30 Filme, die ich in den letzten Monaten gesehen habe

Interstellar – für mich das Kinoereignis des Jahres. Für genau solche Science Fiction wurde das Kino erfundenl, und für genau solche Filme lohnt es sich noch, ins Kino zu gehen. Ohne nutzloses 3-D-Gedöns, bildgewaltig, emotional mitreißend und mit einer gehörigen Portion Sense of Wonder.

Ruhet in Frieden – Detektivgeschichte der alten Schule, mit einem Lian Neeson, der ausmahmsweise mal nicht als unbesiegbarer Superkämpfer mit CIA-Vergangenheit austeilt, sondern auf die altmodische Art ermittelt. Solider Krimifilm.

The Equalizer – Denzel Washington als unbesiegbarer Superkämpfer mit CIA-Vergangenheit, der in bester Heimwerkkönigmanier gegen die bösen Schurken austeilt, um die gefallen Hure (the whore with the golden heart) zu retten.

Stimme des Herzens – Wunderbarer Ghibli-Film über ein junges, aufgewecktes Mädchen, dass die erste Liebe erlebt und die erste Liebe zum Geschichtenerzählen. In diesem, eigentlich von Phantastik freiem, Film, erfährt man allerdings, was es mit dem Baron aus Königreich der Katzen auf sich hat.

Tränen der Erinnerung – Noch einmal Ghibli. Ein japanischer Anime, in dem ungarische Bauernmusik gespielt wird, hat bei mir direkt ein Stein im Brett. Ein ebenfalls wunderbarer Film über eine junge Frau aus der Stadt, die Urlaub auf dem Land macht und in Kindheitserinnerungen schwelgt. Viel passiert in dem Film nicht, aber dass muss es auch nicht. Poetisch ruhiger Film über das Wesen der einfachen Dinge.

Under the Skin – Eigentlich stehe ich ja auf so arthousige »Kunstkacke« mit wenigen Dialogen und kunstvoll surrealistischen Aufnahmen, aber den Film musste ich nach einer Stunde abbrechen, weil er mir tierisch auf die Nerven ging und stinklangweilig war. Und es kommt nur alle paar Jahre vor, dass ich einen Film abbreche (vor allem, wenn ich für ihn bezahlt habe). Ich weiß aber auch, dass er vielen Filmliebhabern gefallen hat, weil er so gegen die Konventionen inszeniert ist.

47 Ronin – Ich stehe total auf japanische Samuraifilme (auch jene mit phantastischen Elementen) und ich mag Keanu Reeves sehr, aber dieser Film ist wie ein Autounfall, bei dem man einfach nicht wegsehen kann, obwohl man weiß, dass es nur schlimmer wird. Simpel gestrickte Rachestory mit Samurais und Dämonen, der aber ein roter Faden, eine ordentliche Erzählstimme und auch sonst Vieles fehlt.

The Woman – Vermeintlich zivilisierter Familienvater will im neuen Familienprojekt einer im Wald eingefangene Kannibalin! Manieren beibringen, in dem er sie unter anderem vergewaltigt und vom soziopathischen Sohn Foltern lässt. Dass dies ein blutiges Ende nehmen wird, ist absehbar, aber ansonsten verzichtet der Film weitestgehend auf Dramaturgie. Ist nicht schlecht, aber hat mich auch nicht vom Hocker gerissen. Die Stärke des Films ist die Charakterisierung der Tochter, die das alles fassungslos und hilflos miterleben muss. Nach einer Vorlage von Jack Ketchum und quasi die Fortsetzung von „Offspring“.

Infection – Fast meditativer Infektionshorrorfilm aus Japan, der an einem Abend in einem heruntergekommenen (unheimlichen) Krankenhaus spielt, auf dem sich eine eklige Seuche ausbreitet. Ruhig inszeniert, wenig Budget, aber gute Darsteller und interessante Erzählstruktur, bedrückender Atmosphäre und mit unerwartetem Ende.

Her – Ein Mann verliebt sich in ein Computerprogramm, genauer gesagt, in ein Operation System, das per Knopf im Ohr ständig mit ihm in Verbindung steht. Wer kann es ihm verdenken, da es immerhin mit der Stimme von Scarlett Johannson spricht. Ruhig inszeniertes Beziehungsdrama von Spike Jonze, über unser mögliches zukünftiges Sozialleben. Kann ich nur empfehlen. Starke Nebendarstellerinnen.

Nightbreed Director’s Cut – Alternative Schnittfassung des Klassikers von Clive Barker. So sehr wie angekündigt unterscheidet sich der DC jetzt nicht vom Original, ist aber trotzdem sehr sehenswert. Phantasievolle Parabel über vermeintliche Normen und die Angst vor dem Fremden und Andersartigen (Pegida ick hör‘ dir trapsen).

Flight – Erstklassiges Trinkerdrama um einen Piloten, der unter Koks und Alkohol eine eigentlich unmögliche Heldentat vollbringt, damit viele Leben rettet und als Belohnung dafür in den Knast soll. Denzel Washington in Hochform.

Wolf of Wallstreet – Dreistündiger Partyfilm von Martin Scoresese, in dem es neben den zahlreichen Exzessen auch ein wenig um unmoralisches Verhalten an der Wall Street geht. Der heimliche Star des Films ist Jonah Hill, mit einer wahrlich göttlichen Darbietung.

