgen direkte aufeinander und durchbrechen den Spannungsaufbau der Geschichte. Hannahs Freund – jetzt Archäologe, früher anscheinend Supersoldat – ist einfach zu perfekt. Jeder Schuss ein Treffer, alle gelingt ihm und er trägt sogar Cyankalikapseln bei sich! Die Figuren sind mir zu klischeehaft geraten. Und es gibt fünf unterschiedliche Figuren, die alle während des Romans mindestens einmal an James Bond denken müssen. Ein, zwei hätte ich ja noch verkraftete, aber so viele – da übertreibt es der Autor ein wenig mit den Filmanspielungen und überträgt seine eigenen Assoziationen zu sehr auf seine Figuren. Waren die ersten beiden Romane um Hannah Peters noch relativ bodenständig, macht sie in Valhalla eindeutig eine Entwicklung Richtung Lara Croft durch. Der Film Tomb Raider wird zu Beginn auch ausführlich erwähnt. Die Archäologie tritt in den Hintergrund und dient fortan nur noch als Kulisse für übertriebene aber insgesamt doch zu gewöhnliche und vorhersehbare Action.

Das liest sich jetzt wie ein harter Veriss, aber ich hatte immer noch Spaß mit dem Roman (vor allem im ersten Teil). Valhalla ist ein solider Actionroman, der vor allem an den in mir geweckten Erwartungen scheitert. Ich habe den Eindruck, dass dem Autor hier die Zeit gefehlt hat, den archäologischen Hintergrund besser auszuarbeiten. Vielleicht stand er unter Termindruck und wählte deshalb die schneller zu schreibende Actionvariante? Das ist aber nur Spekulation. Die meisten Leser scheint es nicht zu stören – im Internet finden sich fast nur positive Rezensionen.

Jeffery Deaver Das Todeszimmer

Der inzwischen zehnte Roman aus der Lincoln-Rhyme-Reihe, und noch machen sich keine Verschleißerscheinungen bemerkbar. Sicher, Deaves Markenzeichen der überraschenden Wendungen ist inzwischen vorhersehbar geworden, da es meist nach dem gleichen Schema abläuft. 80% der Geschichte über versorgt er den Leser mit peinlichst genaueren Details zum Fall, an entscheidenden Stellen lässt er aber Informationen weg, die dann zu den überraschenden Wendungen führen. Mann weiß meist, dass es eine Wendung gibt, und man weiß auch, an welcher Stelle sie kommt, aber in welche Richtung sie geht, damit kann Deaver immer noch überraschen. Wenn es auch in diesem Roman nicht so viele Knallerüberraschungen gibt, wie in früheren Werken, kann der Roman über eine Ermittlung gegen einen amerikanischen Geheimdienst, der unliebsame Kritiker ermorden lässt, trotzdem überzeugen und die Reihe unterhält immer noch auf hohem Niveau – anders als manch andere erfolgreichen Krimi/Thrillerreihen, die zu Karikaturen ihrer selbst verkommen sind.

3 Gedanken zu “Meine Lektüre: Oktober bis Dezember 2014 (2/2)

  1. An „Imagica“ bin ich dreimal gescheitert … hab es aber immer noch und warte auf eine Eingebung, dass es mir beim vierten Mal nicht zu langatmig erscheint. 😀

    Von Deaver hab ich bisher nur Kurzgeschichten gelesen, möchte aber eigentlich auch mal in die Romane reinschnuppern. Nur – es sind schon so viele …
    Hast du alle gelesen? Bauen die Romane aufeinander auf, oder kann man jeden einzeln und unabhängig von den anderen lesen?

    • Deavers Kurzgeschichtensammlung „Todesreigen“ finde ich großartigen. Hat ein paar richtig fiese Wendungen. Die Romane der Rhymes-Reihe sind von ihrer Handlung her immer abgeschlossen. Aber natürlich entwickeln sich die Figuren von Buch zu Buch. Man kann guten Gewissens jeden Band aus der Reihe außer der Reihe lesen. 😉 Ich empehle trotzdem, mit „Der Knochenjäger“ anzufangen. Da erfährt man, wie Lincoln Rhymes und Amilia Sachs sich kennengelenrt haben. In den ersten Reihen werden auch die Methoden zur Tatortuntersuchung noch auführlicher erklärt bzw. dargestellt.

  2. Pingback: Lesesplitter Mitte März 2017 | translate or die

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