The Maschine – Low Budget SF-Thriller über künstliche Intelligenz, der Schick aussieht, einen guten futuristischen 80er Jahre Soundtrack hat, zwar thematisch nicht viel Neues bietet, aber trotzdem gefällt.

New World – Koreanisches Gangsterdrama um Intrigen und einen Undercoverbeamten in der Zwickmühle. Nicht schlecht, kommt mir aber emotional etwas zu unterkühlt daher. Es fehlt die Bindung zu den Figuren und kann nicht an Infernal Affairs heranreichen.

Jack Reacher – Gut gefilmte Umsetzung der Buchreihe von Lee Child, mit einem gut aufgelegten Tom Cruise (auch wenn der nicht im entferntesten an den Reacher aus den Büchern erinner) und einem fingerfertigen Wolfgang Herzog. Nette Action für zwischendurch.

American Muscle – Dreckiger kleiner Rachethriller über den Badest Motherfucker of the Cell Block, der sich nach 10 Jahren im Knast an seinen Komplizen rächt. Mit kaum Budget in bester Grindhouse-Tradition gefilmt. Den Bechdeltest würde der Film nicht bestehen. Die Frauen, die der „Held“ trifft, lassen sich entweder bereitwillig von ihm vögeln, oder nicht so ganz bereitwillig erschießen. Der eigentlich strunzdumme Film macht dank des Hauptdarstellers und seiner konsequenten Härte trotzdem Spaß.

Young Detective Dee: Rise of the Dragon – kann leider nicht an den ersten Film der Reihe heranreichen. Dafür ist die Story zu zerfahren und konfus. Auch die Kämpfe sind nicht so gut und spannend inszeniert. Trotzdem immer noch ein sehenswerter asiatischer Fantasy-Wuxia-Film.

Galaxie des Schreckens – Netter Alien-Ripp-Off, der vor allem durch das stimmungsvolle Set-Design James Camerons überzeugt. Und die Story ist originell genug, um keine bloßer Abklatsch zu sein. Dazu gibt es Sid Haig und Robert Englund in einem Film und einen klassischen Pornobalken-Held der 80er Jahre.

Dredd – Konsequent harte und brutale Umsetzung des Comics, in der Judge Dredd (Karl Urban) nicht einmal seinen Helm absetzt. Unterhaltsamer und erstklassig gefilmter Actionkracher.

World War Z – Bis zum letzten Drittel eindrucksvoll gefilmter Zombie-Katastrophenfilm, der aber in jenem letzten Drittel jegliche Spannung verliert und plötzlich reichlich unspektakulär daher kommt.

Arachnophobia – Bester Spinnenhorror, der je gedreht wurde, und mich heute noch mehr gruselt, als fast alle anderen Horrorfilme, dabei nimmt sich der Film selbst nicht zu ernst und kommt dank John Goodman stellenweise sehr humorvoll daher.

Witching and Bitching – Netter Hexenhorrorslapstickspaß, der mit einem eindrucksvollen Banküberfall beginnt, sich zunehmende zu einem Gruselstreifen wandelt und im bewusst völlig übertriebenen Finale alle Hemmungen fallen lässt. Spaßig abgedrehter Horror aus Spanien, der sich schon allein wegen Carolina Bang lohnt.

Nymphomaniac 1 u. 2 – Deprimierendes aber auch eindrucksvoll inszeniertes Psychogramm einer sexuell gestörten Persönlichkeit. Gleichzeitig aber auch (vor allem durch Christian Slater) auch ein einfühlsames Familiendrama.

Frances Ha – Wunderbar lebensfreudiges Independent-Drama mit einer bezaubernden Greta Gerwig. Eine jener Filmperlen, die es immer seltener ins Kino schaffen.

The Lincoln Lawyer – Spannender Anwaltsthriller um einen windigen Rechtsverdreher, der böse aufs Glatteis geführt wird und all seine Raffinesse einsetzen muss, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Basiert, anders als ich zunächst dachte, nicht auf einem Buch von John Grisham, sondern auf einer Vorlage von Michael Connelly (dessen Harry-Bosch-Reihe mir sehr gut gefällt).

Tamara Drew – solide Beziehungskomödie von Stephen Frears, die sich um einen Rückzugsort von Schriftstellern und eine hübsche Frau dreht, die wiederum allen den Kopf verdreht. Nicht ganz so witzig wie erwartet und etwas merkwürdigem Ende, aber dafür mit einer bezaubernden Gemma Atterton und Tamsin Graig (Black Books).

Little Deaths – Episodenfilm der versucht die Themen Sex und Horror zu verbinden, dabei aber kläglich versagt.

Book of Blood – Umsetzung zweier Kurzgeschichten von Clive Barker, die einen ganz netten Spukhausfilm abgibt, aber im Vergleich zu den Filmen, die der Meister selbst inszeniert hat nur verlieren kann. Könnte etwas mehr Tempo und Schrecken gebrauchen.

Ein Gedanke zu “30 Filme, die ich in den letzten Monaten gesehen habe

  1. Davon kenne ich die meisten gar nicht … ich bin nicht mehr auf dem Laufenden, fürchte ich.

    „Arachnophobia“ und „Nightbreed“ kann ich immer wieder anschauen. „Wolf of Wallstreet“ fand ich beeindruckend, ziemlich abgefahren. „Flight“ hab ich kürzlich im TV geguckt und fand ihn ebenfalls beeindruckend, wenn auch etwas zu lang. „Book of Blood“ ganz nett. „47 Ronin“ tu ich mir nicht an.

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